73.2 fbs

Schon in der Schule konnte man zwischen Strebern und allen anderen Schülern unterscheiden. Die Streber machten mehr als erwartet wurde (Plusvariante abweichenden Verhaltens), die anderen versuchten möglichst nicht aufzufallen, wenn sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatten. Und da nicht alle immer kontrolliert wurden, konnte man es mit der Minusvariante schaffen durch den Schultag zu kommen, ohne sonderlich aufzufallen – wie generell die Minusvariante des abweichenden Verhalten soziale weniger riskant erscheint.

Das war schon im Mittelalter so. In Dantes Göttlicher Komödie wurden die Verfehlungen bereits im Sinne von Plus- und Minusvariante klassifiziert – des Zuwenig oder Zuviel der Liebe -, wie einer der Übersetzer dieses Werks (s. unten) anmerkt.

 

Literatur:

[Bezogen auf Dante:] „Daher nun seine weiter Unterteilung des menschlichen Handelns entweder in Verfehlung per malo obietto, durch Wahl eines bösen Zieles beim Mitmenschen, und dies geschieht bei HOCHMUT, bei NEID und bei ZORN, oder in der Verfehlung durch falsches Maß, dies wiederum unterteilbar in ein Zuwenig der »Liebe«, also TRÄGHEIT, oder ein Zuviel davon, das sind HABGIER, FRESSGIER und GEILHEIT. Dies ergibt in klarer Übersichtlichkeit die sieben Stufen des Läuterungsberges, unbeschadet der Tatsache, dass der hier bedichtete Begriff der Liebe sich eher diffus darbietet und bald streng theologisch gemeint ist (Deus es caritas), bald in das übergeht, was wir Trieb oder Appetenz oder Libido oder auch einfach Wille nennen.“

Köhler, Hartmut (2011) Anm. zu 94, In: Dante Alighieri: La Commedia/Die Göttliche Komödie. Purgatorio/Läuterungsberg (Italiensch/Deutsch). Bd. 2. Stuttgart (Reclam) S. 343.




Ein Gedanke zu „73.2 fbs“

  1. @“Liebe […] was wir Trieb oder Appetenz oder Libido oder auch einfach Wille nennen“

    Das wäre also die „verbotene“, „sündige“ Liebe im Unterschied zur „geistigen“, „gottgefälligen“. Zum Fest der Liebe müssen Sie sicherlich eine Ansprache halten. Vielleicht so: „Liebe Kinder, liebe Lebensabschnittsgefährtin, ich wünsche euch allen ein liebevolles Weihnachtsfest, es wird ja leider das letzte sein. Ab dem nächsten Jahr werden wir für so etwas gesteinigt oder enthauptet. Gott schütze Björn Höcke!!!“

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