39.3 Als Medien des Beschreibens, die in der Kommunikation verwendet werden können, sind alle Codesysteme verwendbar, die der Wahrnehmung unterschiedlicher Beobachter zugänglich sind.

Kommunikation bedarf stets des Mediums, das Beobachter und beobachtetes Ereignis oder Objekt miteinander verbindet. Um diese Wirkung erzielen zu können, muss eine Nachricht von dem jeweiligen Ereignis oder Objekt in einer Weise transformiert werden, dass sie für den Beobachter Relevanz gewinnt, d.h. wahrnehmbar wird. Dieser Prozess kann als Codierung bezeichnet werden. Jedes Medium, so kann formuliert werden, codiert die kommunizierte Nachricht oder Botschaft oder Wahrnehmung (was immer kommuniziert werden mag).

 

Literatur:

„Dies – die Tatsache des Unterschieds zwischen Wirkung und Ursache, wenn beide in einem hinreichend flexiblen System verkörpert sind – ist die primäre Prämisse dessen, was wir Transformation oder Codierung nennen können.“

Bateson, Gregory (1979): Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Frankfurt (Suhrkamp) 1982, S. 138.




8 Gedanken zu “39.3 Als Medien des Beschreibens, die in der Kommunikation verwendet werden können, sind alle Codesysteme verwendbar, die der Wahrnehmung unterschiedlicher Beobachter zugänglich sind.”

  1. Die „vollständige Transformation der Welt in eine Welt, die mehr eine von Mitteln ist als von Zwecken“, beklagte Max Horkheimer 1947 in seiner „Kritik der instrumentellen Vernunft“. Und wirklich: „Die Heuchelei“, dass nämlich die Welt, wie sie ist, einen Sinn, ja noch auch nur einen Zweck habe, „ist zynisch geworden; sie erwartet nicht einmal mehr, geglaubt zu werden.“ Denn: „Der grenzenlose Imperialismus des Menschen ist niemals befriedigt.“
    Beispiel aus unserem Alltag: Die in heftiger Transformation befindliche Werte- und Weltordnung des Automobils offenbart sich im SUV als Zynismus auf Rädern.

  2. Dann wäre für Bateson distinction die Ursache und Wirkung die indication ?

    Und der Beobachter entscheidet wann er/sie etwas als Code liest.
    Der SUV mag als Code gelesen werden, als kommunizierbare indication.
    Der SUV kann auch als distinction verstanden werden, als Automobil mit differenten Eigenschaften.

    Oder eben eine Doppelfunktion haben, distinction und indication .., je nach Beobachterperspektive, sachliche und soziale Kommunikation.

    Und eine Mutter, die es vorzieht, wenn sie es denn kann, ihre Kinder im SUV zu kutschieren würde ich nicht als zynisch bezeichenen .. sondern, auch, als vernünftig.

  3. Das ist ja seit Kindertagen so, dass Unterschiede als Codes erlebt werden,
    auch wenn sie zunächst vielleicht nur auf der Sachebene entstanden sind.

    „Der/ die macht das nur um anzugeben, aufzufallen etc.“

    D.h. der Beobachter entscheidet über die Bedeutung, den Sinn der Codierung..

  4. @2: Die Begriffe Ursache und Wirkung passen eigentlich nicht, da zwischen beiden keine deterministische Beziehung besteht. Bateson nutzt die Begriffe metaphorisch, weil er in seiner Argumentation den Unterschied zu einem geradlinig-kausalen Modell verdeutlichen will. Aber, ja, es geht um Regeln der Transformation von distinction zu indication, was immer auch nach einer anderen Regel erfolgen könnte.

  5. logisch,
    das, was den Unterschied macht,
    macht anschließend auch den Unterschied

    dazu braucht man aber nicht gleich
    alle Socken auf links zu drehen …

  6. Dazu auch: „Die feinen Unterschiede“ des französischen Soziologen Pierre Bourdieu (1930–2002). Untertitel „Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft“. Im französischen Original: „La distinction. Critique sociale du jugement“ (1979).
    Bourdieu beginnt mit einer Analyse des Kunstgeschmacks und weitet sie auf den gesamten Lebensstil einschließlich religiöser und politischer Vorstellungen aus („Habitus“ in Anlehnung an Norbert Elias). Diesen Habitus führt er, gestützt auf intensive empirische Untersuchungen, auf die soziale Position der jeweiligen Menschen zurück, die er mit seinem Kapitalmodell definiert (ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital).
    Dabei unterscheidet Bourdieu drei Dimensionen des Geschmacks:
    die Dimension des legitimen Geschmacks,
    die Dimension des mittleren Geschmacks,
    die Dimension des populären Geschmacks.
    Die Unterschiede dieser drei Dimensionen erläutert Bourdieu unter anderem am Beispiel der kulturellen Praxis des Musikhörens. Das Kulturelle ist demzufolge nichts Autonomes oder Spontanes, sondern immer Ergebnis der jeweiligen Sozialisation, wie Bourdieu anhand zahlreicher Alltagshandlungen belegt. Unter anderem geht er auch auf spezifische Verhaltensweisen und Geschmacksrichtungen in den Bereichen Essen und Trinken, Kleidungsstil oder Wohnungseinrichtung ein. Durch die Etablierung von Geschmacksrichtungen erfolge eine Stabilisierung sowie Manifestierung sozialer Unterschiede in einer Gesellschaft. Die verschiedenen „Geschmacksklassen“ reproduzieren sich demnach auch selbst.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Die_feinen_Unterschiede

  7. meine Assoziation:
    distinction ist eine „Leistung“, besser vielleicht ein Geschehen, oder eine Aktivität eines Beobachters, das kann ein biologischer oder auch technischer, oder was auch immer, Beobachter sein, der Unterschiede wahrnimmt/ kreiert.

    distinction ist ein interner Prozess in einem Beobachter oder auch mehreren, der Beobachtet ist jetzt intern unterschieden, sein jetzt gegenwärtiger Zustand ist unterschieden
    von seinem Zustand vor der distinction.

    indication ist die Beschreibung dieses neuen Zustandes.

    Tricki ist, dass jetzt zur Beschreibung
    der Phänomenbereich gewechselt werden muss,
    (es sei denn wir „entern“ das System und beobachten „intern“ was passiert,
    z.B. schreiben wir ein EKG, machen eine Blutuntersuchung)

    Bleiben wir außerhalb des Systems benötigen wir die indication des Beobachters, ein Medium zur Kommunikation.
    Und das Medium beschreibt, weist auf die distinction hin, ist phänomenologisch jedoch unterschieden.

    indication können Worte sein, Bilder, Töne, sichtbares Verhalten.
    Und das soziale Umfeld entscheidet über den Sinn, die Bedeutung von indication.

    „was dem inen sin Uhl ist dem annern sin Nachtigall“

    Und das ist nur die Sachdimension,
    die Sozialdimension kommt dazu,
    ist damit verknüpft.

    Deshalb sind Definitionen von indications nützlich, und „Formen“ ist auf diese Weise nützlich,
    vorausgesetzt man lässt sich auf diese Definitionen, zumindest versuchsweise, ein und probiert aus, ob so die babylonischr Sprachverwirrung eingehegt werden kann.

    Das Statements wie „Formen“ gerne auch für archaische Rangkämpfe genutzt werden führt nicht weiter,
    es geht um Nutzen.

    Es ist wie im Urwald bei den Sapolsky Affen
    die einen sind mit Rangkämpfen beschäftigt, die anderen gehen auf Futtersuche.

    Mag sein , dass beides sinnvoll ist …

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