Im Gleichschritt Marsch 1: Die Funktion der Ideologie

Mit

„Ideologie (französisch idéologie; zu griechisch ἰδέα idéa „Idee“ und λόγος lógos „Lehre“, „Wissenschaft“ – eigentlich „Ideenlehre“) steht im weiteren Sinne bildungssprachlich für Weltanschauung. Im engeren Sinne wird damit zum einen auf Karl Marx zurückgehend das „falsche Bewusstsein“ einer Gesellschaft bezeichnet, zum anderen wird in der amerikanischen Wissenssoziologie jedes System von Normen als Ideologie bezeichnet, das Gruppen zur Rechtfertigung und Bewertung eigener und fremder Handlungen verwenden.“

beginnt Wikipedia die Erklärung des Begriffs der Ideologie und beendet die Einführung dann so:

„In der Wissenssoziologie hat sich Ideologie hingegen als Bezeichnung für ausformulierte Leitbilder sozialer Gruppen oder Organisationen durchgesetzt, die zur Begründung und Rechtfertigung ihres Handelns dienen – ihre Ideen, Erkenntnisse, Kategorien und Wertvorstellungen. Sie bilden demnach das notwendige „Wir-Gefühl“, das den inneren Zusammenhalt jeder menschlichen Gemeinschaft gewährleistet. Dieser Ideologie-Begriff wird auch auf die Ideensysteme von politischen Bewegungen, Interessengruppen, Parteien etc. angewandt.“

Ich halte es für wichtig, die Funktion von Weltanschauung und Ideologie genauer zu untersuchen, um herauszuarbeiten, welche Wirkmechanismen in Individuum und Gesellschaft den Übergang von Weltanschauung in Ideologie wahrscheinlicher machen.

Vorab: Nicht jede Ideologie ist gleich als gefährlich oder als kognitiv, emotional, sozial einschränkend einzustufen. Aus der Funktion der Ideologie ergibt sich ihre Gestaltungskraft für Individuum, Gruppe, Gesellschaft. Auch für Ideologien gilt Wilhelms Buschs Bemerkung zu Toleranz:

Toleranz ist gut, aber nicht gegenüber den Intoleranten.

Fange ich mit einem Begriff von Weltanschauung an:

Unter Weltanschauung fasse ich all diejenigen Modelle, die der Mensch zur Orientierung in Welt konstruiert und verwendet und welche die Grundlage seiner Weltkonstruktions(prozesse) bilden.

Welt begreife ich als System und Umwelt.

Dazu gehören: Innen- und Außenvorstellungen, Gefühle, körperliches Empfinden, Sinneseindrücke, physikalische, physiologische, soziale Umwelt/en, Denken, Erwartung und Realität der Sozialgemeinschaft. Psychen konstruieren Welt vermittels Zeichen innerhalb ihrer eigenen Semiosphäre (ein Satz, der einen eigenen Artikel wert ist).

Diese Modelle können bewusst oder unbewusst sein – ja, viele müssen sogar automatisiert ablaufen, sonst kämen wir zu gar nichts.
Die Motive zu ihrer Bildung sind Teil der Konstruktion: Sie werden selbst über Prägung und Konditionierung mitgeschaffen und spielen eine Rolle bei der Persönlichkeitsbildung. Zu ihnen gehören: Grundängste, Grund- und Sicherheitsbedürfnisse, individuelle Formen von Kreativität, kinästhetische, gefühlsmäßige, moralische Motivation und so weiter.

Konditionierung ist immer Selbst- und Fremdkonditionierung.
Beim Prägungsbegriff tut man gut daran, darüber nachzudenken, was Autopoiese bedeutet …

Zusammengefasst:

Die Funktion der Weltanschauung ist die Konstruktion von und Orientierung in Welt, und die Konstruktion von und Orientierung in Welt ist immer Komplexitätsreduktion.

Und mache ich mit dem Begriff der Ideologie weiter:

Weltanschauung findet nicht ohne Störung und ohne Feedback aus Richtung der Umwelt/en statt. Die Evolution der Psyche ist eingewickelt, verwickelt, sie co-evolviert mit Physis (Körper und physikalische Umwelt/en) und Sozialsystem (Gesellschaft/en). Sie ist immer interaktiv, kommunikativ, auch wenn sie für Psyche immer nur im eigenen Zeichenraum stattfindet. Evolution ist keine Leiter, sondern eine interaktive Spirale aus Lebensform(en) und Umwelt(en) und Umwelten und Lebensformen.

So, wie Gesellschaft das Individuum zu konditionieren versucht, leistet umgekehrt das Individuum als Mitglied von Gesellschaft seinen Beitrag zur Konditionierung. Für Orientierung ist wichtig, dass sie bestätigt wird; und in komplexen sozialen Umwelten bedeutet Bestätigung die Zustimmung möglichst vieler oder zumindest möglichst für den Einzelnen wichtiger Personen, Personenkreise, Gruppen. Dazu kommunizieren wir nicht nur mit realen Anderen, sondern auch mit der Gesellschaft in unserem Kopf. Konditionierung ist ein soziales und ein psychisches Phänomen.

Das soziale Umfeld bekräftigt die Haltung des Individuums oder lehnt sie ab, und das Individuum legt sein Handeln bereits so an, dass es die Zustimmung anderer erfährt. Das ist für überlebenssichernde Orientierung notwendig – umgekehrt die Fähigkeit dazu, eigene Entscheidungen zu fällen, aber auch. Die Bestätigung/Bekräftigung kann passiv oder aktiv erworben werden, die Mittel reichen von der einfachen Pression über beispielsweise freundlichen oder unterwürfigen Tonfall bis hin zu Zwang und roher Gewalt. Menschen, die nur eigene Entscheidungen fällen, gibt es genauso wenig wie Menschen, die nur Entscheidungen fällen, denen andere zustimmen. Wobei man natürlich zugestehen sollte, dass der Mensch, aus konstruktivistischer Perspektive betrachtet, immer nur eigene Gedanken denkt und immer nur eigene Entscheidungen fällt. Leben wir mal mit der Polysemie des Problems – es steckt ein interessantes Spannungsfeld darin.

Zusammengefasst:

Ideologien sind die Weltanschauungen, deren Funktion die Gleichschaltung und deren Leistung die Beruhigung von Sicherheitsängsten ist.

 Dimension 1

Weltanschauung/en <——————————————————> Ideologie

Für das Überleben des Individuums und des Stamms ist wichtig, dass im Fall der akuten Bedrohung für alle eine gewisse (auch hier ist die Mehrfachbedeutung Absicht) Gleichschaltung des Handelns erreicht wird. Umgekehrt ist es für das Überleben der Art aber notwendig, dass sich Individuen ausbilden, die Neues einführen. Würden alle Löwen auf die gleiche Art jagen, reichte ein einziger fataler Fehler in ihrem/ihrer Jagdstil/Jagdmethode, um die ganze Art zu gefährden.

Konservativismus und Gleichheit des Verhaltens sind für Arten, Individuen und Gesellschaften genauso überlebenswichtig wie Progression, Individualität und Kreativität.

Der Übergang von Weltanschauung zu Ideologie ist kein abrupter, kein distinkter. Vielmehr handelt es sich um eine Dimension mit fließenden Übergängen, mit situativen Übergängen, mit sich verschiebenden Übergängen und das nicht nur im Diagramm, sondern auch in der gesellschaftlichen, kulturellen und individuellen Entwicklung. Auch ist Weltanschauung nicht gleich Weltanschauung und Ideologie nicht gleich Ideologie. Und was in dem einen Kontext Ideologie ist, kann in einem anderen Weltanschauung sein.

Doch je ideologisierter Mensch und Gesellschaft, desto rigider die Reaktionen auf Umweltveränderungen und Störungen. Die Ideologie tendiert in Richtung Singularisierung, die Weltanschauung in Richtung Pluralisierung. Je mehr sich die Ideologie extremisiert, desto weniger Sinn für Kontingenz hat sie.

 Dimension 1

<- pluralisierend – – – singularisierend ->

Weltanschauung/en <——————————————————> Ideologie

Dabei kann die Ideologie alles Denkbare zur Grundlage nehmen. Welche Werte konditioniert werden sollen, das ist individuell und gesellschaftlich sehr unterschiedlich. Welche aber am Ende für Populisten dazu taugen, als Machtkonstruktionsmittel eingesetzt zu werden, entscheidet der Strom des Schwarms, die Masse, der Mensch der Masse. Und es ist auch der Schwarm, der darüber entscheidet, ob und wie er sich hinter den Populisten stellt, wie es der Einzelne ist, der darüber entscheidet, ob er bereit dazu ist, die Extremisierung mitzumachen und sich dem zunehmenden Druck, der durch die Bündelung der Anhänger entsteht, zu ergeben oder zu widersetzen.
Dabei muss sich zu widersetzen kein Zeichen für ausgeprägte Individualität und ausgeprägten Willen oder ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit sein – es kann sich einfach um einen Fall von nicht passenden Werten handeln, so dass die Zustimmung nicht erfolgt … und/oder um einen Fall von Einbindung in eine andere Art von Ideologie und damit zusammenhängender Gruppe … und/oder der Gruppendruck war einfach noch nicht hoch genug … Man darf ruhig vermuten, dass die Wahl der Werte für den Extremisten eher eine untergeordnete Rolle spielt. In welcher Gruppe er sich wohl und sicher im Wir fühlt, hat mehr mit Konditionierung und der Frage nach der Unsicherheitsabsorption zu tun als mit ausgeprägtem Sinn für gerecht oder ungerecht, Kultur oder Wert.

Die Werte, die sich im Einzelnen, der Gruppe, der Kultur nicht durchsetzen können, werden im Rahmen der Ideologie häufig als fremdartig, schädlich, falsch, verrückt oder sogar feindlich empfunden, angesehen und konditioniert.

Grundwerte von Ideologien sind die Werte, die eine Gesellschaft oder Subgesellschaft als Minimalkonsens anbietet und deren Angebote leicht viral werden können. Sie können hoch differenziert sein, wie man am Marxismus-Leninismus erkennen kann, aber um sie in die breite Masse zu transportieren, brauchen sie triviale Andockmechanismen an das Bedürfnis Sicherheitsängste zu beruhigen und an das Bedürfnis sich selbst und andere gleichzuschalten. Das Konglomerat der Werte, Ideen und Anschauungen der Ideologie bildet die Philosophie der Ideologie, die Lehre.

Dimension 2

Komplex <————————————————————–> Reduktionistisch

Je komplexer die Umwelten für das Empfinden des Einzelnen sind, desto wahrscheinlicher ist der Übergang von der Weltanschauung zur Ideologie. Das gilt umso mehr, je weniger der Einzelne darauf vorbereitet ist, mit Komplexität umzugehen, sie auszuhalten, auch die Überforderung einfach mal zu akzeptieren und zu schauen, wohin sie führen mag.

Je höher das Kontingenzbewusstsein des Einzelnen, desto wahrscheinlicher die Pluralisierung der Weltanschauung. Je niedriger, desto singularisierender die Ideologie.
(Dabei ist es zu plump, in Anhängern von Ideologien nur Menschen zu sehen, die Sicherheitsängste haben, bzw. die Sicherheitsangst an sich abzuwerten – sie hat Sinn und Funktion. Auch Fragen zu stellen kann Menschen dahin führen, sich einer ideologischen Bewegung anzuschließen. Allerdings hat die Ideologie die Neigung, Fragen zu beantworten, anstatt das Fragen zu motivieren, so dass sich dann die Frage stellt, wie groß Mut und Sinn zur Frage, zur Offenheit und zur Unbestimmtheit, die in alles Bestimmte involviert ist, im Einzelnen sind, der sich jetzt nicht nur gegen sich selbst und seinen Willen zum Wir entscheiden muss, sondern auch gegen die Gruppe, in die er konditioniert und konditionierend eingewickelt ist und die eine emotional pressierende Sprache spricht, an die er sich angepasst hat und auf die seine Entscheidungs- und Selbstbeschreibungsautomatismen antworten.)

Komplex ist ein Sachverhalt immer dann, wenn nicht alle Elemente dieses Verhalts gleichzeitig mit allen anderen relationiert werden können.

Kontingent ist etwas dann, wenn es weder notwendig noch unmöglich: wenn es auch anders möglich ist.

Der Wille gleichzuschalten ist Teil des Willens zur Macht über sich selbst und über die eigenen Hoheitsgebiete – oder anders, Teil des Willens zum symbol-manipulativen Umgang mit den verschiedenen materiellen und geistigen Freiheitsgebieten. Er ist nicht per se verkehrt, er liegt in der Natur des Menschen. Sich in komplexen Umwelten zu orientieren, verlangt, Entscheidungen zu fällen. Sich in komplexen Gesellschaften zu orientieren, verlangt, sich selbst an andere anzupassen, aber auch andere zur Anpassung zu motivieren.

Der Übergang von der Weltanschauung zur Ideologie ist der Übergang von der einfachen Orientierung hin zu einer mit Pressionen, die potenziell gewalttätig werden können. Die Pression ist immer der Teil der Mitteilung, der die Annahme der Kommunikation und der Mitteilung wahrscheinlicher machen soll.

Der Übergang ist fließend, und die Motivation zur Ideologie lässt sich als faschistoider Impuls begreifen.

Den faschistoiden Impuls schlage ich als harten Begriff vor, um sich der Problematik dieses Mechanismus im Einzelnen und damit in sich selbst bewusst zu werden. Er bedeutet nicht, dass alle Menschen gleich Faschisten sind, aber er bedeutet auch nicht, dass der Faschismus vom Himmel fällt und nur die anderen trifft.

(Der Widerspruch zwischen dem fließenden Übergang und dem harten Begriff ist interessant genug, um länger darüber nachzudenken, und vielleicht fällt dem einen oder anderen meiner Leser an dieser Stelle auch auf, dass der faschistoide Impuls paradox ist …)

Das Wort „fasces“ (Plural zum Singular „fascis“) stammt aus altrömischen Zeiten, in denen „Fascis“, lat. für „Bündel“, ein Bündel von Ruten war, die vor Amtsträgern hergetragen wurden und mit denen man die Massen teilte, um den Weg zu bereiten. Der Kerngedanke war vermutlich der, dass mehrere Ruten zusammenzubinden sie weniger leicht brechen lässt. Auf das Prinzip der fasces hatten sich im 19. Jahrhundert Arbeiterbewegungen berufen und sich „fasci dei lavoratori“ oder „fasci siciliani“ genannt. Später wurde der Begriff politischer und gelangte dann unter Benito Mussolini erstmals zu internationalem Ruhm (Quelle: Wikipedia).
Der Begriff „Faschist“ wird heute weitestgehend dazu verwendet, diejenigen auszugrenzen, deren Bündelung einem nicht gefällt.

Es ist dieser Impuls zu bündeln, den Weg zu bereiten und die Massen zu teilen, um den es bei der Ideologie geht.

Er macht sich in der abgrenzenden Rhetorik des Ideologen bemerkbar, wie er „klare Fronten“ schafft, vermittels derer er sich selbst definiert.

Und je mehr gebündelt wird, desto mehr verliert die Ideologie an Differenzierung und an Anders-Möglichen, an Kontingenz. Sie verliert an Differenzierung, weil sich die Massen an ihr organisieren, und aus dem gleichen Grund verliert sie an Kontingenz, denn wenn sich viele Menschen über ihre Ängste einigen müssen, müssen die Abgrenzungen immer radikaler werden.

So grenzt sich Ideologie gegen Ideologie ab, ganz besonders aber gegen pluralistische Dimensionierung und Differenzierung.

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Fassen wir bis hierhin zusammen:

Für ein umfassenderes Verständnis der Ideologie ist es wichtig, sich anzusehen, wie Menschen Welt gestalten/konstruieren/erschaffen/begreifen.

Die Orientierungsfunktion der Weltanschauung und die Gleichschaltungsfunktion der Ideologie geben uns Aufschluss darüber, dass die Ideologie an sich nicht von einigen Wenigen an die Massen herangetragen wird bzw. dass nicht einige Wenige die Massen hinter sich bündeln – das ist nur die halbe Wahrheit (und sie ist obendrauf noch viel zu bequem). Es ist der Wille zur Gleichschaltung im Einzelnen, der einen akkumulierenden Beitrag zur sich durchsetzenden Ideologie leistet, und es ist der Wille der Masse, der dem Führer den Nimbus der Macht verleiht. Der Populist hat keine Macht, und er kann nur die Knöpfe drücken, die diejenigen, die ihm zu folgen bereit sind, ihn drücken lassen.

(Hierzu ein Gedanke, der interessant genug ist, um ein Weilchen darüber zu kontemplieren:
Wenn wir an dieser Stelle denjenigen, der dem Populisten gedankenlos folgt, als kindisches und fremdreferenzielles Wesen betrachten, das keine Verantwortung für sein/ihr Handeln trägt und dann sehen, wie groß die Zahl dieser Einzelnen in der Masse werden kann, was bedeutet das für Demokratie? Müssten wir in dem Fall getreu dem Motto „Wer A sagt, der muss auch B sagen“ nicht gleichfalls feststellen, dass Menschen wählen, die keine Verantwortung für ihr Denken und Handeln tragen und wäre es dann nicht gleich sinnvoller, sie wie Kinder zu behandeln, die noch nicht reif sind für den demokratischen Prozess? Was geschieht dann mit dem Gedanken des mündigen Bürgers? Und wer entscheidet am Ende darüber? Oder ist es nicht viel sinnvoller, geistig hinreichend gesunde erwachsene Menschen als eigenverantwortlich und als selbständig denkende Wesen zu begreifen, die wir auf ihre Eigenverantwortlichkeit auch ansprechen können, wie wir ihnen zutrauen, über das Schicksal unseres Landes, Europas und irgendwann vielleicht der ganzen Welt zu entscheiden? Ich persönlich finde diesen Gedanken sehr viel reizvoller, als den, von einer Masse steuerbarer Minderbemittelter auszugehen, die keinerlei Verantwortung für ihr Leben und das Weltgeschehen tragen können, weil sie dazu angeblich nicht fähig sind.)

Zurück zum Thema: Tatsächlich kann jeder in sich den (keineswegs gleich dysfunktionalen) Wunsch erkennen, die eigene Weltanschauung durch andere bestätigt zu sehen, und es ist dieser Wunsch, der unter bestimmten psycho-sozialen Umständen in Richtung eines Gleichschaltungswillens entgleisen kann. Diese psycho-sozialen Umstände, an deren Mitgestaltung jeder beteiligt ist, sind es, die auf ihre pathologische Struktur hin untersucht werden müssen.

Der faschistoide Impuls wird nicht durch den Populisten in die Menschen, die ihm folgen, hineingelegt, sondern er ist (als die Gesellschaft und Welt um einen herum gestaltender Impuls) bereits im Menschen angelegt. Er ist ein Drang zur Macht, dem jeder nachgeben kann und der, wie man in den Internetmedien an der Rhetorik weiter Teile der Bevölkerung erkennen kann, auch breitflächig genutzt wird.
Durch aufmerksame Beobachtung der Kommunikation in den Internetmedien erkennt man, wie sich durch die Popularisierung und Ideologisierung immer mehr ein Tribunal- und Volksgerichtshofs-Denken breitmacht und zunehmend akzeptiert wird. Dazu gehört auch, dass Demokratie immer mehr so verstanden wird, dass Mehrheitsentscheidungen besser sind als vernünftige Entscheidungen, bzw. umgekehrt, dass wenn Viele für etwas sind, das auch vernünftig sein muss. Außerdem gehört die Frage dazu, welche Art von Politiker sich in so einem System aufbauen bzw. halten kann …
Wer die Internetmedien nur als Plattform oberflächlicher Kommunikation und eitler Selbstdarstellung begreift, übersieht, was in ihnen passiert und welche Gefahr für die Gesellschaft davon ausgeht. Wir sehen dort live und unter der Lupe, wie sich Ideologien entwickeln und wie der faschistoide Impuls wirkt, sich verstärkt, abgrenzt und Masse macht.

Ob man dem faschistoiden Impuls nachgibt, warum man ihm nachgibt und ihm nichts entgegenzusetzen vermag, mit welcher Funktion man ihm folgt, liegt am Einzelnen und an der Gesellschaft, und es ist Aufgabe der Wissenschaft, hier Aufklärung zu betreiben und Mittel zu ersinnen, dem Einzelnen Tools an die Hand zu geben, die Komplexität, die mit Technologie und Globalisierung kommt, adäquat, zeitgemäß und ohne dem faschistoiden Impuls nachzugeben zu bewältigen.

Die Massen werden nicht verführt, sie organisieren sich selbst. Stimmt das Angebot und ist bereits der Drive da, nimmt die Zahl jener, die mitmachen, immer mehr zu. Auch das ist Teil der Gleichschaltungsfunktion, dass sie immer mächtiger wird, je mehr Menschen bereits in die gleiche Richtung marschieren. Dann können nach und nach die Werte ihre Kraft verlieren, die wir sonst als grundlegend empfinden. So ist es möglich, Millionen von Juden zu vergasen, weil die akkumulierte Kraft des faschistoiden Impulses im Einzelnen nun in der Gesellschaft einen Eigenwert bildet, der auch alles Entsetzliche möglich machen kann, was im Rahmen der Philosophie der Ideologie mit ihrer Aus- und Abgrenzungswirkung denkbar ist.

Dabei spielt die Frage danach, welche Ideologie es denn sein wird, erst einmal keine Rolle – die Werte sind im Rahmen der Konditionierung austauschbar: Es geht vielmehr um die Befriedigung des Impulses selbst – und damit eben um die Beruhigung von Sicherheitsängsten. Mode kann Mittel des faschistoiden Impulses sein, Jugendlichkeitswahn, Veganismus … Tatsächlich können wir mit einem Blick auf die sich gegenseitig verhärtende Kommunikation in den Internetmedien erkennen, dass die Ideologie zur treibenden Kraft wird, sobald die Komplexität des Sozialsystems die Verarbeitungsfähigkeit des Individuums übersteigt, und als Wert ist alles geeignet, was dem Individuum dabei hilft Identität zu bilden. Hier wird die paradoxe Kraft der Identität sozial wirksam, so dass das, was das Individuum stabilisiert, gleichzeitig zum Instrument der Macht wird. Globalisierung ist langfristig nicht ohne Evolution der Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit des Einzelnen denkbar.

Während Weltanschauungen Komplexität rein zwecks Orientierung reduzieren, kommt bei Ideologien zunehmende Rigidität Umweltstörungen gegenüber hinzu: Die Komplexitätsreduktion wird an den Werten ausgerichtet, die Teil der Philosophie der Ideologie sind – und an den Ängsten, die beruhigt werden sollen. Aber: Diese Ängste sind bereits in die Philosophie gekleidet. Deshalb fürchtet der Pluralist die Flüchtlinge längst nicht so, wie es der Nationalist tut – sein Bedürfnis nach Beruhigung seiner Sicherheitsängste kann von einer anderen Ideologie beruhigt werden.

Weltanschauungen und Ideologien können beide hoch differenziert oder sehr trivial sein. Darauf kommt es nicht an, sondern auf die Funktion, die sie erfüllen.

Was ich hier vorschlage, ist ein Umdenken, ein erweitertes Denken, ein Denken, das den einzelnen Menschen und die Gesellschaft konstituierenden Prozesse miteinander verbindet. Warum, wann, unter welchen Bedingungen kann der Populist greifen – wie entsteht er überhaupt? Wer gibt dem Politiker die Macht? Wie organisieren Menschen ihr Miteinander? Wie verarbeiten sie Komplexität? Wie bilden sich Gruppen? Und immer wieder:
Was habe ich damit zu tun?

Stay tuned für Im Gleichschritt Marsch 2: Blattläuse bauen keine Mondraketen

228 Gedanken zu “Im Gleichschritt Marsch 1: Die Funktion der Ideologie

  1. Ich bin mit diesem Text noch nicht ganz durch. Er gleitet mir weg, weil aktuell zu anspruchsvoll und ich hier in Widerspruch zu meiner gewohnt schnellen Art des Lesens (im Allgemeinen quer) komme.

    Deshalb bezieht sich mein Kommentar auf das Stück bis vor der Zusammenfassung.
    Aus eigenem Erleben kenne ich das Bedürfnis, in als sehr komplex empfundenen und auf mehreren Ebenen kommunizierbaren Systemen einen Punkt für sich zu finden, der Orientierung ermöglicht. Findet sich dieser nicht, wächst das Bedürfnis, dieses System zu untergraben oder auszuhöhlen, um nicht darin zu versinken.
    Im besten Fall kündigt man als Mitarbeiter, im schlechtesten Fall boykottiert man das System und versucht, andere Mitglieder auf seine Seite zu ziehen.
    Da werden empfundene Systemfehler an Kleinigkeiten festgemacht und die weitere Mitarbeit verweigert.

    Ich muss jedoch noch weiter lesen und wahrscheinlich alles nochmal zusammenhängend. Aber das, was ich dazu schrieb, ist genau das, was mir erst einmal entgegenkam.

  2. Mir drängt sich eine Frage auf.
    Wurde doch der Wahlsieg Donald Trumps auf die Ignoranz der wahren Sorgen der Bürger der pluralistischen Ideologie der Demokraten zurück geführt, so frage ich mich, ob es nicht doch eine Hierarchie der Weltanschauungen gibt.
    Vielleicht entwickelte sich der Pluralismus zu schnell, sodass er bei manchen als Ursache des Leids gesehen wurde, aber ich kann, den rückwärts getarnten Kurs von Trump und inzwischen der Republikaner nicht als gleichwertig zu einer offeneren, laizistischen, toleranten Welt erkennen.
    Oder habe ich da etwas missverstanden?

    • Herzlich willkommen, liebe Monika! Schön, dass Du hier bist. Ich antworte morgen, aber vielleicht mögen ja auch andere etwas dazu sagen …
      Alles Liebe
      Gitta

    • Pluralismus ist Folge aus Globalisierung. Ich erinnere an meinen Basisbegriff: Dass theoretisch jeder mit jedem kommunizieren kann.
      Das bedeutet Komplexitätsbereitschaft, die Bereitschaft, mit Neuem umzugehen, eine andere Form von Mind-Set und am Ende auch die Fähigkeit zu systemischem Denken.
      Und das geht, wie wir schon bei Ausbruch des 1. Weltkriegs hätten erkennen und etwas dagegen unternehmen können (es ist ja nicht das erste Mal in Verlauf unserer Geschichte, dass wir die Globalisierung versuchen), nicht ohne eine entsprechende Arbeit mit dem Kognitionsapparat 😉

  3. Dann fällt mir zu Gleichschritt noch ein, dass Soldaten nicht umsonst diesen üben. Im Gleichschritt zu marschieren, lässt ein Feld entstehen, aus dem man Energie beziehen kann und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ähnlich wie im gemeinsamen Gebet löst der Einzelne seinen eigenen Anspruch an die Situation oder auch Gruppe ein stückweit auf und öffnet dadurch einen, ich nenne das mal „energetischen“ Raum, in dem ungehindert alles hin und her fließen kann, was hinein gesendet wird.
    Man selbst kann natürlich auch davon zehren.

    Und genau das erleben Menschen in der Gleichschaltung, im Gleichschritt. Sie werden von der Masse getragen und tragen selbst mit. Menschen, die sich selbst schlecht energetisch nähren können, werden hier im wahrsten Sinne des Wortes aufblühen und natürlich versuchen, diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Selbst wenn sie merken, dass was in die falsche Richtung läuft.

      • Richtig, in Gebäuden und auf Brücken sollte man dies tunlichst nicht mehr tun. Gleichschritt hat also natürliche Grenzen. Vielleicht auch im übertragenen Sinne in Systemen… 😉

    • Hallo Annemarie, man könnte das (erleben) auch als die Befriedigung des Sicherheitsbedürfnis, dem Zugehörigkeitsgefühl – der Leistung von Gleichschaltung bezeichnen. Was meinst Du dazu?

      • Kathleen – ganz sicher könnte man das. Ich möchte mal 40 Jahre zurückdenken. Im ideologischen Gleichklang meines DDR-Lebens war Absicherung etwas, worauf man sich verlassen konnte. Kita – Schule – Ausbildung – Facharbeiter – und wenn man mochte, bis zur Rente in einer Firma.

        Gibt es heute nicht mehr. Und damit ist das Sicherheitsgefüge weg. Was übrig bleibt, ist eine Menge Energie, die in Unterstützungsleistungen gebündelt werden muss, insbesondere wenn man, wie ich, behinderte Kinder hat.

        Aber…. um nichts in der Welt würde ich wegen irgendeines Sicherheitsnetzes die Zeit zurückdrehen wollen.

        Ich verstehe jedoch Menschen sehr gut, die sich nicht in dem Maße anpassen können oder wollen. Und das muss nicht unbedingt etwas mit Bequemlichkeit zu tun haben.

  4. Hallo und Grüße und danke für die Möglichkeit zur Meinungsäusserung.

    „Evolution ist keine Leiter, sondern eine interaktive Spirale aus Lebensform(en) und Umwelt(en) und Umwelten und Lebensformen.“

    Ok,damit kann ich besser umgehen,als mit einem evolutionären,quasi dem Entwicklungsgedanken vom Niederen zum Höheren.

    Aber vielleicht ist es auch ganz anders gedacht.
    Von Dir,Frau Peyn und ich habe es nur nicht verstanden.
    In dem was ich verstanden habe konnte ich keinen Fehler finden. Kompliment.

    „Dazu gehört auch, dass Demokratie immer mehr so verstanden wird, dass Mehrheitsentscheidungen besser sind als vernünftige Entscheidungen, bzw. umgekehrt, dass wenn Viele für etwas sind, das auch vernünftig sein muss. “

    Das Wesen der Demokratie ist das Mehrheitsprinzip oder irre ich mich da oder habe ich das falsch verstanden ?

    „So ist es möglich, Millionen von Juden zu vergasen, weil die akkumulierte Kraft des faschistoiden Impulses im Einzelnen nun in der Gesellschaft einen Eigenwert bildet, der auch alles Entsetzliche möglich machen kann, was im Rahmen der Philosophie der Ideologie mit ihrer Aus- und Abgrenzungswirkung denkbar ist.“

    Nicht nur denkbar.
    Weil „wir“ es dann dürfen!
    Legalitäts und Legitimitätsdilemma.
    Sobald das Dürfen der höchste Wert ist verschwindet das Sollen als Gebot des Könnens , quasi die Vernichtung von Möglichkeiten des Heterogenen.

    Es geht also darum den Psycho so schnell wie möglich zu erkennen um ihn rechtzeitig stoppen zu können .
    Ist das richtig?

