41.4 Bewerten der Rationalität – Kriterien: rational/irrational, d. h. angemessen/unangemessen, verhältnismäßig/unverhältnismäßig, womit die Funktionalität/Dysfunktionalität beobachteter Entscheidungen/Urteile/Verhaltensweisen etc. in Bezug auf ein spezielles Referenzsystem bzw. dessen Ziele und Zwecke bewertet wird.

Es ist ein weit verbreitetes Mißverständnis, Rationalität hätte etwas mit Logik – schlimmer noch: mit zweiwertiger Logik – zu tun. Es geht bei der Bewertung der Rationalität von Argumenten oder Entscheidungen nicht um Widerspruchsfreiheit, sondern – je nach Ziel oder Zweck des Argumentierens oder Entscheidens – um „Verhältnismäßigkeit“. Das lateinische Wort ratio  hat einen weiten Hof von Bedeutung, der Begriffe wie „Rechnung“, „Berechnung“, „Rechenschaft“, „Verhältnis“, Vernunft“, „Beweggrund“, „Weg“ oder „Mittel“ umfaßt. Das heißt, es geht nie um irgendeinen absoluten, kontextfreien Wert, sondern Rationalität ist immer auf ein System und/oder sein Ziel in einer (oder mehreren) relevanten Umwelt(en) bezogen, für das ein Weg oder Mittel vernünftig und/oder verhältnismäßig ist. Die Einheit, auf die sich die Bewertung rational bezieht, ist also immer die System/Umwelt-Einheit.

Daher gibt es auch nicht nur eine Rationalität bzw. Bewertung einer Entscheidung oder eines Arguments als rational, sondern viele, je nachdem, welches System mit welchen Umwelten davon betroffen ist und welche Ziele oder Zwecke durch sie angestrebt werden. Da hier unterschiedliche, vom Beobachter gesetzte System/Umwelt-Unterscheidungen wirksam werden können, sind auch diese Unterscheidungen nicht objektivierbar. Widersprüche zwischen unterschiedlichen Rationalitäten  sind nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich; sie führen zu pragmatischen Paradoxien (s. Sätze 46ff.). Man kann also logisch konsistent  und trotzdem – oder im Falle pragmatischer Paradoxien: gerade deswegen – irrational entscheiden.

 

Literatur:

„Die humanistische Tradition Europas hatte dem Begriff, und damit den Erwartungen, von Rationalität eine sehr spezifische Form gegeben und zugleich die Spezifik dieser Form durch die Selbstverständlichkeit einer Tradition verdeckt, die keine anderen Denkmöglichkeiten zuließ. Nach der Vorstellung dieser Tradition gehörte ratio zur Natur des Menschen. Der Mensch wurde als Naturwesen durch Unterscheidung vom Tier bestimmt. Im Begriff der Natur wurde dabei, anders als heute, eine normative Komponente mitgedacht. Ein normativer Begriff von Rationalität gründete sich damit auf ein normatives Verständnis von Natur. Im aristotelischen Kontext wurde Natur als eine auf ein Ende (télos) gerichtete Bewegung verstanden, die aber nicht ohne weiteres sicherstellte, daß dies Ende auch erreicht werde. Vor allem unter »Geschichte« – im Unterschied zu »Poesie« – verstand man bis in die Neuzeit hinein eine Sammlung von Tatsachen und Erfahrungen, die darüber belehrten, was alles schiefgehen kann. In unsere Begriffssprache übersetzt, galt télos mithin als Zwei-Seiten-Form, nämlich als ein Zustand der Ruhe, der Befriedigung, der Perfektion, der erreicht oder auch verfehlt werdne konnte. Der Gegenbegriff zu Perfektion war Korruption. Dem positiven Wert des natürlichen Zustandes stand ein Negativwert (stéresis, privatio) gegenüber, der ein Fehlen, ein Scheitern anzeigte.“ (S. 171f.)

[…]

„Schon im 18. Jahrhundert melden sich weitere Bruchstellen, zum Beispiel in Versuchen einer Theorie des Humors. Seit dem 19. Jahrhundert führen weitere Reduktionen den Rationalitätsbegriff auf Teilsysteme der Gesellschaft zurück, und zwar entweder auf die wirtschaftliche Kalkulation der Nutzenverhältnisse von Zwecken und Mitteln (Optimierung) oder auf die Anwendung wissenschaftlich gesichterten Wissens. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beginnt schließich eine Auflösung des Rationalitätsbegriffs selbst, die dann eine generelle Rationalitätsskepsis (Max Weber) erlauben wird.“ (S. 174f.)

