78.1.5 fbs

Ein Problem, das in und mit der Diagnostizierung bzw.. Erklärung abweichenden Verhaltens als/durch psychische Störungen oder gar Krankheit verbunden ist, ergibt sich aus dem Unterschied zwischen Absicht und Wirkung in Bezug auf die soziale Diskriminierung derer, die dieses Verhalten zeigen. Viele Psychiater versuchen das Konzept der psychischen Krankheit zu benutzen, um die Betroffenen vor sozialer Stigmatisierung zu bewahren (weil man ja für seine Krankheiten heutzutage nicht mehr, anders als im Mittelalter üblich, wo Krankheit als Zeichen moralischer Schuld interpretiert wurde, bestraft wird). Aber der Effekt ist leider genau umgekehrt: Die Zuschreibung einer psychischen Krankheit stigmatisiert mehr, als wenn dem Betreffenden böse Absichten o.Ä. zugeschrieben wird, weil er oder sie dann wenigstens „für voll“ genommen wird. Mit einer psychischen Krankheit steht er hingegen unter Verdacht, dass er nicht als handelndes Subjekt (=Erwachsener) zu betrachten ist.

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