84. Selbstdefinition und persönliche Identität

„I. Identität = absolute Einmaligkeit des Individuums A:  Seine Nichtidentität mit jedem beliebigen anderen Individuum B, C, etc., wie diese durch wenigstens eine, sehr genaue Operation bestimmt ist, die zeigt, daß A das einzige Element einer Klasse ist.“

[…]

„II. Identität = absolute Einmaligkeit, die durch eine unwiederholbare Häufung ungenauer Bestimmungen definiert ist. Jede dieser Operationen verneint die Einmaligkeit von A in einer Hinsicht und in so ausreichendem Grade, daß es möglich ist, A in dieser Hinsicht einer besonderen Klasse mit wenigstens einem weiteren Element zuzuordnen. Eine derartige Zuordnung zu einer besonderen Klasse impliziert eine beabsichtigte Ungenauigkeit, die im Prinzip bestimmbaren Grades ist.“

Devereux, Georges (1970): Die ethnische Identität. Ihre logischen Grundlagen und ihre Dysfunktionen. In: ders. (1972): Ethnopsychoanalyse. Die komplementaristische  Methode in den Wissenschaften vom Menschen. Frankfurt (Suhrkamp) 1978, S. 131ff.




Ein Gedanke zu „84. Selbstdefinition und persönliche Identität“

  1. Neulich im Theater (oder war’s 1969?): Ein junger Mann krümmt sich vor Schmerz und beißt dann in den Boden. Er zieht sich an den Hoden und malt mit falschem Blut ein Herz aufs Bühnenbild. Nach der Aktion sieht man ihn kläglich wimmern und von den Wänden flimmern (dank Video-Installation). Dann brüllt er, dass es ihn zerreißt. Doch keiner fragt: Was soll der Scheiß? Weil’s ja ein jeder eh schon weiß: Selbstsuche und Identität. Leben nach der Pubertät und an der Universität.

Schreibe einen Kommentar