[…]

„Wie immer, wir können in dieser Lage nur mit scharfen Abstraktionen reagieren. Folgt man dem hier vorgeschlagenen differenztheoretischen Ansatz, dann dürfte das Problem der Rationalität in der Frage nach der Einheit der jeweils benutzten Unterscheidung liegen. Die Optimierung des Verhältnisses von Zwecken und Mitteln oder der Konsens von Alter und Ego, die Verständigungsrationalität im Sinne von Habermas, wären dann nur Sonderfälle eines allgemeineren Prinzips, und auch die Systemtheorie könnte mit ihrer Form, mit ihrer Unterscheidung von System und Umwelt, einen Anspruch auf Rationalität anmelden.“ (S. 177f.)

[…]

„(…) Diese Auslegung des Schicksals moderner Rationalität läßt sich durch eine systemtheoretische Analyse ergänzen und präzisieren. Angewandt auf die Unterscheidung System und Umwelt, fordert diese Regel des Wiedereintritts, daß die Unterscheidung von System und Umwelt im System wiedervorkommt. Im System! Es bedarf also keines Ausgriffs auf ein umfassendes System, keiner letzten Weltgarantie von Rationalität, also auch keine »Herrschaft« als Form ihrer Realisierung. Das System selbst erzeugt und beobachtet die Differenz von System und Umwelt. Es erzeugt sie, indem es operiert. Es beobachtet sie, indem dies Operieren im Kontext der eigenen Autopoiese eine Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz erfordert, die dan zur Unterscheidung von System und Umwelt »objektiviert« werden kann.“ (S. 182)

[…]

„Systemrationalität setzt, wenn man dem oben gegebenen Begriffsvorschlag folgt, solch einen Wiedereintritt der Form in die Form voraus. Damit allein ist sie jedoch noch nicht erreicht. Wir müssen zusätzlich beachten, daß Rationalität im Kontext einer Unterscheidung von Realität definiert und angestrebt werden muß. Sie verdankt sich also ihrerseits einer Unterscheidung, die nicht die letzte Unterscheidung ist. Unter der Bedingung von Realität muß die Autopoiesis fortgestzt werden.“ (S. 183)

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Frankfurt (Suhrkamp).




31 Gedanken zu „41.4 Bewerten der Rationalität – Kriterien: rational/irrational, d. h. angemessen/unangemessen, verhältnismäßig/unverhältnismäßig, womit die Funktionalität/Dysfunktionalität beobachteter Entscheidungen/Urteile/Verhaltensweisen etc. in Bezug auf ein spezielles Referenzsystem bzw. dessen Ziele und Zwecke bewertet wird.“

  1. @1: Ja, klar. Ich hatte einen Termin, so dass ich das Zitat nicht mehr rechtzeitig zuordnen konnte. (Ist jetzt aber geschehen, und die Schreibfehler sind auch korrigiert – hoffe ich).

  2. @Rationalität
    „Rationalität
    klar übern Markt gesteuert
    Produzenten und Produkte
    die Gewinne weisen aus
    was läuft und was verschwinden muss
    einfach ist das
    deutlich
    jeder muss das einsehn“
    Franz-Josef Degenhardt, 1977
    Song „Arbeitslosigkeit (Umdenken, Mister – umdenken, Mister)“ aus dem Album „Wildledermantelmann“

  3. Ratio übersetzt mit Vernunft

    das würde bedeuten, dass die Affekte außen vor bleiben sollen/ müssen / können ..

    was unvernünftig ist …

  4. @4 Die Vereinigung von rationalen und affektiven Komponenten des Erkennens nannte der niederländische Philosoph Baruch de Spinoza „amor Dei intellectualis“ (lat. für „intellektuelle Gottesliebe“). Die dritte Gattung der Erkenntnis nach „Vernunft“ und „Meinung“, aus welcher der „amor Dei intellectualis“ entspringt, nennt Spinoza „intuitives Wissen“ (scientia intuitiva).

