40.5 Kontingenz: Eine determinierende Regelhaftigkeit des Auftretens von Ereignissen, Ereignisfolgen und Zuständen ist für den Beobachter nicht erkennbar, d.h. sie sind für ihn nicht berechenbar oder vorhersehbar und könnten immer auch anders sein – d.h. sie sind weder notwendig, noch unmöglich.

Wieder ein Begriff, der  aus dem Lateinischen stammt: „kontingent“ (cum = zusammen, tangere = berühren). In der Luhmannschen Soziologie hat er eine zentrale Bedeutung, allerdings im Sinne der „doppelten Kontingenz“ (s. oben), d.h. dass für zwei Beobachter die sich gegenseitig beobachten, das Verhalten des anderen jeweils kontingent erscheint.

 

Literatur:

„Der Begriff wird gewonnen durch Ausschließung von Notwendigkeit und Unmöglichkeit. Kontingent ist etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet mithin Gegebenes(Erfahrenes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen. Er setzt die gegebene Welt voraus, bezeichnet also nicht das Mögliche überhaupt, sondern das, was von der Realität aus gesehen anders möglich ist.“

Luhmann, N. (1984): Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie.
Frankfurt (Suhrkamp), S. 152.




9 Gedanken zu „40.5 Kontingenz: Eine determinierende Regelhaftigkeit des Auftretens von Ereignissen, Ereignisfolgen und Zuständen ist für den Beobachter nicht erkennbar, d.h. sie sind für ihn nicht berechenbar oder vorhersehbar und könnten immer auch anders sein – d.h. sie sind weder notwendig, noch unmöglich.“

  1. ach Gott, schon wieder diese Erläuterungen –
    „kontingent“ (cum = zusammen, tangere = berühren), wie der Lateiner sagt:

    Darf‘ s denn vll. noch ein bißchen altsprachlicher sein?

    „Ja, unser Geist betet das Schöne an; wir lieben es mit Selbstverständlichkeit. Mit Einfachheit. Wir lieben das schöne Leben, in dem Armut aus der Trägheit kommt. Das ist nicht das Leben eines Einsiedlers, sondern eines Parasiten. Das ist nicht unseres Geistes. Unsere Art ist: zu handeln. Unseres Geistes ist: zu wagen. Gefahr und Genuß – wer um diese beiden Dinge weiß und sie klar sieht, der weiß, was leben heißt!“

    Perikles‘ Rede auf die Gefallenen (Auszug)
    aus
    „Rosen für Apoll, Die Geschichte der Griechen“
    von J. Fernau
    Ullstein TB, 13. Aufl., S. 256 ff

  2. Ich denke dabei an das Fußballspiel, dessen konstituierende Konstante die Kontingenz ist – meisterhaft ausgedrückt in Sepp Herbergers philosophischer Weisheit „Der Ball ist rund“.
    Deswegen sagte Apostel Matthäus: „I hope, we have a little bit lucky.“ Doch wenn die anderen ein little bit more lucky hatten, gilt der Trost von Jürgen Klopp (die er nach einer Niederlage gegen ManU von sich gab): „It’s not a wish concert“.
    Doch das haben FBS and friends bereits 2009 im Carl Auer Verlag viel systemischer beschrieben: „Vor dem Spiel ist nach dem Spiel: Systemische Aspekte des Fußballs“.

  3. @Ball
    „Die Kugel hat ihr Eigenleben: Der eine Ball ist dumpf, der andere hat Musike in sich. Darum symbolisiert der Fußball eine Beständigkeit in der Unbeständigkeit. Er ist ein Symbol für den wunderbaren Zufall, den der Mensch zu beherrschen sucht.“ (Trainer Dettmar Cramer)

    Eigenleben = Autopoiesis/Autopoiese?

  4. Lässt sich das FußBallSpiel (kurz: FBS) als System betrachten? Was wäre dessen Umwelt? Gehören die Spieler zum System (anders als beim Schachspiel)?

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