55.2 Definierendes Problem/Lösung: Wenn das Erreichen sachlicher Ziele/Zwecke nur durch die Realisierung komplexer, synchron und diachron geordneter Aktionen (Prozesse/Arbeitsteilung) erreicht werden kann und dies wiederholt und zuverlässig geschehen soll, dann muss die Unabhängigkeit dieser Prozesse von konkreten Akteuren sichergestellt werden, was durch die Kreation sozialer Systeme gelingt, deren Funktionen erhalten bleiben (=fest gekoppelt), während die Mitglieder austauschbar (=lose gekoppelt) sind.

Die Austauschbarkeit ihrer Mitglieder ist die Voraussetzung dafür, dass Organisationen langfristig überleben können. Aber das gilt auch für spezifische Funktionen innerhalb eines Gemeinwesens, deren Erfüllung durch die Schaffung spezifischer Rollen und die Austauschbarkeit der Inhaber dieser Rollen (z.B. Landärzte, Hebammen, Wahrsager, Küchenmädchen usw.).

Bezogen auf Organisationen resultiert daraus ein Paradox für deren Gründer, dem sich z.B. Unternehmensgründer nur unter Schmerzen stellen, wenn sie sich total mit ihrem Unternehmen identifizieren (das gilt aber für jeden anderen, der sich mit der Organisation identifiziert, für die bzw. in der er oder sie arbeitet). Dafür zu sorgen, dass man selbst austauschbar wird/bleibt, sichert die lanfristige Existenz der Organisation. Aber es ist zwangsläufig eine emotionale Herausforderung für jeden, der versucht, seine Einzigartigkeit zu beweisen. Daher sind in der Hinsicht Menschen, die nicht derartige narzisstische Bedürfnisse haben und bescheidener sind, erfolgreicher… (oder sie schaffen sich Kinder an, die im „Idealfall“ den Eltern ihre Nicht-Austauschbarkeit erlebbar machen – was allerdings nur zu oft eine Illusion oder Ausdruck von Wunschdenken ist).

 

Literatur:

„Das Küchenmädchen war eine Person in abstracto, eine ständige Einrichtung, der einige unveränderliche Attribute eine gewisse Kontinuität und Identität gewährleisteten durch eine Reihe aufeinanderfolgender vorübergehender Verkörperungen hindurch, unter denen sie erschien, denn wir hatten niemals zwei Jahre hintereinander das gleiche Wesen im Hause.“

Proust, Marcel (1913): Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In Swanns Welt. Frankfurt (Suhrkamp) 2000,  S. 111.




15 Gedanken zu “55.2 Definierendes Problem/Lösung: Wenn das Erreichen sachlicher Ziele/Zwecke nur durch die Realisierung komplexer, synchron und diachron geordneter Aktionen (Prozesse/Arbeitsteilung) erreicht werden kann und dies wiederholt und zuverlässig geschehen soll, dann muss die Unabhängigkeit dieser Prozesse von konkreten Akteuren sichergestellt werden, was durch die Kreation sozialer Systeme gelingt, deren Funktionen erhalten bleiben (=fest gekoppelt), während die Mitglieder austauschbar (=lose gekoppelt) sind.”

  1. Wir hatten in den vergangenen zehn Jahren kein komplettes Jahr über den gleichen Chef in unserer Firma. Vielleicht braucht sie keinen Chef? Jedenfalls funktioniert das Ganze auch ohne ihn – und ohne ihn wesentlich ungestörter und entspannter.

  2. @1: Wenn ein Chef kommen und aktiv werden könnte (=Drohung), dann hat das eine konfliktverhindernde Wirkung. Würde er offiziell abgeschafft, dann käme es wahrscheinlich zu Konflikten.

  3. @1 … denselben oder dengleichen? Und wer ist „sie“ ?
    Die Firma … oder wer oder was?

    Bei einer one-man-show in praxi isses aber auch egal …
    man muß es halt nur verwinden können …
    Das Prinzip vom Prinzip im Prinzip, mein ich:

    „Die Vergangenheit und die Erinnerung haben eine unendliche Kraft, und wenn auch schmerzliche Sehnsucht daraus quillt, sich ihnen hinzugeben, so liegt darin doch ein unaussprechlicher süßer Genuß. Man schließt sich in Gedanken mit dem Gegenstande ab, den man geliebt hat, und der nicht mehr ist, man kann sich in Freiheit und Ruhe überall nach außen hinwenden, hilfreich und tätig sein, aber für sich fordert man nichts, da man alles hat, alles in sich schließt, was die Brust noch zu fühlen vermag. Wenn man das verliert, was einem eigentlich das Prinzip des gedankenreichsten und schönsten Teils seiner selbst gewesen ist, so geht immer für einen eine neue Epoche des Lebens an. Das bis dahin Gelebte ist geschlossen, man kann es als Ganzes überschauen, in seinem Gemüt durch Erinnerung festhalten und mit ihm fortleben, Wünsche aber für die Zukunft hat man nicht mehr, und da man durch diese Erinnerung eine beständige geistige Nähe gewissermaßen genießt, in allen seinen Kräften sich sich gehoben empfindet, behält auch das Leben, das ja die Bedingung aller dieser Empfindungen ist, noch seinen Reiz. Ich empfinde keine Freude der Natur schwächer als sonst, nur die Menschen meide ich, weil Einsamkeit mir inneres Bedürfnis ist.“
    Wilhelm von Humboldt: aus „Briefe an eine Freundin“, Berlin, 18. Mai 1829

