41.2 Ästhetisches Bewerten – Kriterien: schön/hässlich, harmonisch/disharmonisch, symmetrisch/asymmetrisch, appetitlich/eklig, attraktiv/abstoßend usw., wobei vom Beobachter irgendwelchen (sinnlich wahrnehmbaren) Phänomenen – aus der Außenperspektive – diese Merkmale zugeschrieben werden.

Mengen lassen sich messen, Einheiten kann man zählen. Und man kann ohne große Schwierigkeiten Bewertungsmaßstäbe festlegen, welche Mengen eines bestimmten Kaliumwertes im Blut eines Menschen z.B. als „normal“ zu bewerten sind; oder man kann auch abzählen (5 Finger an jeder Hand sind ok, 6 oder mehr bzw. 4 oder weniger weichen von der als „normal“ zu erwartenden Zahl ab). Aber ganz anders – und deswegen wahrscheinlich in den Wissenschaften nur selten zu finden und oft auch verpönt – ist die Bewertung von Mustern. Sie lassen sich weder durch zählen noch durch messen erfassen. Aber es gibt in untrschiedlichen Kulturen seit ewigen Zeiten durchaus etablierte Maßstäbe der Bewertung z.B. der Komposition von Bildern, Musik, Speisen… Sie können als schön oder häßlich usw. bewertet werden. Nur ist es ziemlich schwer, derartige Bewertungen zu objektivieren, d.h. einen interpersonellen Konsens unter Beobachtern herzustellen. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht (oder andauernd) streiten.

 

Literatur:

„Man kann jedoch beobachten, daß es in der Welt viele verschiedene und sogar gegensätzliche Erkenntnistheorien gegeben hat und noch gibt, die sich darin gleichen, daß sie eine letzte Einheit betonen, und die auch, obwohl das weniger sicher ist, die Vorstellung hervorheben, daß diese letzte Einheit ästhetisch ist. Die Einheitlichkeit dieser Weltanschauungen läßt hoffen, daß die große Autorität der quantitativen Wissenschaft vielleichz nicht so weit geht, eine allem zugrundeliegende Schönheit zu leugnen.

Ich halte an der Voraussetzung fest, daß unser Verlust des Sinnes für ästhetische Einheit ganz einfach ein erkenntnistheoretischer Fehler war. Ich glaube, daß dieser Fehler schwerwiegender sein kann als all die kleineren Ungereimtheiten jener älteren Erkenntnistheorien, die sich in der grundlegenden Einheit trafen.

Bateson, Gregory (1979): Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Frankfurt (Suhrkamp) 1982, S. 29.




4 Gedanken zu “41.2 Ästhetisches Bewerten – Kriterien: schön/hässlich, harmonisch/disharmonisch, symmetrisch/asymmetrisch, appetitlich/eklig, attraktiv/abstoßend usw., wobei vom Beobachter irgendwelchen (sinnlich wahrnehmbaren) Phänomenen – aus der Außenperspektive – diese Merkmale zugeschrieben werden.”

  1. Als Mittel gegen quantifizierende Wissenschaften wurde uns das Lachen gegeben.
    Oder wie Nikolai Gogol schrieb: „Das Lachen wurde uns gegeben, um alles zu treffen, was die hohe Schönheit des Menschen schändet.“

  2. In der Mode heißt es
    „nichts ist so lächerlich wie die Mode von gestern“

    ,dies verweist auf eine durch den Kontext definierte/ beeinflusste ästhetische Bewertung …

  3. Seine Heiligkeit Papst Franziskus verkündete zum Jahreswechsel: „In unseren Gesellschaften scheint es gar, dass Homosexualität eine Mode ist, und diese Mentalität beeinflusst auf gewisse Weise auch die Kirche“.
    Wir dürfen uns also freuen auf den Anblick von Kirchenmännern in skinny Chorhemden, ledernen Mitras und assless Soutanen.

  4. Geschmacksache …,
    das scheint es wohl zu sein …

    Es fragt sich bloß, ob man sich der jeweiligen Mode in Gänze entziehen kann,
    ohne gemischte Gefühle

    … wobei es anschließend ja durchaus nochmal einen Unterschied macht, ob die Geschmacksache auch ein Geschmäckle hat bzw. hatte…
    …verbunden mit der Frage, in wieweit sowas anschließend sogar in der Familie liegen und sich -schlimmstenfalls – gar wiederholen könnte?

    https://www.youtube.com/watch?v=fQWhenQgXo8

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