  5. Wie stark die Rationalität gestört werden kann, wenn die Liebe fehlt, zeigen die Massenmörder Tobias R. aus Hanau, Anders Breivik aus Oslo sowie die Attentäter von Halle, Christchurch und Oklahoma: Alle fünf hatten Schwierigkeiten mit Frauen, hatten keinerlei Liebesbeziehungen, hatten Probleme mit ihren Müttern (Tobias R. tötete seine sogar). Sie führten alle Probleme der Migration auf die Emanzipation der Frau zurück, die dazu geführt habe, dass die Frauen nicht mehr die erforderlichen Geburtenraten erfüllten, um das gesunde (hier: deutsche) „Volk“ zu reproduzieren, sodass Zuwanderung zugelassen werde.

    Die Welt, 21.2.2020: Massenmörder und ihre Beziehung zu Frauen
    von Torsten Krauel, Chefkommentator
    Die Täter von Hanau, Oslo, Christchurch und Halle hinterließen Manifeste, die ihre Taten rechtfertigen sollten. Bei einer genaueren Untersuchung zeigt sich, dass es neben ihrem Fremdenhass besonders eine bemerkenswerte Überschneidung gibt.
    Ob der Hanauer Täter Tobias R., ob der Täter in Halle im Oktober 2019 und derjenige in Christchurch im März 2019, ob der Massenmörder Anders Breivik im Juli 2011 oder der Attentäter, der im April 1995 ein US-Bundesgebäude in Oklahoma sprengte und dadurch 168 Menschen tötete – sie alle eint ein bemerkenswertes Faktum. Sie hatten, so seltsam es zunächst klingen mag, Schwierigkeiten mit Frauen. Sie hatten seit ihrer Pubertät keine wirkliche Liebesbeziehung, sie hatten oft überhaupt keine Freundin oder wenn doch, dann nur für sehr kurze Zeit. Es gibt Fotos von Breivik aus Schulzeiten, in denen er mit jungen Frauen in scheinbar entspannter Situation zu sehen ist, aber nie wurde daraus eine Beziehung. Breivik ließ sich schließlich auf ein Internet-Date ein, eine „Mailorder-Freundschaft aus Weißrussland“, wie seine norwegische Biografin es formuliert, und seine Mutter war erleichtert. Endlich eine Beziehung! Breivik aber fand sehr schnell keinen Gefallen mehr daran. Warum ist der Aspekt fehlender Beziehungen, fehlender erotischer und seelischer Erfüllung wichtig? Weil fast alle diese Attentäter in ihren Selbstbezichtigungen, ihren diversen „Manifesten“, das Thema aufgreifen – nur umgemünzt in ihre pathologische Weltsicht.
    Tobias R. schildert seine erotischen Probleme noch am offensten. Er gesteht, bis zum 22. Lebensjahr nicht nur keine Freundin gehabt, sondern nicht einmal den Versuch zu einer Beziehung gemacht zu haben, „da mir vom ,Äußeren‘ nur sehr wenige gefielen bzw. ich besonders hohe Ansprüche hatte“. Genauer: „Ich wollte das Beste haben oder gar nichts.“
    Der Artikel „das“ statt „die“ lässt erahnen, dass R. Frauen als Instrument betrachtete statt als Mensch. Sein 2001 gewecktes Begehren gegenüber einer Mitstudentin in Bayreuth blieb seiner Schilderung zufolge platonisch – das Sommersemester 2001 ging „ohne Liebesglück zu Ende“, aber „mit der immer stärkeren Gewissheit, überwacht zu werden“. Andere Täter waren nicht so offenherzig, aber ließen ihr Defizit deutlich durchscheinen. Breivik sagte gegenüber anderen, die ihm Homosexualität nachsagten, er sei im Gegenteil ein „Puff-Mann“. Was ihm das Thema Geschlecht, Erotik und Frauen tatsächlich bedeutete, lässt sich an seinem 1500-Seiten-Manifest erkennen: Das Thema steht am Beginn seiner Abhandlung. Politische Korrektheit, schreibt er dort, bedeute die Auflösung traditioneller Geschlechterrollen und die Ablösung des Patriarchats durch ein Matriarchat.
    Verantwortlich für diesen „Kulturmarxismus“ sei hauptsächlich die Frankfurter Schule um Georg Lukacs, Erich Fromm und andere, doch gehe der Gedanke schon auf Friedrich Engels und Karl Marx zurück. Einen der wichtigsten Beiträge zur politischen Korrektheit als Umwertung aller Werte habe Betty Friedan mit ihren Feminismustheorien geleistet. „Die Bedeutung der historischen Wurzeln der Politischen Korrektheit kann nicht adäquat gewürdigt werden, solange Betty Friedans Revolutionierung der Geschlechterrollen nicht als das gesehen wird, was es wirklich war – eine Manifestation des sozialrevolutionären Prozesses, der mit Karl Marx begonnen hat.“ Auf diese Idee kommt er immer wieder zurück. „Wahrscheinlich ist kein Aspekt der Politischen Korrektheit heute im Alltag Westeuropas derart dominierend wie die feministische Ideologie.“ Die moderne Frau als Ergebnis einer revolutionären Weltverschwörung – das ist für Breivik der Anfang allen Übels. Von dort kommen Breivik oder der Mörder von Christchurch auf die Idee, die westliche Frau werde absichtlich auf einen solchen Pfad geführt – denn Emanzipation bedeute, dass Frauen weniger Kinder bekommen, und genau dies, weniger europäische oder weiße Kinder, sei das Ziel der geheimen Mächte, beziehungsweise der Islamisten, die angeblich den Westen demografisch überwältigen wollen.