  4. @ 2 und 3: Die Firma hatte nicht dienselben Chefs, sondern zehn unterschiedliche.
    Neun hatten die gleiche Strategie, nämlich höhere Umsätze durch höhere Preise (was gut funktionierte).
    Der aktuelle Zehnte hat eine Innovations- und Wachstumsstrategie, weil er meint, dass die alte Strategie nicht mehr lange funktioniert: Höhere Umsätze durch neue Produkte.
    Allen Chefs war gleich, dass sie die Akteure von ihren Strategien überzeugen mussten, was zeitaufwendig war. Der neue meint, die Organisationsstrukturen und Arbeitsprozesse umkrempeln zu müssen, was Widerstände hervorruft und noch mehr Zeit bedarf. Zudem ist offen, ob es genügend Innovationen geben wird und wie die Kosten des Unternehmenswachstums finanziert werden können.
    Meiner Meinung nach ist das eine „mission impossible“, die wahrscheinlich scheitern wird, obwohl ich ihr natürlich Erfolg wünsche und gern zu ihrem Gelingen beitrage.

  5. Der Satz beschreibt eine stabile, gleichförmige Organisation.
    Voraussetzung ist, dass die Tätigkeiten der Akteure definiert sind und
    die Akteure geschult sind.

    Handelt es sich um Tätigkeiten höherer Komplexität ist intensives strukturiertes Lernen notwendig, was wir Erfahrung nennen.

    Je komplexer die Tätigkeit desto weniger austauschbar sind die Akteure.

    Gestern habe ich den Film Sully gesehen, mit Tom Hanks;
    hier wird deutlich wie bei hochkomplexen und neuen ! Situationen die Austauschbarkeit der Akteure begrenzt sein kann.

  6. Wobei ich immer diese Forderung der Austauschbarkeit für sehr wertvoll im täglichen Mitarbeiter-Miteinander empfunden habe.
    Es erleichtert Mitarbeiterwechsel, fördert das Vertrauen in die Fähigkeiten neuer Mitarbeiter ..und macht flexibler.

    In diesem Kontext stört mich! enorm wenn große Organisationen offizielle e-Mails schreiben und ich sehe als Absender „Lieschen Müller“ statt z.B. „Buchhaltung“

    Diese Personifizierung ist sogar lächerlich bei unseren heutigen Arbeits- und Urlaubszeiten, die diese angebliche Kontinuität verunmöglichen.

  7. @6: Es kann sogar sehr ärgerlich sein, wenn persönliche Beziehungen vorgetäuscht werden, wo es um die Beziehungen zu Organisationen bzw. deren Funktion geht.

    So kenne ich eine Organisation, bei der mir das Schicksal den Kontakt zu einem Menschen beschert hat, der mich außerordentlich nervt und mit dem ich eigentlich nichts zu tun haben will. Er hat noch mindestens zwanzig Kollegen, die allesamt dieselbe Funktion haben und eigentlich genausogut diese Aufgabe erfüllen könnten, die ich der Organisation zugedacht habe (- das machen sie auch für andere Leute). Aber immer, wenn ich dort anrufe und froh bin, einen anderen Menschen am Telefon zu haben, werde ich an diesen unmöglichen Menschen verwiesen. Er ruft – Gipfel des Schreckens – sogar zurück, ohne dass ich darum gebeten hätte. Ich entkomme ihm einfach nicht – ein Graus.

