57.1 Definition: Ein durch die Synchronisierung des Erlebens bzw. Fühlens einer großen Zahl von Individuen entstehendes soziales System, das zur Synchronisierung der individuellen Verhaltensimpulse führt, sodass qualitativ gleiches, individuelles Verhalten (=Aktionen) multipliziert wird, soll Masse genannt werden.

Literatur:

„Was Monsieur de Charlus betraf, so lag sein Fall ein wenig anders, aber sogar noch ungünstiger, denn der Baron ging noch weiter, als nur leidenschaftlich den Sieg Frankreichs nicht zu wünschen; er wollte vielmehr, ohne es sich einzugestehen, daß Deutschland, wen auch nicht triumphierte, so doch wenigstens keinesfalls vernichtet würde, wie alle Welt es sich wünschte. Der Grund dafür lag in der Tatsache, daß in diesen Streitigkeiten die großen Gesamtheiten von Individuen, die man Nationen nennt, sich ihrerseits in gewissem Maße wie Individuen betrugen. Die Logik, von der sie sich leiten lassen, liegt vollkommen in ihrem Innern und wird unaufhörlich durch die Leidenschaft neu produziert wie diejenige von Menschen, die sich in einem Streit unter Liebenden oder in einem häuslichen Zwist gegenüberstehen, der Auseiandersetzung eines Sohnes mit seinem Vater, einer Köchin mit ihrer Dienstherrin, einer Frau mti ihrem Mann.“

Proust, M. : Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Frankfurt (Suhrkamp) 2000, S. 3812.




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