52.1.2 Kommunikationsmuster: Es bilden sich soziale Systeme (Kulturgemeinschaften), in denen kulturelle Spielregeln die kollektiven Interpretationsrahmen für beobachtbares Verhalten liefern und die Selektion der als selbstverständlich erwarteten Verhaltensmuster steuern.

Literatur:

„Unter kultureller Identität verstehe ichdie Art und Weise, wie eine Gruppe Erfahrungen mit Hilfe ihrer Mythen, Erinnerungen, Symbole, Rituale und Ideale grundlegend strukturiert. Von der Gesellschaft geschaffen und von daher historischem Wandel unterworfen, ist die kulturelle Identität nichts Statisches, auch wenn sie einen entscheidenden Beitrag leistet, um im Individuum  das Gefühl von Indentität mit sich selbst und von Kontinuität in Raum und Zeit entstehen zu lassen.“

Kakar, Sudhir (1996): Die Gewalt der Frommen. Zur Psychologie religiöser und ethnischer Konfikte. München (C. H. Beck) 1997, S. 200.

 

 




4 Gedanken zu “52.1.2 Kommunikationsmuster: Es bilden sich soziale Systeme (Kulturgemeinschaften), in denen kulturelle Spielregeln die kollektiven Interpretationsrahmen für beobachtbares Verhalten liefern und die Selektion der als selbstverständlich erwarteten Verhaltensmuster steuern.”

  1. Die zivilisierten Kommunikations- und Verhaltensmuster kommen ins Wanken, wenn sich die Kulturgemeinschaft durch weniger Zivilisierte bedroht fühlt. Dann findet eine Regression zu früheren kulturellen Spielregeln statt, beispielsweise der Bau von Mauern (vgl. Trump) und Zäunen (vgl. Orban), so wie es im Mittelalter überall Mauern und Zäune gab, um unerwünschte Eindringlinge fern zu halten.

  2. Der Kampf beginnt im Kinderzimmer,
    wer bekommt das Puzzle , wer die Eisenbahn…

    ein gemeinsames Spiel zu kreieren ist die intelligente Variante …

    Miteinander spielen,
    gegeneinander spielen …
    unabhängig voneinander spielen ..

  3. @ 2 Die Kommunikations- und Verhaltensmuster im Kinderzimmer, in Talkshows und ZEIT-Feuilletons folgen kulturellen Spielregeln die kollektiven Interpretationsrahmen für beobachtbares Verhalten liefern und die Selektion der als selbstverständlich erwarteten Verhaltensmuster steuern. Und immer geht es dabei um Identität bzw. den Abgleich des Selbstbilds mit dem Fremdbild.
    Doch manchmal kann es auch zu Irritationen kommen, wie folgende Feststellung zeigt: „Es ist ein Unglück, dass die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleinern Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen oder so etwas –: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahin gegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.“ Schrieb vor 87 Jahren, als Tucholsky.

  4. „Camilles religiöse Erziehung war eher oberflächlich. Sie erhielt zwar die üblichen Sakramente, ging auch zur Erstkommunion, wenngleich ihr Vater, der Freigeist, diesen Dingen gleichgültig gegenüberstand. Ebenso gleichgültig war die Mutter, unselbständig, ohne eigene Meinung; erst im hohem Alter sollte sie, unter dem Einfluß ihres Sohnes, zur Frömmigkeit zurückfinden. Camille entdeckte schon sehr früh Renan und wurde zur glühenden Verfechterin des Agnostizismus.

    Daß das Thema Sexualität im Hause Claudel, wie damals in allen Familien, tabu war, kann man sich leicht vorstellen. Dies darf man jedoch nie außer acht lassen, will man ermessen, wie kühn Camille Claudel sich schöpferisch ausdrückte.“

    Camille Claudel, a.a.O. S.26

Schreibe einen Kommentar