    Der Mörder von Christchurch beginnt sein Manifest mit den Worten: „Die Geburtenrate. Die Geburtenrate. Die Geburtenrate. Wenn es irgendetwas gibt, das Sie von diesem Text behalten sollten, dann, dass die Geburtenrate sich ändern muss. Selbst wenn wir alle Nichteuropäer morgen vertreiben würden, würden die Europäer noch immer in den Verfall und irgendwann den Tod abstürzen.“
    Stephan Balliet, der Attentäter von Halle, fasste es in seiner auf englisch gesprochenen Videobotschaft aus dem Auto in diesen ersten Satz: „Feminismus ist der Grund für die sinkenden Geburtenraten im Westen, die als Grund für die Massenimmigration herhalten, und die Wurzel aller dieser Probleme ist der Jude.“ Nicht für alle Täter gilt das; manche bleiben unpolitisch. Ein nicht rechtsextremistischer, aber ebenso einsamer Mörder, der Amokschütze Seung-Hui Cho, der im April 2007 in der Technischen Universität von Virginia 32 Menschen ermordete, verfasste wirre Romane, in denen ständig Lehrer vorkommen, die den Fantasiehelden zu vergewaltigen versuchen. Bei den rassistischen, rechtsextremistischen Mördern aber steht die Geburtenrate im Mittelpunkt ihres Denkens, der Feminismus, die moderne Frau und ihre angeblich von geheimen Mächten betriebene Verweigerung.
    Das ARD-Magazin „Panorama“ hatte diesen Aspekt im Oktober vergangenen Jahres schon einmal thematisiert. Michael Butter, Professor für amerikanische Kulturgeschichte und Literatur an der Universität Tübingen, hat in seinem Buch „Nichts ist, wie es scheint. Über Verschwörungstheorien“ den Wunsch von Menschen analysiert, die eigenen Probleme und Selbstzweifel anderen Menschen zuzuschreiben, sich selbst dadurch zu exkulpieren, diesen anderen Menschen verdeckte Kräfte und übernatürliche Fähigkeiten zuzuschreiben, und sich selber in die Rolle der Verfolgten, der einzigen möglichen Retter der Menschheit zu fantasieren. Nicht jede Verschwörungstheorie, schreibt Butter, mündet in Gewalt, nicht jede Theorie ist rassistisch oder extremistisch. Aber es gibt Fälle, in denen eine solche seelische Situation in Gewalt münden kann – weil manche Verschwörungstheorien darauf fußen, dass man die Gefahr nur durch eine eigene Tat bannen könne, und auf solche Entschlusskraft allein komme es in der Geschichte an.
    Ein soziologisches, kulturelles Weltbild, das Zufälligkeiten und strukturelle Zwänge ausblendet, ein Weltbild, das nicht akzeptieren kann, dass Menschen nicht aus bösem Willen, sondern aus gesellschaftlichen, sozialen, institutionellen Rahmenbedingungen zu denselben Folgerungen kommen können – ein solches Weltbild existiert für Verschwörungstheoretiker nicht. Gleichzeitig, so Butter, ist für Verschwörungstheoretiker typisch, dass sie ihren imaginären Gegnern zwar übernatürliche Kräfte zusprechen und sich selber bis zur letzten, unausweichlichen, erzwungenen Tat als nahezu wehrlos einschätzen – aber keine Antwort darauf haben, warum sie bis zu dieser Tat von ihren allmächtigen, allwissenden Gegnern in Ruhe gelassen werden.
    Man kann hinzufügen: Die Antwort auf solche Fragen fürchten Täter genauso stark wie die Frage, warum sie keine Freundin haben, denn die Antwort rührt an ihr Innerstes, an ihr größtes, ungelöstes Problem. Die Antwort würde solche Menschen auf ihre Passivität zurückwerfen, auf ihre Unfähigkeit zu handeln. Verschwörungstheoretiker fliehen vor dieser Antwort in ein Weltbild, das manche unausweichlich zum Massenmord treibt.
    Die „Radikalisierung westlicher Männer“, schrieb der Täter von Christchurch, „ist nicht nur unvermeidbar, sondern unausweichlich“. Er, der so unstet wie einsam war, ahnte wohl, wen er dabei besonders intensiv vor Augen hatte – genauso wie Breivik und die anderen Mörder.

