41.1.4 Die in Affekten implizierten Dimensionen des (binären) Unterscheidens sind aktiv vs. passiv, stark vs. schwach, gut vs. schlecht (= semantische Dimensionen).

Der Psycholinguist Charles Osgood hat in zwanzig Sprachen mit Hilfe der von ihm und seinen Mitarbeitern entwickelten Methode des „Semantischen Differentials“ empirisch untersucht, welche Bedeutungen für den jeweiligen Sprecher Worte haben, die zur Bezeichnung von Gefühlen verwendet werden. Insgesamt waren die geäußerten Assoziationen zu diesen Worten in drei semantische Dimensionen einzuordnen, die jeweils in binären Unterscheidungen ihren Ausdruck fanden.

Es sind die oben genannten drei semantischen Dimensionen, die den „semantischen Raum“ der Gefühle strukturieren:  (1) die „Potenz“ der Akteure, (2) die „Aktivität“, und (3) die „Evaluation“. Die beiden ersten Dimensionen liefern Beschreibungen, die dritte die Bewertung.

Diese drei Dimensionen reichen offenbar aus, um die jeweils eigene Posititon in der Beziehung zu einem Gegenüber zu charakterisieren und einzuschätzen, um schnell agieren zu können.

 

Literatur:

„Wie für den Neandertaler ist auch für uns heute an dem Zeichen für eine Sache wichtig, ob es etwas Gutes oder Böses meint (ist es eine gute Antilope oder ein böser Säbelzahntiger?); zweitens, ob es etwas meint, was in bezug auf mich stark oder schwach ist (ist es ein starker Säbelzahntiger oder eine schwache Mücke?); drittens, ob es etwas Aktives oder Passives in bezug auf mich meint (ist es ein böser, starker Säbelzahntiger oder ein böser, starker Treibsand, um den ich einfach herumgehen kann?). Das Überleben hing damals wie heute von den Antworten ab.“

Osgood, Charles E., William S. May, Murray S. Mison (1975): Cross-cultural Universals of Affective Meaning. Urbana (Univ. of Illinois Press),  S. 395. 




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