    Das Prinzip nennt sich „One Face to the Costumer“ – und keiner fragt den Costumer, ob ihm das recht ist…

  8. aha, das betrifft aber nicht nur Ihre Firma, sondern das entspricht dem „neoliberalen“ Konzept, das sich aus dem Grundkonzept „buy low-sell high“ speist.
    Eine genuine Wachstumsbremse gibt es dabei nicht, sondern rast -von der Idee „immer höher, immer schneller, immer weiter“ als Basis (=Prämisse) einer völlig irrealem „Innovations-“ = „Erfolg“ – Ideologie“ angetrieben, was in Klartext übersetzt bedeutet, daß es immer nur nach oben gehen könne, nicht nur rasend in den eigenen und fremdproduzierten Stillstand (was eben selbst für irgendwelche VIPs immer mehr Zeit frisst und immer größere Probleme schafft) , folglich parasitäre Prämissen, die auch die stereotypen Absurditäten im Verhalten der Verhandlungsführer von Großkonzernen, wie z.B: SAP- o.ä.- trainierten organisationsoptimierenden, vorgeblich sozialen „Influencern“ beschreiben.
    Der neueste bzw. schön länger laufende auf der neoliberalen Schiene laufende Gag sind zunächst hochpreisig gesponsorte -möglichst spektakulär elitäre- Geiz ist geil – Gönner Events, ob im Sport, ob in der Mode, ob im Tourismus-, ab im Oldtimer-. im Immobilien-, im Kunst-, ob im Spirituosen Delikatessen-Handel …
    alles Zeugs, was einerseits zu Ludwig Erhard’s Zeiten bereits gepriesen wurde, dessen quasi ungefilterten Re-Load sich gewisse Leute aus tendentiell Links- genau so wie Rechts- orientierten „Sozial“- Fraktionen gerne anziehen.
    Nur beinhaltet eben jede Form einer Neigung zum Überfressen aus Gier -ohne irgendwelche in die eigenen Algorithmen eingebaute Stop-Mechanismen – z.B. von Abneigung bis hin zur Übelkeit und Ekel – den parasitär infiltrierten Kick, der die Sucht im Größenwahn ab einer gewissen Größe nicht mehr zu stoppen vermag.
    Auf dieser Basis verbleiben dann – unter Beibehaltung derselben „Erfolgs“-Prämissen eine ganz radikale Abstinenz und Abfuhr, die bereits vom Ansatz her sowohl die Zufuhr, als auch die Ausfuhr und Verbreitung parasitärer Dysfunktionalitäten drosseln soll-
    Derartige -vorgeblich [und potentiell] die „soziale Attraktivität“ mit implementiertem Plan steigernden Ansätze funktionieren jedoch deshalb nur äußerst begrenzt -trotz Maßgaben wie in multilokal diverisifizierenden Ansätzen, unter Vorgaben wie, „sei [so liquide] wie Wasser“, wenn die Grundlagen und deren Ver- als auch die Entsorgung nicht zu Ende gedacht und x-beliebig unter denselben Vorgaben vom Ansatz her das dahinterstehende Kalkül beherrschen.

    Zum aktuellen Stand (in etwa):
    https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Opiumkrieg

    Paracelsus mit seiner Maßgabe „dosis facit venenum“ läßt sich halt nirgendwo aushebeln oder umgehen. Auch nicht unter bzw. durch -wie auch immer als superraffiniert gestaltete, in gemeiner bis gemeinster Nützlichkeit gehaltene – äußerst liquide arbeitende Taktiken.
    Im Zweifel schlägt die Natur dann einfach gnadenlos zurück, sofern es sich um Überflüssigkeiten -gleichgültig in welcher Form – dreht.

  9. …auf ihre Art schon …
    Probleme lösen sich bekanntermaßen gelegentlich in Luft auf und verschwinden einfach …
    Nur was macht man mit einem Problem, das einfach nicht (mehr) existiert?
    Was für ein Verlust für Personen, die einmal Probleme hatten?

    Nur fragt sich im allgemeinen schon, welche Maßstäbe man anlegen könnte, angesichts von Fragestellungen wie z.B.
    Ab wann wird ein Problem zu einem Problem?
    Erst dann wenn es nicht (mehr) funktioniert?

    Gesetzt den Fall, -frei nach Watzlawick- die Lösung sei das Problem,
    fragt sich dann nicht vorab, wer vorab irgendetwas als Problem sieht und
    dieses als das bzw. ein Problem bezeichnet bzw. u.U. lange schon gekennzeichnet hat?

    Wer oder was ist dann ge(kenn)zeichnet?
    Das Problem?
    Oder die Person, die ein Problem sieht?

    Man könnte natürlich auch fragen:
    Was wäre denn eigentlich ein Problem?
    Oder auch: Was macht denn ein Problem überhaupt erst zu einem Problem?
    Ist es etwas, das einem fremd vorkommt und das man nicht auf Anhieb versteht?
    Oder ist es vielleicht etwas Bekanntes, das -sobald es irgendwo auftaucht- diffuses Unbehagen und Bauchschmerzen bereitet, die man aber nicht näher benennen kann?
    Zumindest nicht zu demselben Zeitpunkt, wenn es auftaucht.