    Das kannst du vergessen, gnä Frau.
    Das wird auch mit Bildung nichts .
    Ihr könnt mich ja für total durchgeknallt halten aber als Darwin Carniforen,also fleischfressende Pflanzen, beobachtete, erkannte er das diese Bewusstsein haben .
    Das bedeutet genetisch weitestgehend das wir irgendwie Wesen sind mit der Absicht zu töten um zu leben .
    Ja, so simpel ist das alles .
    Bei Darwin .
    Oder ,was hat man da bis jetzt neu entdeckt was ich nicht weiß ?

    Der Mensch ist ein Tier .
    Das ist die Kernaussage .
    Instincte beherrschen demnach diese Welt .
    Die Weltanschauung eines Tieres !

    Welche Früchte trägt nun der Baum dieser Erkenntniss ?

    Nun,wir wissen inzwischen das
    jede dafür notwendige Arbeitsanweisung schon seit Ewigkeiten gespeichert in der DNA unserer Zellen geschrieben steht.

    So zitiert Heisenberg im Abschnitt über „Symbol und Gestalt“ die Meinung des Biologen Konrad Lorenz, die Kantschen „a-priori“-Anschauungsformen seien als „angeborene Schemata“ des Menschen aufzufassen und den Instinkthandlungen der Tiere gleichzusetzen; diese Ansicht wurde von Lorenz ausführlich im Februar 1942 in der Zeitschrift „Die Naturwissenschaften“ dargelegt .

    Und das in der höchsten überhaupt bekannten Speicherdichte.
    Man könnte z.B. , im Volumen eines Stecknadelkopfes, der nur aus DNA-Material besteht, einen Stapel Taschenbücher speichern, der 500mal höher wäre als die Entfernung von der Erde bis zum Mond.
    Verteilt man diese Menge an Bücher auf alle Bewohner der Erde (derzeitig ca. 7 Milliarden) so erhielte jeder Mensch 2143 Exemplare.
    Wobei diese für „uns“ unvorstellbar gigantische Quantität zugleich auch qualitativ gigantische und vor allem sinnvolle Information darstellt.

    Eine unvorstellbare Informationsdichte also, nach einem äußerst genialen Prinzip von dem wir keine Ahnung haben was es ist und woher es kommt.

    „Wir“ sollte uns also versuchen klar zu machen
    worüber „wir“ reden wenn wir den Menschen als ein Tier bezeichnen welches zwar klug ist aber auf Grund seiner Unfähigkeit die Welt wirklich zu erkennen möglicherweise nur in seinen eigenen Bildern klüger erscheint als alle anderen .

    Das vorsorgliche Attribut klug ändert quasi nichts daran das wir es womöglich nicht sind.

    • Hallo, Ernesto! Das ist ja ein Ding, dass Du hier bist. Ich bin mal gespannt.
      Ja, zu Bildung werde ich noch etwas sagen. Wir sind ja nicht immer einer Meinung – und längst nicht immer verstehe ich, worauf Du hinaus willst, aber diesmal ist es doch ein vielversprechender Anfang.
      LG – Gitta

  5. Das Gleichschaltungsprinzip kann man gut auf Facebook beobachten. Jemand sagt etwas, was einem oder mehreren Threadteilnehmern nicht passt, ihn/ sie triggert – etwas, was je nach Thematik nicht der allgemein gültigen Meinung der Masse entspricht. Dabei ist es unerheblich, ob das Gesagte inhaltlich korrekt ist oder nicht. Es wird mit Befindlichkeit reagiert und angegriffen und platt gemacht. Es passt nicht und derjenige wieder daraufhin „zur Ordnung gerufen“ – nach dem Motto, sowas kannst du doch nicht sagen, „benimm“ dich oder hau ab – der Versuch der Gleichschaltung – darauf folgt Ausgrenzung – wobei sich meist mehrere zusammentun (bündeln) um gegen diesen Ketzer im System vorzugehen.

    • Auf Facebook wirkt nach meiner Beobachtung vor allem ein Problem stark, und das hat eine Legion an Gründen: Die Furcht davor, für dumm gehalten zu werden.
      Die Abwehrmechanismen gegen Differenzierung und Dimensionierung (für die meisten eine kaum zu bewältigende Aufgabe) lege ich zur Ideologisierung quer.

      • meine Gedanken dazu: Die Abwehrmechanismen dienen der Komplexitätsreduzierung und die ständige Beschäftigung damit halten die für FB meist typische Kommunikationsstruktur (slit) am Leben. Es können keine Kooperationsinseln entstehen (CoA) auf denen ein Gespräch möglich ist bzw. man zumindest einmal darüber nachdenkt/nachfragt, ob an dem, was der andere sagt, etwas dran sein könnte. Im Zweifelsfall entstehen Cosy-Grüppchen, die der Beruhigung des eigenen Sicherheits(Harmonie?)bedürfnisses dienen, in denen aber auch kein konstruktives Miteinander, Anderes (Denken) nicht zulässig ist. Spricht man das an, das war die Grundaussage meines Kommentars, dass sie zu bequem, zu befindlich, und dumm sind desto extremer wird das Abwehrverhalten, welches oft unter der Gürtellinie und nicht die Reaktion eines Erwachsenen ist.

      • Sach- und Beziehungsebene auseinander halten zu können, hat viel mit Stressbewältigung zu tun. Auf Facebook rutschen auch die besten oft genug in die idiotischsten Manöver ab. Hieran kann man einen Zusammenhang zwischen meinem ersten Artikel und unserer Diskussion über Symmetrische Konflikte und der Bildung von Ideologien erkennen.

  6. Korrektur

    Nicht nur denkbar wie ich finde,
    „wir“ dürfen es dann !
    Legalitäts und Legitimitätsdilemma,denn
    sobald das Dürfen den höchste Wert darstellt verschwindet das Sollen als Gebot des Könnens , quasi die Vernichtung von Möglichkeiten des Heterogenen.

  7. „Verantwortung“ verschanzt sich quasi
    immer mehr in den Kasematten des Rechts (latente Tötungsabsicht).
    Ich argumentiere nicht aus einer Modellperspektive sondern aus der des Empirischen.

    „Es gehört zum Schwierigsten, was einem denkenden Menschen auferlegt werden kann: wissend unter Unwissenden den Ablauf eines historischen Prozesses miterleben zu müssen, dessen unausweichlichen Ausgang er längst mit Deutlichkeit kennt.
    Die Zeit des Irrtums der anderen, der falschen Hoffnungen, der blind begangenen Fehler wird dann sehr lang.“
    Carl J. Burckhard (1891 – 1974)

    Zu lang für ein Leben.

  8. Deine Meinung kann meine nicht gefährden,liebe Gitta, höchstens ergänzen, dafür müsste sie mir jedoch „lohnenswerter“ vorkommen, um meiner Version näher zu kommen, in der du ebenfalls vorkommst. (lacht)
    Und wie wir inzwischen wissen kommt es immer auf’s Emoticon an.

    😀

    Wer Entscheidungen einer
    trivialen Jurisprudenzia überlassen muss,
    erntet Willkür,so als diene das Gesetz moralischer Exkulpation, auf die niemand mehr Wert legt.

    Sag mir wo die Soldaten sind,was ist geschehn ?

    Der Führer:
    Es ist hier nicht meine Aufgabe oder auch nur meine Absicht, auf das „Wenn“ hinzuweisen, falls das „Aber“ nicht gewesen wäre.
    Wohl empfinde ich es jedoch als unbedingte Notwendigkeit, den bestehenden Zustand ungeschminkt und nüchtern darzulegen, auf seine beängstigenden Schwächen hinzuweisen, um wenigstens in den Reihen der nationalsozialistischen Bewegung die Einsicht in das Notwendige zu vertiefen.
    Deutschland ist heute keine Weltmacht.
    Selbst wenn unsere augenblickliche militärische Ohnmacht
    überwunden würde, hätten wir doch auf diesen Titel keinerlei Anspruch mehr. Was bedeutet heute auf dem Planeten ein Gebilde, das in seinem Verhältnis von Volkszahl zur
    Grundfläche so jämmerlich beschaffen ist wie das derzeitige
    Deutsche Reich?
    In einem Zeitalter, in dem allmählich die
    Erde in den Besitz von Staaten aufgeteilt wird, von denen
    manche selbst nahezu Kontinente umspannen, kann man
    nicht von Weltmacht bei einem Gebilde reden, dessen politisches Mutterland auf die lächerliche Grundfläche von kaum
    fünfhunderttausend Quadratkilometer beschränkt ist.

    «Alles, was ich unternehme, ist gegen Russland gerichtet; wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen, und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden. Ich brauche die Ukraine, damit man uns nicht wieder wie im letzten Kriege aushungern kann.»

    Nicht ,was ist geschehen,sondern was geschieht,..immer noch,nur raffinierter nicht so archaisch wie es sich Hitler erdachte.

    Nichts, was nicht darf, geschieht.

    Russland ,so nah und doch so fern !

    Und was macht Amerika ?

    „Es denkt“ ( über Halbwertszeiten) nach !

    • Einen Kommentar schreiben. Sobald der freigeschaltet ist, kannst Du frei kommentieren.
      Schön, Dich hierzuhaben, Marcus. Ich bin gespannt auf Deine Ideen.
      Lieben Gruß
      Gitta

  9. also irgendwie ist mir das alles noch zu hoch …
    vor allem so als klassisch schulmedizinisch verhaftet & vermutlich auch dauerhaft bleibend …
    im Sinne von,
    „…der Geist, der Körper und die Welt, man muß nur lernen, damit umzugehen“

    Eine kleine Empfehlung hierzu:
    Frisch reduziert:
    Kugler
    Der menschliche Körper
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  10. Vorab Deine Problembeschreibung in meiner Kurzfassung: „Die Funktion der Weltanschauung ist die Konstruktion von und Orientierung in Welt, und die Konstruktion von und Orientierung in Welt ist immer Komplexitätsreduktion. Ideologien sind die Weltanschauungen, deren Funktion die Gleichschaltung und deren Leistung die Beruhigung von Sicherheitsängsten ist. Der Übergang ist fließend, und die Motivation zur Ideologie lässt sich als faschistoider Impuls begreifen. Es ist dieser Impuls zu bündeln, den Weg zu bereiten und die Massen zu teilen, um den es bei der Ideologie geht. Er macht sich in der abgrenzenden Rhetorik des Ideologen bemerkbar, wie er klare Fronten schafft, vermittels derer er sich selbst definiert. Und je mehr gebündelt wird, desto mehr verliert die Ideologie an Differenzierung und an Anders-Möglichen, an Kontingenz. So grenzt sich Ideologie gegen Ideologie ab, ganz besonders aber gegen pluralistische Dimensionierung und Differenzierung.“
    Nun Dein Lösungsansatz in meiner Kurzfassung: „Diese psychosozialen Umstände, an deren Mitgestaltung jeder beteiligt ist, sind es, die auf ihre pathologische Struktur hin untersucht werden müssen. Ob man dem faschistoiden Impuls nachgibt, warum man ihm nachgibt und ihm nichts entgegenzusetzen vermag, mit welcher Funktion man ihm folgt, liegt am Einzelnen und an der Gesellschaft, und es ist Aufgabe der Wissenschaft, hier Aufklärung zu betreiben und Mittel zu ersinnen, dem Einzelnen Tools an die Hand zu geben, die Komplexität, die mit Technologie und Globalisierung kommt, adäquat und zeitgemäß zu bewältigen, ohne dem faschistoiden Impuls nachzugeben. Globalisierung ist langfristig nicht ohne Evolution der Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit des Einzelnen denkbar. Was ich hier vorschlage, ist ein Umdenken, ein erweitertes Denken, ein Denken, das den einzelnen Menschen und die Gesellschaft konstituierenden Prozesse miteinander verbindet. Warum, wann, unter welchen Bedingungen kann der Populist greifen – wie entsteht er überhaupt? Wer gibt dem Politiker die Macht? Wie organisieren Menschen ihr Miteinander? Wie verarbeiten sie Komplexität? Wie bilden sich Gruppen? Und immer wieder: Was habe ich damit zu tun?“

    Vielen Dank, liebe Gitta, Deine Problembeschreibung und Deinen Lösungsansatz finde ich präzise durchdacht und überzeugend formuliert. Ich sehe ähnliche gesellschaftliche Tendenzen zur ideologisch leicht instrumentalisierbaren Emotionalisierung von Politik, wie wir sie mit ähnlicher Wucht Ende der 1960er-Jahre in die linke, progressive, internationalistische, kollektivistische, solidarische Richtung erlebt hatten. Seit etwa 2010 geht die Bewegung in die rechte, konservative, nationalistische, separatistische, egoistische Richtung, wie mir scheint. Das hat meines Erachtens weniger mit einer Schwäche oder Schwächung der politischen Demokratie durch Internetmedien zu tun, die meiner Meinung nach aus wesentlich mehr besteht als aus dem Konkurrenzkampf unterschiedlicher Ideologien, sondern mit der – von dir beschriebenen – Technisierung (insbesondere Digitalisierung) und Globalisierung der Welt, die ebenfalls mit einer „Polysemie“ einhergehen, die Zukunftsunsicherheit und Verlustangst erzeugen. Im Zuge von Technisierung und Globalisierung nimmt die Rationalisierung (auch dieser Begriff ist mehrdeutig) von Wirtschaft und Arbeit zu. Diese Rationalisierung dient der zunehmenden Ausbeutung. Dadurch erhöht sich der Konkurrenzdruck unter den Wirtschaftsunternehmen und unter den Arbeitnehmern. Die Leistungsanforderungen steigen. Zugleich nimmt die Ungerechtigkeit in der Verteilung des erwirtschafteten Reichtums zu. Kommen dann noch äußere Existenzbedrohungen wie die Einwanderung junger, dunkelhäutiger Andersgläubiger hinzu, erleben rechtspopulistische Bewegungen regen Zuspruch.
    Deshalb bedarf es einer nicht allein funktionalistischen Ideologiekritik der Interessenslagen in dieser historischen Situation, um die Chancen und Risiken unterschiedlicher Lösungsansätze differenziert analysieren und deren mögliche Auswirkungen auf das Gesamtsystem darstellen zu können und um der eher beängstigenden gesellschaftlichen Gewalt der gegenwärtigen Systemdynamik eine humane Gesellschaftsperspektive entgegensetzen zu können, die mehr individuelle Freiräume eröffnet Ich denke, deine Vorschläge für eine Reform von Hartz-IV gehen in diese Richtung, um nur mal eine konkrete Maßnahme herauszugreifen.

    • Danke. Erst einmal: Über einen „Konkurrenzkampf der unterschiedlichen Ideologien“ will ich noch gar nicht reden. Mich interessiert die Entstehung der Ideologie und der faschistoide Impuls sowie die Ablösung von dem Gedanken, dass der Führer die Masse macht.

      Das Problem mit meinem Vorschlag zu einer schrittweisen Hartz-IV-Reform hat etwas mit Ideologien zu tun.
      Und ja, zu den durch Globalisierung ausgelösten Stress auslösenden Schwierigkeiten gehört ganz sicher auch die zunehmende Armut und ein völlig beknackter Umgang mit der Idee der Arbeitslosigkeit. Da versucht der Staat (und mit ihm leider auch ein großer Teil der Bevölkerung) Probleme des 21. Jahrhunderts mit Lösungen aus dem 20. zu bekämpfen.
      LG – G

  11. … interessante Satztechnik, Herr Müller.
    Danke!
    Ein Lob, insbesondere, was das Ölen der Schlösser angeht, im Sinne der Einwegspiegel, die sich dann doch allzu sehr mit den übermächtigen, allzu spät erkannten leiblichen wie auch nicht-leiblichen Vaterschaften auseinanderzusetzen pflegen.
    „Thank god, it’s friday …

    welcher Putzmacher hat denn morgen Dienst?
    Muß mich noch etwas aufbrezeln,
    um auch ordentlich zu Sylvestern, klar und deutlich
    dazustehen.
    (selbstredend ohne zwischen irgendwelche Mühlsteine zu geraten bzw. und zwischen Konfetti den eingefleischten Rittberger bzw. die Schwalbe machen zu müssen.
    Denn Letztere liegen mir garnicht)

  12. Ein gewohnt beeindruckender, herausfordender Text von Dir, liebe Gitta.

    Es wird für mich wie üblich notwendig sein, ihn noch einmal oder sogar mehrmals zu lesen, um den ganzen Umfang begreifen zu können. Das geschieht stest mit Wonne, da ich danach erfahrungsmäßig das Gefühl habe, ein kleines bisschen gescheiter geworden zu sein.
    Festhalten möchte ich, dass mich schon beim ersten Lesen spontan viele Sätze und Absätze angesprungen haben, die mich nachhaltig beschäftigen werden. Ein paar beliebige Beispiele:

    „Dazu kommunizieren wir nicht nur mit realen Anderen, sondern auch mit der Gesellschaft in unserem Kopf.“

    „Der faschistoide Impuls wird nicht durch den Populisten in die Menschen, die ihm folgen, hineingelegt, sondern er ist (als die Gesellschaft und Welt um einen herum gestaltender Impuls) bereits im Menschen angelegt. Er ist ein Drang zur Macht, dem jeder nachgeben kann und der, wie man in den Internetmedien an der Rhetorik weiter Teile der Bevölkerung erkennen kann, auch breitflächig genutzt wird.“

    „Wer die Internetmedien nur als Plattform oberflächlicher Kommunikation und eitler Selbstdarstellung begreift, übersieht, was in ihnen passiert und welche Gefahr für die Gesellschaft davon ausgeht. Wir sehen dort live und unter der Lupe, wie sich Ideologien entwickeln und wie der faschistoide Impuls wirkt, sich verstärkt, abgrenzt und Masse macht.“

    Das Lesen Deines Blogs wird mir eine willkommene Gelegenheit sein, noch weniger Zeit auf Facebook zu verbringen. Man muss schließlich Prioritäten setzen.

    Herzlichen Gruß aus Wien,
    Kurt

  13. Liebste Gitta,
    was das mit dem Thema zu tun hat, hattest Du mich oben gefragt.
    Nimm es zunächst als eine eingestreute Provokation,
    als ein Störmuster, das „einen Hauch des Gedankens“ vom Thema wohlgesetzter und wohlüberlegter Sätze in elaborierter Sprache ablenken sollte, in assoziativer Lockerung, durch Einführen (m)einer vergleichsweise ungewohnten Perspektive.

    Ab wann verläßt eine private Weltanschauung (wozu ich persönlich auch die fixe Bindung an vorgeformte religiöse und intellektuelle Vorstellungen zähle) den
    noch von den jeweiligen Zeitgenossen geduldeten, da gerade noch erträglichen Rahmen und wird u.U. taktgebend zu einer neuen Kunstform oder auch -in Abhängigkeit des/der jeweiligen Gründer zu einer sich Anderer bemächtigenden Idee , deren
    Alleinherrschaftsanspruch allzuleicht in ideologische Fahrwasser abzudriften geneigt scheint.

    Wir arbeiten schon längst nicht mehr vorrangig am Begriff und mit Begriffen.
    Wir arbeiten an Methoden unliebsame, nervige bis nervtötende Konkurrent(Inn)en abzudrängen und selbst in der Wahl ihres Logos/ihrer Logos durch Erhöhung der Taktzahlen anzuschwärzen.

    Im Zweifel kann auch -vor schwarzem Hintergrund- Bleiweiß dem entblößenden Zwecke zu Diensten sein.
    Klassisch bildungsbürgerlich, in hundsgemein gemeiner Nützlichkeit …
    im gendertechnischen Jargon (argot,lingua franca) u.v.a. mehr -in den Wind- gesprochen, als Sturm im Wasserglas…

    Sanskript & Sansculottes
    AG & C0/kg
    🎭,
    🦉

    • Das fragte ich mich auch beim Lesen der meisten Kommentare und bin zu dem Schluss gekommen, dass Evolution sicher auch etwas damit zu tun hat, das auszusortieren, was dauerhaft einer konstruktiv erhaltenden und gesunden Entwicklung entgegensteht.

      • Eine hübsche, leider aber lebensfremde Wunschvorstellung 😉 Es sei denn natürlich, man hält das Aussortieren des Menschen, der sich nicht „gesund“ organisiert bekommen hat, für einen evolutionären Fortschritt 😀
        … Womit wir wieder bei der Ideologie wären.

      • Das meine ich nicht. Sondern, dass sich nicht weiterführende Energieeinsätze von selbst erledigen, da sie sich in Schall und Rauch verwandeln. 😉

        Was du da hinein interpretierst, ist deine Angelegenheit. 🙂

      • 🙂 Ich weiß nicht, ob ich mich traue, nach einem Beispiel zu fragen 🙂
        Sicher, was sich in Schall und Rauch verwandelt, verwandelt sich in Schall und Rauch, aber was ist mit all den guten Projekten, Ideen, Menschen, Tieren, die untergehen, weil andere Menschen ignorant oder bösartig waren?
        Deine „nicht weiterführenden Energiesätze“ klingen für mich nach einer deterministischen Hinterwelt. Insofern benötige ich doch mehr Erklärung.

      • Noch mehr Erklärungen habe ich nicht, weil mir die weiterführende Erkenntnis fehlt. Aus deiner Antwort entnehme ich, dass meine Sichtweise offenbar nur bis zum Ende meiner Füße reicht…

      • „… dass meine Sichtweise offenbar nur bis zum Ende meiner Füße reicht…“
        Damit wärst Du weiter als so mancher anderer, der sich nicht einmal erkennt, wenn er in den Spiegel schaut.
        LG – G

      • Das nehme ich jetzt mal als Kompliment.
        Und auf die Länge meiner Füße zurückzukommen… auch wenn man nur den einen Fuß direkt vor den anderen setzt, kommt man vorwärts, zwar langsam aber immerhin. 🙂

    • Liebe DeaXmac, die Störung ergibt Sinn, wenn sie als kreatives Element zur ästhetischen Form des Gesamtbildes beiträgt. Das lässt sich nicht immer vorhersagen und wenn es zu viele werden, kommt es in Diskursen zu keinen Auseinandersetzungen mehr, die insgesamt nun wieder kreativ weiter führen. Das ist das Problem mit dieser Theorie: Blogs können auf diese Weise leicht auch zer-stört werden, bzw. so Eigenwerte bilden, die keine inhaltliche Diskussion mehr zulassen.
      Ja, sicher, die individuelle Weltanschauung ist kreativ, das geht gar nicht anders.
      Und es ist vollkommen richtig, dass der Begriff nicht im Fokus der Aufmerksamkeit steht – wo er meiner Ansicht nach stehen sollte, dann lohnt sich nämlich auch die Offenheit. Allerdings möchte ich anmerken, dass er – außerhalb einiger weniger elitärer Kreise – auch nie wirklich darin stand. Man mag den Eindruck haben, dass er es nicht mehr tut, aber das liegt nur daran, dass die Massen jetzt mitmischen, und das verfälscht insgesamt den Eindruck: Der bewusst geschaffene Begriff war immer das Privileg der gebildeteren Kreise. Das ist auch heute noch so.

      LG – G

      • „die Störung ergibt Sinn, wenn sie als kreatives Element zur ästhetischen Form des Gesamtbildes beiträgt.“
        Das gefällt mir. Alle sieben Begriffe dieses Satzes – von „Störung“ bis „(Gesamt-)Bild“ – stehen in einer Beziehung, die denkend nachzuvollziehen sich lohnt.

        Beeindruckend, Gitta, wie Du den prinzipiell nicht-steuerbaren Fluss dieses Blogs mit leichten Hinweisen auf die Ästhetik des Gesamtbilds hin orientierst.
        Es gibt kaum etwas Hässlicheres als die im ersten Thread thematiserten „Slit“-Kommunikationen.
        Ästhetik hat nichts mit Luxus (Überflüssigem) zu tun, sondern betrifft die Bewegung alles Lebendigen.

      • Danke, lieber Franz. Die Zusammenhänge von einigen Systemen, die sich mit Slit beschreiben lassen, und Ideologie ist offensichtlich.
        Deinen letzten Satz liebe ich geradezu.

      • @ „die Störung ergibt Sinn, wenn sie als kreatives Element zur ästhetischen Form des Gesamtbildes beiträgt“

        Dann wäre sie keine Störung.

        Ich wäre da nicht so puritanisch: Die dadaistischen Assoziationen und irrationalen Irritationen von deaXmac lassen mich immer wieder stutzen und geistig Luft holen. Sie nehmen der trockenen Diskussion ein wenig von deren Ernst, ohne sie lächerlich zu machen. Sie dekonstruieren, lockern und beleben die Gedanken, indem sie das gänzliche Andere, das Unvergleichliche, das Einzigartige von Kunst (und des Lebens) ins Spiel bringen.

      • Das war eine allgemeine Aussagen, und sie ist auch nicht unbedingt neu: Im Graphikdesign zum Beispiel ist das etwas, was man schnell lernt: den Störer gezielt zur Steigerung der Ästhetik des Bildes einzusetzen. In der Werbung setzt man auf die Dynamik der ungeraden Zahl, und auch ein Pollock funktioniert nur durch die Integrität des Gesamtwerks.
        Der Mythos der Störung als systemkonstitutives und kreatives Element schlechthin ist … ein Mythos.

      • Nein, lieber Michael Santak. Jede Störung stört, die Frage ist nur, was die weiteren Anschlüsse, wenn es denn welche gibt (aber auch Nicht-Anschließen ist ja ein Anschließen), aus ihr machen. Es gibt Störungen, an die sich nur schwer kreativ anschließen lässt und die den Fluss entweder einfrieren lassen oder ins Unbestimmte zerstreuen.
        Ich übe mich daher in dem kategorischen Imperativ Heinz von Foersters: „Handle stets so, dass sich eine Vielzahl von (Anschluss-) Möglichkeiten ergibt.“ Dazu muss ich mir zum mindesten ein ungefähres Bild davon machen, in welche Richtung ich mit meinem Impuls den Fluss orientieren möchte.

      • Genau. Manche wirken kreativ, andere werden durch Immunisierungsprozesse komplett ignoriert, wiederum andere übernehmen als Eigenwerte und verhindern andere Formen, und oft genug wirken zu viele auf das System degenerativ bis hin zu Wahnsinn oder kompletter Zer-Störung.
        Die Ideologisierung ist eine Maßnahme gegen die Störung … und wird dadurch oft selbst zu einer.

      • Für mich stellen die Werke von deaXmac ästhetische Reize dar, die mir die Absurdität des Ganzen vergegenwärtigen.

      • Unsere Göttin aus der Maschine spricht aus dem Off – unermüdlich erfinderisch, literarisch draufgängerisch (in der Tradition von Hans Arp, Ernst Jandl, Joachim Ringelnatz, Arno Schmidt, Kurt Schwitters, Karl Valentin und anderen). Das ist ALLER Ehren wert! Nobelpreisverdächtig, finde ich! Ich kann mir vorstellen, dass deaXmac bereits zahlreiche Highbrows auf die Palme gebracht hat. Doch sie lässt sich nicht beirren. Ihre Insistenz und Penetranz gilt es zu würdigen und anzuerkennen! Nicht auszudenken, wie viele Zigarren und wie viel Whisky dafür nötig waren, sind und sein werden!

      • Du missverstehst meine Reaktion gründlich, lieber Michael.
        Die Antwort auf meine Frage, was das mit dem Thema zu tun hat, war Interpreterschwachwinn.
        Das ist okay, darauf muss man nicht reagieren. Die These allerdings, die zur Rechtfertigung vorgeschlagen wurde, die ist Bullshit.
        Darüber haben D und ich auch schon einmal privat einen Konsens hergestellt.
        LG – G

      • @Störung
        Guten Morgen, ich bin nicht sicher, ob ich das richtig erfasst habe. Ich meine in diesem Thread einige Kommentare zu finden, die eine Slit-ähnliche Struktur aufweisen. Die Inhalte sind M. m. n. nicht anschlussfähig. Kann man diese auch als Störung bezeichnen? Und ist eine signifikante Häufung (der Slit) innerhalb eines Systems von Bedeutung? Wie auch FB oft zu sehen, findet eine Vermischung von Beziehungs- und Sachebene statt (Stressbewältigung) und damit dienen sie der Beruhigung von Ängsten. Auch persönliche Wertungen fördern die Bildung von Ideologien, und wie Franz so schön gesagt hat stören sie „den prinzipiell nicht steuerbaren Fluss“.

      • noch eine Frage – kann man die Störung auch als Wille/Versuch zur Gleichschaltung innerhalb eines Systems (Thread) betrachten?

  14. @ Annemarie, 29. Dezember 2017 um 19:23: „Im ideologischen Gleichklang meines DDR-Lebens war Absicherung etwas, worauf man sich verlassen konnte. […] Gibt es heute nicht mehr. Und damit ist das Sicherheitsgefüge weg. […] Ich verstehe jedoch Menschen sehr gut, die sich nicht in dem Maße anpassen können oder wollen. Und das muss nicht unbedingt etwas mit Bequemlichkeit zu tun haben.“ und
    @ Gitta Peyn, 29. Dezember 2017 um 18:14: „Das Problem mit meinem Vorschlag zu einer schrittweisen Hartz-IV-Reform hat etwas mit Ideologien zu tun. Und ja, zu den durch Globalisierung ausgelösten Stress auslösenden Schwierigkeiten gehört ganz sicher auch die zunehmende Armut und ein völlig beknackter Umgang mit der Idee der Arbeitslosigkeit. Da versucht der Staat (und mit ihm leider auch ein großer Teil der Bevölkerung) Probleme des 21. Jahrhunderts mit Lösungen aus dem 20. zu bekämpfen.“

    „Paternalistisch-autoritäre“ Staaten wie die DDR (über)erfüllen das menschliche Sicherheitsbedürfnis, aber ersticken die freie Entfaltung und die Entwicklung von Selbstständigkeit. Dieser Gleichschritt-Marsch-Kollektivismus ist daher im globalen Wettbewerb des 21. Jahrhunderts nicht konkurrenzfähig.
    Wettbewerbsorientiertere Staaten wie die BRD lassen den Menschen mehr Freiheiten und unterstützen jene, die damit und den verunsichernden Folgen wie Armut und Arbeitslosigkeit nicht klarkommen.
    „Vater“ Staat agiert zwischen den Extremen „Überbehütung“ und „Laissez-faire“. Seine „Kinder“ sollten – da die Möglichkeiten, von einem zum anderen Staatsmodell zu wechseln, technisch eingeschränkt sind (Migrationsproblem) – wählen können, wie sie von ihm behandelt werden möchten, welches Ausmaß an Unsicherheit+Freiheit bzw. an Sicherheit+Unfreiheit für sie angemessen ist, also eine Art „innerstaatliche Migration“ zwischen unterschiedlichen (ideologischen) Milieus mit angepasster staatlicher Regelungsdichte – weder beschützende Werkstatt für alle (Modell Sozialismus) noch Auswilderung in die darwinistische Anarchie der globalen Konkurrenz (Modell Liberalismus). In einer variablen (teils regulierten, teils deregulierten), multi-ideologischen Gesellschaft würden sich einige energieraubende ideologische Kämpfe erübrigen, weil die „Bündelungen“ der unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten „dezentral“, also weder kollektivistisch noch individualistisch erfolgen.

