67.6.2 Sozialdimension (=Beziehungskonflikt): Ereignisse/Geschehnisse werden als bedeutungsvoll für Beziehungsmuster/-strukturen gedeutet, d.h. sie werden entweder in der Sozialdimension widersprüchlich wahrgenommen/beschrieben, erklärt und/oder bewertet oder aber, wenn es in der Hinsicht keinen Dissens gibt, besteht ein Konflikt über die Beziehungsdefinitionen von Akteuren, d.h. wie die Beziehung sein sollte.

Die Unterscheidung von Sach- und Sozialdimension der Kommunikation ermöglicht es, in jeder Kommunikation über ein Sachthema die sozialen, d.h. Beziehungs-Implikationen, getrennt zu beobachten. Außer der eigenen Perspektive kann die des anderen oder, noch weiter gehend, der Relation von beiden in den Blick genommen werden, ihre Übereinstimmung
oder Nichtübereinstimmung. Durch diesen Blick wird der ständige Vergleich, was andere denken und erleben und wie sie dementsprechend handeln könnten, möglich. Und an dem so gegenseitig zugeschriebenen (da ja nicht direkt beobachtbaren) Erleben, Denken, Fühlen, Meinen orientiert sich individuell bei allen Beteiligten das eigene Denken, Fühlen, Erleben und schließlich auch das Handeln. Konsens und Dissens liefern dabei die Unterscheidung, an der sich diese Beobachtung orientiert. Und es können sich – da die Sozialdimension meist der emotional wichtiger Aspekt der Kommunikation ist – Konflikte über die Art der Beziehung entwickeln.

 

Literatur:

„Die Sozialdimension betrifft das, was man jeweils als seinesgleichen, als ‚Alter Ego‘ annimmt, und artikuliert die Relevanz dieser Annahme für jede Welterfahrung und Sinnfixierung. Auch die Sozialdimension hat weltuniversale Relevanz; denn wenn es überhaupt ein Alter Ego gibt, ist es, so wie das Ego auch, für alle Gegenstände und für alle Themen relevant.“

Luhmann, Niklas (1984): Soziale Systeme. Frankfurt (Suhrkamp), S. 119.




Ein Gedanke zu „67.6.2 Sozialdimension (=Beziehungskonflikt): Ereignisse/Geschehnisse werden als bedeutungsvoll für Beziehungsmuster/-strukturen gedeutet, d.h. sie werden entweder in der Sozialdimension widersprüchlich wahrgenommen/beschrieben, erklärt und/oder bewertet oder aber, wenn es in der Hinsicht keinen Dissens gibt, besteht ein Konflikt über die Beziehungsdefinitionen von Akteuren, d.h. wie die Beziehung sein sollte.“

  1. Vgl. Friedemann Schulz von Thuns „Kommunikationsquadrat“ (1981), aus Wikipedia:
    „Auf der Sachseite informiert der Sprechende über den Sachinhalt, d. h. über Daten und Fakten.
    Die Selbstoffenbarung umfasst, was der Sprecher durch das Senden der Botschaft von sich zu erkennen gibt.
    Auf der Beziehungsseite kommt zum Ausdruck, wie der Sender meint, zum Empfänger zu stehen, und was er von ihm hält.
    Was der Sender beim Empfänger erreichen möchte, wird von der Appellseite repräsentiert.
    In der zwischenmenschlichen Kommunikation gibt es nicht nur denjenigen, der sich äußert – den Sender –, sondern gleichzeitig einen, der zuhört – den Empfänger. Während der Sender mit „vier Schnäbeln“ spricht, hört der Empfänger mit „vier Ohren“. Die vier Seiten der gesendeten Nachricht, also das, was der Sender mit einer Äußerung ausdrücken und/oder bewirken will, entsprechen oftmals nicht den vier Seiten, wie sie vom Empfänger interpretiert werden. Deshalb machen die vier Seiten einer Nachricht zwischenmenschliche Kontakte spannend, aber auch spannungsreich und anfällig für Störungen. Dieses Modell lässt sich mit Einschränkungen erweitern auf allgemeine Kommunikationsvorgänge in der Gesellschaft.“

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