67.3.3.2 Aktive Negation: q ( nicht-p) [er/sie/es glaubt/behauptet den Satz q, das impliziert () nicht-p bzw. er/sie/es vollzieht die Aktion q, das impliziert nicht-p, denn die Bedeutung nicht-p ist in q impliziert und durch die Merkmale der Unterscheidung von q spezifiziert (=markierter Raum, Zustand oder Inhalt)].

Figur 72

Aktive Negationen auf der Handlungs- oder Kommunikationsebene haben eine soziale Wirkung. Widerspruch, Widerstand. Opposition, die nicht nur laut wird, sondern  – um noch einmal das Nazibeispiel zu strapazieren – eventuell sogar in den Untergrund geht und zu den Waffen greift, um das Regime aktiv zu negieren.

Bei psychischen Konflikten können z.B. Zwangssymptome als Versuche der aktiven Negation unerwünschter Wünsche oder auch nur Gedanken erklärt werden.

 

Literatur:

„Auf analoge Weise leugnete die primitive Mentalität auch den Unterschied zwischen Atheismus als aktiver Negation Gottes und  den Agnostizismus als passiver Negation. Wr erkenntn hier nicht das »Entweder man ist dafür oder dagegen« des Alltagsmanichäismus wieder?

DAs soeben angeführte Beispiel ist ein Sonderfall eines großen Problemkomplexes, wie ihn die modale Logik untersucht. Im klassischen Paradigma dieser Theorie wird »Np« für die Notwendigkeit des Satzes p und »Mp« für seine Möglikeit gesetzt. Die passive Negation von »Np« ist also »Nicht(Np)«, was einem »M(nicht-p)« entspricht; die aktive Negtion ist »N(nicht-p). Nun eignen sich aber die die Operatoren »N« und »M« auch für andere Interpretationen , darunter die folgenden. In der deontischen Logik bedeutet »Np«, »Man muß p tun« und »Mp«, »Man darf p tun; später wird die Bedeutung ersichtlich, die hier der Unterscheidung von aktiver und passiver Negation zuwächst. Dann gibt es mehrere Versionen der epistemologischen Logik: in der Logik des Wissens wird »Np« gelesen als »A weiß p«, in der Logik des Meinens als »A glaubt p«, wobei in beiden Fällen »Mp« als »Nicht[N(nicht-p)] aufgefaßt wird. Festgehalten sei, daß die Logik des Meinens eine Axiomatisierung des rationalen Meinens ist, was ein Prinzip des Widerspruchs selbst bei der aktiven Negation einschließt. Adnererseits gibt es bei der aktiven Negation kein Prinzip des Ausgeschlossenen Dritten. Im Rahmen der modalen Systeme sei überdies auf die temporale und die intentionale Logik verwiesen. Bei dieser letzteren muß zwischen dem Wunsch, x nicht zu tun, und der Abwesenheit des Wunsches, x zu tun, unterschieden werden; (…).“ (S. 166f.)

Elster; Jon (1979): Aktive und passiver Negation. Essay zur ibanskischen Soziologie. In: Watzlawick, Paul (Hrsg.) (1984): Die erfundene Wirklichkeit. Wie wir wissen, was wir zu wissen glauben. Beträge zum Konstruktivismus. Müchen (Piper) Neuausgabe 1984, S.  163 – 191.




7 Gedanken zu “67.3.3.2 Aktive Negation: q ( nicht-p) [er/sie/es glaubt/behauptet den Satz q, das impliziert () nicht-p bzw. er/sie/es vollzieht die Aktion q, das impliziert nicht-p, denn die Bedeutung nicht-p ist in q impliziert und durch die Merkmale der Unterscheidung von q spezifiziert (=markierter Raum, Zustand oder Inhalt)].”

  1. ach Gott, wer soll sich denn sowas zu Gemüte führen.
    Bin zwar nicht so ganz uninteressiert an Mathe und Logik,
    aber bis die mal aus den Puschen kommen, sind die schönsten
    Torchancen längst abgeräumt. Mitsamt Eigentoren …

    Jedenfalls versteht das doch sowieso mal wieder keine Sau.
    Zumindest bräuchte man mal so etwas einfaches, das zumindest
    die Chance hat viral zu gehen:

    https://www.msn.com/de-de/nachrichten/wissenundtechnik/selbst-google-scheitert-diese-aufgabe-löst-nur-jeder-zweite-über-20-richtig/ar-AAIooAW?ocid=spartanntp

    Theoretiker soag I …
    🙂

  2. Stellen Zwangssymptome wirklich Versuche der aktiven Negation unerwünschter Wünsche dar und nicht eher Versuche der passiven (weil unbewussten) Negation unerwünschter Wünsche? Und warum eigentlich „Versuche“?

