67.3.3.1 Passive Negation: nicht-p [er/sie/es glaubt/behauptet nicht den Satz p bzw. er/sie/es vollzieht nicht die Aktion p, wobei undefiniert bleibt, was nicht-p bedeutet bzw. welches die Merkmale der Unterscheidung von nicht-p sind (=unmarkierter Raum, Zustand oder Inhalt)].

Figur 71

 

Für eine Theorie des Konflikts, d.h. eine Subgruppe psychischer und/oder sozialer Systeme, ist die passive Negation relevant, soweit es um die Zuweisung von Bedeutungen im Rahmen der Aussagenlogik geht. Das ist aber nur ein Aspekt, der für Konflikte, die sich diskursiv entfalten, von Wichtigkeit ist. Viel zentraler für die Dynamik sozialer Systeme sind passive und aktive Negation im Rahmen einer Handlungslogik.

Beispielhaft sind hier politische Konflikt die bzw. die Positionierungsmöglichkeiten der beteiligten Parteien. In der Nazizeit waren z.B. ja nicht alle Deutsche (und Österreicher) aktive Mitglieder der NSDAP. Es gab viele Leute (habe ich mir sagen lassen), die gegen die Nazis waren, aber dennoch nicht in den Widerstand gegangen sind. Sie haben es dabei belassen, dass sie nichts für, aber auch nichts gegen die Nazis unternommen haben – sie haben sie passiv negiert. Diese Reaktion ist auf politischer Ebene ein Aspekt der Strategien totalitäter Regimes. Generell gilt ja, dass sozial nicht existiert, was nicht in die Kommunikation gelangt. Daher wirkt die passive Negation aktueller gesellschaftlicher Verhältnisse, mit denen man nicht einverstanden ist, in keiner Weise verändernd. Das gilt heute wie damals. Schweigen heißt zwar nicht – wie der Volksmund sagt – zustimmen, aber es hat zumindest keine in Frage stellende Wirkung…

 

Literatur:

„Die Negation der formalen Logik ist im allgemeinen die passive Negation. So stützen sich zum Beispiel die Gesetze des Denkens immer auf die passive Negationsform. Das Prinzip des Widerspruchs »Nicht (I und nicht-I) in seiner Bedeutung: nichts kann I und gleichzeitig auch sein Gegenteil (nicht-I) sein ist in diesem Zusammenahng also als »Nicht (I und nicht-I)« zu verstehen; das Prinzip des Ausgeschlossenen Dritten, des Tertium non datur, in seiner Bedeutung von »Entweder Satz I oder nicht Satz I, eine dritte Möglichkeit besteht nicht«, dagegen als »Entweder Satz I oder Satz II«. (S. 166)

Elster; Jon (1979): Aktive und passiver Negation. Essay zur ibanskischen Soziologie. In: Watzlawick, Paul (Hrsg.) (1984): Die erfundene Wirklichkeit. Wie wir wissen, was wir zu wissen glauben. Beträge zum Konstruktivismus. Müchen (Piper) Neuausgabe 1984, S.  163 – 191.




1 Gedanke zu “67.3.3.1 Passive Negation: nicht-p [er/sie/es glaubt/behauptet nicht den Satz p bzw. er/sie/es vollzieht nicht die Aktion p, wobei undefiniert bleibt, was nicht-p bedeutet bzw. welches die Merkmale der Unterscheidung von nicht-p sind (=unmarkierter Raum, Zustand oder Inhalt)].”

  1. Nochmal und immer wieder, weil in dieser Hinsicht so verdammt viele Mißverständnisse gibt:

    „Es gab viele Leute (habe ich mir sagen lassen), die gegen die Nazis waren, aber dennoch nicht in den Widerstand gegangen sind. Sie haben es dabei belassen, dass sie nichts für, aber auch nichts gegen die Nazis unternommen haben – sie haben sie passiv negiert. Diese Reaktion ist auf politischer Ebene ein Aspekt der Strategien totalitäter Regimes. Generell gilt ja, dass sozial nicht existiert, was nicht in die Kommunikation gelangt. Daher wirkt die passive Negation aktueller gesellschaftlicher Verhältnisse, mit denen man nicht einverstanden ist, in keiner Weise verändernd. Das gilt heute wie damals.

    Schweigen heißt zwar nicht – wie der Volksmund sagt – zustimmen, aber es hat zumindest keine in Frage stellende Wirkung…“

    Man muß den letzten Satz vom vorherigen trennen.
    Denn:
    Zwischen Totschweigen und (er)dulden -weil es mitunter garnicht anders geht- liegen Welten.

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