    Kommentar dazu von „neurohaus“ vor 4 Stunden:
    „Nicht ausreichend sozialisierte Menschen und damit vom Leben frustrierte Menschen, vorwiegend männlich scheinen Sprengstoff für Gesellschaften zu sein. Schläfer, die irgendwann explodieren.“

  6. Erstens: Individuelle Rationalitätsstörungen haben sicherlich nicht bloß sexuelle Ursachen.
    Zweitens: Was ist Funktion von was? Die Rationalitätsstörung folgt der Libidostörung oder umgekehrt?
    Anders Breivik war bereits als Kleinkind verhaltensauffällig und wenig liebenswert. Seine Mutter war von und mit ihm überfordert und die zahlreichen Sozialarbeiter und Therapeuten, die mit ihm zu tun hatten, ebenfalls.

  7. Hallo, Herr Professor Simon, schön, dass Sie sich wieder zu Wort melden. „Gradwanderung“ schreibt sich übrigens „Gratwanderung“ – von Bergkuppe, nicht von Temepratur.

  8. Gradwanderung erscheint mir sehr passend in diesen Geschehnissen ..

    und immer wieder die Frage „wer trägt wie dazu bei“
    im neutestamentlichen Sinn „ denn sie wissen nicht was sie tun“
    und ergänzend „wie können sie es wissen“

  9. @9 Der Herr Dr. (Hannibal?) Lektor scheint außerordentlich fehlertolerant zu sein. Ein überaus entspannter Typ.

  10. @13″Versteh kein Wort …;
    … wo waren wir nochmal stehen geblieben?“

    Kommentar @8 bezieht sich die Simonsche Kehrwoche, in der es um die politische Strategie der Neofaschisten geht, mit Angst und Schrecken Aufmerksamkeit und Macht zu erlangen.

  11. Ist es eigentlich rational (von ethisch braucht bei Systemtheoretikern nicht zu reden), eine „Anleitung zum Populismus“ zu verfassen und zu verbreiten, wenn man ihn doch gar nicht befürwortet?
    Alles genau so harmlos wie:
    Paul Brousse, Propaganda der Tat, 1877;
    Arthur Ehrhardt, Werwolf – Winke für Jagdeinheiten“, 1945;
    Hans von Dach, Der totale Widerstand – Kleinkriegsanleitung für jedermann, 1957;
    James Mason, The Siege (Die Belagerung), 1980;
    Hans Westmar, Eine Bewegung in Waffen, 1991;
    Loius Beam, White Resistance Manual, 1992;
    Max Hammer, The Way Forward, 2000.

  12. ich bleibe dabei
    bewerten ist immer subjektiv
    berücksichtig Körper, Psyche und Soziales

    und es können pragmatische Paradoxien entstehen ..

    blockieren diese Paradoxien Aktivität sprechen wir von Depression
    fallen alle Blockaden weg, wie auch immer, landen wir in der Manie ..

  13. @19: Ihr Buch liefert Strategien, die Macht in einer funktionierenden Demokratie zu erlangen, um diese Demokratie zu untergraben und zu zerstören. Es deckt diese Methoden zwar in kritischer Absicht auf – als Appell zum Widerstand gegen Populismus – , doch könnte ein Populist raffinierter vorgehen, um den Verfassungsschutz zu unterlaufen? Das könnte man spitzbübisch-sympathische Anarchie á la Gerhard Seyfried und Robert Crumb nennen. Ein Anderer mag es für politisch gefährliche Arglosigkeit halten. Doch ich möchte Ihre Wirkung nicht übertreiben. Herr Björn hat es sicherlich nicht nötig, von Ihnen angeleitet zu werden, zumal er selbst eine solche Anleitung verfasst hat: In seinem Enthüllungsbuch „Nie zweimal in denselben Fluss“ erhebt Björn Höcke das Volk zur politischen Glaubenswahrheit und sich selbst zum nationalen Erlöser. Wer wissen möchte, wie die AfD Deutschland verändern will, sollte dieses Buch lesen. Gleichzeitig zerstört es seinen Nimbus als deutschen Messias, der das Volk vor Moderne, Überfremdung und Individualisierung rettet, denn auch er kocht bloß nach einfachen Rezepten.

