48.7.2 fbs

So soll die in Deutschland zu findende relativ große Zahl psychosomatischer Kliniken, irgendwo fern der Städte auf dem Land lokalisiert, dadurch zustande gekommen sein, dass dort ursprünglich einmal Tuberkulosekrankenhäuser lokalisiert wurden (um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren und wegen der wunderbaren frischen Luft). Als die Tuberkulose als Problem an Bedeutung verlor und man keine speziellen Kliniken mehr brauchte, mussten sich die entsprechenden Kliniken als problemdeterminierte Systeme neue Probleme suchen, um ihre Existenzberechtigung zu beweisen.

Die Umwidmund in psychosomatische Kliniken bot sich  an, da sie nicht – wie etwa Akutkliniken – räumlich nahe an den Orten akuter gesundheitlicher Notfälle geplant werden mussten, um möglichst schnelle Interventionen zu erlauben und den Angehörigen häufige Besuche zu ermöglichen. Ganz im Gegenteil: Da man die angeblich problematischen (?) Beziehungen der psychosomatischen Patienten zu ihren Angehörigen als Behinderung für die Therapie betrachtete, war die für die Infektionsprophylaxe wichtige Lokalisierung – fern dicht bevölkerter Gegenden – auch auf die Funktionalität psychosomatischer Kliniken übertragbar.

Allerdings kann es auch sein (und scheint mir wahrscheinlich), dass die Idee, man müsse die Patienten von ihren Familien fernhalten, erst entstanden ist, als es zu begründen galt, warum psychosomatische Kliniken auf dem Land, fern der Städte, gebraucht werden. Die gute Luft allein reichte offenbar nicht als Grund.

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