41.1.5 In Affekten erlebt der Beobachter (= Akteur) andere Akteure in Relation zu sich als relativ aktiv oder passiv, relativ stark oder schwach, relativ gut oder schlecht, wodurch die Selektion seines Verhaltens gesteuert wird.

Diese drei Dimensionen reichen für die handlungsbezogene Beziehungsdiagnose – Schnelldiagnose müsste es wohl heißen. Es geht dabei nicht um die Zuschreibung der „absoluten“ Eigenschaften „Stärke“ oder „Schwäche“ usw. zu einem Akteur, sondern um die Relationierung des Anderen in bezug auf den Beobachter (d.h. den Komparativ „stärker“ vs. „schwächer“), die durch dessen Gefühle vollzogen wird. „Wie fühle ich mich in bezug auf XY?“ – das ist die Frage, deren Beantwortung mein Handeln bestimmt. Deswegen funktionieren oft genug Einschüchterungsstrategien. Die Mafia lebt davon, dass Ladenbesitzer Angst haben, dass ihr Geschäft zusammengekloppt wird, wenn sie keine Schutzgelder bezahlen, und Donald Trump bringt die Senatoren der Republikanischen Partei dazu, ihn im Impeachment-Verfahren frei zu sprechen, weil sie sonst seine Rache fürchten müssten.

Die genannten drei semantischen Dimensionen reichen übrigens auch aus, um das Drehbuch für einen klassischen Western oder ein Lore-Roman verfassen zu können. Wenn die Rollen und Personen nach diesem einfachen Schema gestrickt sind, dann ist klar, wer „gut“ und wer „böse“ ist, wer „aktiv“ und wer „passiv“, „stark“ oder „schwach“ ist usw. Die arme schwache und passive Witwe mit ihren guten (Halb-)Waisenkindern, soll von einem aktiven, starken, bösen Großgrundbesitzer von ihrem kleinen Hof vertrieben werden, in dem sie ein paar Hühner hält und einen Garten zwecks Selbstversorgung bewirtschaftet; der starke, gute und aktive Marshall stellt sich dem Großgrundbesitzer entgegen und aktiviert noch ein paar andere Leute, die etwas weniger eindeutig in diesen Dimensioen positioniert sind, d.h. nicht richtig gut waren, aber auch nicht böse, doch passiv usw., so dass die Bösen schließlich verlieren und alles gut wird… (und der Marshall reitet selbstzufrieden in die untergehende Sonne). Und solche Drehbücher/Filme sind wahrscheinlich deswegen weltweit erfolgreich, weil sie an affektive Schemata anschließen, die ubiquitär zu finden sind.




Ein Gedanke zu „41.1.5 In Affekten erlebt der Beobachter (= Akteur) andere Akteure in Relation zu sich als relativ aktiv oder passiv, relativ stark oder schwach, relativ gut oder schlecht, wodurch die Selektion seines Verhaltens gesteuert wird.“

  1. Deswegen versuchen Politiker, ihre Gegner als „Schurken(staaten)/Terroristen“ oder „linksgrünversiffte Gutmenschen/Naivlinge/Vaterlandsverräter“ oder „ausländerfeindliche Volksverhetzer/Hooligans/Nazis/Faschisten“ zu brandmarken.

Schreibe einen Kommentar