  15. Liebe Gitta,

    meinen Respekt für den umfangreichen, allgemeinverständlichen, sachlichen Beitrag, in dem Du Begriffe definierst und einen Rahmen bzgl. der Funktion und Unterscheidung von Weltanschauung und Ideologie schaffst, deren Inhalte nun auch vertieft werden können, bzw. der angepasst werden kann, falls erforderlich.

    1. Stimme zu: „Globalisierung ist langfristig nicht ohne Evolution der Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit des Einzelnen denkbar.“

    Anhand dieser These frage ich tiefer gehend:
    Liegt im Drang zur Globalisierung selbst denn nicht inhärent ein „faschistoider Impuls“ i.S. eines „Willen zur Macht“?

    Wenn ja: Wäre es dann nicht geradezu paradox, wenn ausgerechnet die Globalisierungsgegner, in ihrem pressierenden (tolles Wort) „roll back“ in wiederaufflammenden Nationalisierungs- und Identitätsbewegungen, zum Steigbügelhalter einer „faschistoiden Globalisierung“ würden?

    Stimmt dies, gilt dies plausibel zu kommunizieren und darüber (sachlich fundiert = angstreduzierend) aufzuklären.

    2. Den Satz finde ich kritikwürdig: „Die Massen werden nicht verführt, sie organisieren sich selbst.“

    Für mich sind Massen eher „seelenlos“ und handeln genau deshalb verantwortungslos (sowie der Einzelne, welcher in der Masse aufgeht), d.h. sind gerade wegen ihrer hochfluiden und fragilen Form und Struktur (Stichwort: Schwarmverhalten. Der Einzelne orientiert sich an 6-7 Nachbarn) sehr störanfällig, d.h. ausgesprochen verführbar, manipulierbar. Massen organisieren sich deshalb selbst, mittels Verführung und Manipulation.

    Eine Hauptfrage hierzu scheint mir, ob es bei der konstruktiven Steuerung der Massen (im globalen und digitalen Zeitalter scheinbar komplexitätssteigernder Überschußkommunikation), nicht eher um die Kunst der Steuerung von Resonanzkontingenz geht. D.h. ob nicht „Macht“ darin besteht fähig zu sein erwünschte Resonanz sowohl zu steigern, als sie auch zu reduzieren um so eine dynamische Stabilität (i.S. der legitimen Angstreduktion) erzeugen zu können.

    Wie sehen Strukturen aus, die solches ermöglichen?

    • @ „Liegt im Drang zur Globalisierung selbst denn nicht inhärent ein „faschistoider Impuls“ i.S. eines „Willen zur Macht“?“

      Ich finde, der Begriff „Globalisierung“ beschreibt unterschiedliche Entwicklungen, die nicht alle in die gleiche Richtung gehen.
      Erstens: Die Globalisierung der Wirtschaft (also der Produktionsverhältnisse), die seit dem Zusammenbruch des planwirtschaftlichen „Kommunismus“ nach dem einheitlichen Gesetz der privaten Kapitalakkumulation funktioniert und auch von den Staatsapparaten forciert wird.
      Zweitens: Die Globalisierung der Technik (also der Produktivkräfte), insbesondere im Bereich der Informatik, der Digitalisierung, Algorithmisierung, Vernetzung, (Daten-)Kommunikation („jeder kann mit jedem kommunizieren“), die von den globalisierten Wirtschafts- und Staatsunternehmungen instrumentalisiert wird.
      Drittens: Die Globalisierung der Ausbeutung von Kapital, Arbeit und Boden (Ressourcen wie Bodenschätze, landwirtschaftliche Flächen, Wasser, Luft etc.) zur Steigerung von Produktivität und Kapitalakkumulation, teilweise mit staatlicher Aneignung, doch überwiegend mit privater Aneignung, die oft mit dem Abbau von Bürgerrechten, Konsumentenschutz, Mindestlöhnen und Bankaufsicht etc. einhergeht.
      Viertens: Die Globalisierung der Macht, die möglicherweise dereinst zum Aufbau einer Weltgemeinschaft führen könnte, in der Staaten einen Teil ihrer Souveränität schrittweise in supranationale Organisationen mit Gewaltmonopol überführen und gemeinsame Märkte mit sozialen Imperativen schaffen.

      Ich stehe den ersten drei Globalisierungstendenzen kritisch gegenüber und plädiere für die vierte, die internationalistische und solidarische Bündelung.

    • Lieber Ingo, ich melde mich später ausführlicher, nur kurz zum 2. Punkt: Organisation hat nichts mit Seele oder Verantwortung zu tun. Sie passiert.
      LG – Gitta

    • Lieber Ingo,

      Globalisierung: „Drang zur Globalisierung“. Ich habe einen sehr einfachen Globalisierungsbegriff verwendet, nämlich dass theoretisch jeder mit jedem kommunizieren kann. Globalisierung ist Folge technologischer Entwicklung. Sie als „Drang“ zu bezeichnen, dafür müsste ich erst einmal wissen, was Du mit „Drang“ meint, denn so weiß ich nicht, ob ich das Wort auf Sozialsysteme anwenden will.
      Der Nationalismus ist grundsätzlich antiglobalistisch, und er ist bescheuert, kurzsichtig, undurchdacht, man kann die Adjektive mit größtem Vergnügen erweitern. Er ist sein eigener Untergang, und das heute noch aus sehr viel mehr Gründen als vor 100 Jahren. Einer liegt in der Zentralisierung des Handels begründet. Dazu darf man interessiert auf meine Neujahrüberraschung warten …
      Eine faschistoide Globalisierung ist ein Widerspruch in sich. Globalisierung geht nur pluralistisch oder in Form von einer Zentralisierung des Machtpotenzials über Subsysteme, in die der Einzelne so integriert ist, dass er sich nicht mehr dagegen zur Wehr setzen kann.
      LG – G

    • @Gitta (am 31. Dezember 2017 um 11:31)

      Danke für Deine Antwort.
      Der Gebrauch der Wörter bestimmt ihre Bedeutung.
      Verstehe etwas besser was Du meintest und Dir wichtig war.

      Sehe jedoch auch, dass Digitalisierung und Globalisierung sehr wohl Resonanzphänomene ermöglichen, welche Beobachter paradoxerweise, sowohl als mehr(!) Raum (Freiheit, Innovationsmöglichkeiten, Jazz usw.), als auch als mehr (!) Nähe (Enge, Bedrängnis, faschistoidem Gleichschritt usw.) interpretieren können und es auch tun.

      Der gewählte Fokus wird offensichtlich von der aktuellen Bedürftigkeit der (inter-)agierenden System nach Innen/Außen bzgl. des Selbsterhaltes vs. Selbsterweiterung (mit-)bestimmt. Das mag ambivalent, paradox, oder eben jazzig sein, was wiederum bedeutet, dass wir bei einem „zuviel/zuwenig“ (Resonanz) durch Etwas, die Kompensation durch ein „Anderes“ versuchen.

      Frage: Verwendest du die Begriffe „Resonanz“ und „Gleichschritt“ eher synonym oder antonym, bzw. weder noch, z.B. in Bezug auf Ideologie vs. Weltanschauung?

      Bei Gelegenheit schreibe ich mehr. Ich halte den Resonanzbegriff für geeignet (neben anderen, z.B. den von Franz Friczewski benutzten Begriff des „Webens“, um die Muster „lebender (=biopsychosoziale) Systeme“ in der Zeit zu beobachten, verstehen und zu interpretieren.

      • @ Globalisierung und Digitalisierung … mehr Raum und gleichzeitig mehr Enge
        Wo siehst Du da etwas Paradoxes? Auf Facebook zum Beispiel kann man dabei zuschauen, wie es als Reaktion auf die Masse zu Gleichschaltungsphänomenen kommt. Umgekehrt wirken Gleichschaltungsversuche auf einige auch so, dass sie nach anderen/neuen Freiräumen suchen.

        @Resonanz und Gleichschritt
        Den Begriff „Resonanz“ verwende ich in diesem Zusammenhang nicht. Das aber weder, weil ich ihn synonym finden könnte (was ich nicht tue), noch weil ich ihn antonym finde (was ich ebenfalls nicht tue). Ich finde Franz Idee interessant und mag die blumigere Sprache, mit der er arbeitet. Wir haben schon häufiger festgestellt, wie gut sich unsere Überlegungen ergänzen, reflektieren und passen. Ich habe den Schwerpunkt erst einmal allerdings auf das Individuum verlagert, ohne das ich Gesellschaft nicht begreife.
        Es kann nicht schaden, ab und zu Distanz rauszunehmen.

  16. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Definition von Ideologie die gleiche ist, da ich sie
    immer von „streben nach einem Ideal/einer Idee“ abgeleitet hab. Und stell mir deshalb die
    Frage, ob ich, zumindest meiner Definition nach, überhaupt zielorientiert arbeiten kann
    ohne ideologisch zu urteilen/bewerten.

    Bspw. ist mein utopisches Ideal einer Gesellschaft eine libertär-soziale.
    Wenn ich nun im Börsenmarkt der Kryptowährungen Monero stütze, da es meinen Idealen näher
    kommt, und Ripple diffamiere, weil es nicht die Liberalisierung sondern wieder eine
    Zentralisierung einführt, so handle ich im Börsenmarkt eigentlich dumm, da mir Profit
    verloren geht. Im Maßstab ‚Geld‘ hat mir meine Ideologie also sicherlich geschadet und
    es war nicht intelligent danach zu agieren.
    Allerdings war mit dem Inkludieren der Ideologie als Bewertungshilfe meiner Investitionen
    der Kontext nicht mehr (nur) auf Profit gerichtet, sondern wurde auf soziale Auswirkungen
    erweitert. Dadurch dient meine Handlung der Idee und ist in diesem Rahmen bewertet nicht
    mehr dumm – zumindest nicht unbedingt.

    Auch nach meiner Definition diffamiert Ideologie alles außerhalb seiner Grenzen. Allerdings
    ist das nun mal der Charakter einer Idee – sie ist abgegrenzt als solche. Immer wenn ich auf
    ein Ideal hin arbeite und handle ich damit (mMn) auch ideologisch.

    Massenpsychologisch sind Ideologien insofern gefährlich, als dass sie kritikblinde Gruppierungen
    bilden, die sich faschistisch gegenüber andersartigen aufstellen. Als Individuum kann ich eine
    Ideologie nur als argumentum ad verecundiam sozial anwenden – oder überseh ich hier was?

    Entweder meine Definition trifft nicht oder das Problem liegt nicht unbedingt in der Ideologie
    als solche, da Ideale durch ihre Definition immer begrenzt sein müssen und eine davon abgeleitete
    Ideologie notwendigerweise ebenso.

    Ist das nicht nur eine weitere Spielart von „Verantwortung abschieben“(bzw. Rechtfertigung)?
    Und hier wäre auch deine Kritik im letzten Absatz wieder greifend. Aber ich sehe hier die Wurzel
    des Problems nicht exklusiv in Ideologien.

    Für Ideologien selbst dürfte die Lösung von Einkappselung ähnlich der von Weltanschauungen sein
    -> Integrales Denken.

    Überseh ich da grad grob was? :/

    • @ „argumentum ad verecundiam“
      Autoritätsargument (Beweis durch Ehrfurcht)

      Vielleicht meint „Ideologie“ ein Bündel an Ideen (Gedanken), die sich in den Köpfen vieler Leute (be)finden. Sobald diese Ideologie die Massen ergreift, wird sie politisch wirksam.
      „Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem |am Menschen| demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst.“
      http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm

      • Jap, genau das meine ich.
        Gesellschaftlich kann Ideologie faschistoide Auswirkungen haben.
        Ich setze allerdings das Individuum in die Verpflichtung seines Handelns und sehe hier ähnliche Mechanismen, wie in entsprechenden rhetorischen Argumentationshilfsmitteln, die alle vor einem emotionalen Hintergrund dazu dienen Verantwortung abzuschieben.
        Deshalb meine Frage, ob meine Definition der Ideologie so weit daneben ist oder aber Ideologie einfach nur eine von vielen Spielflächen des gleichen Problems ist.

      • @ Ali Bierbaumer, 30. Dezember 2017 um 21:57: „Deshalb meine Frage, ob meine Definition der Ideologie so weit daneben ist oder aber Ideologie einfach nur eine von vielen Spielflächen des gleichen Problems ist.“

        Meiner Meinung nach ist das Problem – auch das der Ideologien -, dass nur wenige Leute Immanuel Kants Aufklärungsdiktum beherzigen: „Habe den Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!“. Wobei ich meine, dass es eher an Mut mangelt.

    • Begriffe sind grundsätzlich erst einmal Klärungsbedarf. Insofern ist die Frage danach, was Ideologie „ist“ sinnvoll.
      Ich habe ein Konzept vorgelegt, das erst einmal danach fragt, was sie breitflächig leistet.
      Deine Frage danach, ob da Problem etwa vielleicht nicht direkt bei der Ideologie liegt, ist wichtig. Sie liegt meiner Überlegung nach der Frage von Funktion und Leistung zugrunde; so komme ich bei der Leistung auf die Beruhigung von Sicherheitsängsten.
      Deine eigene Vorstellung Deiner „Ideologie“ fehlen ein paar Elemente, die Du aber auffüllst, wenn Du über die soziale Breitenwirkung nachdenkst. Insofern meine ich, wir sind nicht so weit voneinander entfernt, denn für Dich hat die Ideologie u. a. eine identitätsbildende Aufgabe.
      Das Problem, nach dem Du fragst, das ist die Leistung. Funktion und Leistung kann man jetzt nicht einfach so voneinander trennen, sie sind beide Folge der Ausdifferenzierung der Paradoxie.
      Aber ich glaube, auch da sind wir d’accord, korrekt?
      LG – G

  17. Meine Rede, nur nimm ich die Ideologien etwas in Schutz und bescheinige ihnen nur Werkzeug in der ewig gleichen Masche zu sein.

    Bin mir aber noch immer nicht sicher, ob ich damit Themenverfehlung betreibe.

    • @ „Ideologien = Werkzeug in der ewig gleichen Masche“; „Themenverfehlung“ [?]

      Das sehe ich ebenso und halte Ihre Rede für themenzentriert.

      Ideologien sind gebündelte und zielgerichtete Weltanschauungen, ohne den wissenschaftlichen Anspruch von Theorien. Sie beschränken sich nicht auf Wissen, sondern beinhalten auch Wollen. Ihr Überschuss an Fühlen und Gefühltem macht sie gefährlich, weil sie für Machtzwecke (Machteroberung, Machterhalt) missbrauchbar sind.

      Ich halte es mit Theodor W. Adorno, für den Ideologie „objektiv notwendiges und zugleich falsches Bewusstsein“ ist („Ideologie“, in: Institut für Sozialforschung: Soziologische Exkurse. Nach Vorträgen und Diskussionen. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1956, S. 168), ein Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse. Grundlegend für das Ideologieverständnis der Frankfurter Schule der Kritischen Gesellschaftstheorie ist der vom Warenfetisch erzeugte gesellschaftliche Verblendungszusammenhang, der die Verhältnisse von Menschen als Verhältnisse von Waren widerspiegelt, sowie der Äquivalententausch, bei dem es „mit rechten Dingen und doch nicht mit rechten Dingen zugeht“ (Theodor W. Adorno: Soziologie und empirische Forschung. In: ders: Gesammelte Schriften, Band 8: Soziologische Schriften I. 3. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, S. 209). Verschleiert er doch die Ausbeutung des Lohnarbeiters, der zwar als Äquivalent für die Verausgabung seiner Arbeitskraft seine Reproduktionskosten erstattet bekommt, aber um den von ihm erzeugten Mehrwert geprellt wird.
      Ideologie ist eine Operation auf dem Niveau der Erscheinungswelt. Jene Erscheinungswelt ist real oder illusionär gestaltet, modifiziert, moduliert, verformt oder verfremdet.
      Die Funktion der Ideologie ist laut Adorno Rechtfertigung (Theodor W. Adorno: Beitrag zur Ideologienlehre. In: ders: Gesammelte Schriften, Band 8: Soziologische Schriften I. 3. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, S. 465). Da sie bestehendes Unrecht mit Idealen und Theoremen der Gerechtigkeit zu rechtfertigen sucht (worin Adorno „ihre Wahrheit“ sieht), bestehe die Aufgabe der Ideologiekritik in der „Konfrontation der Ideologie mit ihrer eigenen Wahrheit“ (ebd.). Das heißt, dass Ideologiekritik durch immanente Kritik den erhobenen Anspruch von Gerechtigkeit beim Wort nimmt und die von der Ideologie verdeckte Ungerechtigkeit entlarvt. Im Falle des Äquivalententausches bedeutet das, aufzuzeigen, dass nur scheinbar Vergleichbares getauscht wird.

    • Moin und willkommen, lieber Ali.
      Lies meinen Artikel noch einmal, wenn Du magst. Ich habe wiederholt gesagt, dass die Ideologie an sich nicht sofort „verkehrt“, „falsch“ oder „schlecht“ sein muss.
      Die Idee der „Ideensammlung“ findest Du in meinem Begriff der Philosophie der Idee wieder.
      Wobei Deine eher solitäre Vorstellung Deiner persönlichen Ideologie, wenn ich Dich richtig verstanden habe, zwar die Leistung erbringt, nicht aber die Funktion erfüllt – würde mich jetzt allerdings bei Dir auch wundern 😀
      LG – Gitta

  18. @ Gitta Peyn: „Was ich hier vorschlage, ist ein Umdenken, ein erweitertes Denken, ein Denken, das den einzelnen Menschen und die Gesellschaft konstituierenden Prozesse miteinander verbindet. Warum, wann, unter welchen Bedingungen kann der Populist greifen – wie entsteht er überhaupt? Wer gibt dem Politiker die Macht? Wie organisieren Menschen ihr Miteinander? Wie verarbeiten sie Komplexität? Wie bilden sich Gruppen? Und immer wieder:
    Was habe ich damit zu tun?“

    Denken, Gruppenbildung und Macht werden über Medien im allgemeinen (Luhmannschen) Sinne und über spezielle Informationsmedien (Fernsehen, Presse, Internet etc.) konstituiert: „Dafür sind Zeitungen bestellt, dass sie aussprechen, worüber alle einverstanden sind“ (Joseph Görres im von ihm 1814 gründeten Rheinischen Merkur). Doch seit ein paar Jahren regt sich unter dem Schlagwort „Lügenpresse“ eine Art von „Gegenöffentlichkeit“, die gegen die herrschende Ideologie eine Art von „Verschwörungstheorie“ ins Feld führt und eine andere Wahrheit für sich reklamiert (oft unter Rückgriff auf die „Protokolle der Weisen von Zion“ oder der Polemiken von Henryk M. Broder). Wer die herrschende Ideologie eine Verschwörung nennt, übersieht, dass Verschwörung eine Absprache voraussetzt, Ideologie aber keine benötigt. Ideologie ist eine Absprache, die nicht mehr gewusst wird. Deswegen müssen wir immer zum Punkt der Realitätsverleugnung vordringen, um beispielsweise Björn Höckes Polemik gegen das Berliner Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ zu widerlegen.

    • Ein weiteres Beispiel für die populistische Ideologieproduktion liefert Donald Trump: „Weder die ethnische Zugehörigkeit, noch das Einkommen, das Alter, das Geschlecht, die Ideologie oder der Bildungsstand seien verläßliche Indikatoren dafür, ob jemand dazu neigt, Trump gut zu finden oder nicht“, schreibt der US-amerikanische Politikwissenschaftler Matthew MacWilliams. In seinen Umfragen zum autoritären Charakter hat er „nur zwei Indikatoren gefunden, die auf statistisch relevante Weise mit Sympathien für den Immobilienmogul korrelieren: eine Neigung zum Autoritarismus und die Angst vor Terror. Es ist die Sehnsucht nach dem starken Mann.“
      https://www.welt.de/politik/ausland/article151173672/Was-zum-Henker-ist-mit-den-Amerikanern-los.html

      • Denk noch einmal über meinen Vorschlag von Funktion und Leistung der Ideologie nach.
        Der von Dir zitierte Absatz ist in dem Kontext betrachtet schlicht und ergreifend intellektuell schwach.

      • Psyche und Sozialsystem sind verschiedene autopoietische Systeme.
        Die Evolution beider läuft ineinander verwickelt ab, aber im Sozialsystem findest du keine Gedanken, sondern Kommunikation.
        Das ist nicht unwichtig, will man darüber nachdenken, was wie möglich ist und was nicht.
        Überleg mal selbst, was das für einen halbwegs vernünftigen Sozialisationsbegriff bedeutet? …
        LG – G

      • Denken kann von Gesellschaft nicht absehen. Denken ist gesellschaftlich bedingt und kann nicht im gleichen Maß in die Gesellschaft zurückwirken, geschweige denn, diese nach seinen Vorstellungen gestalten – daher das weit verbreitete Gefühl von Machtlosigkeit, das zum Bedürfnis nach starken Vordenkern und geistigen Führern beiträgt.

      • Erst einmal frohes Neues Jahr!
        Gesellschaft kann Denken des Individuums genauso wenig „bedingen“ wie umgekehrt.
        Dein „daher“ scheitert schon an der Basis.
        Aber, es ist ein vernünftiger Schritt, wenn man dahin gekommen ist, sich klarzumachen, dass man auf Gesellschaft nicht direkt einwirken kann. Das gilt aber auch umgekehrt, Gesellschaft kann auch nicht auf Denken einwirken.
        Sozialisation ist ein mehrseitiges interaktives Anpassungsphänomen.
        LG – Gitta

      • Auch „vermitteln“ weckt Assoziationen von Knopfdrucklösungen und dem Gedanken der – eben – direkten Vermittelbarkeit von Information. Ich kann an Deinen Begriffen nicht erkennen, dass wir dasselbe meinen. Was mich angeht, ich kann jedenfalls nichts vermitteln, und dieses Gespräch zeigt das deutlich. 😉

      • Lieber Michael Santak, auch von mir erst mal gute Wünsche für das kommende Jahr!

        Ich möchte Gitta nicht vorgreifen, aber gestatten Sie mir eine kleine Anmerkung, vielleicht ist sie ja hilfreich. Sie ontologisieren wie viele Andere auch – vermutlich ohne sich das bewusst zu machen – „Gesellschaft“ bzw. „Denken“. Statt dessen könnten Sie sich in Ihrer Einbildungskraft beide aber auch als eine je in sich geschlossene Bewegung vorstellen, oder? Dann zeigt sich auf einmal eine völlig andere Welt…

      • Danke, Franz, und auch Dir ein schönes Neues Jahr.
        Das Denken in Ontologien und in Knopfdrucklösungen ist wirklich ein Problem.
        Über Ontologie und Begriffsontologie schreibe ich noch was.
        Ansonsten können wir nur daran arbeiten, eine Plattform zu schaffen, die es möglicht macht anzufangen, in systemischen Bahnen zu denken und Grundlagen der Systemtheorie und des Konstruktivismus geschickt einzubauen.
        Das stößt natürlich erst einmal an die Grenze des Willens etwas zu bewirken, aber da muss man irgendwann drüber hinauswachsen.
        Ein schönes Bild von zwei je in sich geschlossenen Bewegungen!
        LG – Gitta

      • @ „Denken ist ein psychisches Phänomen, kein soziales. Das ist ein wichtiger Punkt.“

        Das Gedachte und das zu Denkende, also die „Inhalte“ des Denkens als eines psychischen Phänomens, sind meines Erachtens durch und durch sozial geprägt, da alle denkenden Wesen in sozialen Zusammenhängen leben. Ohne Gesellschaft wäre Denken jenseits des fürs Überleben Notwendige nicht erforderlich.

        Gesellschaft funktioniert nicht ohne Denken. Es soll sogar eine gesellschaftliche Art von „Denken“ jenseits der individuellen Psyche geben, so etwas wie Hegels „Weltgeist“ – bei anderen metaphysischen Phänomen oder Geistern kennst du dich – glaube ich – besser aus als ich.

        Was du in diesem Zusammenhang mit „Denken in Ontologien und in Knopfdrucklösungen“ meinst, würde mich brennend interessieren.

      • Sortieren wir das mal:
        Element von Sozialsystem: Kommunikation
        Element von Psyche: kommt drauf an, wie man das nennen will, ich nenne es erst einmal „Denken“, weil das hier einfacher ist.
        Siehe dazu meine Einführung in uFORM iFORM, die hast Du ja.
        Gesellschaft kann nicht denken, weiß nichts von Denken, außer als Gegenstand von Kommunikation.
        Lassen wir die Metaphysik mal hier raus. Dazu kann man meiner Ansicht nach eh erst halbwegs was Vernünftiges sagen, wenn man entsprechend halbwegs vernünftige Modelle von Kommunikationssystem und psychischem System hat, sonst landet man ratzfatz in Spiri-Ideologien, die mich nicht interessieren, außer als Gegenstand der Untersuchung von Funktion und Leistung von Ideologien und ihr Zustandekommen.
        Und wie ich gleich zu Anfang der Diskussion gesagt habe, co-evolvieren Psyche und Sozialsystem.
        Die Begriff halbwegs sauber zu halten, hilft dabei, sich dessen bewusst zu werden, was geht und was nicht.
        Natürlich formen wir Gedanken an dem, was wir als Sozialgeschehen beobachten. Und wir werfen unsere Gedanken in Kommunikation.
        Aber von Einwirkungen oder Einflüssen zu sprechen, ist schon ein Schritt weit in eine Richtung, in der man aus dem Auge verliert, was die Basis sein könnte – vorausgesetzt natürlich, man akzeptiert die Grundüberlegungen der Systemtheorie und vielleicht sogar des Konstruktivismus.

        Zu Ontologie und Begriffsontologie schreibe ich einen Kurzartikel. Ich sitze aber noch an meinem Neujahrswerk, das sich als eine umfangreichere Arbeit entpuppt hat, als ursprünglich erwartet.
        Vorab ein paar hübsche Leitsätze:
        Dinge „sind nicht.
        Wir können unsere Semiosphäre nicht verlassen.
        Autopoietische Systeme entziehen sich der Einflussnahme von außen.
        Oder: Autopoietische Systeme kann man nicht manipulieren, man kann sie nur orientieren.
        Nur Kommunikation ist Ursache für Kommunikation.
        Nur Zeichen ist Ursache für Zeichen.
        Die Bedeutung eines Begriffs zeigt sich in seiner Funktion.

      • „Gesellschaft kann nicht denken, weiß nichts von Denken, außer als Gegenstand von Kommunikation.“

        Na, also! Da haben wir doch die Verbindung/Vermittlung/Einwirkungszusammenhang von Psyche und Gesellschaft: Kommunikation.

        Mithin keine „beide [sind] eine je in sich geschlossene Bewegung“, kein „man kann auf Gesellschaft nicht direkt einwirken“, kein „Gesellschaft kann nicht auf Denken einwirken“.

      • Puh. Du scheinst Dir die Sachen herauszupicken, die mit Deiner Logik zusammenpassen, dann rufst Du „Heureka“ unter Auslassung der Informationen, die Dir zumindest theoretisch in den Antworten von Franz und mir zur Verfügung stehen, um sie zu widerlegen.
        Es gibt da diese Szene in „Big Bang Theory“, da versucht Sheldon Penny die Grundlagen der Quantenphysik zu erklären. Er beginnt mit zwei, drei sehr sauberen Sätzen, dann sagt Penny etwas dazu, woraufhin Sheldon einfach Wort für Wort das noch einmal wiederholt, was er schon gesagt hat 😉
        Noch einmal: Weder kann Psyche direkt auf Gesellschaft einwirken, noch geht das umgekehrt. Beide sind komplexe autopoietische Systeme, und sie konstintuieren sich über zueinander nicht direkt anschlussfähige Elemente.
        Was Du über Kommunikation denkst, ist nicht Kommunikation, sondern Denken.
        Die Gedanken, die wir versuchen, als Mitteilung in Gesellschaft zu werfen, können in Gesellschaft höchstens als Kommunikation prozessiert werden, bzw. als Gegenstand von Kommunikation „Gitta hat gedacht, dass Michael versteht, was sie schreibt“.
        Weder kann Kommunikation Denken direkt beeinflussen, noch darauf einwirken.
        Noch kann Denken Kommunikation direkt beeinflussen oder darauf einwirken.
        Was Kommunikation aus Denken macht, ist Kommunikationssache (glaub mir, ich wünsche mir gerade, es wäre anders, und ich könnte mein Denken einfach mal so ungehindert durch Kommunikation in Deinen Kopf werfen oder zumindest so in Kommunikation, dass Du genau die Informationen generierst, die ich mir vorgestellt habe).
        Was Denken aus Kommunikation macht, ist Denkenssache.
        Im wechselseitigen co-evolutionären Anpassungstanz passiert etwas, und mit etwas Glück gibst Du mir das Glas Wasser, wenn ich Dich darum bitte.
        Aber, Du hast keinen Einfluss auf mein Denken, und auch Gesellschaft hat das nicht. Ich orientiere mich an mir selbst und an den Umwelten, die ich intern abbilde. Das sind basale Erkenntnisse aus den beiden bereits genannten Theorien/Modellen.
        Solange man das nicht verstanden hat, läuft man Gefahr, in Formen direkter Einflussnahme zu denken. Das ist nicht nur unterkomplex, es kostet auch gewaltig an Freiheitsgraden.
        Du fragst in der Kehrwoche immer wieder nach den praktischen Konsequenzen aus der Systemtheorie. Hier ist eine: Der Freiheitsraum Deiner kognitiven Leistung ist (wie uFORM iFORM zeigt) kleiner, als manche vermuten, aber in diesem kleinen Raum ist Deine Macht unendlich groß.
        Das Erste, was ich begriffen habe, als ich mich mit Konstruktivismus und Systemtheorie befasst habe, das ist, wieviel eigenverantwortlicher ich noch denken kann. Niemand kann mich manipulieren. Niemand kann in meine Psyche eingreifen. Umgekehrt kann ich auch das Sozialsystem nicht manipulieren, sondern nur Vorschläge machen und dann schauen, wie diese kommuniziert werden (bzw. mir vorstellen/denken, wie das passiert) und dann sehen, was aus der Kommunikation darüber wird.
        Ich mache mir die Mühe, all das wieder und wieder zu erklären, weil es basal ist und meiner Ansicht nach sogar für unsere heutige Zeit überlebensnotwendig.

