55. Organisation

Die meisten Organisationsforscher und -theoretiker betrachten Organisationen als Handlungssysteme, d.h. sie untersuchen Akteure und ihre Interaktionen. Beispielhaft dafür ist Karl Weick (er geht allerdings über die Aktionen eines Einzelenen hinaus, inspiriert durch die Kommunikationstheorie Paul Watzlawicks), der seine Aufmerksamkeit nicht auf die Handlungen eines Einzelnen richtet, sondern auf Interakte bzw. deren Anschluss aneinander: Er definiert „doppelte Interakte“ als Basiselemente von Organisationen. Von dieser Definition aus ist es nur ein kleiner Schritt zur Definition von Organisationen als Kommunikationssystemen, wie es wohl am konsequentesten von Niklas Luhmann propagiert wird.

 

Literatur:

„Eine Person führt irgendeine Handlung aus, auf die eine zweite Person reagiert, worauf die erste irgendeine vollendende Reaktion auf das, was die zweite tat, von sich gibt.“

Weick, Karl (1979): Der Prozeß des Organisierens. Frankfurt (Suhrkamp), 1985, S. 168 f.




1 Gedanke zu “55. Organisation”

  1. Apropos „Organisieren“: „Die Populisten versuchen, die neu entstandenen deklassierten Massen zu organisieren, ohne die Eigentumsverhältnisse, auf deren Beseitigung sie hindrängen, anzutasten. Sie sehen ihr Heil darin, die Massen zu ihrem Ausdruck (beileibe nicht zu ihrem Recht) kommen zu lassen.“ Walter Benjamin, 2019
    Ursprünglich: „Der Faschismus versucht, die neu entstandenen proletarisierten Massen zu organisieren, ohne die Eigentumsverhältnisse, auf deren Beseitigung sie hindrängen, anzutasten. Er sieht sein Heil darin, die Massen zu ihrem Ausdruck (beileibe nicht zu ihrem Recht) kommen zu lassen.“ Walter Benjamin, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Nachwort, 1936

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