  14. @20
    Selbstverständlich habe ich Ihre lustige Buchvorstellung in der Videoaufzeichnung gesehen und gehört, die sicherlich auch im Archiv des Verfassungsschutzes gespeichert ist. Dabei blieb kein Zweifel, auf welcher Seite Sie und Ihre anwesenden Groupies stehen bzw. saßen.

  15. @22: Lesen von Büchern lehnen Sie ja wohl grundsätzlich ab. Ein Vegetarier der beim Metzger arbeitet.
    Aber Sie haben recht. Bernd Höcke braucht mein Buch nicht. Und man kann die Rezepte nachkochen…
    Meine Hoffnung ist natürlich, dass es wie bei manchen lange populären Restaurants funktionieren könnte: Wenn man die Rezepte kennt, nach denen dort gekocht wird, kotzt man vor die Restauranttür…

  16. @23: Ich lese täglich in Büchern und kaufe mir regelmäßig Bücher. Auch von Ihren Büchern besitze ich mindestens ein halbes Dutzend, die ich mit Genuss und Gewinn gelesen habe. Ich würde liebend gern Ihre „Anleitung“ und Ihre „Formen“ lesen, aber das Geld dafür ist mir zu schade, weil mich andere Themen noch viel mehr interessieren und weil ich in diesem Blog einiges umsonst erhalte. Dafür danke ich Ihnen recht herzlich!
    Falls Sie in einem Moment grandioser Generosität bereit wären, mir jeweils ein Rezensionsexemplar dieser beiden Bücher zu überlassen, würde ich diese gern in der Vangerowstraße abholen und natürlich auch lesen. Falls gewünscht, schreibe ich darüber pflichtschuldigst eine Rezension für Ihre Publikationen.

  17. @23: kleine Korrektur hierzu:
    “ Wenn man die Rezepte kennt, nach denen dort gekocht wird, kotzt man vor die Restauranttür…“

    … „Wenn man die Zutaten der Rezepte kennt, nach denen dort gekocht wird …,
    dann hätte man -bevor’s ans Kotzen geht- vielleicht zumindest die Wahl, es erst mal mit Isopropylpropenylbarbitursauresphenyldimethylaminopyrazolon zu probieren
    oder auch gleich ganz auf Semmelnknödeln umzusteigen

    https://www.youtube.com/watch?v=20QTi8y0baw

  18. @24: Ich dränge niemandem meine Bücher auf… Das Schöne daran, dass man Bücher kaufen muss, ist m.E. dass dies einem Motivationstest gleichkommt.

  19. @27 „Bücher kaufen“: Nach dem monetären Invest folgt das Zeit-Invest. Deshalb überlege ich, bevor ich Bücher kaufe, ob ich erwarte, dass sich beide Investments für mich lohnen. Das ist idiotisch, wie Sie richtig schreiben: „Ökonomisches Bewerten hat eine Wichtigkeit für alle gesellschaftlichen Bereiche erhalten, die höchst problematisch – um nicht zu sagen: ausgesprochen idiotisch ist“. Aber es erspart mir (mögliche) Enttäuschungen.

  20. das ist ja Ungeheuerlich …

    Ei, wo kämen mer dann do hie,
    wann eener uff Idee käm un uff ämool nur noch irgendwelche
    Dämlacke eisetze det, un dann meent, daß mer nur noch e paar Holzköpp
    benutze misst, um zu erinnere, daß es sellemools nur noch e paar vunn denne Schlauberger gebraucht hätt, um die Welt zu rette …
    Mer weeß jo, daß die sellemools aa schunn all unner wegs gewest wärn,
    ohne durchzuhänge dodebei

    Awwer nee, so kummt’s dann halt wie’s kummt, gell

    https://www.youtube.com/watch?v=R4h_yiDIuQE

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