41.1.2 Durch Affekte selektiertes Verhalten sorgt aktuell entweder für Annäherung oder Distanzierung zum jeweiligen Interaktionspartner und langfristig für entweder Steigerung oder Senkung der Wahrscheinlichkeit einer künftigen gemeinsamen Interaktionsgeschichte (= Bildung oder Auflösung eines sozialen Systems).

So kann das „Sich-Hingezogen“-Fühlen zu einem anderen Menschen zur Bindung an ihn und den Beginn einer „wunderbaren Freundschaft“ bis hin zur Liebesbeziehung und Lebensgemeinschaft führen, und das „Sich-Abgestoßen“-Fühlen bis hin zum Hass den Abbruch der Kommunikation oder das Ende einer Freundschaft und einer möglichen gemeinsamen Zukunft zur Folge haben.

Aber Gefühle definieren auch Beziehungen im Sinne asymmetrischer Oben-unten-Unterscheidung, genauer gesagt: Die gezeigten Gefühle können als „Einladung“ zu einer bestimmten Art von Beziehung verstanden werden – denn einseitig lassen sich zwischenmenschliche Beziehungen nicht definieren, d.h. die Beteiligten müssen sich einigermaßen einig sein, wer z.B. „oben“ ist und wer „unten“. Andernfalls kommt es zum Konflikt (s. Sätze 45ff. und 67ff.).

 

Literatur:

[Zu Verachtung:] „Gemeint ist damit das Gefühl, besser zu sein als der andere, ihm überlegen, und zwar in der Regel moralisch überlegen zu sein. Dieses Gefühl tritt aber manchmal auch jemandem gegenüber zutage, der weniger intelligent ist, körperlich schwächer oder dergleichen. Es kann gelegentlich ein rech erhebendes Gefühl sein.“

Ekman, Paul (2003): Gefühle lesen. Wie Sie Emotionen erkennen und richtig interpretieren. Heidlberg (Spektrum) 2007, S 82.




Ein Gedanke zu „41.1.2 Durch Affekte selektiertes Verhalten sorgt aktuell entweder für Annäherung oder Distanzierung zum jeweiligen Interaktionspartner und langfristig für entweder Steigerung oder Senkung der Wahrscheinlichkeit einer künftigen gemeinsamen Interaktionsgeschichte (= Bildung oder Auflösung eines sozialen Systems).“

  1. Verachtung empfand Kurt Tucholsky 1927 für die „unsittliche Wirtschaftsform“, die ihn derart anekelte, dass er, mit Blick auf die Richter, die sie verteidigen, „nieder mit ihnen“ rief und von „Schande“ sprach und „dem wichtigsten Ziel […], das einen anständigen Menschen anfeuern kann: Recht für die Rechtlosen“.

    Doch Verachtung hilft nicht viel. Wer Politiker verachtet, die die Demokratie zerstören, indem sie „das Volk“ spalten und für „Weimarer Verhältnisse“ von politischem Chaos und rhetorischer Gewalt sorgen, hat sich dieser nicht entledigt, sondern erhebt sich zwar über sie, aber lässt sie gewähren. Affekte sind in der Politik lediglich zu Propagandazwecken zu gebrauchen.

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