40.2.1 Implizite Prämisse: Der Status quo (= statisch erscheinende Phänomene) bedarf der Erklärung, das heißt, er ist stets das Resultat einer (zirkulär organisierten) Dynamik, die ihn hervorbringt und erhält.

Hier schließen Theorien lebender Systeme wieder an die Philosophie der Vorsokratiker an. Es gibt nichts Statisches in der Welt, auch wenn es dem Beobachter so erscheint. Das liegt aber nicht so sehr an der Genese der jeweiligen Phänomene, sondern an den Methoden des Beobachters.

Kinder, um ein alltägliches Beispiel zu wählen, wachsen. Aber die Eltern und die Kinder selbst merken den Unterschied nicht, weil er sich nicht durch von Beobachtungszeitpunkt zu Beobachtungszeitpunkt feststellbare Unterschiede bemerkbar macht. Die Tante, die nur alle halben Jahre zu Besuch kommt, wundert sich hingegen: „Kind, was bist du gewachsen!“

Beim Erwachsenen Organismus hingegen, ist – wenn er sich einigermaßen hält – auch nach einem halben Jahr keine so riesige Änderung festzustellen. Auf jeden Fall wundern sich nur die wenigsten Menschen, wenn sie sich morgens im Spiegel sehen, dass sie noch so ähnlich aussehen wie am Abend („Kenn ich nicht, wasch ich nicht!“ – wäre die Alternative). Aber diese scheinbare Konstanz der körperlichen Struktur ist erklärungsbedürftig. Und er läßt sich dadurch erklären, dass die zirkulären internen Prozesse des Körpers (Stoffwechsel) nicht nur die durch ihn gebildete Innen-außen-Unterscheidung aufrechterhalten, sondern auch seine Struktur, die sich u. a. in der scheinbar statischen, äußeren Gestalt zeigt.

Die aktive Herstellung und Aufrechterhaltung von Grenzen ist im Prinzip für alle zusammengesetzten Einheiten (= Systemen) von zentraler Bedeutung (s. unten) – auch wenn dies bei lebenden und Leben voraussetzenden Systemen noch einmal in besonderer Weise erfolgt (als Autopoiese).

 

Literatur:

„Any system, an an entity which can be investigated in its own right, must have boudaries, either spatial or dynamic. Strictly speaktin, spatial boudaries exist only in naive observation, and all boundaries are ultimately dynamic. One cannot exactly draw the boundaries of an atom (with valences sticking our, as it were, to attract other atoms); or of a stone (an aggregate of molecules and atoms whisch mostly consists of empty space, with particles at planetary-like distances); or of an organism (continually exchanging matter with its environment).

In psychology, the most important is the ego boudary, the distinction between self and external world, subject and abjects.  This distinction – with the subsidary categories of space, tiem, number, causality, etc. – ist slowly established in evolution and appears gradually in child development.“

Bertalanffy, Ludwig von (1981): A Systems View of Man. Boulder/Co. (Westview Press), S. 119.




Ein Gedanke zu „40.2.1 Implizite Prämisse: Der Status quo (= statisch erscheinende Phänomene) bedarf der Erklärung, das heißt, er ist stets das Resultat einer (zirkulär organisierten) Dynamik, die ihn hervorbringt und erhält.“

  1. @“Auf jeden Fall wundern sich nur die wenigsten Menschen, wenn sie sich morgens im Spiegel sehen, dass sie noch so ähnlich aussehen wie am Abend („Kenn ich nicht, wasch ich nicht!“ – wäre die Alternative).“

    Letzte Nacht schwer gefeiert. Heute morgen ein Blick in den Spiegel: Wenn ich beim nächsten Casting für „Körperwelten“ mitmache, kriege ich dreimal „Ja“ von der Jury und komme in den Recall.

Schreibe einen Kommentar