7.2 Ob eine Einheit als nicht-zusammengesetzt zu betrachten ist, entscheidet der Beobachter.

Es geht um die Fein- oder Grobkörnigkeit der verwendeten Unterscheidungen. Wenn man z.B. von einem  Metall spricht, so wird man makroskopisch etwas anderes sehen, als wenn man das Mikroskop verwendet oder gar eine Analyse der atomaren Struktur. Auf die Frage „Woraus besteht dieser Gegenstand?“ wird man dementsprechend ganz unterschiedliche Antworten erhalten. Einmal wird gesagt: „aus Eisen“ oder „aus Aluminium oder „aus Holz“, d.h. das Material/der Baustoff wird dann als nicht-zusammengesetzte basale Komponente des Gegenstandes betrachtet; wenn man dagegen antwortet: „aus Atomen der Sorte x oder y“, dann wird dieses Material als zusammengesetzte Einheit betrachtet.

Das heißt für den Beobachter, dass er sich jeweils Gedanken darüber machen will, wie hoch der Auflösungsgrad seines Unterscheidens sein muss für die Frage, die er beantworten will, oder das Erkenntnisinteresse, das er verfolgt. Er kann sonst den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen oder auch die Bäume nicht vor lauter Wald.

Für den Beboachter, der nicht nur das Verhalten eines Organismus beobachtet, eröffnen sich unterschiedliche Phänomenbereich, je nachdem, ob er den Organismus als zusammengesetzte oder nicht-zusammengesetzte Einheit betrachtet. Eine Unterscheidung, auf die Humberto Maturana nicht nur immer wieder hinweist, sondern auf die er auch zu einem guten Teil seine Theorien baut.

 

Literatur:

„(…) ist für den Beobachter bedeutsam, daß die beobachteten Organismen so beschrieben werden können, daß sie gleichzeitig als zusammengesetzte und als einfache Einheiten existieren und daß sie damit zwei einander nicht überschneidende Phänomenbereiche definieren. Im ersten Bereich kann der Beobachter die Organismen beschreiben, wie sie vermittels der Eigenschaften ihrer Bestandteile interagieren, im zweiten, wie sie aufgrund ihrer Merkmale als Einheiten interagieren. In beiden Fällen kann die Interaktion der Organismen ohne Rückgriff auf semantische Vorstellungen wie Funktion oder Bedeutng auf streng operationale Weise beschrieben werden. Wenn ein Beobachter jedoch mit einem anderen Beobachter kommuniziert, definiert er einen Metabereich, aus dessen Perspektive ein konsensueller Bereich als Bereich ineinandergreifender Unterscheidungen, HInweise oder Beschreibungen erscheint, je nachdem wie der Beobachter auf das beobachtete Verhalten Bezug nimmt.“

 Maturana, Humberto (1978): Biologie der Sprache: die Epistemologie der Realität. In: H. Maturana (1982): Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit.
Braunschweig (Vieweg), S. 256.




2 Gedanken zu “7.2 Ob eine Einheit als nicht-zusammengesetzt zu betrachten ist, entscheidet der Beobachter.”

Schreibe einen Kommentar