5.2.4 Re-entry: Wenn eine Innen-außen-Unterscheidung auf der Innenseite dieser Unterscheidung bezeichnet wird, dann soll ein derartiges selbstbezügliches Bezeichnen als Re-Entry (=Wiedereintritt der Unterscheidung in das Unterschiedene) bezeichnet werden und durch folgende Variante des Kreuzes repräsentiert werden:

Figur 9

„Dieser Satz besteht aus 42 Buchstaben oder Zahlen“ – ein simples Beispiel für ein Re-Entry. Der Satz verweist auf ein Objekt: einen Satz, doch dieses Objekt, dieser Satz, ist er selbst.

Oder, etwas subtiler: „Herr Ober, da schwimmt ein kleines Hörgerät in meiner Suppe!“ – „Wie bitte?“

Als Beispiel, das etwas komplexer ist, kann der Film „Adaption“ (Drehbuch: Charlie Kaufmann, Regie: Spike Jonze) betrachtet werden. Er handelt davon, wie ein Charlie Kaufmann das Drehbuch zu einem Film mit dem Titel „Adaption“ nach dem tatsächlich publizierten Buch „Der Orchideendieb“ zu verfassen versucht und dabei scheitert. Der Zuschauer, der diesen Film im Kino sieht, fragt sich, ob Kaufmann nun tatsächlich gescheitert ist, angesichts der Tatsache, dass er diesen Film ja gerade sieht.

Diese Art der Aufhebung der Innen-außen-Unterscheidung ist im Bereich materieller Phänomene nicht möglich. Eine Katze mag ja noch mit hinreichendem Erfolg versuchen, sich in den Schwanz zu beißen. Aber sollte sie versuchen, sich selbst aufzufressen, so hätte sie Schwierigkeiten (spätestens bei der Verdauung). Deswegen ist es wichtig beide Bereiche (Landschaften und Landkarten) auseinander zu halten, denn was im Bereich der Zeichen, der Worte, der Phantasie, des Traums möglich ist, kann an materielle Grenzen stoßen.

Und, das muss eigentlich ja nicht extra betont werden, jedes Bild, das ein Mensch von sich selbst oder besser noch: von sich in der Welt, d.h. von seinen Beziehungen zu seiner belebten und unbelebten Umwelt, seinen Mitmenschen usw. entwickelt, stellt ein Re-Entry dar.




3 Gedanken zu “5.2.4 Re-entry: Wenn eine Innen-außen-Unterscheidung auf der Innenseite dieser Unterscheidung bezeichnet wird, dann soll ein derartiges selbstbezügliches Bezeichnen als Re-Entry (=Wiedereintritt der Unterscheidung in das Unterschiedene) bezeichnet werden und durch folgende Variante des Kreuzes repräsentiert werden:”

  1. Und doch ist die Landschaft bereits ein realer Traum. Kein Grund, Subjekt und Objekt, Wort und Welt, auseinanderzuhalten. Schreibst Du ja selber, in „Lebende Systeme“, S. 13ff.
    Die Landschaft ist ein Konzept, ein Begriff – kein Wort, aber errechnet. Auch die Landkarte ist errechnet. Das Problem ist ein anderes – meines Erachtens: nicht die Verwechslung von Landkarte und Landschaft, es ist die Verwechslung des Kontexts, das Herauslösen aus dem Hier und Jetzt. Papier vs. Leben. Schrift vs. Gesprochenes und Begriffenes. Hier wurzelt mE das Problem. Kein normaler Mensch beißt in eine Speisekarte. Das ist doch völlig schwachsinnig … auch als phil. Gedankenexperiment. Es geht um den Kontext. Immer und immer wieder. Auch bei Verrücktheit. Und der Kontext entsteht verkörpert, im Hier und Jetzt. Ein Satz kann ganz klar sein. In einem Kontext. Und in einem anderen Kontext vollkommen verrückt erscheinen. Im Traum – Kontext Schlaf – kann einem etwas real erscheinen, das im Wachzustand – Kontext Nicht-Schlaf – niemals „möglich“ wäre. Beides ist möglich, kontextabhängig.

  2. @1: Kein Mensch (oder nur ganz wenige) beißen in Landkarten (nicht mal in Speisekarten). Aber viele nehmen Worte für Taten oder denken, die Welt sei so, wie auf der Landkarte gezeichnet, und sie legen daher die implizite Logik des Landkartezeichnens und -lesens ihren Handlungen zugrunde, d.h. sie rechnen nicht mit Bergen usw. (= epistemologischer Irrtum, wie Bateson das nennt).

  3. ad 2) Ach so. Wenn das damit gemeint ist. Mit Bergen rechnen ist auch nicht ganz so einfach, da man auch immer den Fluss mitkalkulieren muss … wie wir ja wissen.

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