71.3.2.3 fbs

Das Interessante und Einmalige an diesem Muster scheint mir zu sein, dass sich hier das Denken über längere Zeit total – und nicht nur, wie bei anderen Menschen in anderen Kommunikationsmustern, situativ – dem Fühlen in seiner Totalität und zweiwertigen Entweder-oder-Logik anpasst. Deswegen ist hier das Erleben der Protagonisten (soweit dies aus ihren Selbstbeschreibungen zu folgern ist) von einer grandiosen Ambiguitätsintoleranz und Ambivalenzfreiheit charakterisiert ist. Solche Muster findet man in Familien, in denen ein Mitglied manisch-depressiv ist bzw. entweder gerade das eine oder das andere. Denn beide Zeiten bilden nicht nur für den jeweiligen Symptomträger einen Ausnahmezustand, sondern auch für alle anderen. Auch sie können dann nicht einfach weiter nach den ansonsten nicht in Frage gestellten kleinbürgerlichen Normen leben, wenn sich Papa oder Mama manisch zeigen…

Es gibt diese Oszillationen aber auch in Organisationen, die zu unterschiedlichen Zeiten gegensätzliche Probleme (z.B. Kreativität vs. Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit) zu lösen haben, so dass sich jeweils gegensätzliche problemdeterminiert Muster bilden.

Dass Märkte – vor allem Finanzmärkte – durch den Wechsel zwischen unangemessenem Optimismus und ebenso unangemessenem Pessimismus oszillieren ist ja allgemein bekannt.

Auch größere, nationale Kulturen folgen diesem Muster: der Wechsel z.B. zwischen nationalem Größenwahn und anschließendem Kleinheitsgefühl. Beispiele ist 20. Jahrhundert Deutschland – himmelhoch jauchzend bei Reichsparteitagen und zutodebetrübt nach der Kapitulation und der öffentlichen Bewußtmachung der Naziverbrechen; aber auch die Kulturrevolution in China, in der nichts mehr von der traditionellen Konfliktvermeidung übrig blieb, die über Jahrzehnte davor und danach – bis zu den Unruhen am Tian-an-Men-Square 1989 – herrschte, kann im Sinne des Boom-und-bust-Musters beschrieben werden.

Schreibe einen Kommentar