7.2.1 Nicht-zusammengesetzte Einheit: Wenn eine beobachtete Einheit als Letztelement einer Form betrachtet wird und ihr Inneres unanalysiert bleibt, so wird sie als nicht-zusammengesetzt behandelt.

Wenn man eine Volkszählung vornimmt, dann betrachtet man den einzelnen Menschen als nicht-zusammengesetzte Einheit, d.h. man muss sich nicht für den Zellstoffwechsel eines Individuums interessieren. Indiviuum bedeutet ja wörtl.: „Nichtgeteiltes“ – aber dass ein Objekt der Beobachtung als „ungeteilt“ bezeichnet wird, ist ja mehr als nur eine Etikettierung: es ist eine Zuschreibung, die implizit von einer Hypothese der Entstehung dieser Einheit ausgeht und dass dieses auch anders sein könnte, d.h. dass Teilung möglich wäre. Je nachdem, von welcher Hypothese man startet, kann man solch eine Einheit als nicht-zusammengesetzt oder ungeteilt charakterisieren. Es ist also in dieser Konzeptualisierung die Entscheidung des Beobachters, ob er eine Einheit als zusammengesetzt oder nicht-zusammengesetzt betrachten will. In der Hinsicht weicht sie von alteuropäischen Vorstellungen der Existenz von „Ur-Elementen“ oder „Atomen“ ab, die „an sich“ als Einheit exitieren und keiner weiteren Erklärung bedürfen. Es reicht, wenn sie mit einem Namen versehen werden.

 

Literatur:

„Aber welches sind die einfachen Bestandteile, aus denen sich die Realität zusammensetzt? – Was sind die einfachen Bestandteile eines Sessels? – Die Stücke Holz, aus denen er zusammengefügt ist? Oder die Moleküle, oder die Atome? – »Einfach« heißt: nicht-zusammengesetzt. Und da kommt es darauf an: in welchem Sinne ‚zusammengesetzt‘? Es hat gar keinen Sinn von den ‚einfachen Bestandteilen des Sessels schlechtweg‘ zu reden.“

Wittgenstein, Ludwig (1952): Philosophische Untersuchungen. Franfurt (Suhrkamp) 1971, S. 43.

 




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