4.1 Die Einheit aus Innen- und Außenseite des Unterscheidens soll Form genannt werden.

Diese Definition weicht vom alltäglichen Sprachgebrauch ab, bei dem Form meist als Eigenschaft einem beobachteten Gegenstand (z.B. einem Keks) als Merkmal zugeschrieben wird. Bei solch einem, die Vorannahmen des alltäglichen Denkens dann prägenden Sprachgebrauch wird vom Kontext (z.B. dem ausgewalzten Mürbeteig) abstrahiert, in dem der jeweilige Gegenstand (der nicht aus Materie gebildet sein muss – auch Ideen können ähnliche Eigenschafen wie Teig zeigen) beobachtet wird. Die Form eines Autos, das in eine Schrottpresse gerät, die relativ kleine Alteisenpakete auswirft, zeigt, wie sehr gutes Design vom Kontext abhängig ist und wie einstmals große Unterschiede der Form durch Wechsel des Kontextes egalisiert werden können.

Die hier verwendete, von George Spentcer-Brown eingeführte Definition von Form entspricht weitgehend dem von der kognitiven Linguistik als „Container“-Metapher bezeichneten, intuitivem Konzept, das auch in der Mathematik aufgenommen wurde (nicht verwunderlich, da Spencer-Brown zu seiner Definition auch als Mathematiker gelangt ist). Dabei entspricht der „Container“ – wie der Anwendung in Mathematik und Logik – einer logischen Klasse.

 

Literatur:

„Call the space cloven by any distinction, together with the entire content of the space, the form of distinction.

Call the form of the first distinction the form.“Spencer-Brown, George (1969): Laws of Form. New York (E. P. Dutton) 1979, S. 4.

„The intuitive premathematical notion of classes is conceptualized in terms of Container schemas. In other words, a class of entities is conceptualized in terms of a bounded region of space, with all members of the class inside the bounded region and nonmembers outside the bounded region. From a cognitive perspective, intuitive classes are thus metaphorical conceptual containers, characterized cognitively by a metaphorical mapping: a grounding metaphor, the Classes Are Containers metaphor.“

Lakoff, George, Rafael E. Núnez (2000): Wher Mathematics Comes From. New York (Basic Books), S. 122.




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