55.5 Entscheidung: Eine Kommunikation oder ein psychisches Ereignis, bei dem zwischen (mindestens) zwei sich gegenseitig negierenden Handlungsoptionen (=Alternative) eine selektiert und als Konsequenz tatsächlich realisiert wird, soll Entscheidung genannt werden.

Hier ist das Wort „tatsächlich“ zu betonen. Denn es werden ja jeden Tag in Organisationen (aber auch von Einzelnen und in anderen sozialen Kontexten) vermeintliche (!) Entscheidungen getroffen, die keinerlei Handlungskonsequenzen haben. Diese Art der Pseudo-Entscheidungen hat dann etwa den Stellenwert von Vorsätzen fürs neue Jahr, die in angetrunkenem Zustand bei Sylvester-Partys geäußert werden.

 

Literatur:

„Organisationen erzeugen Entscheidungsmöglichkeiten, die es anderenfalls nicht gäbe. Sie setzen Entscheidungen als Kontexte für Entscheidungen ein. An die Entscheidung uüber Mitgliedschaft können Unmengen anderer Entscheidungen angeschlossen werden. Man kann Weisungsunterworfenheit vorsehen, Arbeitsprogramme festlegen, Kommunikationswege vorschreiben, Personaleinstellungen und Personalbewegungen regulieren, und all das in allgemeiner Form, die dann situativ in Entscheidungen umgesetzt wird.“

Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt (Suhrkamp), S. 830).




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