      • Hallo Michael, was die Verbindung/ Vermittlung zwischen Psyche und Gesellschaft/ Sozialsystem auf die Du bestehst betrifft -> „Psyche und Sozialsystem sind verschiedene autopoietische Systeme.“ 🙂

      • @ „die Grundlagen der Quantenphysik“

        Ebenso wie die Grundlagen der Quantenphysik für mein physisches Leben und für das Funktionieren der Gesellschaft (ir)relevant sind, sind die Grundlagen der Kybernetik für mein physisches Leben und für das Funktionieren der Gesellschaft (ir)relevant.
        In die Grundlagen der Quantenphysik und der Kybernetik mögen sich messerscharf denkende TheoretikerInnen festbeißen, die Lösung der oberflächlichen (= realen) Probleme von mir und der Menschheit erwarte ich nicht von ihnen. Theoretische Spitzfindigkeiten bringen meines Erachtens keine Fortschritte im Denken, Kommunizieren und Handeln.

      • Halb so schlimm, das hat meines Erachtens mit unterschiedlichen Interessen zu tun. Ich bin ja (leider) kein Wissenschaftler und begnügen mich damit, mir ein paar Auffassungen zusammenzureimen, die für mich auf der Grundlage eines materialistisch-postmetaphysischen Weltbilds plausibel sind.

        Dazu gehört, dass ich es plausibel finde, wenn ich denke, dass Bewusstsein und Identität unter individuell unterschiedlichen gesellschaftlichen, ökonomischen, politischen und ideologischen Verhältnissen ausgebildet werden und nach Abschluss der Pubertät in der Regel relativ stabil sind – sonst gebe es noch viel mehr Unsicherheit und Angst in der Welt.

        Dabei kann ich den funktional-strukturalistischen Ansatz der „strukturellen Kopplung“ unterschiedlicher Teilsysteme durchaus nachvollziehen (https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturelle_Kopplung): „Oliver Jahraus beschreibt die „strukturelle Kopplung“ von Bewusstsein (psychisches System) und Kommunikation (soziales System) mit der Metapher zweier nebeneinander gestellter Uhren, die so ausgestattet sind, dass jede für sich nur dann tickt, wenn sie mittels eines Sensors ein Ticken der anderen Uhr registriert.

        Nach Luhmann sind soziale Systeme operativ geschlossen und kognitiv offen. Die operative Geschlossenheit ist die Voraussetzung für die kognitive Öffnung. Diese kognitive Öffnung ermöglicht wiederum die strukturelle Kopplung. Diese Konzeption der strukturellen Kopplung übernimmt Luhmann von Humberto Maturana, der darauf aufmerksam macht, dass Nervensysteme keinen direkten Umweltkontakt haben, sondern immer nur auf ihre eigenen Prozesse zurückgreifen können. Alle Elemente, aus denen soziale Systeme bestehen (Kommunikation), erzeugen ‚sie selbst‘.
        Psychische Systeme erzeugen Gedanken (als Ereignisse, die operativ gehandhabt werden), physische Systeme (etwa Menschen) können aber von sich aus nicht „kommunizieren“. Soziale Systeme hingegen erzeugen Kommunikationen (als Ereignisse, die operativ gehandhabt werden), können jedoch nicht denken. Deshalb gehören nach Luhmann psychische Systeme zur „Umwelt“ sozialer Systeme (und umgekehrt). Soziale Systeme (Interaktionen, Organisationen und Funktionssysteme wie Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Recht, Kunst, Erziehung und dergleichen) sind mit psychischen Systemen durch Sprache (die selbst kein „System“ ist) strukturell gekoppelt.
        „Strukturelle Kopplung“ löst das Problem, dass selbstreferentielle (autopoietische) Systeme nicht in ihrer Umwelt, also auch nicht innerhalb anderer Systeme operieren können, dennoch aber scheinbar aufeinander abgestimmte Entwicklungen zu beobachten sind. Nach Luhmann können diese gegenseitige Abstimmungen unterschiedlicher Systeme nicht Ergebnis von Durchgriffskausalitäten sein, wozu die Systeme außerhalb ihres (die System-Umwelt-Grenze konstituierenden) „Codes“ operieren müssten, was sie nach Luhmanns Definition gerade nicht können.
        „Strukturelle Kopplung“ zwischen Systemen und ihrer Umwelt entsteht dann, wenn das jeweilige System Erwartungsstrukturen aufbaut, die es für bestimmte Irritationen sensibler macht. So kann das politische System beispielsweise alle Informationen im Medium „Geld“ (Code: „Zahlung|Nichtzahlung“, wirtschaftliches System) zwar nicht beobachten (‚lesen‘), weil sein Code der von „Regierung|Opposition“ (= Nichtregierung) (also „Macht“) ist. Aber es kann sich Aggregierungsdaten schaffen (wie das BSP, die Steuerquote oder das Staatsdefizit), wodurch es irritiert (sensibiliert) wird. Hohes Staatsdefizit wird dann als „macht“-relevant registriert, die Irritation also im systemeigenen Code in Information umgesetzt. Diese Vorgänge erzeugen structural drift, also eine differenzierende Entwicklung verschiedener Systeme, die so aussieht, als hätten gegenseitige Eingriffe stattgefunden.“

      • Das kann schon schlimme Folgen haben, wie in dem Artikel über „Slit“ und „CoOneAnother“ gezeigt oder eben auch hier in Sachen Ideologie besprochen.
        Unterhaltungen ergeben nur Sinn, wenn die beteiligten Gesprächspartner dazu bereit sind, sich inhaltlich auf die Modelle der jeweils anderen einzulassen. Wenn man von vornherein weiß, dass die Modelle des anderen nichts bringen (also bevor man sie inhaltlich wirklich durchdacht und begriffen hat), braucht man das gar nicht erst zu versuchen.
        Dann kann man auch nicht begreifen, wie beispielsweise ein Vorschlag wie unserer zur schrittweisen Einführung des BGE überhaupt entstanden ist (dem haben nämlich systemische Überlegungen zugrunde gelegen, wie man unschwer erkennen kann, wenn man darüber Bescheid weiß) und warum dieser trotz seiner hohen Funktionalität nicht angenommen wird (was sich unter anderem eben mit den SelFis und Überlegungen zu Weltanschauung und Ideologie gekoppelt mit solchen zu Massenkonditionierungsprozessen zeigen lässt).
        Der ganz praktische Nutzen aber aus solchen Überlegungen ist, dass man mit Modellen, deren Funktionalität zweifelhaft ist, gar nicht erst Diskussionsenergie verschwenden muss – ein Problem, das man beispielsweise auf Facebook jeden Tag beobachten kann.
        LG – G

      • Herr Santak, Sie schreiben: „…begnüge mich damit (…), dass ich es plausibel finde, wenn ich denke, dass Bewusstsein und Identität unter individuell unterschiedlichen gesellschaftlichen, ökonomischen, politischen und ideologischen Verhältnissen ausgebildet werden.“
        Wenn Sie sich damit begnügen (und wenn ich das ernst nehme, was Sie da sagen), dann machen Sie sich (und Ihre Mit-Menschen) zu Automaten, die keine Verantwortung für ihr „Handeln“ überehmen müssen bzw. können. Oder?

      • @ franz friczewski, 2. Januar 2018 um 12:03

        In einem durch vielfache Bedingungen vorgegebenen Rahmen habe ich Freiheiten, beispielweise zu denken, zu entscheiden und zu handeln, wie ich es für richtig und gesellschaftlich verantwortbar halte. Meine Geschwister haben unter ähnlichen Startbedingungen andere Berufe ergriffen und z. B. andere politische Auffassungen entwickelt. Wären wir 15 Jahre früher und damit in die Nazi-Zeit hineingeboren worden oder hätte Hitler den Weltkrieg gewonnen, sehen unsere politischen Auffassungen und unser Leben möglicherweise anders aus.

      • @Michael S.; @Gitta Peyn; @franz friczewski; @Kathleen Engel;

        Erst mal wünsch ich ein gutes, neues Jahr.

        Zu Euren Aussagen, (in eigenen Worten verkürzt wiedergegeben, so wie ich sie verstehe):

        „Denken ist ein psychisches Phänomen“ (Gitta) (…!Danke auch, für die schönen Leitsätze!…)

        „Mensch als Automat vs. Mensch mit Verantwortung“ (franz friczewski) (als Frage an Michael S. formuliert)

        „Psychisches und Soziales, als zu unterscheidende autopoietische Systeme“ (Kathleen Engel)

        „Unterschiedliche ’strukturelle Kopplungen‘ bzw. (vorhandener Denk-?, Sozialer-?, Sonstiger-?)Rahmungen beschränken individuelle Freiheitsmöglichkeiten.“ (Michael S.)

        …kam mir die Idee, ob hier nicht die Erinnerung an ein Zitat hilfreich ist, welches m.E. eine wichtige grundlegende Unterscheidung trifft:

        „Die Landkarte ist nicht die Landschaft. (The map is not the territory.)“*
        (Alfred Korzybski)

        Wie kann diese grundlegende Unterscheidung bzgl. des Blogthemas selbst weiterhelfen?

        Angesichts verwirrender (d.h. sich entweder ineinander konfliktreich „verhakende“ oder „sinnentleerende“) Phänomene im Wahrnehmen, Denken und Kommunikation – bei mir(!) und vielleicht auch bei anderen Lesern und Kommentatoren zu den Blogthemen?

        Welche mögliche Bedeutung hat diese Unterscheidung bzgl. symmetrischer Konflikte bzw. für SelFis, wie „Slit“ (bunte action) vs. „CoA“ (Strukturbildungen)?

        Hat diese Unterscheidung einen Einfluss auf die „Funktion von Ideologien“?

        Und welchen Einfluss hat diese Unterscheidung für das Resonanzkonzept systemischer Charakteristikas wie: 1. Konstruktivismus; 2. Autopoiesis; 2. Unterscheidungen; 3. Zirkularität; 4. Kontingenz?

        Anmerkung:
        *
        Landkarte = z.B.: Welt der Ideen, ideelle, imginative Welt, Welt der Modelle, Be-Zeichnungen
        Landschaft = z.B.: Welt der Materie, materielle, messbare Welt, Welt der Information und Daten

        P.S.:
        Ich versuch mich gerade, ein wenig mit Alfred Korbyzki vertraut zu machen. Zwar kannte ich diesen Satz und ich denke auch schon länger darüber nach. Mir scheint jedoch, dass ich da, angesichts der „Tiefendimension“ dieser Aussage noch etwas zu „graben“ habe. 😉

      • Lieber Ingo, wie willst Du Landkarte und Landschaft sauber auseinanderhalten? Ich hatte bewusst auch unbewusste Modelle in die Orientierungsfunktion genommen und zumindest schon bei Ideologie vorgeschlagen, dass man darüber nachdenkt, dass sie nicht in jedem Kontext Ideologie sein muss. Ich kenne Veganer, die sind privat in rl wirklich lieb, aber kaum stoßen sie in Facebook auf Widerspruch, werden sie zu Mobrufern.
        Ich finde die Begriffe „Landkarte“ und „Landschaft“ zu stehend. Da bewegt sich zwischen ihnen nichts. Ich verwende sie nicht. Ich finde auch die Unterscheidung zwischen ihnen, die Du vorgeschlagen hast, eine nicht feststehende, sondern eine, die aktual setzt.
        Und ich habe ein Problem mit der Zuordnung der Begriffe. Wir machen alles in Zeichen. Innen und Außen, System und Umwelt(en). Was soll die „Welt der Information und Daten“ denn sein? Begriffe sind die Basis von Weltanschauung und Ideologie. Es ist sicherlich praktisch, zwischen seinem Traum ein grünes Nashorn zu fliegen und dem Bettpfosten, an dem ich mich seit drei Tagen morgens stoße, zu unterscheiden, aber wenn man gleich mit solchen Begriffen wie „ideell“, „materiell“, „imaginativ“ und „messbar“ unterwegs ist, ist es meiner Ansicht nach eine gute Idee, erst noch einmal die Grundsatzfragen zu stellen, sonst sind wir ratzfatz in verschleierten Ersatzkisten von „objektiv“ und „subjektiv“ gelandet.
        Was macht etwas zur Landkarte? Was macht etwas zur Landschaft? Oder besser? Was ist die Funktion der Landkarte? Was will ich mit Landschaft bedeuten?

        🙂 Wenn Dir die Leitsätze gefallen: Davon habe ich eine Kiste voll. Ich schreibe sie mal auf, aber woanders, und verlinke sie dann hier.
        LG – Gitta

      • Lieber Ingo Damith, danke für den hilfreichen Beitrag.

        Unter „Landkarte“ würde ich aber nicht unbedingt die „Welt der Ideen“ sehen. Ich verstehe darunter die Ab-Bilder von Welt, die wir einerseits in Form von Algorithmen in-korporieren (z.B. im Nervensystem) und über Zeichen abrufen können, also eher (aber nicht nur) materiell; die wir aber andererseits analog-mimetisch, also eher (aber nicht nur) „ideell“ erneuern, bestätigen und festigen.

        Die „Landschaft“ ist und bleibt letztlich unbestimbar. Wenn Sie sie als „messbare Welt“ bezeichnen, dann sind Sie ja schon wieder auf der Landkarte 🙂

      • ja, ich weiß, es ist verzwickt. Wenn man versucht, das mit dem gewöhnlichen Geist nachzuvollziehen, dreht es sich im Kopf, es wird einem leicht schwindlig. Man kann sich auf diese Erfahrung einlassen und weiter forschen (ich vermute, dass Sie das tun).

        Man kann das aber auch einfach als „Spitzfindigkeiten“ abtun, nicht weiter auf Argumente eingehen und die Diskussion ins Leere laufen lassen. Jede/r kann das selbst entscheiden, sollte das dann aber auch bewusst tun und nicht einfach weiterquatschen 😉

      • Guten Morgen, lieber Franz!
        Meditationserfahrung kann helfen. Wer in tiefer und anstrengender Konzentration bewusst erlebt hat, sinnliche Wahrnehmung und den ganzen automatischen Quatsch auszuschalten, sogar die heftigsten Schmerzen, und wer die Halluzinationen erlebt hat, die einem das wild gewordene Bewusstsein dann vorzugaukeln versucht, um die Intensität, die kaum auszuhalten ist, wieder in Weltanschauung oder sogar in Ideologie zu binden, dem sind die Grundlagen des Konstruktivismus leichter zugänglich.
        LG – Gitta

      • … beobachtet hier eigentlich irgendwer, wohin er/sie tippt?
        Und um hier einmal kurzerhand eines der jüngsten Zitate meiner Freundin Pauline einzufügen, bevor es wieder stramm -Mittwoch/Wednesday – überspringend auf’s Wo-Ende zugeht:
        Gute Nacht, liebe Sorgen,
        l.m.a.A. – bis morgen.

        PS: es ist Vollmond

      • Meine Fragen lauten:
        Wie kommt „die Welt“ in unsere „Köpfe“ und „Herzen“?
        Wie können wir „Hand“ anlegen, um „die Welt“ zu verbessern?

      • Lieber Michael, Du bist ja jetzt seit vielen Jahren, will mir scheinen, in der Kehrwoche. Hast Du je ein Buch von Heinz von Foerster, Paul Watzlawick, Ernst von Glasersfeld, Humberto Maturana, Francisco Varela oder eben Fritz B. Simon gelesen? Mal zumindest einen Blick ins Vorwort der Laws of Form geworfen (viel mehr machen eh die Wenigsten) oder meine Einführung in uFORM iFORM gründlicher studiert?
        Wenn nicht „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ von Watzlawick ist ein guter Anfang.
        LG – Gitta

      • Okay, die Fragen sind zu „unterkonkret“ gestellt. Die sicherlich komplexen Antworten habe ich bei den genannten Autoren – soweit ich sie kenne, u.a. sieben Bücher von FBS, bzw. verstanden habe – und in den genannten Werken leider nicht gefunden („LoF“ konnte ich nicht bekommen).

      • „Die … Antworten habe ich bei den genannten Autoren … leider nicht gefunden.“
        Wie hast Du das denn geschafft?

    • @ Michael S. (30. Dezember um 20:41)

      Wow, danke für diesen Link, der es mir wert zu sein scheint, sich aus der „Alles gut, wir schaffen das“ – Trance zu erheben, um auf allen möglichen Wegen „back to the roots“ sich selbst (und nicht nur die unmöglichen bis gegebenenfalls kritikwürdig zu auszugrenzenden bis zu vernichtenden Anderen) an der Wurzel zu packen …
      und sich (schlicht und einfach) auch einmal (zumindest eines) Vetos zu befleißigen und dieses auch in Form eines klaren und deutlichen NEIN zu kommunizieren,
      bevor man (wir?) weiter über die (Deutsche) Ideologie (bzw. deren weltanschaulich verbrieften Auswüchse und bis grausamst perfektionierten Erscheinungsformen) debattieren.

      Hier nochmals oben erwähnte der Link:

      http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm

      „Für Deutschland ist die Kritik der Religion im wesentlichen beendigt, und die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik.

      Die profane Existenz des Irrtums ist kompromittiert, nachdem seine himmlische oratio pro aris et focis |Gebet für Altar und Haushalt| widerlegt ist. Der Mensch, der in der phantastischen Wirklichkeit des Himmels, wo er einen Übermenschen suchte, nur den Widerschein seiner selbst gefunden hat, wird nicht mehr geneigt sein, nur den Schein seiner selbst, nur den Unmenschen zu finden, wo er seine Wirklichkeit sucht und suchen muß.

      Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d’honneur |Ehrenpunkt|, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.

      Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes. “

      Meine These, die ich hier in den Raum stellen möchte, ist:

      Ideologien entspringen -in der Regel- einem auf Irrwege geleiteten Suchtverhalten,
      deren Grundlage auf irgendeinen -wohlgemerkt RELATIVEN – Mangel verweist, der wiederum das eigene Hirn vernebelnd – nicht nur augenscheinlich, sondern auch de facto kontraproduktiv – gewohnheitsmäßig zu Trug- und Kurzschlüssen (im Denken wie auch im Handeln) führen kann.

  19. Zur aktuellen Lage der kursierenden Ideologien zwecks Konstituierung/Manipulation öffentlichen Bewusstseins aus der Perspektive einer Medienexpertin: „Unserer Gesellschaft droht etwas abhandenzukommen, das eigentlich spätestens seit der Aufklärung selbstverständlich war: der Geltungsanspruch der Wahrheit durch belegbare und weithin akzeptierbare Tatsachen.“
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/gastbeitrag-eine-koalition-fuer-die-medienfreiheit-15360405.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

  20. Komme grad nicht mehr mit und bin deshalb draußen.
    Wie das funktionieren soll, dass Wissenschaft mehr die allgemeine Masse mit in ihre Arbeit einbezieht, ist mir nicht klar, angesichts der sich hier rasant nach oben spulenden Argumente.

    Es ist, meines Erachtens, ein gesunder Schutzmechanismus, sich ab einem bestimmten sprachlichen Niveau, was (noch) nicht das eigene ist, einfach herauszuziehen.

    Ich wünsche allen einen entspannten und guten Übergang ins neue Jahr. 🙂

    • „Wie das funktionieren soll, dass Wissenschaft mehr die allgemeine Masse mit in ihre Arbeit einbezieht, ist mir nicht klar, angesichts der sich hier rasant nach oben spulenden Argumente.“
      Das ist doch eine interessante Frage, kein Grund sich herauszuziehen… 🙂

      • .. find ich auch, Herr FranFri, das das kein Grund ist, sich herauszuziehen …
        vor allem, wenn man es ohne Münchhausens Zopf -am eigenen Schopf – garnicht kann.

      • Gut, dann bin ich noch dabei, was derzeit aber keinen Unterschied macht.
        Ich bräuchte viel mehr Zeit, hier alles zu lesen. Habe ich nicht. Wenn ich mir nur den letzten Kommentar anschaue, fehlt mir der Zusammenhang bzw. Bezug zum Vorhergehenden.

        Deshalb meine Frage, wie unter solchen Bedingungen, dass täglich neue Gedankengänge zu etwas hinzukommen, was eh schon schwer zu begreifen ist, eine breite Masse zu erreichen ist.

        Die klinkt sich genau wie ich ab einer bestimmten Stelle aus.
        Wie kann das verhindert werden? Soll das überhaupt verhindert werden?

      • Liebe Annemarie, die Masse führt keine inhaltlichen Diskussionen.
        Ich habe mich in Foren immer, wenn es für mich unübersichtlich wurde, auf die Themen im Strang konzentriert, die für mich interessant waren.
        Einen guten Anfang kann man nicht anderen überlassen. Bei so komplexen Themen ist es hilfreich, wenn man sich auf das Hauptthema konzentriert und sich erst einmal fragt, was man davon begriffen hat und was nicht. Dann kann man mit Fragen anfangen und auf diese Weise eine Diskussionsinsel anregen, die sich damit beschäftigt. Oder, wenn man meint, man hat alles begriffen, kann man die Diskussion über die Punkte starten, die man diskutieren möchte – und da bieten beide Themen, „Symmetrische Konflikte“ und „Im Gleichschritt Marsch“ einiges.
        Ich persönlich halte mich langfristig von allem fern, was zu sehr vom Thema wegführt. Das nicht, weil es nicht vielleicht auch interessant wäre, sondern weil ich gut organisierte Blogs mag und weil das eine Art ist, dem/denjenigen Blog-Autoren Respekt für ihre Leistung zu erweisen. Das muss man so nicht machen, und es gibt Blogs, deren Dynamik gerade deshalb reizvoll ist, weil sie chaotisch wirkt oder weil sie Eigenwerte bildet, egal, was der Bloginhaber vorhaben mag. Dieses Blog ist dafür aber nicht konzipiert.
        Wenn man wenig Zeit hat, muss man nicht jedem Kommunikationsstrang inhaltlich folgen. Aber, man kann eben selbst einen Beitrag dazu leisten, die Sache für sich selbst überschaubar und interessant zu halten. Überlässt man das den Aktivitäten der anderen, sagt man damit im Grunde, dass man keine Verantwortung für eine Veränderung im eigenen Sinne zu übernehmen gedenkt. Das ist dann Teil dessen, worüber wir im ersten Artikel „Symmetrische Konflikte“ gesprochen haben. Man beklagt die Verhältnisse, trägt aber selbst nichts bei, sie konstruktiv mitzugestalten.
        LG – Gitta

      • Liebe Annemarie, gute Idee, noch dabei zu sein. Mir geht es ähnlich wie Dir. Ich benötige auch sehr viel Zeit um über einen Themenpunkt, der mich beschäftigt, nachzudenken und etwas zu formulieren, was zur Diskussion beiträgt. Aber mit der Zeit, ein wenig mehr Zeit als vorher, gelingt das recht gut. Wichtig ist glaub ich hier, dass es nicht darum geht, das jemand reagiert und es ein Ping-Pong-Austausch wie auf FB gibt. Wichtig für mich ist immer, dass die Gedanken, die ich mir mache/bilde meine sind, es braucht keine Bestätigung durch andere – es ist eher ein Austausch ohne Druck, Pression, und ohne auf den Anspruch auf Reaktion – es geht am Ende darum, mich selbst in diesem doch schwankenden und schwindeligen Chaos dessen, was wir kennen und das was da noch ist und wie anderes neues Denken möglich ist –
        zu begreifen . Vielleicht hilft das etwas 😉

      • oh, die Kommentare von Gitta und mir haben sich überschnitten. Zum Verhindert werden vielleicht noch aus meiner Sicht. Nichts soll oder wird verhindert, das ist einfach die vorgegebene Struktur des Blogs – damit muss man einfach auf seine Weise und seinen Möglichkeiten sehen, wie man damit klarkommt. 😉

      • Ich muss mich auch ordentlich durchwühlen. Als Admin bekomme ich die Kommentare der Reihe nach angezeigt. Wenn ich wissen will, worauf sich jemand bezieht, muss ich ins Hauptthema wechseln und dort nach dem Strang suchen. Solche Strukturen sind leider bei WordPress vorgegeben. Muss man das Beste draus machen.

      • Danke für die Belehrung, liebe Gitta.

        Ich werde versuchen, mich an den Haupttext zu halten und Fragen zu stellen. So, wie du es mir immer versucht hast, nahezulegen.

  21. Ich wünsche Euch allen auch ein gesundes neues Jahr 2018!
    Hier ist ein Versuch an einem einfachen Beispiel zu beschreiben, worum es u.a. geht.
    Weltanschauung ist die Konstruktion von Orientierung – > Orientierung ist Komplexitätsreduktion. Für die Orientierung ist es wichtig, dass sie bestätigt wird.
    Ich bewege mich in Welt so, dass meine Weltanschauung möglichst bestätigt wird. Das soziale Umfeld bekräftigt meine Haltung oder lehnt sie ab.
    Im günstigsten Fall wird meine Weltanschauung bestätigt, meine Welt ist in Ordnung – im ungünstigsten Fall abgelehnt.
    Hier ist meiner Ansicht einer der möglichen Punkte an dem sich das System entscheidet, wie es damit umgeht und ob, vereinfacht gesagt, aus der Weltanschauung -> Ideologie wird.
    Einfaches Bsp.: eine Aussage: „Kokosöl ist gesund und tut jedem gut!“ – Personen des sozialen Umfeldes stimmen nicht zu und lehnen diese Aussage/ Meinung ab.
    Wie gehe ich nun damit um, „Alleindastehen“, Ablehnung meiner Haltung/ Aussage bis hin zur Kontaktvermeidung etc. – kann ich es so stehen lassen, die Komplexität aushalten – ist meine Welt immer noch in Ordnung, auch wenn andere mir nicht zustimmen? Oder beginne ich, um meine (Sicherheits)Ängste, nicht dazu zu gehören zu beruhigen und versuche die anderen zu überzeugen, respektive gleichzuschalten, damit sie mir zustimmen?
    Kann ich mich dennoch orientieren, auch ohne „Haltepunkte“ – ohne Bestätigung? Werde ich zum Gesundheitsguru – Ideologen – Populisten…

    • Wunderbar, Kathleen danke.
      Bemerkenswert, um darüber zu stolpern und sich darin zu verfangen und wieder zu entwirren, ist der Satz „Ich bewege mich in Welt so, dass meine Weltanschauung möglichst bestätigt wird“.
      In Sachen Kokosöl fällt mir ein, dass ich mal auf Facebook eine Freundschaft verloren habe, als ich erklärt hatte, dass Magnesiumöl auf die Haut aufzutragen, nichts bringt.
      Du hast es an einem Beispiel praktisch gemacht, dass die Werte, an denen sich die Ideologie bildet, erst einmal alles Mögliche sein können.
      LG – Gitta

      • Hmmm…. ich stand und stehe recht oft mit dem, was ich denke und kundtue allein da. Ich denke, dass ich doch weitestgehend ideologieresistent bin, was nicht heißt, dass ich mich nicht eine Weile vom Inhaltlichen einer Strömung überzeugen lasse, bis ich feststelle, es passt nicht.

        Was kann mich also der Beitrag von Gitta lehren?

      • Wenn ich Dich richtig verstehe, gehst Du davon aus, dass Du bei Dir den Impuls bemerken musst, Dich von einer Strömung überzeugen zu lassen, um festzustellen, ob Du etwas mit Ideologien am Hut hast?
        Wenn das so ist: Genau das meinte ich nicht, sondern ich meine den Impuls in einem selbst, andere gleichzuschalten.
        Davon bin ich nicht frei. Ich spüre ihn fast bei allen Meinungsäußerungen von mir als eine Art Zucken im Untergrund dahin, meine Rhetorik etwas umfassender werden zu lassen, nicht nur sachlichen Argumenten vorzugreifen, sondern auch die kritischen Stimmen in meinem Kopf zu beruhigen, gewissermaßen im Vorfeld schon die Masse hinter mir zu wissen.

  22. …siehste wohl, Gitta.
    Das mit dem Kokosöl nativ der Bio7 Initiative hatte ich auch schon drauf … kriegste gewöhnlich im Reformhaus bzw. bei Alnatura.
    Im Glas,
    Schweineteuer,
    angeblich ein Allrounder (zum Kochen, Braten, Backen) , nützlich auch zum Eincremen nach dem Baden …

    … aber gelegentlich wird mir -vor allem nach dem gesamten süßen Gepaps über die Feiertage, schon allein von dem süßlichen Geruch schlecht. Und das dann aufsteigend den ganzen Tag auf der Haut.
    Nöö, das ist nix für mich.

    Ich halt’s derweil mit meinem uralten Schweizer Melkfett aus der Apotheke
    (das ist zwar nichts zum Kochen, Braten, Backen etc.)
    unbegrenzt haltbar, geruchs- und geschmacksneutral
    auf Basis hochwertiger Mineralöle, wie u.a.
    -Petroleum
    -Paraffin
    -Tocopherol

    Graisse à Traire (la vraie)
    Parfaitement approprieté à la trayteuse et à la traite manuelle …
    von
    INTERLAC
    F-67150 Hindisheim
    D-77673 Kehl/Rhein
    CH – 1604 Puidoux – Gare

    in echt, diesen gesamten Bio nativ Sch… (ohne Chemie) kammer sich sparen.

    Aber wer kann denn heutzutage noch melken?
    Und das von Hand?
    Ohne Blei Stift, Kuli- bzw. Mont Blanc-Erfahrung?
    🙂

  23. @ Michael S. und @all

    um hier dem/den Suchenden -der Begriff Sucht beinhaltet bereits das Suchen
    etwas beizuspringen, sei -en passant lediglich- erwähnt :

    Hier der Versuch einer -nicht so ganz preußischer Disziplin entspringenden und mit dieser auch gefügig konform gehenden- christlich – sozialen Gliederung

    1) Gott ist-zumindest schein-tot
    bzw. hockt mehr oder minder gelangweilt auf Wolke 7 und beobachtet bzw. versucht seine -aus dem Ruder laufenden, vor sich hin altenden und Hosiana singenden Jungfrauen in Griff zu bekommen

    https://www.youtube.com/watch?v=9otjJR0AKt0

    • @ „Gott ist zumindest schein-tot“

      Als Agnostiker würde ich das bezweifeln, da ich zahlreiche Leute kennen, die fest an seine Existenz und an seine Lebendigkeit glauben. Leider wurde mir diese Gnade bislang nicht zuteil. Ich halte Gott nicht für die Ursache der Übel dieser Welt und auch nicht für ihren potenziellen Retter. Auch an ein jenseitiges Paradies glaube ich nicht.