  3. In Hegels „Wissenschaft der Logik“ wird die negative Konstitution von Grenze (erste Negation) und die negative Konstitution des Etwas in seiner Grenze und durch seine Grenze expliziert (Negation der Negation). Es soll nun die Rolle der Negativität in diesen drei Stadien, die aufeinander fußende Komplexitätniveaus von Selbstreferenz sind, beleuchtet werden. Indem Hegel das „reine Sein“ vor das „reine Nichts“ stellt, stellt er die „abstrakte Grundlage“ des Positiven vor die abstrakte Grundlage des Negativen, auch wenn er sagt, dass beide „untrennbar“ sind, nämlich die „die reine Unbestimmtheit und Leere“. „Die Analyse des Anfangs gäbe somit den Begriff der Einheit des Seins und des Nichtseins – oder , in reflektierterer Form, der Einheit des Unterschieden- und des Nichtunterschiedenseins – oder der Identität der Identität und Nichtidentität“.
    http://www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de/article/769.hegels-begriff-der-negativitaet-i.html

  4. @4: Obwohl die Begriffe des „reinen Seins“ oder auch „reinen Nichts“ nicht ganz in die Theorie passen, trifft die Formulierung „Einheit des Unterschiedenen“ ziemlich gut, worum es geht…

  5. naja, es sind eben die Endlosschleifen, die das Ganze dann infolge des Wechsels der on-off-Modalitäten innerhalb der Rückkopplungen in den bzw. aus dem Dreck ziehen.
    Insofern auch überhaupt nichts Neues …
    wenn Sand im Getriebe ist hakt es halt.

    „Das BEkannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht ERkannt.
    Es ist die gewöhnlichste Selbsttäuschung wie Täuschung anderer,
    beim Erkennen etwas als bekannt vorauszusetzen und es sich ebenso gefallen zu lassen; mit allem Hin- und Herreden kommt solches Wissen,
    ohne zu wissen WIE ihm geschieht, nicht von der Stelle.“

    Hegel, Vorrede zur Phänomenologie des Geistes

  6. @ibanskisch
    Ibansk ist ein fiktives Land, das der sowjetische Autor Alexander Sinowjew 1976 in seinem Roman „The Yawning Heights“ erfunden hat (deutsch: „Gähnende Höhen“). Jeder Bürger Ibanskis heißt Iban Ibanovich Ibanov und trägt deshalb einen Spitznamen. Der bewundernswerteste Charakter ist Bawler. Wahrsager ist offensichtlich Alexander Solschenizyn. Kleinere Charaktere sind schwieriger herauszufinden. Ihre politische Religion heißt Ism (was für Soc-ism steht), und niemand glaubt wirklich daran. Als es geschrieben wurde, war das Buch im Wesentlichen eine Beschreibung der Sowjetunion der Superlative.
    Ibansk heißt grob übersetzt: „Screw town für alle Ivans“ (to screw = schrauben, sich schrauben lassen, angeschraubt werden, vulgo: vögeln, ficken, bumsen und umlegen sowie bescheißen).
    Ein Schelm, wer bei der Eingabe seiner IBAN Schlechtes denkt.

    Die passive Negation ist die entwickeltste Form der ibanskischen Persönlichkeit, selbst wenn die aktive Negation kraft ihrer bestimmten Eigenschaften ihre verblüffendste ist: „Hervorragender Geist und Verstand wird hier als nicht normal und hervorragende Dummheit wird als hervorragender Geist und Verstand aufgefasst. Moralisch hochstehende Menschen werden hier als unmoralische gemeine Kerle angesehen und höchst niederträchtige Nullen als Muster an Tugend. Es geht hier nicht einfach um das Nichtvorhandensein von irgend etwas, sondern um das Vorhandensein von irgend etwas anderem. Im Endergebnis bildet sich ein eigentümlicher negativer Persönlichkeitstyp heraus, der sich zum positiven so verhält wie Elektron zu Positron (oder umgekehrt). Wie das Vorhandensein einer negativen Ladung nicht das Nichtvorhandensein der positiven bedeutet und das Vorhandensein einer positiven nicht das Nichtvorhandensein der negativen, so stellt auch im vorliegenden Falle, ich wiederhole, der negative Persönlichkeitstyp eine Persönlichkeit mit bestimmten Eigenschaften dar.“ (Gähende Höhen, Seite 137)
    https://alex-sk.jimdo.com/paul-watzlawick-aktive-und-passive-negation/

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