46.5.4 fbs

Einer Reisegruppe, der geboten wird, von Berlin aus gleichzeitig nach Hamburg und nach München zu fahren, steht vor dem Dilemma, wie sie diesen sich widersprechenden Aufträgen gleichzeitig gerecht werden kann. Wahrscheinlich fährt sie erst einmal, um sich nicht entscheiden zu müssen, nach Hannover, weil sie sich dort beide Optionen (nach Norden und/oder nach Süden fahren zu können) offen hält. Aber nun muss sie sich doch entscheiden. Wenn sie das nicht tut, bleibt sie in Hannover (ganz böswillige Menschen behaupten, so sei Hannover entstanden – was ich als ehemaliger Bewohner dieser schönen Stadt natürlich vehement bestreite). Nun besteht für die Reisegruppe als sozialem System mit mehreren Mitgliedern die Möglichkeit, die pragmatische Paradoxie dadurch zu bewältigen, dass sie sich spaltet, d.h. ein Teil der Gruppe fährt nach Hamburg, ein anderer Teil nach München. Dadurch, dass soziale Systeme sich durch Kommunikation konstituieren und erhalten, kann diese physisch gespaltene Gruppe sozial weiter als eine Einheit bestehen bleiben, indem sie die dazu notwedige Kommunikation (z.B. durch Mobilfunk, Internet etc.) aufrechterhält.

Arbeitsteilung und interne Differenzierung (=Spaltung) in Untereinheiten bietet für soziale Systeme die Lösung des Widerspruchs. Als Individuum, das mit derartigen sich gegenseitig logisch ausschließenden Geboten konfrontiert wird, sind die Möglichkeiten begrenzter: Wahrscheinlich bleibt man – um nicht falsches zu tun – kataton in Hannover…

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