      Doch völlig frei von Ideologien/Träumen bin ich nicht. Ich kann mir vorstellen, dass sich – möglicherweise nach einer vernichtenden Katastrophe – die menschliche Vernunft durchsetzt und die Welt freier und gerechter organisiert wird (sicherlich auch Dank der SystemikerInnen).

      • naja, auch für Agnostistiker sitzt Gott -per definitionem- im Jenseits, denn immerhin bezweifeln sie/Sie ja schließlich -in Abgrenzung einer anderen Weltanschauung- dessen Existenz und Lebendigkeit.

        Dann könnten wir ja auch gleich beim Jenseits bleiben.
        Was immer das sein mag -so zukünftig- wie dieses -mitsamt der Trance vom ewigen Leben- einem auch erscheinen mag.

        Weiß ich, ob mir nicht eine Dachziegel auf den Kopf fällt, wenn ich in den nächsten Minuten das Haus verlasse, um Butter holen zu gehen, um diese endlich auch „bei die Fische zu tun“?

        Ach Gott, ich glaube, es gibt Gedanken, die sind so metaphysisch, sodaß man sie dann doch besser nicht weiter verfolgen sollte …

        aber -by the way-
        „meta“ wird ja -vor allem durch geistige Superüberflieger im intellektuellen Luftraum- allzu gerne überhöht …
        wenn man sich die Bedeutung -nahe des Wortstammes anschaut, dann sieht die -damit bzw. auch daraus konstruierte- Welt -weniger erhaben, stattdessen mittendrin bzw. hintendran -gleich ein klein wenig anders aus:

        meta μετά
        1. a) (räumlich) inmitten, zwischen; b) mit, zugleich mit, zusammen mit, unter, in, bei;
        2. auf (etwas) los, zu oder nach (etwas) hin;
        3. (zeitlich oder in der Rangfolge) nach, hinter

        (1) Metadaten, Metasprache, Metainformation, Metamodell, Metasuchmaschine, Metaebene, Metastase, Metaphase, Metagenom, Metager, Metamerie;
        (2) Metaethik, Metaphilosophie, Metatheorie, Metakognition, Metakommunikation, Metaprogrammierung, Metabolismus, Metamorphose, Metasomatose, Metapher, Metabolit, Metafont, Metagenese;
        (3) Metaphysik, Metathese, Metapolis (Hinterstadt)

        Tja, es scheint zumindest so:
        „Die Letzten werden die Ersten sein“

        🙂

      • Sie verwechseln Agnostiker mit Atheisten, die besonders stark an Gott glauben, weil sie glauben, dass er nicht existiert. Das halte ich zwar für paradox, doch für nachvollziehbar, weil kein allgütiger, allmächtiger und allwissender Gott solchen Unfug verantworten könnte, der auf der Welt geschieht. Die jüdischen Rabbis haben ihren Gläubigen auf dem Transport nach Auschwitz gesagt: „Betet! Gott wird euch retten!“
        Agnostiker sagen, dass sie nicht wissen, ob es Gott gibt oder nicht. Sie halten ihn für eine Figur wie Odysseus, Don Quichote, Faust, Hamlet oder meinetwegen Harry Potter, also für eine literarische Gestalt, mit der eine spannende Geschichte verbunden ist.

  24. Michael S.: „Meine Frage lautet: Wie kommt ‚die Welt‘ in unsere ‚Köpfe‘ und ‚Herzen‘? Wie können wir ‚Hand‘ anlegen, um ‚die Welt‘ zu verbessern?“

    Eine spannende und schön formulierte Frage, Herr S.; sie gefällt mir.
    Ich würde gerne eine Antwort versuchen, aber ich zögere noch. Und zwar deshalb, weil ich nicht weiß, was Sie damit anfangen werden. Bisher jedenfalls habe ich Sie so beobachtet, dass Vorschläge aus Richtung Systemtheorie / Kybernetik zweiter Ordnung bei Ihnen keinen Unterschied bewirken; sie scheinen auf seltsame Weise an Ihnen abzugleiten, wie Tropfen auf einer Regenhaut.

    Systemische Gedankengänge nachzuvollziehen, fordert aus meiner Sicht (die probeweise einzunehmen ich Ihnen hier einfach mal vorschlage) primär nicht den Intellekt (den selbstverständlich auch), sondern eine Ent-Scheidung, und die ist letztlich immer emotional. Denn, wie ich oben schrieb, es wird dem in seinen gewohnten Bahnen kursierenden Geist schwindlig, wenn er sie nachzuvollziehen versucht – er zieht es dann gewöhnlich vor, es dann doch lieber bleiben zu lassen.

    Es muss den berühmten „Klick“ machen, aber nicht den mit der Computermaus, mit dem wir die Antworten da draußen in der digitalen Welt suchen (und wohl nie erreichen werden).
    Woher kommt dieser mysteriöse Klick? Ein Mensch zu sein, heißt grundsätzlich, sich handelnd zu ent-scheiden, auch auf die Gefahr einer Fehlentscheidung hin (auch ein Post hier ist eine Handlung).
    Das Wort „entscheiden“ bedeutete ursprünglich, „das Schwert aus der Scheide ziehen“. Nur mit einem Alles entscheidenden Schwerthieb á la Alexander dem Großen lässt sich der Gordische Knoten lösen, in dem sich menschliches Denken immer wieder verfängt und sich selbst blockiert.
    Wittgenstein schreibt in ‚Philosophische Bemerkungen’: „Die Kompliziertheit der Philosophie ist nicht die ihrer Materie, sondern die unseres verknoteten Verstandes.“

    Wenn Sie meine Worte, wie ich hoffe, nicht einfach an sich abgleiten lassen, dann wird Sie das vermutlich in Rat-losigkeit versetzen – ein guter emotionaler Zustand, weil er nahelegt, nicht alles zu glauben, was Sie denken. Und dann können Sie vielleicht die Emotionen wahrnehmen, die darunter liegen, z.B. die Emotion der Neugier. Und die setzt dann Ihre Einbildungskraft in Bewegung…

    • Sie machen mich neugierig auf Ihr neues Buch und hoffe, es wirkt wie ein Schwerthieb á la Alexander dem Großen löst den Knoten in meinem Verstand. Wann wird es wo erscheinen?

      • Herr Santak, wenn es bei der Lektüre von Heinz von Foerster, Paul Watzlawick, Ernst von Glasersfeld, Humberto Maturana, Francisco Varela und „sieben Büchern von Fritz B. Simon“ bei Ihnen nicht „Klick“ gemacht hat, wie können Sie das dann von der Lektüre meines Buchs erwarten?
        Vermutlich haben Sie über die Stellen, an denen Ihr Geist, wenn er aufmerksam liest, eigentlich stolpern müsste, achtlos hinweggelesen.

        Mein persönliches systemisches Heureka erlebte ich, als ich vor vielen Jahren bei meiner Marx-Lektüre über eine Stelle stolperte, die mich erstmal ratlos machte. Ich beschloss, nicht eher weiter zu lesen, als bis ich diesen Knoten meines Denkens aufgelöst hatte.
        Dort, wo Marx im Kapital Band I die logische und istorische Genese der Geld-Form untersucht, verweist er auf die der Ware innewohnende Paradoxie:
        (und jetzt lesen Sie bitte mal nicht über die Paradoxie hinweg, sondern stolpern Sie und vertrauen darauf, dass Ihr Geist sich aus eigener Kraft wieder fängt)

        „Was den Warenbesitzer namentlich von der Ware unterscheidet, ist der Umstand, daß ihr jeder andre Warenkörper nur als Erscheinungsform ihres eignen Werts gilt. Geborner Leveller und Zyniker, steht sie daher stets auf dem Sprung, mit jeder andren Ware, sei selbe auch ausgestattet mit mehr Unannehmlichkeiten als Maritorne, nicht nur die Seele, sondern den Leib zu wechseln. Diesen der Ware mangelnden Sinn für das Konkrete des Warenkörpers ergänzt der Warenbesitzer durch seine eignen fünf und mehr Sinne. Seine Ware hat für ihn keinen unmittelbaren Gebrauchswert. Sonst führte er sie nicht zu Markt. Sie hat Gebrauchswert für andre. Für ihn hat sie unmittelbar nur den Gebrauchswert, Träger von Tauschwert und so Tauschmittel zu sein. Darum will er sie veräußern für Ware, deren Gebrauchswert ihm Genüge tut. Alle Waren sind Nicht-Gebrauchswerte für ihre Besitzer, Gebrauchswerte für ihre Nicht-Besitzer. Sie müssen also allseitig die Hände wechseln. Aber dieser Händewechsel bildet ihren Austausch, und ihr Austausch bezieht sie als Werte aufeinander und realisiert sie als Werte. (Achtung, jetzt kommts FF:)
        Die Waren müssen sich daher als Werte realisieren, bevor sie sich als Gebrauchswerte realisieren können.
        Andrerseits müssen sie sich als Gebrauchswerte bewähren, bevor sie sich als Werte realisieren können. Denn die auf sie verausgabte menschliche Arbeit zählt nur, soweit sie in einer für andre nützlichen Form verausgabt ist. Ob sie andren nützlich, ihr Produkt daher fremde Bedürfnisse befriedigt, kann aber nur ihr Austausch beweisen.“

      • Das nennt sich dialektisches Denken.
        Das bringt einen Adorno-Fan wie mich nicht ins Stolpern.

        @ Gitta, fraFri, deaXmac

        Ich gönne meinem verknoteten Verstand eine längere Auszeit. Bis bald!

      • „Das nennt sich dialektisches Denken.
        Das bringt einen Adorno-Fan wie mich nicht ins Stolpern.“

        …und schon haben Sie wieder das Ihnen Bekannte über noch Unbekanntes gestülpt… 😉

    • @ Danke, FraFri!

      Ihre Ausführungen und Überlegungen auch zum Wo und Wie beginnen, finde ich wunderbar.
      Nur mit einem gehe ich nicht so ganz konsens …

      „Das Wort „entscheiden“ bedeutete ursprünglich, „das Schwert aus der Scheide ziehen“. Nur mit einem Alles entscheidenden Schwerthieb á la Alexander dem Großen lässt sich der Gordische Knoten lösen, in dem sich menschliches Denken immer wieder verfängt und sich selbst blockiert.“

      aus dem ganz einfachen Grund, da ich dieses Bild mit dem Schwerthieb als unsäglich martialisch – und darüber hinaus Ressoucen vergeudend -empfinde.

      Denn wenn man es recht bedenkt, könnten irgendwelche Idioten auf die Idee kommen, sich selbst bzw. bevorzugt Anderen den Kopf abzuhacken, sofern sich deren Denken (auch nur tendentiell) „gordisch“ verknotet. Jetzt einmal an Wittgenstein angelehnt gedacht:

      „Wittgenstein schreibt in ‚Philosophische Bemerkungen’: „Die Kompliziertheit der Philosophie ist nicht die ihrer Materie, sondern die unseres verknoteten Verstandes.“ “

      Aber Wittgenstein hat ja -in diesem Dilemma- durchaus auch Alternativen parat, die genau genommen garnicht so mystisch sind, wie er offenbar befürchtet hat, im Hinblick auf das „Unaussprechliche“. (vgl. LW, TLP, 6.5 ff)

      Denn mit dem Dilemma, sich zu den Lebensproblemen zu äußern, die als Problem verschwinden und ggf. mit nahezu massiv ertrotzenden Anforderungen konfrontiert zu werden: „Ich will aber mein Problem zurück“ war bzw. wollte Wittgenstein offensichtlich nicht konfrontiert werden. So unbefriedigend, wie dieses Nullsummen-Spiel erscheint, bei dem am Ende nichts sinnvolles dabei herumkommz.

      Fasst man allerdings die Lösung des gordischen Knotens und so manche Vorschläge von Wittgenstein zusammen, so könnte es durchaus im Bereich des Möglichen liegen (wie auch in den LoF erwähnt), daß man weder den blockierenden Knoten (im Verstand) spalten muß noch gleich die Leiter wegwerfen muß (vgl. 6.54) sofern sich etwas als „unsinnig“ erweisen sollte (ein absolut Ressourcen vergeudendes Unterfangen, im übrigen)
      sondern vielleicht das Ganze von vorneherein etwas anders, im Sinne von wohin und wozu aufzieht …

      Bezogen z.B. auf das klassische Medium „Geld“, kann es doch weder Sinn noch Spaß machen, diesem immer nur hinterher zu laufen bzw. andere vollstreckend vollends in die Pleite zu treiben, oder?
      Greifen Sie mal einem nackten Menschen -im ersten bzw. im letzten Hemd- in die Taschen.
      Da kommen allenfalls -wenn überhaupt- in komatöser Trance nur noch schmerzhaft und wild um sich schlagende Bewegungen auf. Einen Zu- wie auch Abgang in Würde dürften sich selbst die im Paradies ihrer Illusionen angeketteten, ihre leiblichen Bedürfnisse gewohnheitsmäßig Unterdrückenden und Leugnenden -unanerkannt, aus- wie abgebrannt- vermutlich etwas anders vorgestellt haben. Bei aller Erkenntnis -„und sie dreht sich doch“ .
      Die Welt schert das offenbar wenig, bis dato
      zumal auch längst schon bekannt ist
      „Das Leben geht weiter, als es erlaubt ist“ (Karl Kraus)

      Etwas mehr an adaptierter und adaptierender Achtsamkeit -ohne intellektuelle Überheblichkeit in Richtung derer – die sich noch nicht, nicht mehr oder vielleicht auch niemals adäquat zu äußern verstehen, das wünsche ich mir…
      und dies von Herzen.
      Ohne zu wissen, sondern nur hoffend zu erahnen, daß es – unter Einschränkungen, über und durch die Kunst- vielleicht gelingen könnte.

      Hierzu Niklas Luhmann, „Die Kunst der Gesellschaft“ S. 506 f

      „Solange aber die Autonomie des Systems erhalten bleibt, gibt es auch ein Medium, das die Suche nach überzeugenden Forme motiviert. Wenn alles möglich ist, muß die Auswahl des Zulässigen schärfer ausfallen, und es wird auf Dauer wenig befriedigen, wenn statt einer Auswahl nur noch Jahresfahrkarten ausgegeben werden. Nur die Überwindung von Schwierigkeiten, kann einer Sache Bedeutung geben ³:
      Hoc opus, hic labor est. ²³³“

      Fußnoten:
      233 Vergil, Aeneidos, lib VI, 129 (Ausgabe Oxford 1972, S.4)

      3 [eigene Anmerkung]:
      Erst die Zuweisung von Bedeutung -in Zusammenführung eines Kon-Senses, zur Genugtuung nd Befried(ig)ung beider Seiten- kann jeweils -kontexbezogen- auch vermittelden Sinn ergeben.

      • Liebe deaXmac,
        mit dem „Schwerthieb“ meine ich den – denkenden und handelnden – Beobachter.
        Alles Handeln und Denken setzt notwendig einen Anfang; das haben Sie ja sicher auch bei Hannah Arendt (in Vita activa) gelesen. Und dazu braucht es einen klaren Trennungsschnitt.

        Martin Heidegger hat in einem seiner Vorträge in den 50er Jahren zur Verblüffung seiner Zuhörer (ihn anhimmelnde Honoratioren) gesagt: „Die Wissenschaft denkt nicht.“ Wahres Denken denkt sich vielmehr selbst. Wissenschaft – ebenso wie auch Alltagsdenken – setzt bei als gültig unterstellten Knoten an (z.B. Erklärungsprinzipien wie „Schwerkraft“).
        „Beobachten“ heißt nun mal, sich für eine von zwei Seiten zu ent-scheiden, um handelnd anschließen zu können.

        Man kann vielleicht sagen: auch Gesellschaft „denkt“, nämlich in Form von Diskursen oder Narrativen. Manchmal muss dabei ein Knoten durchschlagen werden. Das sind dann Revolutionen im Denken wie z.B. Systemtheorie (Luhmann schrieb „Soziale Systeme“, weil er die Soziologie in einer „tiefen Krise“ sah).
        Oder wie das Marx’sche Denken, das dann allerdings „martialische Gewalt“ freisetzte.

  25. Jetzt nochmal der Richtige Kommentar. Den anderen bitte Löschen. Dem Stand ein Zitat von Jung ‚Wotan‘ Aufsatz voran. In diesem Aufsatz verteidigt er auf bizarre Weise den Nationalsozialismus. Das gehört nicht hier rein – quasi verunfallt.

    Erstmal schön, dass sie sich mit dem Thema befassen. Ich muss allerdings bekunden, dass die beiden eingangszitate der beste Teil ihres Textes sind. Sie hätten den Wikipediaartikel sorgfältig zuende lesen sollen (und den Verweisen bestenfalls folgen) bevor sie sich daran machen etwas eigenen zu schreiben. Denn dieser Wikipediatikel kritisiert bereits grundlegend ihren Artikel und macht ihr Modell nicht mehr haltbar. Lesen wir im besagten Artikel:
    „Karl Mannheims These von der Funktionalisierung der Erkenntnis durch die Ideologie ergänzt Roland Barthes durch die Funktionalisierung des Mythos, den die Ideologie instrumentalisiert: „Die Semiologie hat uns gelehrt, dass der Mythos beauftragt ist, historische Intention als Natur zu gründen. Dieses Vorgehen ist genau das der bürgerlichen Ideologie. Wenn unsere Gesellschaft objektiv der privilegierte Bereich für mythische Bedeutung ist, so deshalb, weil der Mythos formal das am besten geeignete Instrument der ideologischen Umkehrung ist, durch die sie definiert wird. Auf allen Ebenen der menschlichen Kommunikation bewirkt der Mythos die Verkehrung der Antinatur in Pseudonatur.““
    Ihr Modell ist eine Mitarbeit am Mythos. Beachten sie den direkten Bezug auf ihren Versuch:
    Auch wenn Mannheim zunächst versucht, zwischen wertfreien und wertenden Ideologien zu unterscheiden, kommt er doch zu dem Fazit, dass der wertfreie Ideologiebegriff „letzten Endes in eine ontologisch-metaphysische Wertung“ „hinübergleitet“[41] In diesem Zusammenhang spricht Mannheim dann auch vom „falschen Bewußtsein“, das die Ideologie zwangsläufig schafft: „Es sind also in erster Linie überholte und überlebte Normen und Denkformen, aber auch Weltauslegungsarten, die in diese ‚ideologische’ Funktion geraten können und vollzogenes Handeln, vorliegendes inneres und äußeres Sein nicht klären, sondern vielmehr verdecken.“[42]
    Die derart resultierende verkürzte Sicht auf die Realität beklagt Roland Barthes denn auch als „Verarmung des Bewußtseins“[43] die durch die Ideologie als bürgerliche geleistet wird: „Es ist die bürgerliche Ideologie selbst, die Bewegung, durch die die Bourgeoisie die Realität der Welt in ein Bild der Welt, die Geschichte in Natur verwandelt.“
    Wieso haben sie dazu keine Stellung genommen, da sie explizit mit ihren Begriffen von den in Wikipedia abweichen?
    Zusammengefasst reduzieren sie eine soziologische, politische und historische Frage mit genuin kritischem (d.h. normativen) impuls auf ein normativ nicht ausgezeichnetes psychologisches und ahistorisches Modell. Das führt dazu, dass sie Ungleichwertigkeitsideologie als Ängste psychologisieren und so rechtfertigen. Mit anderen worten haben sie einen ideologischen Rechtfertigungsartikel geschrieben.

    Ihr vorschlag hat mehrere grundlegende Probleme:

    1. sie verlieren die normative Dimension: sie können weder inhatlich unterschiedliche ungleichwertigkeitsideologien voneinander unterscheiden wie z.b. sexismus, rassismus, antisemitismus, klassismus. Sie folgen nicht etablierten analytischen Unterscheidungen z.b. ungleichwertigkeitsideologien und politischen ideologien. Sie begründen nicht wieso sie das tun. Ein Blick in Wikipedia hätte genügt: „Der Begriff Ideologie wird häufig synonym zu Weltanschauung verwendet. Eine strenge Unterscheidung der beiden Begriffe ist nicht möglich, vielmehr rechtfertigt eine Abgrenzung lediglich die verschiedene Verwendung der Begriffe in der Literatur, Philosophie und Soziologie. So wird „Weltanschauung“ eher für ganzheitliche, weniger theoretisch ausformulierte Sichtweisen auf die Welt und den Menschen verwendet als die „Ideologie“.[4] Letztere möchte überdies die Welt nicht nur erklären, sondern auch beeinflussen.[5] Die begriffliche Unterscheidung zwischen „bösen Ideologien“ und „guten Weltanschauungen“ (die vor allem durch Karl Marx geprägt wurde) kommt ausschließlich in der deutschen Literatur vor.[4] Die häufig abwertende (pejorative) Verwendung des Ideologie-Begriffes im allgemeinen Sprachgebrauch für manipulative, unzulängliche oder nicht wissenschaftlich begründete Ideen-Systeme und Theorien geht darauf zurück.“

    2. sie verlieren die analytische dimension: die einzlenen ungleichwertigkeitsideologie haben sowohl unterschiedliche gesellschaftliche funktionen, prägen die soziale realität verschieden und haben vor allem eine ganz unterschiedliche geschichte. Politische ideologien sind davon auch wiederum zu trennen.

    3. reflektieren sie nicht die standortgebundenheit ihrer eigenen auseinandersetzung mit dem thema. Wieso ist das wichtig? Naja sonst gleichten sie in begriffesoterik ab. Was wollen sie überhaupt erklären? Mir scheint sie wollen konstruktivistische ansätze für gesellschaftliche problemlagen stark machen. Die möglichkeit dessen wird in den fachdiskursen normalerweise sehr pesimistisch eingeschätzt. Ansätze die sowohl die probleme beschreiben die sich konstruktivistische ansätze im besonderern stellen müssen als auch lösungen vorschlagen, finden sie unter dem Begriff kritische systemtheorie (Sammelband im transcript verlag) oder Systemtheorie und Differenzierungstheorie als Kritik (Sammelband im beltz verlag) der zweite Band ist dem Mainstream näher: es geht immer darum eine kritische gesellschaftstheorie einzubinden. Sie finden das beim zweiten Eingangszitat von Mannheim wieder als ontologisch-metaphysisch wertung: „Auch wenn Mannheim zunächst versucht, zwischen wertfreien und wertenden Ideologien zu unterscheiden, kommt er doch zu dem Fazit, dass der wertfreie Ideologiebegriff „letzten Endes in eine ontologisch-metaphysische Wertung“ „hinübergleitet“[41] „

    Einige beispiele:
    „Gesellschaft das Individuum zu konditionieren versucht […]“. Sie fassen die gesellschaft als psychologischen akteur. Das ist eine Psychologisierung und Ahistorisierung des Sozialen Was man unter gesellschaft versteht und folglich analysiert sollte man gesellschaftstheoretisch ausweisen oder begründen, warum man das nicht tut. Die gesellschaft handelt definitiv nicht und würde sie das tun, bräuchte man weder Geschichtswissenschaft noch Sozialwissenschaften. Sie entwickeln sie wahnsinnig viele (unbegründete) Begriffsverdopplungen: Welt, Zeichen, Semiosphäre, Umwelt, System, Physis, Physikalische Umwelt, Sozialsystem das alles kleistern sie mit allquantoren (immer) zusammen. Das Individuum existiert bei ihnen als ahistorischer abstrakter durchschnitt, also eigentlich existiert es erst gar nicht.

    „Ideologien sind die Weltanschauungen, deren Funktion die Gleichschaltung und deren Leistung die Beruhigung von Sicherheitsängsten ist“ Hier schmeißen sie sehr unterschiedliches in einen Topf (ich habe das unten etwas ausführlicher beschrieben)

    „Konservativismus und Gleichheit des Verhaltens sind für Arten, Individuen und Gesellschaften genauso überlebenswichtig wie Progression, Individualität und Kreativität“
    Sie haben hier einen biologistischen gesellschaftsbegriff. Sie setzen Arten, Individuum und gesellschaft gleich und setzen beides in einen biologistischen Evolutionszusammenhang. Das ist eine biologistische Ideologie.

    Wo denken sie ist der Erkenntnismehrwerts ihres ansatzes? Zusammengefasst denken sie Gesellschaft als Organismus, setzen gesellschaft strukturell mit Individuun gleich und normalisieren und rationalisieren Ungleichwertigkeitsideologien als begründete Ängste, die sich nicht unterscheiden lassen von individuellen adaptiven Funktionen, die dem Überleben des Individuums dienen. Was unterscheidet ihren Ansatz vom sozialwissenschaftlich unformierten Ruf: „den Leuten doch endlich mal ihren begründeten Ängsten zuzuhören“? Das solche Aussagen es nicht erlauben zwischen Rassismus und Angst zu unterscheiden, scheint kein Problem zu sein – wie auch hier an den Talkbacks zu sehen. Es wird munter hermetische Begrifsesoterik betrieben, anstelle nach dem Erkenntnismehrwert zu fragen oder Probleme aufzuzeigen. Bsp.: „Grundwerte von Ideologien sind die Werte, die eine Gesellschaft oder Subgesellschaft als Minimalkonsens anbietet und deren Angebote leicht viral werden können. Sie können hoch differenziert sein, wie man am Marxismus-Leninismus erkennen kann, aber um sie in die breite Masse zu transportieren, brauchen sie triviale Andockmechanismen an das Bedürfnis Sicherheitsängste zu beruhigen und an das Bedürfnis sich selbst und andere gleichzuschalten. Das Konglomerat der Werte, Ideen und Anschauungen der Ideologie bildet die Philosophie der Ideologie, die Lehre.“ Ich hebe nur einen Punkt hervor: „ Marxismus-Leninismus“ was soll das sein? Geht es hier um irgendein politisches System, wenn ja welches? UDSSR vor Stalin, nach Stalin, DDR? Sie sehen wo ich drauf hinauswill: Werte sind nichts monolithisches und ahistorisches in einer Gesellschaft. Es sind keine Gegenstände. Sie sind Schicht und Lagespezifisch sowie historisch sehr verschiedenen. Daneben ist Wertrationales handeln nur eine möglichkeit neben vielen Soziales Handeln zu konzeptionalisieren. Für Ideologie (im normativen Sinne) sind Ideen von Zweckrationalität oder besser das Konzept der instrumentellen Vernunft weitaus bedeutsamer. Es geht darum wie irrationale Zwecke als rationale gerechtfertigt werden – das hat erstmal wenig mit Angst zu tun aber viel mit Geschichte, Kultur und Naturbeherrschung. Und wie kommen sie überhaupt auf die Idee, dass es Sinn macht, dass eine Ideologie aus Grundwerten bestünde? Wo haben sie das her? Definitiv nicht aus der Forschung. Sie normalisieren hier wieder Unmenschlichkeiten als Werte. Dann stellen sie wildeste Behauptungen auf:
    „Je komplexer die Umwelten für das Empfinden des Einzelnen sind, desto wahrscheinlicher ist der Übergang von der Weltanschauung zur Ideologie“ oder „Je höher das Kontingenzbewusstsein des Einzelnen, desto wahrscheinlicher die Pluralisierung der Weltanschauung. Je niedriger, desto singularisierender die Ideologie.“ Wo haben sie diese Gleichungen her? Sie Argumentieren ja nicht mal wieso das sich ausgerechnet so verhalten solle, das geht ja weder zwingend aus ihren Ausführungen hervor noch ist es sonstwie einsichtig.

    Man könnte Ihnen zu gute halten, dass sie die Position einer modernisierungstheorie als untragbare Komplexitätsanforderungen an den Einzelnen vertreten. Diese Position wird Beck zugeschrieben, existiert aber so eigentlich nicht jenseits feuilletonistischer Gassenhauer.

    Zu ihrer Faschismus’theorie‘ wollte ich mich eigentlich erst gar nicht äußern, aber irgendwie denke ich, ich muss das trotzdem tun: Die basiert auf wikipedia ethymologie. Wieso sollte die Wortherkunft von ‚fasces‘ irgendwas erklären außer die Wortherkunft, wenn doch ganz klar ist, dass Der aus dem italienischen Wort für Bund – fascio – abgeleitete Begriff Faschismus wird von Historikern als „gewissermaßen inhaltsleer“ beschrieben, da er „so gut wie nichts über das Wesen dessen aus[sagt], was faschistisch ist oder sein soll“. Darin unterscheide sich dieser Ismus ganz entscheidend von anderen Ismen, wie Konservativismus, Liberalismus oder Sozialismus. „Ein fascio ist ein Verein, ein Bund,“ daher wären Faschisten wörtlich übersetzt „Bündler“ und „Faschismus“ wäre Bündlertum. (wieder aus wikipedia zu Faschismus) sie müssen doch diesen Eintrag gelesen haben – sie zitieren ja daraus. Warum nehmen Sie nicht die bisherigen Überlegungen zur Kenntnis und positionieren sich dann den gegenüber am besten kritisch? Hier wird ziemlich genau gegen das argumentiert, was sie dann als faschistischen Impuls präsentieren.

