67.4 fbs

Den Unterschied zwischen starkem und schwachem Konflikt bzw. zwischen aktiver und passiver Negation lässt sich wohl am besten durch ein politisches Beispiel illustrieren, das Jon Elster, der die Unterscheidung aktive vs. passive Negation in die Literatur eingeführt hat, verwendet: Als in Deutschland die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, waren nicht alle Deutschen Parteigänger der Nazis. Viele waren sogar gegen sie, aber sie blieben still und schweigsam. Im besten Fall haben sie passiven Widerstand geleistet, meist haben sie sich damit zufriedengegeben, nichts zu tun, was den Nazis nutzen konnte (=passive Negation). Aber es gab auch den Widerstand. Menschen sind in den Untergrund gegangen und haben aktiv gegen die Nazis gekämpft (=aktive Negation).

Das Beispiel lässt sich auf jedes politische System übertragen, ja, auch auf jede Organisation. Der eine Mitarbeiter eines Unternehmens hat innerlich gekündigt (=passive Negation), der andere agiert geschäftsschädigend, vollzieht Sabotage usw. (=aktive Negation).

In einen Konflikt mit denen, die aktiv für den Erfolg des jeweiligen Systems (dem politischen Regime, der Organisation/dem Unternehmen) kämpfen, können beide Akteure geraten, allerdings dürfte die Brisanz der Auseinandersetzung unterschiedlich sein, zumal – beim Beispiel des geschäftsschädigenden Verhaltens – auch strafrechtliche Konsequenzen drohen, die bei der inneren Kündigung und dem passiven Widerstand nicht zu befürchten sind.

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