46.4 fbs

Im Gegensatz zu Paradoxien „an sich“ sind pragmatische Paradoxien höchst relevant, da sie Menschen in den Wahnsinn treiben können (siehe Double bind). Aber auch, wenn es nicht gleich der Wahnsinn ist, so sind doch die meisten Psychotherapeuten, Priester oder andere Seelenklempner mit den Folgen pragmatischer Paradoxien beschäftigt, da sie – die Paradoxien, nicht die Seelenklempner – das Individuum mit der Notwendigkeit zu entscheiden konfrontieren, d.h. mit Ambivalenzen, Konflikten und all ihren Versuchen zu deren Bewältigung „beglücken“.

Die Absurdität, die man hautnah erleben kann, wenn man solch pragmatischen Paradoxien ausgesetzt ist, illustriert Joseph Heller in seinem 1961 apublizierten Roman Catch-22 (1970 verfilmt unter demselben Titel, Regie: Mike Nichols):

Captain Yossarian, Bombenschütze in einem US-Bomber im Zweiten Weltkrieg, hat furchtbare Angst um sein Leben. Er versucht mit allen Mitteln nach Hause geschickt zu werden. Alles vergeblich. Sein Versuch sich wegen Geisteskrankheit krank schreiben zu lassen, scheitert, aufgrund der diagnostischen Logik, die von den Militärärzten angewandt wird:

1. Wer geisteskrank ist (z.B. unter unerträglicher Angst leidet) und deswegen verlangt nach Hause geschickt zu werden, kann nach Hause geschickt werden.

2. Wer selbst verlangt nach Hause geschickt zu werden, kann nicht geisteskrank sein, denn es ist normal, nach Hause geschickt werden zu wollen (weil man z.B. unerträgliche Angst hat).

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