    „Die Massen werden nicht verführt, sie organisieren sich selbst. Stimmt das Angebot und ist bereits der Drive da, nimmt die Zahl jener, die mitmachen, immer mehr zu. Auch das ist Teil der Gleichschaltungsfunktion, dass sie immer mächtiger wird, je mehr Menschen bereits in die gleiche Richtung marschieren. Dann können nach und nach die Werte ihre Kraft verlieren, die wir sonst als grundlegend empfinden. So ist es möglich, Millionen von Juden zu vergasen, weil die akkumulierte Kraft des faschistoiden Impulses im Einzelnen nun in der Gesellschaft einen Eigenwert bildet, der auch alles Entsetzliche möglich machen kann, was im Rahmen der Philosophie der Ideologie mit ihrer Aus- und Abgrenzungswirkung denkbar ist. Dabei spielt die Frage danach, welche Ideologie es denn sein wird, erst einmal keine Rolle – die Werte sind im Rahmen der Konditionierung austauschbar: Es geht vielmehr um die Befriedigung des Impulses selbst – und damit eben um die Beruhigung von Sicherheitsängsten. Mode kann Mittel des faschistoiden Impulses sein, Jugendlichkeitswahn, Veganismus“

    Hier kann ich nicht anders als unfreudlich zu sein. Diese Aussagen trieft vor Dummheit. Zum Holocaust: inzwischen haben 3 Generationen Historiker erklärt, dass man den Holocaust nicht ahistorisch verstehen kann, die Versuche sind aber trotzdem nach wie vor beliebt, weil sie einfach einfach sind. Man muss aber sagen, dass die Hypothese der ‚ganz normalen Massenmörder‘ zwar modern wird/ist aber dennoch grundlegende Fragen nach der primären und sekundären Tätersozialisation (was zumeist geschlechterreflektierte Fragestellungen sind) ausklammert zugunsten reine situativen Betrachtungen, in deren Mittelpunkt austauschbare Individuuen stehen – das kann schnell zynisch werden. Sinnvoll sind sowohl sozialisationstheoretische wie situative Ansätze zu kombinieren. Zu ihren Ideen: Die Gleichschaltung war nicht so simpel, wie sie mit dem Modell nahelegen, ihr Modell beschreibt ja noch nicht mal, wie es zur Gleichschaltung kam – das war ja ein langer Kampf. Das was Gleichschaltung zumeist genannt wird, diente vor allem darum den Nazis die Vormachtstellungen zu sichern, da sie direkt nach der Machtergreifung noch viele Gegner hatten und ihre Macht alles andere als stabil war. Die Vorgeschichte ist aber wesentlich Dazu müssten sie sich z.B. Bünde und Geschlechterverhältnisse, die Familien- und Arbeitsorganisation der damaligen Zeit anschauen, ebenso wie die Geschichte der Gewerkschaften. Dazu hatte die Gleichschaltung alleine keine gesonderte Funktion bei der Judenvernichtung, wie sie weiß machen. Wie kommen sie überhaupt, dass Erst in Verbindung mit Antisemitismus war das möglich. Und der Antisemitismus war notwendig in dem Sinne, dass seine Inhalte nicht durch beliebige andere Ersetzt werden konnten. Erst durch sowohl die religiösen Ursprünge wie die Identifikation der Juden mit dem abstrakten Kapital zu diesem historischen Zeitpunkt ermöglichten erst den Holocaust. Sie können ja gar nicht mit ihrem Modell weder die spezifischen Opfer noch die spezifischen Täter erklären wieso die Juden und nicht wieso die Franzosen und auch wieso die Nazis. Dazu müssen sie sowohl die konkreten geschichtlichen Umstände begreifen a) der Emanzipation der Juden während der Industrialisierung b) der Geschichte des Antisemitismus c) der ökonomischen Situation (ohne die auf das Erbe des 1. Weltkrieges zu reduzieren, sondern i.S. der politischen Ökonomie verstehen) d) die Geschichte der bürgerlichen gesellschaft in Deutschland. Sowie dann die politische Ideologie der Nazis in Kombination mit den unterschiedlichen Vergemeinschaftungsmechanismen der relevanten Ungleichwertigkeitsideologien sowie die technologische und wissenschaftliche Entwicklung im Dienste von Ungleichwertigkeitsideologien. Dann sollten sie sich noch die sozialpsychologischen Mechanismen anschauen. Dann haben sie ein paar Koordinaten.

    Man kann ihnen auch nicht wohlwollend unterstellen, dass sie im Rahmen einer Totalitarismustheorie argumentieren. Man könnte das bei oberflächlichem Verständnis tun, indem man sagt, dass sie hier nicht die totalitären Systeme unterscheiden sondern vergleichen (aber sie nehmen ja auf historische Tatsachen eigentlich so gut wie keinen Bezug, sondern schweben in nicht wirklich begründeten Begriffswelten). Aber das läuft nicht nur schief, weil totalitarismusanalysen sich auf die konkreten herrschaftsstrukturen beziehen und die psychologischen Motive ausblenden, sondern auch, weil totalitarismusanalysen zwar vergleichend aber nicht gleichsetzend vorgehen, so wie sie es tun. Sie schreiben sich hier ein in die beliebte Fiktion der Mässigung. Diese Geschichte ist im übrigen nicht so banal und bis heute wirksam, erklärte sie doch den Zerfall der Weimarer Republik damit, dass der Mittelstand von Links und Rechts gleichermaßen in die Zange genommen wurde – das ist eine Fiktion.

    Besonders problematisch finde ich, dass Sie den Konjunktiv (jugendlichkeitswahn als faschistischer Impuls) mit gesellschaftlicher und historischer Realität vermischen. Damit schreiben sie sich in eine unakzeptable Gleichmacherei ein. Sie reihen sich ein in die bürgerliche Ideologie heutzutage (schauen sie sich die wiki Zitate von oben an) Links und Rechts und überhaupt alles was extrem sein könnte als gleichermaßen Böse anzusehen. Schauen sie sich mal die Statistiken des Verfassungsschutzes der letzten 5 oder 10 jahre an bzgl realer Straftaten, die von Links und Rechts motiviert sind. Schauen sie dazu bitte in die vollständigen orginalberichte – das ist keine so umfangreiche arbeit, wie es scheint. Aber wo anders sind die Zahlen oftmals stark aggregiert, daher die orginalberichte. Sehen sie sich dann mal Sachlage zum NSU prozess an und informieren sie sich über den sehr lebendigen Rechtsterrorismus (Daniel Köhler hat ein Standardwerk zum Rechtsterrorismus geschrieben sie finden Artikel dazu im Internet). Mir ist auch nicht bekannt, dass die Polizei schon mal irgendwelche Nazis in Zellen verbrannt hätte, aber bei Flüchtlingen kam das vor. Polizeiliche Gewalt jenseits des Rechtsstaats ist durchaus von rassistischen Motiven getrieben – aber haben sie schon mal davon gehört, dass Polizisten Nazis angegriffen hätten oder Reiche ausgeraubt? (das wären dann linke motive). Mir ist auch nicht bekannt, dass es in der Bundesrepublik jemals Progrome von links gegeben hätte oder von Veganern gegen Fleischesser oder Vegetarier, aber Progrome von Rechts in größerem Ausmaß anfang/mitte 90er und kleinere in den letzten Jahren wieder. Das sind qualitative Unterscheide, die wir nicht einfach gleich setzen dürfen! Stellen sie sich doch mal vor: Es macht einen großen Unterschied, ob wir unsern Nachbarn davor schützen Opfer von nichtrechtstaatlicher Gewalt zu werden, oder ob wir staatliche Strukturen im Rahmen einer terrorherschaft unterstüzen den Nachbar wegzusperren, sodass wir uns sein hab und gut uns aneigenen können? Die Motive machen einen großen Unterschied! Oder anders. Ob Männer ‚ihre‘ Frauen schlagen, weil sie beruflich frustiert sind oder ob sie als Paar ihre ökonomischen Schwierigkeiten und existentiellen Ängste gemeinsam angehen, macht einen großen Unterschied. Aus Angst folgt nicht Gewalt man kann auch nicht von Gewalt auf angst schließen. Sie verlieren auch komplett die strukturelle Dimension aus dem Blick. z.b. Lassen wir momentan weniger Leute im Mittelmeer ertrinken dafür aber mehr dort in der Wüste verdursten, wo keine Kameras hinschauen. Das führt dazu mit undemokratischen Staaten Geschäfte zu machen, weil es passt. Das ist bequem und führt nicht zu einem politischen Aufschrei. Das ganze hat wenig mit Ängsten zu tun, sondern mit unsichtbar machen und der Rechtfertigung von objektiver Irrationalität (damit ist nicht die Psychologie von Menschen gemeint, sondern die Irrationalität, d.h. Gewaltätigkeit der Verhältnisse). Wie sie sehen hat das viel mit Rationalisierungen zu tun und Geschichte pseudonatur werden zu lassen. Ihr ganzes Modell ist ahistorisch, die Frage nach der Ideologie lässt sich aber nicht aus dem historischen Zusammenhang lösen. (siehe der von Ihnen erwähnte Wikipediaartikel).
    Also mal positiv gewendet, was muss die Auseinandersetzung mit Ideologie leisten? Sie muss 1. erklären, wie unakzeptable Verhältnisse akzeptabel gemacht werden. Wesentlich dabei ist die vielfältigen Mechanismen zu beschreiben, wie etwas eigentlich unakzeptables normal oder natürlich und notwendig inszeniert wird. 2. muss sie die Konsequenzen der Unakzeptablen Verhältnisse beschreiben, d.h. wer leidet wie drunter und wie entsteht dieses Leiden überhaupt. 3. Auf dieser Basis kann man sich die Funktion der Ideologie erschließen, d.h. auf welche gesellschaftlichen Probleme wird hier geantwortet, und was geschieht dabei mit den Problemen, d.h. z.b. wie werden diese Verlagert. 4. Sollten so Instrumente gewonnen werden, die es erlauben die Ideologie zu kritisieren, sodass ideologische Funktionen in ihrer Irrationalität deutlich gemacht werden können, um sie von Alternativen zu unterscheiden. Das geht aber nicht mit einem abstrakten Ideologiebegriff, der losgelöst ist von Geschichte und vorgibt jenseits von Gesellschaftstheorie einen universellen Sinn zu haben. Sie haben Ihren Artikel unter Gesellschaftskritik eingestellt – wo ist ihre Gesellschaftskritik? Ich sehe sie persönlich nicht. Gesellschaftskritik ist keine Kritik am Denken von Individuuen – das ist eher das Gegenteil. Gesellschaftskritik basiert auf einer Analyse, die sie nicht vorlegen. „Was ich hier vorschlage, ist ein Umdenken, ein erweitertes Denken, ein Denken, das den einzelnen Menschen und die Gesellschaft konstituierenden Prozesse miteinander verbindet. Warum, wann, unter welchen Bedingungen kann der Populist greifen – wie entsteht er überhaupt? Wer gibt dem Politiker die Macht? Wie organisieren Menschen ihr Miteinander? Wie verarbeiten sie Komplexität? Wie bilden sich Gruppen? Und immer wieder:
    Was habe ich damit zu tun?“ Fanden sie das selbst nicht auch wahnsinnig trivial als sie das schrieben? Diesen Vorschlag kann Ihnen auch jemand machen, ohne zuvor Begriffsungeheuer aufgebaut zu haben. Sie laufen hier in eine Falle: Sie wollen dass sie Menschen besser ihrer Umwelt angepasst sind – woher wissen wir denn, dass diese Umwelt nicht irrational ist, und wir einfach uns der Irrationalität gut angepasst haben, indem wir sie rationalisieren? Es ist die alte Frage, ob das Ich auch gegen oder nur innerhalb der Gesellschaft gestärkt werden kann. Dazu gibt’s den bekannten Aufsatz mit metatheoretischen Überlegungen von Adorno zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie (gleichnamig), ich würde ihnen die Version von 1966 mit Postskriptum empfehlen. Der Text ist leider nicht einfach zugänglich.

    • Hallo und willkommen, lieber Peter, und vielen Dank für Ihren sehr gelungenen Versuch der Illustration ideologischer Singularisierung.
      Bravo! Selten habe ich die besprochenen Mechanismen so subtil in Wirkung gesehen. Wollen wir nur gemeinsam hoffen, dass sie nicht zu kontraproduktiver Bündelung führen.
      Ich bin sicher, dass der interessierte Leser sehr viel aus Ihren Ausführungen lernen wird.
      Ach ja, eins noch! Wenn Sie Ihre No-Panic-Brille weiterhin aufbehalten möchten, können Sie gerne einen Löffel benutzen, um den Topf zu finden.

    • Textauszug: “Der Psychologismus jeglicher Gestalt, der umstandslose Ansatz beim Individuum ist Ideologie. Er verzaubert die individualistische Form der Vergesellschaftung in eine außergesellschaftliche, naturhafte Bestimmung des Individuums. Mit anderen Konzeptionen der Aufklärung hat er seine Funktion gründlich verändert. Sobald die in Wahrheit den Einzelspontaneitäten entrückten, zwischen abstrakten Subjekten anhängigen Prozesse aus der Seele erklärt werden, vermenschlicht man tröstlich das Verdinglichte. Aber die sich selbst Entfremdeten sind trotzdem noch Menschen, die geschichtlichen Tendenzen realisieren sich nicht nur gegen sie, sondern in und mit ihnen, und ihre durchschnittlichen psychologischen Qualitäten gehen selbst in ihr durchschnittliches gesellschaftliches Verhalten ein. Sie und ihre Motivationen erschöpfen sich nicht in der objektiven Rationalität, und zuweilen handeln sie ihr entgegen. Gleichwohl sind sie deren Funktionäre. Selbst die Bedingungen des Rückfalls in Psychologie sind gesellschaftlich vorgezeichnet als Überforderungen des Subjekts durch die Realität. Sonst findet sich das manifeste oder verdrängte Triebmoment in der gesellschaftlichen Objektivität nur als eine Komponente, die des Bedürfnisses, und sie ist heute vollends zur Funktion des Profitinteresses geworden. Die subjektive ratio und ihre raison d’etre treten auseinander. Selbst der, dem die kalkulierende Vernunft alle Vorteile abwirft, die sie verheißt, vermag diese Vorteile nicht als Glück zu genießen, sondern muß als Konsument nochmals dem gesellschaftlich Vorgezeichneten, dem Angebot derer sich fügen, welche die Produktion kontrollieren. Stets waren die Bedürfnisse gesellschaftlich vermittelt; heute werden sie ihren Trägern ganz äußerlich, und ihre Befriedigung geht in die Befolgung der Spielregeln der Reklame über. Der Inbegriff der selbsterhaltenden Rationalität der je einzelnen ist zur Irrationalität verdammt, weil die Bildung eines vernünftigen gesellschaftlichen Gesamtsubjekts, der Menschheit, mißlang. Daran laboriert umgekehrt auch wieder jeder einzelne. Das Freudsche Gebot: “Wo Es war, soll Ich werden”, behält etwas stoisch Leeres, Unevidentes. Das realitätsgerechte, “gesunde” Idividuum ist so wenig krisenfest wie das rational wirtschaftende Subjekt ökonomisch. Die gesellschaftlich irrationale Konsequenz wird auch individuell irrational. Insofern wären in der Tat die Neurosen der Form nach aus der Struktur einer Gesellschaft abzuleiten, in der sie nicht abzuschaffen sind. Noch die gelungene Kur trägt das Stigma des Beschädigten, der vergeblichen und sich pathisch übertreibenden Anpassung. Der Triumph des Ichs ist einer der Verblendung durchs Partikulare. Das ist der Grund der objektiven Unwahrheit aller Psychotherapie, welche die Therapeutiker zum Schwindel animiert. Indem der Geheilte dem irren Ganzen sich anähnelt, wird er erst recht krank, ohne daß doch der, dem die Heilung mißlingt, darum gesünder wäre.” Adorno, Theodor W. (1955): Zum Verhältnis von Soziologie und Psychologie. in: ders: Soziologische Schriften I, Frankfurt am Main, 1979, S. 56f.

  26. Lieber Peter, vielen Dank für Ihren streitbaren, polemischen Diskussionsbeitrag. Streit bietet den Beteiligten ja die Chance, sich selbst mit den Augen Anderer zu sehen und so etwas über sich zu lernen – vorausgesetzt, man hat den Mut, seine eigene Brille mal für einen Moment abzulegen.

    Ich kann im Folgenden nur für mich sprechen und meine Lesart des Artikels zugrunde legen.

    Sie werfen Gitta Peyn vor, mit ihrem Modell „am Mythos“ zu stricken. Da kann ich nur zurückfragen: Was denn sonst? Am Mythos zu stricken, ist ein Konstituens der conditio humana: ohne Erzählen und Performieren eines Mythos ist Mensch-Sein weder denk-bar noch möglich. Auch Sie tun das selbstverständlich mit Ihrem Text. Die Frage ist nur, WIE wir stricken und ob der Mythos, an dem wir stricken, uns gestattet, uns selbst beim Stricken zuzusehen. Genau das ist m. E. der Fall bei Gitta Peyns Text; der Mythos, an dem dieser Text strickt, kann über sich selbst Auskunft geben; bei Ihrem Text kann ich das nicht erkennen.

    Dirk Baecker hat kürzlich einen lesenswerten Artikel geschrieben mit dem Titel „Mythos System“. Er zeigt hier anhand R. Barthes’ semiologischer Analyse des Mythos, wie sich auf Basis des Spencer-Brown’schen FORM-Begriffs „eine Dynamik loser Kopplungen und Rückkopplungen denken (lässt), die jenseits von Unterstellungen substantieller Identität und zuverlässiger Kausalität Fragen einer ökologischen Konstitution von Potentialen der Selbstorganisation denken und untersuchen zu können“ erlaubt.

    https://catjects.wordpress.com/2017/10/19/mythos-system/

    • @Mythos: Lieber Franz, das ist einer der Punkte, auf die es ankommt.
      Wenn das Bewusstsein dafür nicht da ist, läuft man Gefahr, dass die Äußerung eine Form der Gewaltanwendung wird.

    • Danke, FraFri, für diesen Link zu Dirk Baecker’s Artikel
      Wow… !
      das mag man sich schon einmal zu Gemüte führen,
      denn das ist, wahrlich, ein sprachgewaltiger Genuß

      „Was ist die wahre Gestalt eines ›Systems‹?
      Natürlich hatte Heidegger Nietzsches Kritik am System vor Augen: »Der Wille zum
      System: bei einem Philosophen moralisch ausgedrückt eine feinere Verdorbenheit, eine
      Charakter-Krankheit, unmoralisch ausgedrückt, sein Wille, sich dümmer zu stellen als man ist
      (…),«18 die auch bei Nietzsche sofort eine eigentümliche Wende erhält: »Dümmer, das heißt:stärker, einfacher, gebietender, ungebildeter, commandirender, tyrannischer…». Und doch bleibt es dabei: »Ich bin nicht bornirt genug zu einem System – und nicht einmal zu meinem System.«19
      »Nur als Kunst ist noch so ein System möglich.«20
      Für Theodor W. Adorno, ebenfalls Nietzsche-Leser und ebenfalls ein Kenner der großen
      Tradition des Systemdenkens, gibt es keinen Zweifel, woran diese Tradition gescheitert ist,
      nämlich an einer »Gelehrtenkleinlichkeit, die für politische Ohnmacht sich entschädigte durch begriffliche Konstruktion ihres gleichsam administrativen Verfügungsrechts übers Seiende.«
      Aber auch er hält am Systembegriff fest: »Soviel aber bleibt ihr [der Philosophie, db] am
      System zu achten, wie das ihr Heterogene als System ihr gegenübertritt. Darauf bewegt die
      verwaltete Welt sich hin. System ist die negative Objektivität, nicht das positive Subjekt.«21“

      So mögen einen -beim eingehenderen Raisonieren- doch immer wieder Fragen nach der Wiederholung sich ähnelnder (Stör)-Muster beschleichen, die daran erinnern:

      „Die Wissenschaft läuft, sabbert staatsgeschützt, pensionsberechtigt, mit Witwen- und Waisenversorgung ausflussartig dahin, wagt keine Entscheidung, keine Wertung, ist so begnügsam. Methodisch verweichlicht, empirisch angezäumt, fürchtet das Allgemeine,
      flieht die Gefahr.“
      Gottfried Benn
      Briefe an F.W. Oelze, 27.1.1933

  27. Aufgezwungene Ideologien, die die Funktion der Gleichschaltung erfüllen sollen, sind nur solange wirksam, solange eine äußere Gewalt diese Gleichschaltung in Gang hält, siehe Mao Zedong, Stalin und andere. Entfällt die Gewalt, ist die Gleichschaltung beendet.

    Andere Ideologien waren jedoch ebenso erfolglos. Karl Marx ist umfassend gescheitert, niemand hat jemals seine Theorien beachtet, da sie mit der Realität inkompatibel waren. Selbst Rudi Dutschke gab frustriert auf, mit der Erkenntnis: „Der deutsche Arbeiter wird ausgebeutet und beleidigt, solange sich der deutsche Arbeiter nicht ausgebeutet und beleidigt fühlt, können wir ihm nicht helfen.“

    Heute ist die größte Gefahr der Gleichschaltung die Selbstkonditionierung, dass Menschen sich selbst in ein System hinein begeben, welches „Im Gleichschritt Marsch“ bedeutet und hier alles akzeptieren, die Herausgabe sämtlicher eigener privater Daten (incl. Fotos und Videos) an unbekannte Dritte (Werbetreibenden) und die von Familienangehörigen. Diese Menschen übersehen mit ihrer Auffassung, „Ich habe nichts zu verbergen“, dass sie in einem ungleichen Machtverhältnis zu den Betreibern von Facebook, Google, und anderen stehen.

    Klassische Ideologien stellen heute kein Problem mehr da, eher schon das freiwillige „Im Gleichschritt Marsch“, welches durch die permanente Nutzung des Internet entstanden ist.

    Ein Umdenken unter Berücksichtung der Realitäten ist die richtige Reaktion. Realität ist, dass normale Menschen keine Möglichkeit haben, der Marktmacht von Facebook, Google, Bank, Wirtschaft, …, etwas entgegenzusetzen. Das System „Kapitalismus“ wird von mächtigen Spielern (Banken, Politikern, Milliardären) in Gang gehalten.

    Die Lösung ist der Ausstieg aus dem System. Der Verzicht auf Internet und Fernsehen bedeutet die Trennung von dem manipulierenden Einfluß des Medienwelt.

    Die Erkenntnis, dass jeder Internetbesuch aufgrund der vielen negativen Berichte, gefälschten Informationen und Bilder, auf die Empathie des Benutzers desintegrierend wirkt, könnte die Nutzer dazu bewegen, lediglich wichtige Funktionen, wie z.B. email, banking, …, aufzurufen.

    Dies schafft Raum und Zeit für positive, reale zwischenmenschliche Beziehungen der Beschäftigung mit positiven Themenfeldern, die den inneren Menschen nach Jahren Internetkonsum wieder restrukturieren.

    • Liebe Regine, wie schön Sie hier zu haben.
      Ich mag es auch, mit den Medien zu spielen, mir ihre verschiedenen Strukturen anzusehen und zu schauen, was in ihnen möglich ist.
      Wir sind ja noch verhältnismäßig jung in dieser neuen Disziplin, so direkt in emulierten Umgebungen mit so vielen Menschen zu tun zu haben.
      Marktmacht ist da die eine Seite, die andere die Frage, mit welchen Mechanismen der Einzelne reagiert und wie er sich aktiv einbringt – automatisch oder bewusst.
      Ich finde den Manipulationsgedanken immer etwas problematisch, er beraubt mich meiner Fähigkeit, mein Denken soweit selbst zu gestalten, wie mir das möglich ist, und ich habe festgestellt, dass das in sehr viel größerem Umfang möglich ist, als ich mit Zwanzig mal dachte, gleichzeitig aber auch in sehr viel kleinerem.
      Was machen die Internetmedien mit uns? … das ist die eine Frage. Die noch interessantere (zumindest in meinen Augen): Was machen wir in ihnen?
      Es ist ein kognitiver Ausstieg, ein Sich-Erarbeiten von höheren Freiheitsgraden möglich, und das finde ich das Spannende an unserer Zeit.
      Wie geht man dabei mit seinen eigenen Werten und Weltvorstellungen um? Wie bringt man sie ein?
      Und ja, den Internetkonsum in Grenzen zu halten und auch mal zu walden, ist sicher eine gute Idee.
      LG – Gitta

      • Liebe Gitta, vielen Dank für die freundliche Begrüßung.

        Was machen wir mit den Internetmedien? Haben wir einen Einfluss auf die Internetmedien oder sind wir lediglich Konsumenten, die die Möglichkeiten der Einflussnahme überbewerten?

        Ist die Idee hinter dem Versuch einer Einflussnahme vielleicht nur der Versuch, etwas Positives zu bewirken und die wiederkehrende Erkenntnis, dass sich nichts ändert, immer wieder frustrierend und destrukturierend? Kann das „System“ überhaupt verändert werden. Desintegrieren Personen nicht vielleicht vollständig bei dem Versuch, das System zu verändern? Das System zu akzeptieren bedeutet vielleicht auf der einen Seite eine Art Aufgabe, auf der anderen Seite eine Art Neustart. Der Versuch, das System der profitorientierten Internetmedien zu beeinflussen, folgt eventuell dem Motto: „who fails to plan, plans to fail“?

        VlG, Regine

      • Liebe Regine,

        was verstehen Sie unter „dem System“?
        Sind wir darin aktiv eingewickelt?

        LG – Gitta

      • Hallo liebe Regine, ich schließen mich den Fragen von Gitta an. Der zweiten würde ich noch hinzufügen wollen: sie schreiben: „… dass Menschen sich selbst in ein System hinein begeben, welches „Im Gleichschritt Marsch“ bedeutet und hier alles akzeptieren…“ – kann man sich in ein System hineinbegeben – ist man nicht vielmehr selbst Teil davon?

        Was meinen Sie mit „aufgezwungenen Ideologien“ ? Betrachten Sie die technologischen Entwicklungen wie die Internetmedien etc. als aufgezwungene Ideologie“ ? Wenn ja, wer oder was „übt“ dann diesen Zwang aus?

  28. Liebe Gitta,
    ich möchte mal meine Auffassung von Weltanschauung und Ideologie mit Deiner abgleichen.

    Welt-Anschauung ist für mich eine conditio humana. Ebenso auch Ideologie, wenn ich darunter den (angstgetrieben) Impuls verstehe, sich von Anderen abzugrenzen. So haben wohl die ersten als Horde umherziehenden Hominiden sich (notwendig) von den Horden abgegrenzt, denen sie unterwegs begegneten, und sie als „fremd“ markiert.

    Diese (unvermeidliche) Abgrenzung kann nun unter bestimmten Umständen (die auch bewusst verstärkt werde können) als faschistoider Impuls soweit gesteigert werden, dass man alles Fremdartige gnaden-los vernichten will. Bezeichnenderweise kommt das Wort „gnadenlos“ in den Reden Hitlers (auch in „Mein Kampf“) gehäuft vor, immer auch stimmlich besonders betont: GNA – DEN – LOS. Mir kommt auch immer das Bild von Skinhead-Horden, die mit kalter (!) Wut auf alles Schwächere einprügeln. Im Gegensatz zu Peter (siehe oben) sind für mich die fasces, die Rutenbündel, die ja mit dem dazugehörigen Beil die Macht zu töten symbolisierten, genau das richtige Zeichen dafür.

    Nun unterscheidest Du Weltanschauung und Ideologie als zwei Pole auf einer Skala. Du sprichst von einem „Übergang von Weltanschauung zu Ideologie“. Gibt es für Dich also ideologiefreie Weltanschauung? Ich könnte das insofern nicht nachvollziehen, als für mich ja Weltanschauung und Ideologie nicht prinzipiell getrennt werden können. Ideologiefreie Welt-Anschauung kann ich dann letztlich nicht anders als einen PROZESS beobachten, und zwar als den bewussten Versuch, das Sich-Abgrenzen offen zu halten – getreu Heinz von Foersters Maxime, stets so zu beobachten, dass möglichst viele Anschlussmöglichkeiten entstehen. Würdest Du das auch so sehen?

    • Guten Morgen, lieber Franz,
      das alles wird noch deutlicher, wenn der zweite Teil (und vielleicht ein dritter, das hängt von der Gesamtlänge nach den Endkorrekturen ab) erscheint. Aber, Dimensionen muss man eh viel räumlicher begreifen als nur über „Pole einer Skala“. Ich hatte geschrieben, dass es keinen nahtlosen Übergang von der Weltanschauung in die Ideologie gibt, keinen Einschnitt, der kenntlich werden lässt „Achtung: Hier beginnt die Ideologie, bitte vorsichtig mit Ihren Mitmenschen umgehen!“ Auch werte ich die Ideologie nicht grundsätzlich ab. Ich packe sie nur nicht mehr in so einfach erkennbare Schubladen, sondern erlaube denke ich mit meinem Vorschlag eine tiefere Reflexion, die sich nicht nur mit dem zufrieden gibt, was man leicht sortieren kann – darin liegt ja, wie Du mit Deiner nochmaligen Hervorhebung des Abgrenzungswillens gezeigt hast, einer der Hunde begraben.

      Der Übergang ist fließend, und es hängt auch von der Situation, Umgebung, Umgebungsstruktur ab. Von der Masse umgeben zu sein spielt eine Rolle dabei, aber eben auch die Fähigkeit, höhere Komplexitäten zu verarbeiten und kontingenzbewusst(er) zu sein.

      Ein amüsantes (oder nicht, das kommt drauf an, wie viel Humor man hat) Beispiel habe ich in den Kommentaren genannt: Wenn ein Veganer privat sehr umgänglich ist und nicht das geringste Interesse dazu sichtbar werden lässt, andere gleichzuschalten, derselbe Mensch aber in den Strukturen von Facebook zum Erzieher wird und in seiner Rhetorik bereits im Geiste den Mob ruft, um den Unmoralischen an den Pranger zu stellen, der die ganze liebe Welt mit seiner Steakesserei bedroht.
      Gibt es Weltanschauung ohne Ideologie? Ja, wenn der Impuls zur Gleichschaltung fehlt. Das ist das zentrale Unterscheidungsmerkmal in meinem Modell und mein Vorschlag zur persönlichen Betrachtung. Bei manchen, den Skinheads zum Beispiel, die Du genannt hast, kann man die Ideologie und den faschistoiden Impuls deutlich erkennen und würde sie vermutlich in der Dimension ziemlich weit „rechts“ einsortieren. Damit da aber kein Platz für Verwechslung ist, kann man die Dimension auch vertikal betrachten oder diagonal oder als Schlängellinie. Man bleibt mit seinem Ideologiebegriff an einem brutalen Punkt, an dem keine weiteren Fragen mehr gestellt werden können (oder dürfen 😉 ) hängen, wenn man die persönliche Frage nicht stellt. Das ist der Punkt, an dem angeblich alle Antworten gegeben werden und an dem das persönlich aktive Moment fehlt, an dem sich Individuum und Gesellschaft treffen – zwei Begriffe, die man eh nicht voneinander trennen kann. Das ist auch der Punkt, an dem die Frage nach Verantwortung und (kognitiver) Freiheit des Individuums gestellt werden kann. Diese persönliche Frage kann man mit der Frage nach der Funktion der Ideologie für beide, Individuum und Gesellschaft, beantworten bzw. weiter aufschließen.
      Ich sehe zu, dass ich die Korrekturen zum zweiten Teil schnell fertig bekomme. Ich lasse meine Arbeiten gern eine oder zwei Wochen im Kühlschrank, damit sie noch einmal Zeit haben, ihre Schwächen zu zeigen. Da kommen dann weitere Begriffe ins Spiel, die Dir weitere Möglichkeiten bieten, Deine eigenen Vorstellungen querzulegen und zu diskutieren.
      LG – Gitta

      • Lieber Franz, liebe Gitta, ich habe eine Frage zu einem meiner eigenen Sätze und sie passt hier:
        „Ich bewege mich in Welt so, dass meine Weltanschauung möglichst bestätigt wird“
        Ist der Wille zur bzw. die Frage nach Bestätigung bereits Ausdruck oder zeigt die Tendenz in Richtung Ideologie? Ich meine das dimensional betrachtet, nicht punktuell.
        In Bezug auf Deinen Text Franz – würde ich sagen: Solange meine Weltanschauung meine bleibt und nicht versuche den anderen zu belehren – ist da ein ideologiefreier Raum.

