45.1 Generell können die Beziehungsformen zwischen Akteuren, seien es Personen oder soziale (Sub-) Systeme, aufgrund der Gleichheit oder Ungleichheit ihres Verhaltens bzw. der ihnen zugeschriebenen Merkmale und/oder Funktionen unterschieden werden.

Für die Analyse von Interaktions- und Beziehungsmustern ist die Unterscheidung zwischen Gleichheit und Ungleichheit von zentraler Bedeutung, da ihre Eskalation zu unterschiedlichen Typen von Krisen des jeweiligen sozialen Systems, ja, zu dessen Spaltung (Schisma) und Auflösung führen können (wie in den aktuellen Krisen der westlichen Gesellschaften zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten ist, in denen die Unterschiede zwischen den sozialen Subsystemen und Schichten nicht mehr ohne Weiteres integierbar erscheint).

Aus der Sicht des Praktikers, sei es des Therapeuten oder Beraters, aber auch jedes einzelnen Teilnehmers an Interaktion, ist die Unterscheidung zwischen Beziehungen und Interaktionen, die auf der Gleichheit bzw. Ungleichheit der Teilnehmer oder ihrer Funktionen beruhen oder gerichtet sind, grundlegend für nahezu alle Interventionen – egal aus welcher Rolle heraus.

Die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf derartige Beziehungsmuster ist Gregory Bateson zu verdanken, der sie zunächst bei der Beobachtung indigener Stämme in Neu-Guinea zur Beschreibung intergruppaler Dynamiken entwickelte. Später wurden (und werden immer) diese Analyse- und Diagnoseschemata auch auf interpersonale Beziehungen  angewandt.

 

Literatur:

„Bei meiner eigenen Arbeit mit dem Iatmul-Stamm am Sepik-Fluß in Neu Guinea habe ich herausgefunden, daß verschiedenartige Relationen zwischen Gruppen und zwischen verschiedenen Typen von Sippen  durch einen Verhaltensaustausch charakterisiert waren, so daß, je mehr A ein gegebenes Verhalten an den Tag legte, die Wahrscheinlichkeit desto höher war, daß B dasselbe Verhalten zeigte. Das bezeichnete ich als symmetrischen Austausch. Umgekehrt gab es auch stilisierte Formen des Austauschs, in denen B’s Verhalten sich zwar von dem A’s unterschied, ihm aber komplementär war. In beiden Fällen waren die Relationen potentiell einer zunehmenden Eskalation ausgesetzt, die ich als Schismogenese bezeichnete.

In dieer Zeit stellte ich fest, daß sowohl die symmetrische als auch die komplementäre Schismogenese theoretisch zum Durchdrehen und zum ZUsammenbruch des Systems führen konnte. Jeder Austausch erbrachte einen positiven Zuwachs, und es erfolgte eine hinreichende Energieversorgung aus dem Stoffwechsel der Personen, die damit befaßt waren, das System in Wut, Gier oder Scham zu zerstören. Ein menschliches Wesen braucht nur ziemlich wenig Energie (mc2), um andere oder die Integrität einer Gesellschaft zu zerstören.“

Bateson,, Gregory (1979): Geist und Natur. Eine notwendige Einheit. Frankfurt (Suhrkamp) 1982, S. 131f.




Ein Gedanke zu „45.1 Generell können die Beziehungsformen zwischen Akteuren, seien es Personen oder soziale (Sub-) Systeme, aufgrund der Gleichheit oder Ungleichheit ihres Verhaltens bzw. der ihnen zugeschriebenen Merkmale und/oder Funktionen unterschieden werden.“

  1. @ „Ein menschliches Wesen braucht nur ziemlich wenig Energie (mc2), um andere oder die Integrität einer Gesellschaft zu zerstören.“

    „Ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb.“
    „Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.“
    „Ein einziges Arschloch legt ein zehnköpfiges Team lahm.“

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