67.8.3 Gegenüber dem Frieden, d. h. dem Ende des Krieges, kann jede Partei das Veto einlegen (indem sie mit kriegerischen Aktionen beginnt).

Dieses Vetorecht läßt es so attraktiv erscheinen, kriegerische Handlungen zu starten. Denn sie sind der Beweis für die eigene Autonomie (einer Gruppe, einer Nation, einer wie immer zusammengesetzten sozialen Einheit oder auch eines Individuums). Denn wer „Frieden gibt“, signalisiert im Prinzip (auch wenn er das „eigentlich“ nicht so meint), dass er den Status quo akzeptiert – d. h. er bestätigt ihn de facto…

 

Literatur:

„Wir können also jeden Teil als Inhaber eines Vetorechtes über die Gleichgewichtszustände des Ganzen ansehen. Kein Zustand (des Ganzen) kann Gleichgewichtszustand sein, wenn nicht dieser für alle zugehörigen Teile annehmbar ist, von denen jeder unter den vom anderen hervorgebrachten Bedingungen handelt.“

Ashby, W. Ross (1956): Einführung in die Kybernetik. Frankfurt (Suhrkamp)  1974, S. 128.




Ein Gedanke zu „67.8.3 Gegenüber dem Frieden, d. h. dem Ende des Krieges, kann jede Partei das Veto einlegen (indem sie mit kriegerischen Aktionen beginnt).“

  1. Der Beginn von Kriegshandlungen wird häufig damit rechtfertigt, dass diese reine Selbstverteidigung darstellen, weil die Anderen mit Kriegshandlungen angefangen hätten, was nicht unbedingt stimmen muss.
    „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!“ Dieser Satz ist einer der bekanntesten der deutschen Geschichte. Gesprochen wurde er von Adolf Hitler im Berliner Reichstag am Vormittag des 1.9.1939. Der Tag gilt heute als Beginn des von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkriegs.
    Als Begründung des Irakkriegs von 2003 nannten die kriegführenden Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens seit Oktober 2001 vor allem eine wachsende akute Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen des Irak und eine Verbindung mit dem Terrornetzwerk Al-Qaida, das die Terroranschläge am 11. September 2001 ausgeführt hatte. Eine große Bevölkerungsmehrheit in den USA glaubte diesen Angaben vor und auch noch Jahre nach der Invasion in den Irak. Die angegebenen Kriegsgründe waren international stark umstritten. Die von der UNO beauftragten Waffeninspektoren, einige Antiterrorexperten und Parlamentsabgeordnete widersprachen den Regierungsangaben vor dem Krieg und verwiesen auf fehlende oder unzuverlässige Quellen. Im Irak wurden keine Massenvernichtungsmittel gefunden. Der Bericht der 9/11-Kommission vom Juli 2004 widerlegte die genannte Verbindung zu Al-Qaida. Bis 2007 widerlegten weitere Untersuchungsberichte auch die übrigen genannten Kriegsgründe. Regierungs- und Geheimdienstvertreter wiesen sich wechselseitig die Verantwortung für die Falschangaben zu.

Schreibe einen Kommentar