      • Ich habe keine Ahnung, liebe Kathleen, wie ich diese Frage für alle beantworten sollte.
        Ich kann nur in mir selbst nachverfolgen, wie weit mein Bedürfnis danach geht, Bestätigung für das zu finden, was ich mitteile und woran ich mich orientiere und dann nach dem Motiv zu tasten, andere gleichzuschalten: Ist da eine Tendenz zu einer manipulativen Rhetorik? Eine Pression, die man als Zwingen interpretieren kann? Vor allem aber: Kann ich damit ganz allein mit mir zufrieden sein oder nicht? Wie gehe ich mit dem Anders-Möglichen um? Das zu erkennen, verlangt sicherlich einige Bereitschaft dazu, den eigenen Regungen nachzuspüren. Wie sieht es mit der „Masse im eigenen Kopf“ aus? Mit den inneren Dialogen, Konflikten, Streits? Wie geht man mit Unsicherheiten um? Mit Unbestimmten?

      • Liebe Gitta, das klingt spannend.
        Ich weiß noch nicht, ob ich den zweiten Teil kommentieren können werde, weil ich ja nächste und vielleicht auch übernächste Woche erstmal „weg vom Fenster“ sein werde.

      • Danke Gitta, sicher wäre es wünschenswert, wenn nur 1% von „Alle“ deine Antwort für sich als hilfreich empfinden würden…
        Mir sagt sie, dass ich nur, wenn ich bei mir selbst nach den Impulsen schaue, die mich bewegen und handeln (sagen/sprechen) lassen erkennen kann, wann ich meine Weltanschauung zur Ideologisierung/ Bekehrung anderer nutze – mit der „Alleinstellung“ und des „anderes ist auch möglich“ nicht klar komme.

      • Gehe völlig d’accord damit, was die Unterscheidung zwischen Weltanschauung und Ideologie angeht.
        „Der Übergang ist fließend, und es hängt auch von der Situation, Umgebung, Umgebungsstruktur ab.“

        Jedoch nicht auf Basis dieser Definition,

        „Ideologien sind die Weltanschauungen, deren Funktion die Gleichschaltung und deren Leistung die Beruhigung von Sicherheitsängsten ist.“

        die mir zu einseitig- vorab- interpretiert erscheint.

        Als Anregung:

        Eine Ideologie entspringt in der Regel einem Mangel und einem Unbehagen und trägt im Krn bereits einen expansiven Drang zur Veränderung eines nicht akzeptablen Ist-Zustandes in sich, worauf sich die Soll-Ist-Differenz gründet und daraus auch weiter entfaltet. Dies allerdings unter -vom Ansatz her- irrealen Vorstellungen, dysfunktional im weiteren Duktus und auf dieser Basis dann letztlich auch kontraproduktiv, sprich den eigenen propapierten utopischen Werten zuwiderlaufend. (vgl. Luhmann GdG, S. 887 f, Stichwort „Interpretationsexperten“, die es ja hochelaboriert und fähig auch zur Selbstreferenz gibt)

        Eine Weltanschauung , die ja durchaus wohlgefällig -mit sich und der Welt im Reinen in sich ruhen kann, kann, aber muß keineswegs vom pädagogischen Impetus eines unabdingbaren Veränderungswillens und Zielorientierung „angekränkelt“ sein.
        Wie z.B. hier:

        Lynkeus der Türmer

        Zum Sehen geboren,
        Zum Schauen bestellt,
        Dem Turme geschworen,
        Gefällt mir die Welt.
        Ich blick in die Feme,
        Ich seh in der Näh
        Den Mond und die Sterne,
        Den Wald und das Reh.
        So seh ich in allen
        Die ewige Zier,
        Und wie mirs gefallen,
        Gefall ich auch mir.
        Ihr glücklichen Augen,
        Was je ihr gesehn,
        Es sei wie es wolle,
        Es war doch so schön!

      • Moin! ? Man kann solche Modelle aus meinem Vorschlag ableiten. Ich würde mich allerdings in einem Erstversuch zur Betrachtung der Funktion nie so weit vorwagen und so kompliziert denken. Schon allein die Begriffe „irreal“, „Utopie“ und „dysfunktional im weiteren Duktus“ verlangen weit reichende Erklärungen. Wer so in das Thema einsteigt, muss erst einmal sehr weit ausholen, um sich halbwegs auf sicherem Begriffsboden zu bewegen. Ich gehe deshalb sehr viel weiter zurück und schaffe mir so den Raum, den ich für das Thema benötige. Außerdem liegt durch das „dysfunktional im weiteren Duktus“ bereits das Problem vor, die fließenden Übergänge gleich durch wessen Vorausschau (?) wieder zu groben Schaltern zu degenerieren. Da hat man das Ideologieproblem mit etwas Pech wieder im System. Es ist auch bei meiner Vorgehensweise nicht raus, aber ich kann immerhin immer wieder auf die Frage verweisen, wer der Meister ist, der das Gras grün macht.
        Regel Nummer 1 im Referenzdenken: Weniger ist mehr.
        Regel Nummer 2: Immer an die Basis.
        LG – G

    • „Weltanschauung und Ideologie“ stehen in einem ähnlichen Verhältnis zueinander wie „Wissenschaft und Glaube“. Auch wissenschaftliche Theorien können in trivialisierter Form zu polarisierenden Glaubensdogmen werden.

      Beispiel Gendertheorie
      Wissenschaft: Das biologische Geschlecht, ob Mann oder Frau (Sex), bestimmt bloß einen (kleinen) Teil des gesellschaftlichen Geschlechts (Gender), da die Geschlechterrollen (z.B. Präferenzen bei bestimmten Schulfächern und Berufen) je nach historischen und kulturellen Kontext überaus unterschiedlich sind.
      Glaube: Dass Mann und Frau gleich seien und alles, was Gender betrifft, allein gesellschaftlich bestimmt sei und weder die Biologie noch der („freie“) Wille mitbestimmten, wie sich die/der Einzelne verhält und welche gesellschaftliche Rolle er einnimmt.
      Über diesen „Genderismus“ als Ideologie (AfD: „Gender-Wahn“) – der mit sprachlichen Empfindlichkeiten und Begriffen wie „Quotenzwang, Abschaffung der Geschlechter, Verunglimpfung der Familie, Aushöhlung des Erziehungsrechts der Eltern, Frühsexualisierung, Abtreibung“ verbunden ist – ließe sich wissenschaftlich streiten, ohne vom Grundsatz der Gleichberechtigung aller Geschlechter abrücken zu müssen.

      • Hallo Michael, eine Frage: Bist Du mit Peter verwandt? Klingt so.

        Ich verstehe außerdem nicht, was Verhältnismäßigkeit und Polarisierung im Kontext zur dimensionalen Betrachtung – sprich fließenden Übergängen zwischen Ideologie und Weltanschauung zu tun hat.

      • Peter hat sich mir nicht vorgestellt. Ich hatte mal einen Onkel, der Peter hieß, und habe einen lebenden Neffen, der Peter heißt.

        Inwiefern klingt was wie? Ich bin nicht Peter. Das ist leicht zu erkennen: Ich würde niemals Gitta anpflaumen, selbst wenn ich anderer Meinung wäre als sie.

        Verhältnismäßigkeit und Polarisierung im Kontext zur dimensionalen Betrachtung – sprich fließenden Übergängen – zwischen Ideologie und Weltanschauung können je nach Kontext, Inhalt und Strategie desjenigen, der spricht, verschieden sein. Meist verhält es sich so: Je vereinfachter, desto falscher/gefährlicher/verdummender.

    • @ Gitta, Kathleen
      Vielleicht hätte ich oben statt von „Ideologie“ besser von „Mythos“ gesprochen (in dem Sinn, wie ich oben in meiner Antwort an Peter Mythos definiert hatte). Ideologie wäre dann auch ein Mythos, aber ein zum Kampf gegen Andere aufstachelnder Mythos mit dem „Impuls zur Gleichschaltung.“ Einverstanden?

      • Ich finde das eine zu harte Abgrenzung des Begriffs. „Zum Kampf gegen andere aufstacheln“ – das kann, muss aber nicht passieren.

      • Der Begriff „Ideologie“ impliziert Konnotationen wie „Commitment“, „Credo“, „Engagement“, „Konfession“, „Bekenntnis“, „Überzeugung“.

      • @Franz – Mythos – der Mythos wird auch als Begriff verwendet für eine kollektive und irrationale Vorstellung, der man kaum Glauben schenkt. Mir scheint es eher so, das der Glaube an die Ideologie weitaus größeren Einfluss auf das System hat als es ein Mythos tut. Zumal man der jeweilige Ideologie, die man vertritt auch Glauben schenkt – sprich man glaubt selbst, was man da (hier-Blog) sagt.
        Man sieht es im Blog sehr schön. Das was Ideologie ausmacht ist u.a. andere davon zu überzeugen, dass das was ich denke und sage, so richtig ist. Grundlage dafür bildet der Glaube daran, dass es tatsächlich so ist.
        Der Unterschied zum Mythos ist, dass man dem „kaum Glauben“ schenkt. Deine Frage beantwortend würde ich dafür plädieren, bei Ideologie zu bleiben.

      • Beim Begriff „Mythos“ schwingt in der heutigen (Bild-)Zeitungssprache so etwas wie Glamour, Bewunderung, Anbetung mit: Mythos Marylin Monroe, Mythos Elvis Presley, Mythos Hitler … – vielleicht durchaus in Richtung Lüge, Betrug, Götterdämmerung.

  29. Eine Ideologie, die den Menschen aufgezwungen wurde, ist z.B. die Kulturrevolution mit ihren Exzessen.

    Mit System meine ich einmal „das System“ und einmal „ein System“.

    „Das System“ ist die Welt, die Realität mit ihren Machtverhältnissen, ihrem Zerstörungspotential hinsichtlich der Menschen, der Umwelt, usw.. Der Versuch, dieses System zu verändern ist „plan to fail“.

    „Ein System“ ist z.B. das Internet mit seiner Fülle an destrukturierenden negativen und vielen falschen Informationen, die keinerlei Bezug zum eigenen Leben besitzen. Jedoch müssen Menschen Informationen verstehen und bewerten, um diese speichern zu können, ansonsten bleiben diese Information als ein ständiger Unruheherd im Unterbewusstsein.
    Dies überfordert jede Person, da jetzt jede Person gezwungen ist, sich eine eigene Meinung über alle Geschehnisse der Erde zu bilden. Die Fülle der negativen Informationen führt zur Desintegration von Menschen dergestalt, dass deren Empathie verloren geht, aus dem Grund, da die Empathie ansonsten pausenlos um Opfer aus Krieg, Katastrophen oder Unfällen trauern würde. Dies bedeutet jedoch den Verlust an Empathie.

    In Zeiten ohne Internet und Fernsehen haben sich Menschen mit ihrem Leben beschäftigt, ihrer Familie, ihren Kindern, ihrer Arbeit, den Kollegen, ihren Freunden.
    Die Urvölker sind die zufriedensten Menschen, da sie sich über ihr eigene Lebenserhaltung hinaus, nicht mit den Problemen anderer Menschen befassen.

    Jeder Mensch hat seine eigenen Aufgaben (Familie und Kinder, Arbeit, …), weshalb also über die Probleme anderer Menschen nachdenken, die vielleicht sogar auf anderen Kontinenten in anderen Kulturen leben.

    Eine Ausnahme macht die Nächstenliebe, die hilfsbedürftigen Menschen dient, wo sich Menschen für Menschen einsetzen, z.B. für Obdachlose oder für andere soziale Aufgaben engagieren.

  30. Guten Tag und ein frohes Neues! Ist ja noch der 6.1., bis dahin war in unserer Familie sogar noch Weihnachten.

    Ich finde die Erläuterungen zur Begrifflichkeit Ideologie auf psychologische und soziologische Aspekte unbefriedigend. Du sagst, dass der Wille zur Macht den Impuls dazu gibt und unterstellst m.E. damit, das dieser Wille bewusst ist. In mir bekomme ich jedoch eine kräftigere Übereinstimmung in Richtung Unbewusstem, die zum ersten auf die Begriffskonstruktion „mit gutem Gewissen“ (aus einem Buch von Hellinger: ich assoziiere damit blinde oder taube Überzeugung) basiert und zum Zweiten aus meiner Erfahrung, dass ich ausgesetz einer stärkeren Frequenz, dieser nicht entfliehen kann (weiss eigentlich fast jedes Ehepaar). Nur weil es unbewusst geschieht, heisst das nicht, dass der Mensch vollkommen unverantwortlich für sein Handeln ist, dass in richtige Relation zu packen, ist Sache der Involvierten. Beim Fischeschwarmphänomen ist man diesem auf der Spur, allerdings sagt man, dass 5% den Richtungswechsel ausmachen, weiss aber noch nicht wieso. Zum Thema Schwingungswellen durch die Lüfte und wer/ wer nicht darauf anspricht sollte mehr gesprochen werden. Wieso ist in Italien die Minderheitenregierung kein Problem und hier (klammert man AFD aus) schon, genauso der Parteizwang. Hat die Richtung einer Masse zu allererst mit den Frequenzen zutun? Was sind das für Frequenzen? Das Verhalten von Tieren erklären wir uns häufig durch psychologische uns soziale Aspekte, aber ist das der Kern?

    • Willkommen, liebe Sandra. Schön, Dich hier zu sehen.
      Gleich ziemlich weit vorn schreibe ich zu Weltanschauung: „Diese Modelle können bewusst oder unbewusst sein – ja, viele müssen sogar automatisiert ablaufen, sonst kämen wir zu gar nichts …“ und etwas weiter unten: „Ideologien sind die Weltanschauungen, …“
      Herzlich
      Gitta

      • Hallo, liebe Gitta!
        Aber woher weißt Du, dass die Modelle der Weltanschauungen oder die Ideologieausdrucksformen bewusst ablaufen? Hättest Du da ein Beispiel aus der Geschichte?
        Bewusst bedeutet für mich nicht nur mind 2 unterschiedlich zur Verfügung stehende Wege zu erkennen, sondern auch sich sowohl für den einen als auch für den anderen entscheiden zu können (im Fall von Wille zur Macht: Macht oder Kontrolle über meinen Willen zur Macht).

      • Mir ist nicht ganz klar, was Du von mir wissen möchtest, Sandra.
        Hier noch einmal:
        „Unter Weltanschauung fasse ich all diejenigen Modelle, die der Mensch zur Orientierung in Welt konstruiert und verwendet und welche die Grundlage seiner Weltkonstruktions(prozesse) bilden.
        Welt begreife ich als System und Umwelt.“
        Dann habe ich geschrieben: „Diese Modelle können bewusst oder unbewusst …“
        Das „Oder“ ist ein einschließliches Oder.
        Auch hier kann es schwierig werden mit der einfachen Zuordnung.
        Von einem „bewussten Ablaufen von Ideologieausdrucksformen“ habe ich nicht gesprochen, mir ist auch nicht klar, was Du damit meinst.
        Ich habe mich allerdings auch nach Deinem Bewusstheitsbegriff für das konstruktivistische und das systemische Weltbild entschieden.
        Deinen Begriff von „Willen zur Macht“ teile ich nicht.
        LG – G

  31. „@Sandra 6. Januar 2018: Nur weil es unbewusst geschieht, heisst das nicht, dass der Mensch vollkommen unverantwortlich für sein Handeln ist, dass in richtige Relation zu packen, ist Sache der Involvierten.“

    Jeder Mensch ist für sein Handeln voll umfänglich alleine verantwortlich. Es gibt keine Ausrede und keine Entschuldigung. Jeder weiß, was richtig und falsch ist, weil jeder weiß, wie er behandelt werden möchte und wie nicht, dergestalt, mit Respekt und Empathie, in Liebe.

    Die Rechtfertigung ist das Gegenbild. Eigene Fehler, Sünden bzw. Schuld wird ausgeblendet, gerechtfertigt vor sich, Selbstbetrug. Alles, was man anderen getan hat, war nicht falsch, auch wenn man weiß, dass es weder dem Respekt noch der Nächstenliebe entsprach.

    Die Rechtfertigung ist der Geist, der Menschen von Gott trennt. Wer seine Sünden rechtfertigt, weist Wiedergutmachung zurück. Die Opfer erhalten noch nicht einmal eine Entschuldigung und werden dem Unrecht weiter ausgesetzt.

    Jedoch, der Sünde Sold ist der Tod.

    Es ist der Anfang vom Ende. Ist dieser Weg erst einmal eingeschlagen, führt er weg von unserem Schöpfer und Heiland, der alle Menschen aufruft, sich zu bekehren, zu Gott zurückzukehren, in die Liebe Gottes und unseres Heilands Jesus Christus, in die Nächstenliebe, um gerettet zu werden, das Heil der Seelen, am Ende der Zeit. Die Erkenntnis eigener Fehler der Anfang der Umkehr. Sorry bei allen, die man verletzt hat.

    In einem Augenblick kann sich alles ändern. Man weiß nicht, ob man vielleicht nie wieder die Möglichkeit hat, dieses zu machen.

    • Liebe Regine, lies doch bitte bitte den Leitartikel zu diesem Thread!
      Der Titel lautet: „Im Gleichschritt Marsch – die Funktion der Ideologie“
      Die Funktion ist die Gleichschaltung, dein gottestriefender Kommentar hat wenig mit dem Thema zu tun. Es sei denn Du wolltest die Funktion der Gleichschaltung an einem Beispiel zeigen.

      Wenn Du dir nicht sicher bist, worum es in diesem Blog geht – Deine Kommentare lassen das vermuten – bitte lies auch ganz oben rechts in der Leiste „über den Blog“. (ich füge es ein)
      s y s t e m z e i t
      Jazz is Freedom,
      You think about that.

      – Thelonious Monk

      Systemtheorie und Systemik sind kontinuierliche Wiederneuerfindung.

      Das sich aus sich selbst heraus über den re-entry konstituierende System ist niemals das System, von dem ausgegangen wurde. So muss sich auch die Systemtheorie grundsätzlich auf sich selbst beziehen, die Resultate ihrer Beobachtungen/Analysen in sich einführen und sich so immer wieder neu hervorbringen.

      Systemforschung ist Innovationsforschung.

      Let’s Jazz.

      Der Blog wird sorgfältig moderiert.

      • Liebe Kathleen,

        meine Aussagen betreffen stets das Thema der Ideologie. Die Aussage „Nur weil es unbewusst geschieht, heisst das nicht, dass der Mensch vollkommen unverantwortlich für sein Handeln ist, …“ ist absolut formuliert und kann deshalb auch so kommentiert werden.

        Die Funktion der Ideologie ist die Gleichschaltung, meine Zustimmung, bedeutet jedoch immer eine Manipulation von Menschen dergestalt, dass diese anderen Personen zu deren Nutzen und eigenem Schaden dienen sollen.

        Deine Aussage „Es sei denn Du wolltest die Funktion der Gleichschaltung an einem Beispiel zeigen.“ ist unverständlich, da Christen die einzigen Menschen sind, die bewiesen haben, dass sie trotz Unterdrückung nie den Ideologien der Ideologen gefolgt sind. Christen haben sich immer gegen alle Ideologien gewehrt, wie in China, der ehemaligen UdSSR und allen kommunistischen Ländern, der ehemaligen DDR und den Ländern des Halbmonds, in denen sie zu allen Zeiten zur Not in privaten Häusern ihrem Glauben und der Nächstenliebe gedient haben.

        Dies resultiert aus dem Glauben, dass selbst die Hinrichtung durch die Machthaber, die Rückkehr zu ihrem Schöpfer bedeutet und die Christen damit noch nicht einmal durch diese Drohung manipulierbar sind. Auch sehe ich im Gebot der Nächstenliebe keine Ideologie und keine Gleichschaltung. Die Nächstenliebe von z.B. Mutter Teresa, die alle Tage ihres Leben Gott gegeben hat, im Dienst an den Armen, zeigt, dass Deine Aussage
        „Es sei denn Du wolltest die Funktion der Gleichschaltung an einem Beispiel zeigen.“
        jegliche Basis fehlt.

      • @ Regine, da stimme ich Dir zu, dass Deine Aussagen stets die Ideologie betreffen.
        Systeme sind nicht manipulierbar, höchstens orientierbar.
        Im Gegensatz zu absoluten Formulierungen und Kommentierungen steht das die Dinge nicht feststehend sind, sondern zu dem gemacht werden und dann als solche kommuniziert und vertreten werden.
        Der Übergang von Weltanschauung zur Ideologie (im Artikel zu lesen) ist ein fließender. Die Aussagen zum Christentum und deren Umgang mit Ideologie lassen jedoch vermuten, dass sie für dich „feststehend“ sind und die vehemente Vertretung des Glaubens -> ideologisiert ist.

        Ich glaube, es wäre für einige hier eine gute Idee, sich an religiös oder esoterisch orientierten Blogs zu beteiligen statt an einem die Systemtheorie und deren Forschung daran betreffend !

    • @ Regine
      „Jeder Mensch ist für sein Handeln voll umfänglich alleine verantwortlich. Es gibt keine Ausrede und keine Entschuldigung. Jeder weiß, was richtig und falsch ist, weil jeder weiß, wie er behandelt werden möchte und wie nicht, dergestalt, mit Respekt und Empathie, in Liebe.“

      in der Tat „JEDER“?
      und dann auch noch „voll umfänglich alleine“ ?
      ver ant wort lich?

      Sorry, Signora bzw. Ma Dame, Sie wagen wohl zu scherzen?

      • Wer sollte ansonsten für das eigene Handeln verantwortlich sein, wenn nicht man selbst? Der Mensch handelt aus freiem Willen heraus und kann sich in jedem Augenblick immer für verschiedene Optionen seines weiteren Fortschreitens entscheiden. Die Ablehung eigener Verantwortung dient dem Selbstbetrug, unangemessenes Handeln nicht ständig als falsch vor seinem Gewissen verantworten zu wollen.

      • @ Regine
        Wollen Sie in der Tat wissen, was mich an Ihrer Argumentation des „freien Willens“ stört?
        Sie gehen mit einer Selbstverständlichkeit -um nicht zu sagen mit einer überheblich ausgrenzenden Arroganz- generalisierend (!) von einer Definition aus, die in meinen Augen unverantwortlich ist.
        „Der Mensch handelt aus freiem Willen heraus und kann sich in jedem Augenblick immer für verschiedene Optionen seines weiteren Fortschreitens entscheiden.“
        Wirklich?
        Wen grenzen Sie denn -alleine schon durch die Wahl Ihrer Formulierung als „Menschen“ aus?
        Wie sieht es denn mit hilfsbedürftigen Menschen aus, deren „freier Wille“ und deren Optionen zum eigenverantwortlichen Handeln äußerst eingeschränkt sein kann, von
        Säuglingen, Kleinkindern angefangen bis hin zu – in ihrem eigenverantwortlichen Handeln- schwerstbehinderten Menschen, Menschen in Demenz bzw. im Wachkoma ?
        Zum eigehenderen Verständnis
        Ich unterstelle Ihnen hiermit nichts Übles und ich unterstelle Ihnen auch nicht, daß
        ich Sie nicht bereit seien zur angemessenen Verantwortungsübernahme.

        Dennoch erachte ich Sie auch voll verantwortlich für Ihre Äußerungen, die sich gerade aufgrund der -vermutlich nicht durchdachten – Generalisierungen in die Richtung eines totalitär anmutenden Fahrwassers bewegen.

        Bemerken Sie, an welcher höchst gefährlichen ideologischen Grenze zum „unwerten Leben“ Sie argumentieren, und dies einzig und alleine durch ungeschickte Formulierungen? Ich denke nicht, daß Sie in eine solche Richtung abgedrängt werden wollen.

        Ergo?
        Nichts für ungut.
        Dieser Blog ist lediglich ein Tainingscamp

      • Es kann schon helfen, wenn man erst einmal mein Modell gründlich liest und darüber auch nachdenkt.
        „Trainingscamp“. Ja, hier kann man die Mechanismen wirken sehen, die ich beschreibe.

      • Es ist ein sehr schmaler Grat zwischen dem inhaltlich/ sachlich und themenbezogenen Mitteilen und dem wo man selbst seine eigenen Überzeugungen versucht dem anderen überzustülpen oder ihn zu überzeugen. Ich pack mir mal an die eigene Nase – wenn ich mir den Gesprächsverlauf mit Regine ansehe – habe ich selbst mit Ausgrenzung und Abwertung reagiert (Slit?).

      • Es ist schon bemerkenswert, wie wenig Einfluss ein Themenvorschlag auf das, was danach passiert, haben kann 😉 …

    • Hallo, liebe Regine!

      „Jeder weiß, was richtig und falsch ist, weil jeder weiß, wie er behandelt werden möchte und wie nicht, dergestalt, mit Respekt und Empathie, in Liebe…..“

      Das sind Gedanken, die ich auch schon hatte und mich zieht es nicht zur Gemeinschaft der Christen. Aber das Leben erfüllt diese Gedanken nicht immer. In der Praxis also, gibt es Leute die weiter mit gutem Gewissen oder im guten Glauben handeln. Eine Chance sich zu verändern besteht m.E. nur darin, wenn ich mit anderen Frequenzen in Berührung komme – sprich eine andere Sicht erhalte, ungeachtet der Religion. Und es ist nur eine Chance. Ich denke, um mir die Illusion zu nehmen, selbst auf dem Totenbett muss ich damit rechnen, dass Leute einschließlich mir, nicht zu einer anderen Einsicht kommen werden.

      • Mit anderen Frequenzen in Berührung zu kommen, ist vielleicht die einzige Hoffnung, um auf dem Totenbett doch noch zur Einsicht zu kommen, sich also wieder vom Totenbett zu erheben und ins Leben zurückzukehren. Man sollte Kontakte zu Menschen, die negative Frequenzen, also desintegrierende Frequenzen auf einen ausüben, konsequent beenden und nur Kontakte zu Personen aufrechterhalten, die positive Frequenzen auf einen ausüben.

        Jedoch, wer im Totenbett liegt, für den besteht nur die Hoffnung, doch noch einmal zur Einsicht zu kommen; soll heißen, das Leben zu wählen, also sich zu entscheiden, wieder aufzustehen, das Geschenk des Lebens anzunehmen; bedeutet jedoch, dass dies ohne Hilfe schwer möglich ist, da im Totenbett bereits das Bewußtsein minimiert ist.

        Daher ist der Ansatz, mit anderen Frequenzen in Berührung zu kommen, auch meine Vorstellung, wie dies gelingen kann.

        Die beste Frequenz, die ein Mensch haben kann, ist jedoch die Frequenz zu seinem barmherzigen, allmächtigen Schöpfer, der das Leben geschenkt hat, niemanden auf dem Totenbett sehen möchte, sondern alle Menschen im Leben.

        Deshalb ist die Gemeinschaft mit wahren Christen, also keinen Namenschristen, restrukturierend und positiv für alle Menschen, da diese Christen Frequenzen der Empathie und Nächstenliebe besitzen.

      • Nein, es weiß nicht jeder, was richtig und falsch ist! Denken in richtig und falsch ist eine sich selbst begrenzendes, damit wird Denken im mehrdimensionalen, mehrwertigen Bereich verhindert.

    • @ Liebe Gitta, entweder blick ich es nicht oder der Aufbau ist hier mind genauso schlimm wie in Facebook, denn hier stehen alle Kommentare hintereinander und wer Bezug auf wen nimmt geht für mich verloren. Ist Laptop angesagt? Wieso gibt es manchmal das Zeichen @, ich schreib es hier mal und schau was passiert.

      @ Liebe Regine, zur Gläubigen werde ich so schnell nicht, selbst wenn ich die Dringlichkeit mag, die ich aus deinen Kommentaren herauslese. Für mich von Bedeutung sind die Regeln aus der Bibel und teils rätselhaften Sprüche von Jesus, da sie auf mein Leben immer mehr in Bezug gehen. Mich interessiert daher persönlich und ich hoffe für solchen Austausch ist hier auch Platz, welche/r Grundsätz/e oder Regel aus der Bibel oder aus deiner Gemeinschaft oder von Gott ist/sind für dein tägliches Leben am wertvollsten?

      • @ Sandra: „Eine Chance sich zu verändern besteht m.E. nur darin, wenn ich mit anderen Frequenzen in Berührung komme – sprich eine andere Sicht erhalte“

        Liebe Sandra, alles, was in der Bibel unverständlich scheint, erklärt sich Dir, verstehst Du, wenn Du eine Frequenz zu Deinem Gott herstellst. Gott hat die Bibel als sein Wort schreiben lassen und wird Dir alles nach und nach verdeutlichen. Einfach in den Nachthimmel schauen, wo es kein Licht hat, die Unendlichkeit der Sterne sehen, in eine Kirche gehen oder etwas anderes machen. Auf jeden Fall zu Deinen barmherzigen und allmächtigen Schöpfer reden. Unser Gott ist die Quelle der Liebe, des Lebens. Das Leben ist das Licht der Menschen, es ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet; dann wirst Du die Liebe Christi, die Liebe Gottes, erkennen, die doch alle Erkenntnis übersteigt.

        Eine Empfehlung von mir ist, Shalom, Frieden und alles vermeiden oder beenden, was einen negativen, desintegrierenden Einfluss auf einen ausübt.

