7 Gedanken zu “4.3

  1. @1: ein wunderbar ästhetisches Foto, als Architekturaufnahme, speziell auch durch die Überlagerung im komplexem Licht-und Schattenspiel.
    Allerdings entstehen aus dieser -quasi vollständigen- Statik von selbst keine komplexen Formen. So scheint es zumindest, in dieser Objekte fixierenden Momentaufnahme.
    Mit der Folge, daß eine solche visualisierende Beschreibung nicht den Kern der Aussage (@4.3) trifft und sogar irreführend sein, für einen oberflächlichen Beobachter 1. Ordnung.
    Der Witz des Formenbegriffs bei GSB liegt ja gerade in der Dynamik, die sich nur dadurch ergibt, daß der Beobachter mit einbezogen wird, in den mathematisch taxierenden Iterativprozeß.

  2. @2: Herzlichen Dank für das Kompliment und die Erklärungen zu 4.3!
    Was mich besonders anspricht, ist der Ausdruck „fixierenden Momentaufnahme“, also Statik meint.

    „Der Witz des Formenbegriffs bei GSB liegt ja gerade in der Dynamik, die sich nur dadurch ergibt, daß der Beobachter mit einbezogen wird, in den mathematisch taxierenden Iterativprozeß.“

    C.F. von Weizsäcker hat mal gesagt: „Kunst ist die Wahrnehmung von Gestalten durch die Schaffung von Gestalten.“

    Diese Aussage Weizsäckers hat m.E. sehr viel mit dem von Ihnen Gesagten zu tun.

  3. @2 Danke zurück!
    Ja, das denke ich auch, vor allem im Zusammenhang mit den Gesprächen rund um die Atomphysik.
    Seit Jahren beschäftigen mich diese beiden Sätze von Heisenberg:
    „Wissenschaft wird von Menschen gemacht. Dieser an sich selbst verständliche Sachverhalt gerät leicht in Vergessenheit, und es mag zur Verringerung der oft beklagten Kluft zwischen den beiden Kulturen der geisteswissenschaftlich-künstlerischen und der technisch-naturwissenschaftlichen beitragen, wenn man ihn wieder ins Gedächtnis zurückruft.“
    ISB N 3-492-22297-8

    … und auf dieser Basis kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln, wie wenig Geisteswissenschaftler von der Kunst der Photographie verstehen bzw. verstanden haben.
    In welcher geisteswissenschaftlichen Uni-Bibliothek findet sich denn noch o.g. Werk bzw. Musil’s Dr.-Arbeit?
    Anders gefragt, wann verirren sich Naturwissenschaftler schon einmal in rein geisteswissenschaftlich basierten Periodika?
    Es bleibt offenbar Beides doch eher rar…

  4. @Jürgen:
    Sofern Sie weitere Fotos zur Visualisierung vielfältiger komplexer Prozesse suchen und dies in Form fixierter und fixierender Momentaufnahmen, die auch der Dynamik zeitlicher Abläufe Rechnung trägt und ihre je eigene und nicht nur rein positive, landläufig gefällige Geschichte erzählen,
    hier etwas zum Genießen
    http://pixxelcult.com/serien.html

    Wunderschön an dieser Sammlung finde ich,
    man erkennt auch unmittelbar die Ästhetik des künstlerischen Blicks, sofern man sich vertiefend darauf einläßt.
    Diese den Betrachter herausfordernde Voreinstimmung allerdings erscheint mir ganz wesentlich, wenn sich die Photographie als Kunstform gegenüber der mittlerweile fast alles erschlagenden trivialisierenden Selfie-Knipswut und sonstigen Visualierungszwängen behaupten will.

  5. @deaXmac:
    Ja, wirklich eine großartige Sammlung künstlerischer Fotografie. Viele der Fotos „erreichen“ mich auf den ersten Wahrnehmungs-Blick. Danke!
    (Ästhetische) Voreinstimmung, Präsenz, Freiheit sowie Kairos in der Umsetzung im fotografischen Schaffen erscheinen mir wichtige Prozessqualitäten zu sein.

  6. Ja, wer den Zugang dazu hat, der bleibt auch nicht an oberflächlicher Gefälligkeit kleben,
    sondern erkennt auch unmittelbar – gemäß dem Benn’schen Diktum – den Unterschied zwischen Kunst und … „gut gemeint“.
    Wohl wissend, wieviel an unentfremdeter Arbeit aus Leidenschaft dahinter steckt.

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