47.2 Segmentierung: Das soziale System ist in autonome Untereinheiten (Subsysteme) gespalten, die in einer symmetrischen Beziehung zueinanderstehen (=horizontale Differenzierung).

Dies dürfte in der Menschheitsgeschichte die früheste Differenzierungsform gewesen sein. Familienverbände, Horden, die zu Stämmen wurden, formierten sich als kollektive Überlebenseinheiten („Stammesgesellschaft“). In einer nur wenig bevölkerten Welt konnten sie sich als nomadisiernde Jäger und Sammler gegenüber anderen, ähnlichen sozialen Einheiten abgrenzen und/oder mit ihnen in Beziehung treten (z.B. Tauschhandel betreiben usw.), ohne dass zwischen diesen Einheiten eine asymmetrische Beziehung hätte entstehen müssen, da man bzw. wenn man sich aus dem Weg gehen konnte. Das Feld zu räumen ist eine gute Möglichkeit, Beziehungen undefiniert zu lassen.

Das änderte sich mit der Sesshaftwerdung. Nun konnte es zum Streit um Territorien kommen. Und wenn solch ein Konflikt ausgetragen wird, dann gibt es Gewinner und Verlierer, Überlegene und Unterlegene, d. h. die Symmetrie wird gebrochen.

Diese Logik hat auch die Jahrhunderte dauernden Kriege in Europa bestimmt. Und um die Unterscheidung Symmetrie vs. Asymmetrie geht auch heute noch der Streit in „vereinten“ Europa, wie er sich sich exemplarisch am Brexit gezeigt hat. Soll jede Nation als unabhängiges Segment betrachtet werden und sich intern strukturieren, wie es mag, oder gibt es eine übergeordnete Einheit, die festlegt, was intern in den Untereinheiten zu geschehen hat?

Niklas Luhmann unterscheidet im Blick auf die so entstehenden Teilsysteme vier Differenzierungsformen, die sich in der Geschichte beschreiben lassen und die jeweils einer anderen Logik der Unterscheidungs- bzw. Formbildung folgen. Die erste ist segmentär strukturiert.

 

Literatur:

„ (…) segmentäre Differenzierung unter dem Gesichtspunkt der Gleichheit gesellschaftlicher Teilsysteme, die entweder auf Grund von Abstammung oder auf Grund von Wohngemeinschaften oder mit einer Kombination beider Kriterien unterschieden werden.“

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt (Suhrkamp) S. 613.




4 Gedanken zu „47.2 Segmentierung: Das soziale System ist in autonome Untereinheiten (Subsysteme) gespalten, die in einer symmetrischen Beziehung zueinanderstehen (=horizontale Differenzierung).“

  1. In Europa, besser gesagt: in der Europäischen Union, gibt es seit Covid-19 keinen Streit mehr über Segmentierung in unabhängige Subsysteme oder Einheit in der strukturierten Vielheit, sondern jede Nation grenzt sich von der anderen ab, um sein eigenes Volk zu schützen. Wie rational das ist, wissen wir, wenn der Spuk vorbei sein wird.

  2. Die Europäische Union dient dazu, die Fehler, die man sonst nur in einem Land machte, in allen Mitgliedsländern gleichzeitig zu machen. Außerdem dient sie dazu, die finanziellen Schulden von wenigen Ländern auf möglichst viele Länder zu verteilen.

  3. Jesses, was für ein Stuss …

    @1 „…jede Nation grenzt sich von der anderen ab, um sein eigenes Volk zu schützen.“
    muss heißen: „ihr“ anstatt „sein“ .
    Denn auf DIE Nation muss IHR Volk folgen …
    DIE stellt (auch) DIE Matrix …
    Ob EU und/oder DE bleibt sich unterm Strich gleich
    Die Masse (n) macht’s
    Ob im Sinne von
    Win-Win
    und/oder
    lose/lose

    Zum 75 jährigen Jubiläum:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Deutsch_Sch%C3%BCtzen#cite_ref-manoschek60_1-2

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