48.2 Problem: Eine Aufgabe, die nicht durch bislang bestehende Verhaltens-, Handlungs- oder Interaktionsroutinen gelöst werden kann, so dass Methoden und Interaktionsmuster er-/gefunden werden müssen, um mit ihr umzugehen/sie zu bewältigen, soll Problem genannt werden.

Da sowohl psychische als auch soziale Systeme Sinnsysteme sind, können beide Typen autopoietischer Systeme auch „Probleme“ im o.g. Sinn entwickeln bzw. mit Herausforderungen an ihre Handlungsfähigkeit konfrontiert sein, die sie selbst als „Problem“ definieren. Da Kommunikationsprozesse analog zu psychischen Prozessen ablaufen („Mehr-Hirn-Denken“) kann die unten zitierte Definition menschlicher Probleme von Newell und Simon ohne weiteres auf soziale Probleme übertragen werden.

Im Bereich von Organismen gibt es sicher auch derartige, neue Aufgaben, für die es keine vorgeformten physiologischen Bewältigungsmuster gibt, aber sie bzw. die körperlichen Reaktionen auf sie werden im besseren Fall als „Anpassungsreaktionen“ im schlechteren Fall als „Krankheit“ bezeichnet und bewertet.

 

Literatur:

„What is a problem?

A person is confronted with a problem when he wants something and does not know immediately what series of actions he can perform to get it. The desired object may be very tangible (an apple to eat) or abstract (an elegant proof of a theorem). It may be specific (that particular apple over there) or quite general (something to appease hunger). It may be a physical object (an apple) or a set of symbols (the proof of a theorem). The actions involved in obtaining desired objects include physical actions (walking, reaching, writing), perceptual ativities (looking, listening), and purely mental activities (judging the similarity of two symbols, reemembering a scene, an so on).“

Newell, Allen, Herbert A. Simon (1972): Human Problem Solving. Brattleboro, Vermont (Echo Point Books & Media) 2019, S. 72.

 




Ein Gedanke zu „48.2 Problem: Eine Aufgabe, die nicht durch bislang bestehende Verhaltens-, Handlungs- oder Interaktionsroutinen gelöst werden kann, so dass Methoden und Interaktionsmuster er-/gefunden werden müssen, um mit ihr umzugehen/sie zu bewältigen, soll Problem genannt werden.“

  1. naja, auch an Apple braucht irgend einen Tisch bzw. Stuhl zur Ablage, wenn man das Ding nicht gleich im Schneidersitz bearbeiten will, was auch nicht gerade jedermanns/-fraus Sache ist:

    „Tische und Stühle sind aber beileibe nicht die wichtigsten Alltagsobjekte, sondern dies sind Menschen und vor allem ihre Haltung, wie sie sich in ihrem Gang und in ihrem Gesicht ausdrückt. Wir wollen daher einen genaueren Blick auf Gesichter werfen.
    In seinem Buch ANALYSE DER EMPFINDUNGEN UND DAS VERHÄLTNIS DES PHYSISCHEN ZUM PSYCHISCHEN, Jena: Fischer: 1900, 3. Fußnote 1, beschreibt Ernst Mach das folgende Phänomen:

    >Als junger Mensch erblickte ich einmal auf der Stradde ein mir höchst unangenehmes, widerwärtiges Gesicht im Profil. Ich erschrak nicht wenig, als ich erkannte, dass es mein eigenes sei, welches ich an einer Spiegelniederlage vorbeigehend durch zwei gegen einander geneigte Spiegel wahrgenommen hatte.- Vor nicht langer Zeit stieg ich nach einer anstrengenden nächtlichen Eisenbahnfahrt sehr ermüdet in einen Omnibus, eben als von der der anderen Seite auch ein Mann hereinkam. „Was steigt doch da für ein herabgekommener Schulmeister ein“, dachte ich. Ich war es selbst, denn mir gegenüber hing ein grosser Spiegel.<

    Wie sollen wir diese Erscheinung deuten? Sollen wir sagen, daß der erste Sinneseindruck, da er vorurteilsfrei war, uns den wirklichen Charakter Ernst Machs zeigt? Oder sollen wir den zweiten Sinneseindruck bevorzugen, der das Ergebnis lebenslangen Beobachtens ist?"

    Paul R. Feyerabend, Die Vernichtund der Vielfalt, Ein Bericht
    Passagen Verlag 2005, S.222

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