    Ach, wenn nur die Eule der Minerva mit der Einsicht im Gepäck nicht immer zu spät käme, dann sähe die Welt vermutlich ganz anders aus …

    🙂

  10. Nur wer entscheidet dann, was „garbage“ ist bzw.
    was u.U. auch „Kompost“ sein bzw. als „Kompost dienen“ könnte?

    Jetzt mal ernsthaft, im Sinne einer vom Ansatz her gut geheißen Re-Cycling-Idee,
    in letzter Konsequenz mitsamt allen möglichen Metaboliten einmal durchdacht
    https://static.nytimes.com/email-content/INT_4981.html

    Mediziner bzw. Pharmako- und Toxikologen mögen es mit der Dosis-Frage
    vielleicht etwas leichter haben als finanzökonomisch interessierte und auf rein rechnerischer Basis betriebswirtschaftlich Massen vertreibende und umsetzende Personen…

    Bestehen eigentlich irgendwo Interessenkonflikte?
    Ach, i wo?

  11. na dann bin ich jetzt aber mal gespannt, wer schneller am Ziel ist …
    Alle Neune, die die gleiche Strategie verfolgten (parallel geschaltet, alle in eine Richtung, soz. in einfacher positiver Rückkopplung) nach der Milchmädchen-Rechnung m: Höhere Preise + höhere Umsätze = höherer Gewinn.

    oder

    der Zehnte , der als Organisationsstrukturen-Verbesserer und Umkrempler auftritt, der offensichtlich nach Innovationen sucht und offenbar gleichzeitig die Kosten nicht (noch) in die Höhe treiben möchte, auch wenn er dasselbe Prinzip verfolgt:
    Eine möglichst große Gewinnmaximierung unter maximaler Kostenminimierung. (auch eine in diesselbe Richtung laufende Taktik wie die übrigen Neun, nur daß jetzt der einfachen Mac=Jobs Version noch die Google Analytics-Variante zugeschaltet ist, die von der Bande aus immer nochmals antreibt bzw. abstoppt, was bei dieser Form (auch als „Bowling“ bezeichnet gerade noch zulässig sein könnte an weitere Förderung und Beförderung im Androiden- System bzw. im stationär verbleibenden MS-Windows und was nicht.

    Bekanntermaßen braucht es halt eine Weile, überflüssigen Kram zu entsorgen, der sich diarrhoisch, sprich dünnschissartig durch alle möglichen Filter hindurch viral verbreitet hat. Und durch den gesammelten Dünnschiss hindurch auch -in parasitärer Virulenz für genügend Zweifel auf beiden Seiten der Pro’s und Contra’s gesorgt hat.

    Als ob nicht alle von alleine schon wüßten (bzw. wissen könnten), was ihnen schmeckt, was ihnen gut tut und wovor es einen ekelt…

    Die süße Verführung halt, mit dem speziellen Kick, die einen in Höhenflüge katapultieren kann … wer kennt das nicht?

    Nur die Quittung dafür erscheint so schwer zu schlucken. Vor allem dann, wenn der Trip nicht gehalten hat, was er verspricht.

    Dumm gelaufen eben
    und das auch noch in doppelter Hinsicht …
    🙂

    Letzteres wird deshalb zur „misdion i
    possibel

  12. so, Google Analytics via Telekom kann vom iPhone aus gesendet, doch mithalten.
    In der „bandengeschützen“ Direkten Draht ohne Draht-Version“ , es kommt offenbar nur auf die Sendemasten – Dichte an.

    Es funktioniert schon, auch

    Die Einzigen, die sich teils in übelster Weise mit ihrem Profitoptimierungstrieb dazwischen drängen, sind -wie könnte es bei Nachbauten von Modellen im US-amerikanischen Mac & Jobs Muster, sprich in etwas umgestrickter Re-Import einstig und ehemaliger eigener Export-Ware- anders sein, sind die unter „art management“ und deren „art directors“ laufenden kommerziellen Werbekonzerne.
    Was bei deren Einkünften im Hinblick auf deren rein lobbypolitisch strukurierter Preisgestaltung und keineswegs alleine im Hinblick auf die Absatzmarktpolitik verhandlungsbedürftig ist, sondern selbstverständlich auch bezüglich der Entlohnung der für sie tätigen Künstler und Web-Designer, die teils in gnadenloser Selbstausbeutung diese Märkte bedienen.

    Wie grausam destruktiv und spaltend sich diese Märkte in ihrer Zügellosigkeit und Gier vor dem Hintergrund der „copy-paste – und -fake“ allumfassend möglichen technischen Reproduzierbarkeit entfalten können, läßt sich im 360°-Rundumblick allenthalben dort feststellen, wo sich paradoxe Muster auftun, die üblicherweise als „Probleme“ gehandelt werden, deren „(End)-Lösungen“ nicht als mit den Problemen gekoppelt bzw. besser noch gestrickt und teils eben definitiv und restlos verstrickt betrachtet werden können.

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