9.4.2 Lose Kopplung: Führt zur Bildung einer kurzfristig bestehenden Einheit, d.h. einen kurzen Kontakt, d.h. die jeweils gebildeten Strukturen sind (relativ) flexibel, leicht lösbar und wenig dauerhaft.

Dass das Konzept unterschiedlicher Kopplungsformen für unseren Alltag relevant ist, zeigt sich deutlich, wenn wir den öffentlichen Verkehr betrachten (es geht mir hier nicht um den One-night-Stand als Beispiel loser Kopplung), sondern um Verkehrsmittel: Bei der Eisenbahn sind die Wagons (zumindest, wenn die Kupplungen wie geplant funktionieren) fest gekoppelt. Bei einer Gruppe von Autos, die sich auf einer Straße in dieselbe Richtung bewegen, sind die Komponenten relativ lose gekoppelt, jeder Wage kann individuell ausscheren, auf einem Rastplatz parken o. Ä… – das ist es, was das Reisen mit dem eigenen Wagen für so viele Leute attraktiv macht. Wenn die Fahrzeuge fest gekoppelt sind, nennt man das Stau, und es ist nicht, das, was die Insassen sich von der Benutzung eines Autos versprechen, d.h. auch sie sind nun fest gekoppelt, wie die Fahrgäste des Intercity, der zwischen Mannheim und Frankfurt-Flughafen längere Zeit aus niemandem bekannten Gründen auf freier Strecke stehen bleibt, so dass die Fahrgäste ihr Flüge verpassen (alle fest miteinander gekoppelt, was die Bewegung bzw. den Stillstand angeht).

Literatur:

„Lose Kopplung liegt dann vor, wenn zwei getrennte Systeme entweder nur wenige Variablen miteinander gemein haben oder ihre gemeinsamen Variablen im Vergleich mit den andern das System beeinflussenden Variablen schwach sind. Zwei Systeme, die durch wenige oder schwache gemeinsame Variablen verbunden sind, werden als lose gekoppelt bezeichnet. Praktisch bedeutet lose Kopplung, daß, wenn eine der Variablen gestört ist, die Störung eher begrenzt bleiben als sich verzweigen wird (…). Oder wenn sie sich verzweigt, wird sie lange brauchen, bis sie die anderen Variablen beeinflußt, und/oder die Auswirkungen werden sehr gering sein.“

Weick, Karl (1979): Der Prozeß des Organisierens. Frankfurt (Suhrkamp) 1985,  S. 163.




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