41.1.7 Zeitgewinn/Schnelligkeit des Entscheidens sind Chance und Risiko affektiven Bewertens bzw. (Re-)Agierens.

In der Evolution hat sich affektives Bewerten und das durch Affekte gesteuerte, schnelle (Re-)Agieren („auf seinen Bauch hören“) als dem Überleben der Menschheit dienlich erwiesen. Denn Fehlentscheidungen kosteten nur das Leben von Einzelnen, die aufgrund solch schneller (und eventuell zu schneller, weil unreflektierter) Entscheidungen ums Leben kamen. Wenn aber der rote Knopf zum Auslösen von Wasserstoffbomben aufgrund des schnellen, unreflektierten, affektiven Reagierens eines Präsidenten (welcher Nation sei hier mal offengelassen) gedrückt wird, dürfte sich die Bilanz im Blick auf das Überleben der Menschheit etwas anders darstellen.

Affektiven Impulsen zu folgen, ist ebenso ein Risiko, wie ihnen nicht nachzugeben. Wenn man ihnen folgt, besteht die Gefahr aufgrund eines sehr schlichten, holzschnittartigen Weltbildes zu handeln. Wenn man ihnen widersteht, so besteht das Risiko, zu langsam in seinen Aktionen zu sein und von wilden Bestien gefressen zu werden, obwohl man durch rechtzeitige Flucht hätte entkommen können. Daher ist es wichtig, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen, sich aber der Risiken, die mit ihnen verbunden sind, bewusst zu sein. Daher die alte Binsenwahrheit, dass man wichtige Entscheidungen „überschlafen“ soll. Dann hat man den Abstand, ist raus aus der akuten, emotionsgesteuerten Situation und kann aus der Außenperspektive auf die zu entscheidende Frage schauen. Das funktioniert aber nur, wenn man Zeit genug hat, sonst überschläft man die Entscheidung nicht, sondern verschläft sie.

Die zentrale Frage ist also immer: Hat man Zeit zu reflektieren oder ist schnelles Handeln angesagt. Die Maxime, die sich daraus ableitet, lautet: „Höre auf deinen Bauch, aber gehorche ihm nicht!“




3 Gedanken zu „41.1.7 Zeitgewinn/Schnelligkeit des Entscheidens sind Chance und Risiko affektiven Bewertens bzw. (Re-)Agierens.“

  1. @„Höre auf deinen Bauch, aber gehorche ihm nicht!“

    Vollständiges Zitat von Fritz B. Simon: „Nutze die Beobachtung deines eigenen Körpers zur Diagnose sozialer Systeme (Bauchgefühl). Höre auf deinen Bauch, aber gehorche ihm nicht.“

  2. … alles eine Frage der Sensibilisierung und der Immunabwehr.

    auf den Bauch hören und ihm (mit Einschränkungen) auch gehorchen hat sich lange bewährt. Wir verfügen über kein schneller agierendes und auch schneller dazulernendes Warn- und Abwehrsystem system als das Immunsystem in unseren Eingeweiden.

    Es entfalten sich hier alltäglich zwischen „Innen und Außen“ differenzierende Baustellen bis hin zu aufbrechend metastasierenden und Ressourcen verzehrenden Schlachtfelder.

  3. Manchmal sollte man auch einfach mal aufs Bauchgefühl hören – gerade, wenn es um Hunger geht. Doch danach gilt dann wieder die Devise (bei Frauen): „Hör auf dein Herz!“ Bei Männern: „Hör auf deinen Schwanz!“ Mal ist es ein Grummeln, mal ein Pochen, mal ein Wummern.

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