      • Liebe Sandra, WordPress gibt leider mit einigen Begrenzungen der Möglichkeiten Kommentare zu schreiben die Struktur vor.
        Wenn man die Strukturbegrenzung erkennt, kann man gegensteuern. Es liegt an uns, das hier übersichtlich zu halten.
        Ein @ ist sinnvoll, wenn man einen Zweig verlassen will, weil es einem dort zu unübersichtlich ist.
        Grundsätzlich ist es sinnvoller, hier vom PC aus zu schreiben, dann hat man größere Scroll-Flächen und somit auch eine bessere Übersicht.
        Auch kannst Du das @ oder die direkte Anrede verwenden, um zu kennzeichnen, worauf Du Dich beziehen möchtest.
        Zum Topic: Ich würde es grundsätzlich begrüßen, wenn die Blogger hier das Thema, das ich vorstelle, erst einmal ausschöpfen.
        LG – G

      • Keine der Blogs, an denen ich mich bislang beteiligt habe, sehen in ihrem modularen Aufbau größere formale Änderungen an Zeichensetzungen vor. In der Regel kann man noch nicht einmal mehr, die Schriftzeichen, geschweige denn die Absätze ändern. Das liegt eben an den vorgegebenen Fonts
        (nicht zu verwechseln mit Fonds)

        Und daß sich die Tastaturen auf den Macs von Apple grundsätzlich von denen unterscheiden, die unter MS-Windows laufen, dürfte auch den Meisten bekannt sein.

        Und was die bewegten Zeitalter mitsamt allen Gläubigen und Trittbrettfahrern im Zeitgeist angeht, bleibt nur zu sagen, wir befinden nun mal wieder in einer Zeitenwende, die am Verschachern von Votivgaben und Reliquien in den Tempelvorhallen christlicher Traditionen reichlich viel verdient. Gleichgültig wie man die spirituellen Wege nun ausschildern und bezeichnen mag.

        Bekanntermaßen zeigen die Reformierten besonderes Geschick darin, jetzt auch noch -wie im bzw. zum vergangenen Jahr- Luther im Playmobil-Format liefern zu lassen. Manchen Branchen und Berufszweigen steht eben mittlerweile das Wasser nicht nur bis zum Hals, sondern bis Oberkante Unterlippe.

        Angesichts solcher Geschmacklosigkeiten überlege ich mir zwar schon seit Jahren aus der evangelischen Kirche auszutreten. Ich werde es nicht tun, schlicht und einfach, um noch in diesem Jahr, dem Unionsjahr der protestantischen Kirche der Pfalz noch einen Fuß in der -doppelflügeligen- Tür zu haben.
        Anschließend überlege ich mir noch, ob ich es nicht meinen Vorfahren väterlicherseit nachtue, um aufgrund ihrer Ablehnung der Dogmen wieder zum Alt-Katholizismus überzutreten. Aber das ist noch offen.

        Eher und lieber bleibe ich beim Ausloten des Foucaultschen Pendels dann doch bei der Philosophie. Und -selbstredend- bei der Kunst.

  32. „Nun darf man gewiß sagen, daß die moderne Zivilisationswelt die Verdrängungstendenz, die im Leben selber wurzelt, vol Eifer und Übereifer gleichsam zu institutioneller Perfektion zu bringen versucht und deshalb die Erfahrung des Todes völlig an den Rand schiebt. Es ist ein erstaunliches Phänomen, daß sich gleichwohl gegen diese Tendenz ein beharrlicher Widerstand bildet. Nicht nur , daß die religiösen Bindungen, die in den Formen des Begräbnisses und des Totenkults fortleben, ja bei einem Todesfalle oft wieder aufleben. In anderen Kulturen, in denen die Gewalt der modernen Aufklärung sich erst so langsam durchsetzt, gilt das noch viel mehr, zumal das religiöse Herkommen hier viel reichere Formen ausgebildet hat. Aber in einem Zeitalter des sich ausbreitenden Masseatheismus werden auch von den Ungläubigen und in Wahrheit ganz Säkularisierten solche Kultformen aufrechterhalten. So, wenn es um die Feste des Lebens geht, um die christliche Taufe und die christliche Ehehschließung, und vollends, wenn es um die Feste des Sterbens geht, um das christliche Begräbnis und die Gedenkfeier.-Selbst in atheistischen Ländern ist das christliche oder anderes religiöses Brauchtum neben der mitunter politische nd weltlich aufgebauten Totenehrung zugelassen. Auch wenn das nur als eine Konzession auf Zeit gedacht sein sollte, spricht sich auch dann viel darin aus.-Erst recht gilt das von den säkularisierten Gesellschaften der sogenannten freien Welt. Überall bleibt gleichsam als die andere Seite der Wegdrängung des Todes die Scheu vor dem Mysterium des Todes im Lebensbewußtsein der Lebenden, der Schauder vor seiner Heiligkeit, das Unheimliche, das um das Verstummen waltet. das endgültige Scheiden eines, der eben noch am Leben war.“

    Hans-Georg Gadamer
    „Über die Verborgenheit der Gesundheit“
    S. 90
    ISBN 978-3-518-46163-1

    • @deaXmac: „Das endgültige Scheiden eines, der eben noch am Leben war.“

      lässt Herzen brechen, für den Rest des Lebens, wenn die große Liebe fort ist.

      Eine Gottesbeziehung, der Glaube an unseren barmherzigen, allmächtigen Schöpfer, unseren Vater und seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, ist die Hoffnung, die Hoffnung auf Rettung aus der Not, dass das endgültige Scheiden doch noch zu verhindern ist; zu seinem barmherzigen, allmächtigen Vater zu eilen und zu flehen.

      Jedoch gibt es unverbrüchlich ein Wiedersehen, wegen der Erlösung der Seelen, die Rückkehr zu unserem Gott, zum ewigen Leben.

      Nach Luther ist es der Glaube, der zum Leben führt (Sola Fide). Luther und die römisch katholische Kirche waren in dem Punkt einer Meinung, dass der Glaube, gemäß dem Evangelium, durch die Buße, die Umkehr zurück zu Gott, bezeugt wird.

      Die evangelisch reformatorische Confessio Augustana und die römisch katholische Confutatio Augustana (vorgelegt durch den Vizekanzler der Universität zu Ingolstadt, dem katholischen Theologen Johannes Eck) waren sich 1530 AD einig, dass die Buße bzw. Umkehr aus drei Teilen besteht.

      I.) Reue, das Bereuen der eigenen Sünden,
      II.) Der Glaube, dass die eigenen Sünden nur deshalb enthoben werden, weil sich unser Retter Jesus Christus, Gott selbst, für uns geopfert, für unsere Sünden sein Leben in den Tod hingegeben hat, aber sein Leben vom Vater zurückerhielt und auferstanden ist.
      III.) Die anschließende Taufe im Glauben, dass Jesus Christus Gottes Sohn, Gott selbst, ist. Der alte Mensch stirbt in der Taufe mit Jesus Christus und wird als neuer Mensch aus der Taufe wiedergeboren. Dergestalt, dass neue Aspekte in den Vordergrund treten, wie z.B. mit seinen Mitmenschen in Frieden zu leben und im Geist der Nächstenliebe zu handeln.

      Jesaja: Seine Herrschaft und Shalom wird kein Ende haben, den Tod wird er auf ewig verschwinden lassen, die Tränen wird Gott der HERR von jedem Antlitz abwischen.

  33. „Di·men·si·o̱n
    Substantiv [die]

    1.
    räumliche oder zeitliche Abmessungen einer Sache.
    „Die Explosion hat einen Krater von gewaltigen Dimensionen hinterlassen.“
    2.
    MathematikPhysik
    Länge, Breite oder Höhe von etwas.
    „Eine Fläche hat zwei, ein Körper hat drei Dimensionen.“
    3.
    gehoben
    das Ausmaß, die Intensität von etwas.
    „ein Unglück von verheerenden Dimensionen“

  34. Kathleen 17:20 „Die Aussagen zum Christentum und deren Umgang mit Ideologie lassen jedoch vermuten, dass sie für dich „feststehend“ sind und die vehemente Vertretung des Glaubens -> ideologisiert ist. Ich glaube, es wäre für einige hier eine gute Idee, sich an religiös oder esoterisch orientierten Blogs zu beteiligen statt an einem die Systemtheorie und deren Forschung daran betreffend !“

    Zu allen Zeiten wurden und werden auch heute, sobald die Argumente ausgehen, Falschbehauptungen aufgestellt, von deren Basis aus dann weiter argumentiert wird:

    Kathleen 12:19 „dein gottestriefender Kommentar hat wenig mit dem Thema zu tun. Es sei denn Du wolltest die Funktion der Gleichschaltung an einem Beispiel zeigen. “

    Deine Behauptung, Christen wären ideologisiert, gleichgeschaltet, wurde soeben mit keinem einzigen Argument belegt. Du löst Dich vollkommen von meiner Argumentation, da keinerlei Ideen mehr existieren. Keines meiner Argumente über Christen, die zu allen Zeiten bewiesen haben, dass sie eben keine Ideologie vertreten und sich auch in keine integrieren lassen, wurde widersprochen. Es ist das immer wiederkehrende Prinzip, Verunglimpfung, wenn die Freiheit nicht die Freiheit des Andersdenkenden ist, sondern lediglich die eigene.

    Kathleen 17:28 „Nein, es weiß nicht jeder, was richtig und falsch ist! Denken in richtig und falsch ist eine sich selbst begrenzendes, damit wird Denken im mehrdimensionalen, mehrwertigen Bereich verhindert.“

    Der mehrdimensionale, mehrwertige Bereich ist meistens der eigene Mehrwert, der eigene Profit, der steigt, wenn man nicht in richtig und falsch denkt.

  35. Liebe Regine, was empfindest Du, wenn Du hier in diesem Blog schreibst? Wie geht es dir damit, wenn Du mitteilst, was du über die deinen Glauben und die Christen zu sagen hast?

  36. Noch ein Gedanke zum Gleichschritt in Sozialsystemen (bevor ich mich leider für ein oder zwei Wochen hier verabschieden muss):

    Damit das psycho-soziale Gewebe Bestand hat und nicht verschleißt, braucht es Raum dafür, dass die Individuen sich mimetisch-rhythmisch in die bereitstehenden sozialen Strukturen (wie z. B. Rollen) „einfädeln“; das gibt dem sozialen System Farbe und hält es sozusagen am Leben; das System kann sich selbst kreativ beobachten.

    Wenn der Raum sich verengt, entsteht die Tendenz zum Gleichschritt. Gleichschritt ist Mimikry (= „Anpassung an das Tote“ in der Natur; Horkheimer / Adorno). Das System mag sich bunt herausputzen – aber das psycho-soziale Gewebe verschleißt und wird brüchig.

      • bunt herausgeputzt, aber nicht aufgebrezelt … das wär schön.

        Auch wieder eine Chance für Weißnäherinnen,
        Kürschner- und Putzmacher,
        mit Filz- anstatt Alu-Hüten
        🙂

    • franz friczewski am 8. Januar 2018 um 16:21

      Danke für diese Gedanken.

      „Damit das psycho-soziale Gewebe Bestand hat und nicht verschleißt, braucht es Raum dafür, dass die Individuen sich mimetisch-rhythmisch in die bereitstehenden sozialen Strukturen (wie z. B. Rollen) „einfädeln“; das gibt dem sozialen System Farbe und hält es sozusagen am Leben; das System kann sich selbst kreativ beobachten.“

      Spontan entstehen da bei mir beim langsamen(!) Lesen stärkere dynamische Bild-Assoziationen, als bei der visuellen Betrachtung der SelFis.

      Wenn ich stärker auf die Dynamik von „Textflüssen“ reagiere (d.h. sie als anschlussfähig wahrnehme), als auf dynamisch-visuelle Strukturbilder/ungen, liegt das vielleicht daran, weil ich das Eine stärker gewohnt bin, als das andere. Es kann auch daran liegen, dass das äußere visuelle sehen ablaufender Musterbildungen der SelFis, bei mir die Fähigkeit zum inneren (imaginären) sehen reduziert.

      Wenn ich „Gewebe“ lese, fällt es mir leicht vor meinem inneren Auge sich webende Muster vorzustellen! Beim Betrachten der Selfis hatte ich diese Assoziation bisher noch nicht.

      Beim „einfädeln“ entsteht bei mir spontan ein dynamisches Bild fortlaufender „Schleifen(bilder)“ wie eben beim beobachtbaren Prozess des Webens o.a. Strickens von (Sub-)Mustern, welches ihrerseits gekoppelt, wiederum ein eigenes, autopoietisches Webmuster ergeben.

      Der Schritt, die sich vor dem inneren Auge bildenden Schleifen assoziativ mit „rekursiver Selbstbeobachtung“ zu koppeln ergibt sich bei mir mühelos.

      @Gitta

      Ich gebe gern zu, dass ich persönlich eine „anschauliche Sprache“ einer abstrakteren Fach-Sprache (ganz ohne Beispiele, Metaphern, Assoziationen usw.) zum Lesen bevorzuge, schaffe es selbst allerdings gleichwohl mit wachsender Komplexität nicht immer, ausgewogen (=sowohl als auch) und damit harmonisch und ansprechend genug auf den Punkt kommend „verdichtet“ genug zu (be-)schreiben.

      Für das Bloghema „Ideologie vs. Weltanschauung“ schrieb ich bereits, dass ich Deinen Mega-Text für grundlegend und auch ausreichend „weit“ gefasst erachte um vertieft werden zu können. Wenn Du nun (am 9. Januar 2018 um 9:54) mich als einen der Mitkommentatoren auch mit ansprichst:

      „Ich würde es grundsätzlich begrüßen, wenn die Blogger hier das Thema, das ich vorstelle, erst einmal ausschöpfen.“

      …dann beginnt allein das Wörtchen „ausschöpfen“ mich spontan erst mal zu überfordern. 😉

      Die Komplexität von „Ideologie vs. Weltanschauung“ in anschaulich-dynamischer Sprache zu beschreiben im Blog „Systemzeit“ verstehe ich unter „Let’s Jazz“. 🎶

      Und dann merke ich, wenn ich es „ausschöpfen“ (o. vertiefen) will, wie ich, an (meine) Grenzen kommend, gerade dieses Ansinnen, mich selbst „erschöpft“.

      Da, wie Du bereits öfter angemerkt hast, „weniger manchmal mehr ist“, beleben und animieren mich kurze anschaulich-assoziative Texte, wie z.B. der von Franz Friczewski mehr, als Texte, die etwas „ausschöpfen“ wollen.

      Auch spontane, ungewohnte „jazzige“ Perspektiven und Assoziationen bewirken das.

      Die Aufmerksamkeitsfokussierung ist vielleicht einem Muskel vergleichbar, der in biopsychosozialen Systemen trainiert, in ihrer dynamischen Spannweite und Spannkraft zu entsprechender Leistungsaufnahme/abgabeperformance fähig sind.

      Bis demnächst.

      LG Ingo

      • Kurz, später mehr, lieber Ingo: Dich habe ich damit nicht gemeint, sondern die Blogger, die gar nicht erst den Versuch erkennbar werden lassen, sich inhaltlich mit dem Thema zu befassen.

    • Lieber Franz, mir gefallen Deine bewegten/ bewegenden „Bilder“ des Themas bezüglich unheimlich gut – die sonst eher „trocken/leblos“ wirkenden systemischen Betrachtungen werden so, zumindest für mich, vorstellbarer, lebendiger.
      Mir fällt es (noch) schwer, Modelle miteinander zu verknüpfen bzw. zu vergleichen. Ich werde die Zeit Deiner Abwesenheit hier nutzen, um mich auf Deiner Website um zusehen, zu belesen.
      lg Kathleen

  37. Als Wissenschaftler und Forscher müssen wir unseren Blick auf das Spannungsfeld Weltanschauung/Ideologie richten!
    Tote, ausentwickelte Ideologie in der Geschichte zu beschreiben und deuten zu suchen ist leicht, sie wehrt sich nicht mehr:

    https://www.goodreads.com/shelf/show/ideology
    https://en.wikipedia.org/wiki/Ideology / references
    https://fr.wikipedia.org/wiki/Idéologie / notes et références
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie / Literatur
    Wer Interesse hat, kann sich natürlich auch mit der chinesischen und koreanischen Ideologiediskussion im Original beschäftigen.
    https://www.reddit.com/r/CriticalTheory/comments/711us6/looking_for_suggestions_for_a_reading_list_on/
    http://www.radicalmiddle.com/ideologies.htm
    https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=Ideologie
    https://www.amazon.com/s/ref=nb_sb_noss?url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=Ideology&rh=n%3A283155%2Ck%3AIdeology

    Die wirklichen Risiken und Gefahren und Chancen jedoch finden wir in den Entstehungsprozessen des lebenden Systems.
    So besehen leben wir in interessanten Zeiten.
    Wer heute die Ideologie nur in der Petri-Schale begafft, verhält sich feige, dumm und nutzt seine Möglichkeiten nicht.
    Der moderne und innovative Forscher begibt sich direkt an die Brutstätten des Monsters, das er zu begreifen sucht
    Facebook Twitter Wikipedia …
    denn hier/da wächst lebendige Ideologie, hier/da können wir live Gefahren und Wege sehen lernen, die wir noch nicht sehen.

  38. Mir fällt in Diskussionen öfter auf, dass versucht wird, Beobachtungen oder Abläufe mit Formulierungen wie: „Das ist wie ….“ zu beschreiben. Damit wird die Möglichkeit verpasst, die Dimensionen dessen zu erfassen, was möglicherweise neuartig ist oder zumindest eine Variation des Bekannten darstellt.

    • Danke für den Impuls Irmela: „Das ist wie..“… beschreibt einen Vergleich. Macht aber m. A. n. auch die Einstellung vieler deutlich, dass die Dinge sind, etwas „IST“, etwas was feststeht und woran krampfhaft „festgehalten“ wird. Ich denke, das ist ein Aspekt, der zur Ideologie bzw. zu deren Entstehung erheblich beiträgt. Bei allen Dingen, sei es in geschichtlicher Rückbetrachtung (hier im Blog gut zu sehen, an dem Thema „was Christen schon immer „bewiesen“ haben), aber auch bei den Dingen, die wir als „das ist so“ beigebracht bekommen haben (alle wissenschaftliche Theorien, z. Bps. Relativitätstheorie), wäre eine innovative verändernde Frage, um neue Sicht/Denkweisen einnehmen zu können: Ist das wirklich so?

    • Was erscheint falsch daran, etwas zu beschreiben, beginnend mit einer Formulierung
      „Das ist wie…“?

      In meinem Augen verpasst eine derartiger Satzbeginn nichts.
      Ich halte zwar eine solche Eröffnung nicht für besonders gelungen formuliert
      und würde -je nach Kontext vermutlich eher „das erinnert (mich) an“ bevorzugen, vor allem, wenn ich herausstreichen möchte, das etwas keineswegs gleiche, aber ähnliche Merkmale aufweist, worüber noch Unklarheiten bestehen.

      Dieser etwas ungeschickt formulierte Ansatz, beinhaltet dennoch Optionen, bereits bekannte Eigenschaften zu vergleichen und das, was bislang als unbekannt und neuartig erscheint abzugrenzen und gegebenenfalls auf dieser Basis in die Tiefe zu gehen und weiter zu differenzieren.

      M.E. kommt es in erster Linie darauf an, wie der Satz, die Beschreibung, das Gespräch anschließend fortgeführt wird.
      Und auch eine Formulierung
      „Das ist wie …“ eröffnet diese konditionierte Struktur mit „wenn“ bzw.“als ob“- Optionen; sofern man dies möchte bzw. kontextabhängig zur weiteren Differenzierung für erforderlich hält.

  39. Ein Gedanke zum Begriff „Ideologie“. Ursprünglich kommt er von „Idee“- für mein Verständnis ist eine Idee etwas, was noch nicht ist bzw. etwas, was ich nur in meinem Kopf habe, nicht umgesetzt ist, nicht „wirklich“ ist oder nicht mehr ist – eine Idee eben. Mein Gedanke ist folgender: die Idee von was auch immer wird zu einem inneren Fixum, sie verfestigt sich in eine Art „sie-ist-Denken“ ohne das sie mit den momentanen Gegebenheiten/Wahrnehmung des Jetzt „verbunden“ ist. Entweder befindet sie sich irgendwo geschichtlich in der Vergangenheit oder aber sie richtet sich auf Zukünftiges, was noch nicht ist bzw. die Idee an sich beinhaltet.
    Es ist ein Gedanke, den ich noch nicht ganz gegriffen bekomme – wenn es zu off-Topic ist bitte löschen.

    hier ein Beitrag (PhilosophieMagazin) zu Wirklichkeit, Realitäten und Zustände (Deutschlandfunk und Dirk Baecker)
    http://www.deutschlandfunk.de/realitaeten-und-zustaende-wirklichkeit.1184.de.html?dram%3Aarticle_id=401475

    • Guten Morgen, liebe Kathleen,
      ich finde das nicht nur nicht off topic, sondern im Gegenteil – wie alles von Dirk Baecker – hilfreich.
      Es gibt da mehrere Sätze, die herauszustreichen sich lohnt. Einer ist dieser: „er wirbt dafür, diesen Zweifel zu dosieren, also durchaus im Hinterkopf zu behalten“.
      „Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen“ hat R. A. Wilson immer gesagt.
      LG – G

      • Es gibt da mehrere Sätze, die herauszustreichen sich lohnt. Einer ist dieser: „er wirbt dafür, diesen Zweifel zu dosieren, also durchaus im Hinterkopf zu behalten“.
        „Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen“ hat R. A. Wilson immer gesagt.
        LG – G

        Die These, die Behauptung, die bei dem Versuch, sie zu beweisen, zu einem logischen Widerspruch führt, ist unwahr, falsch.
        Die These, die Behauptung, die bei dem Versuch, sie zu beweisen, zu keinem logischen Widerspruch führt, ist wahr, richtig.

      • Liebe Regine,
        „logische Widersprüche“ – sprich Denken in Paradoxien ist der Systemik inhärent.
        Einen Rückschluss auf den wahr/richtig/ falsch-Gehalt einer These lässt sich daraus nicht ableiten.
        „Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen“ – wer einen Fehler sucht, wird ihn finden – auch hier, Denken in richtig/ falsch begrenzt die Sicht des Denkers und des Beweisführers.
        Ein weiterer bemerkenswerter Satz, den Du hier außer Acht gelassen hast:
        „er wirbt dafür, diesen Zweifel zu dosieren, also durchaus im Hinterkopf zu behalten“.
        Ein Ideologe/ jemand der ideologisiert behält diesen Zweifel eben nicht im Hinterkopf, gleichwohl besteht er darauf, dass seine Sicht der Dinge „wahr/richtig“ sind.

      • Das sehe ich ähnlich,

        allerdings richte ich meinen Zentralfokus nicht so sehr auf das Denken, um

        „Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen“ hat R. A. Wilson immer gesagt.“,

        das -nicht nur in meinen Augen- maximal die Hälfte des Weges darstellt, der dann unter Q.e.d. in der Beweisführung geschlossen werden kann.
        (und so lange Gültigkeit bis irgendwer -unter „true is open to proof“- auf die Idee kommt, den Beweis nochmals eingehend unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls auch zu falsifizieren)

        Mein zentraler Fokus richtet sich vielmehr auf diese Aussage von Niklas Luhmann,

        „Man wird alles Wissen mit dem Vorzeichen des Bezweifelbaren versehen und trotzdem darauf aufbauen, daran anschließen müssen.“

        den Dirk Baecker zitiert, um anschließend-nach etlichen erläuternden Zwischenschritten- das Zitat -auch als eines der Leitmotive Niklas Luhmanns – wieder aufzunehmen, dem es mit unglaublich trocknem Humor immer wieder gelang,
        seinen sich allzugerne auch in teils utopisch angekränkelte bzw. teils ideologisch angehauchte Glaubenssätze verheddernden Epigonen en passant, im Nebensatz, einen kleinen Tritt zu verpassen.

        „Die Lösung des Problems kann nicht wie in den Schauerromanen des 18. Jahrhunderts in einem geheimen Drahtzieher im Hintergrund gefunden werden, so gern selbst Soziologen daran glauben möchten.“

        Rums, das sitzt.
        🙂

        Luhmann war in meinen Augen auch mehr Künstler als Theoretiker,
        der nicht nur die Methodologie für die Soziologie neu dachte und eröffnend beschrieb,
        sondern die fein geschliffene Wortwahl offensichtlich auch genoß und liebte.
        Das merkt man an der Vielfalt seiner Bezüge zur Literatur.

        Um mit George Spencer-Brown zu schließen

        „In der Tat beginnt die gesamte Disziplin der Kunst dort,
        wo der denkende Theoretiker aufhört“

        😉

      • Wie kommst Du auf diesen Schluss, Annemarie? Wer hat Dich mit welcher Aussage dazu motiviert zu denken, dass er/sie der Ansicht ist, es gäbe die Wahrheit bzw. wir könnten so etwas überhaupt erkennen?

      • Gitta – der Kommentar sollte dort gar nicht hin. Also bitte löschen. Bin mit der Blogstruktur durcheinandergekommen. Und angeregt oder aufgeregt hat mich dazu Regine.

      • Guten Morgen, liebe Annemarie. Ist gelöscht.
        Die Kommentare bekommen demnächst Nummern. Dann wird es leichter sich zurechtzufinden.
        LG – G

  40. Liebe Kathleen, eine These, die zu einem Widerspruch führt ist definitiv unwahr, falsch. Dies ist absolut.

    @ Kathleen „wer einen Fehler sucht, wird ihn finden“
    Ist unwahr, falsch, denn dann gäbe es keine Wahrheit, keine These, die wahr wäre, denn dann würde man immer einen Fehler finden.

    Endlich einmal eine sachliche Aussage ohne
    @ Kathleen „Ein Ideologe/ jemand der ideologisiert behält diesen Zweifel eben nicht im Hinterkopf, gleichwohl besteht er darauf, dass seine Sicht der Dinge „wahr/richtig“ sind.“
    wäre weniger desintegrierend für alle Leser.

  41. Dieser Luhmann hat gesagt: „Man wird alles Wissen mit dem Vorzeichen des Bezweifelbaren versehen und trotzdem darauf aufbauen, daran anschließen müssen.“ ?

    Verstehe ich das jetzt richtig? Dann wäre es ja nur eine Frage der Zeit, bis diese Aufbauten und Anschlüsse in sich zusammenbrechen, da die Zweifel das Fundament auflösen bzw. sich im luftleeren Raum bewegen, da weitere Anschlüsse fehlen.

    Ich glaube, ich muss das mal weiterführend lesen.

    • @ Annemarie 11.01.2018: „Also, ich meine die einzige und unumstößliche Wahrheit?
      Wie lautet diese?“

      Natürlich gibt es unumstößliche Wahrheiten. Das Ende jedes Menschens ist unumstößliche Wahrheit und nicht zu ändern. Ebenso sind die Folgen unseres Handelns oft nicht jene, die wir uns wünschen, sondern die der Wahrheit.

      Ich denke nicht, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alle Aufbauten in sich zusammenbrechen, da die Zweifel das Fundament auflösen bzw. sich im luftleeren Raum bewegen. Luhmann meint wohl, dass Wissen ständig wächst und somit neue Erkenntnisse das Wissen verändern, man also die abschließende Bewertung nicht durchführen kann, obwohl man den aktuellen Wissensstand ganz pragmatisch als wahr ansehen und mit ihm arbeiten muss; als den Stand, auf den sich alle geeinigt haben, da es keine darüber hinaus gehende Erkenntnisse gibt.

      • Frau Regine,

        ich bin froh, dass mittlerweile etwas Zeit vergangen ist und ich mich abreagieren konnte. Ja, das ist sogar sehr gut. Ich fand es immer schrecklich, wenn Menschen nach ihrem Äußeren beurteilt werden und so gar nicht das Wesenhafte wahrgenommen wird.

        An Ihren Kommentaren merkte ich, dass ich mich von diesen Äußerlichkeits-Beurteilern gar nicht viel unterscheide, nur dass es bei mir die Kommentar-Beurteilung ist.

        Zu Ihrem Kommentar: Ich kenne Luhmann leider nicht, merke aber, dass ich Lust bekomme, ihn zu lesen. Ich will einfach mehr von ihm wissen.
        Wissen, meine ich, ist immer im Wachstum und veränderbar. Das muss ja auch so sein. Wie sollten sonst neue Erkenntnisse integriert werden?

        Und ständig wachsendes Wissen braucht ein gutes Fundament in Form der Fähigkeit, Wissen adäquat zu verarbeiten. Ansonsten wird der Zeitpunkt kommen, an dem es einen wie eine Tsunami-Welle überrollt und hilflos nach Luft schnappend zurücklässt.

      • Oh, das ist gut – Luhmann als Hörbuch. Vielen, vielen Dank.

        Und deine Stimme… so stelle ich mir Universitätsprofessorinnen vor. <3

    • @ Gutjahr
      Zunächst habe ich Interesse, ob der Beschreibung: „brutales Beispiel von Gleichschaltung“ – ich lese.
      Nach der ungefähr der Hälfte des Artikels – verspüre ich Wut und Mitgefühl. Mein Unrechtsbewusstsein meldet sich und emotionale Reaktion ist erstmal vorherrschend. Außerdem spüre ich, wie gegen das Unrecht, das Leid angehen will, verteidigen helfen will. Dies erwähne ich nur, da ich der Meinung bin, dass diese emotionale Erstreaktion folgend gut auch zu ideologisierenden Verhalten kommen kann. Die Grenze ist fließend.
      Die zweite Hälfte des Artikels geht fast unter. Mich überfordert die Komplexität der Sache (in der weiteren Entwicklung/ Auswirkungen). Die Reaktionen und die Zusammenhänge auf mehreren/ unterschiedlichen Ebenen gehen mir verloren bzw. kann ich sie nicht mehr in mein (ge)danken sortieren. Ich bringe sie nicht mehr zusammen bzw. kann keinen klaren sachlichen Standpunkt dazu finden/ oder beibehalten.
      Meine erste (emotionale) Reaktion auf den Artikel bleibt „herrschend“, eine differenzierte und dimensionierte Betrachtung scheint (mir fast) unmöglich. Es zeigt mir, wie bestimmend emotionale Betrachtungen sind/bleibend wirken können. Dies im größeren Rahmen bzw. auf anderer Ebene betrachtet, könnte u.a. Aufzeigen, weshalb es z. Bsp. bei Wahlen zu mehr emotionalen Erscheinungsformen kommt als zu sachlichen Urteilen bzw. Meinungsäußerungen.

      • Ich finde eine emotionale Reaktion auf so viel Gemeinheit völlig nachvollziehbar und in Ordnung. Die Frage ist, wozu verleitet sie? Dass man gegen solch ein Verhalten Widerstand zeigen muss, Verachtung, das ist klar. Die Machtlosigkeit der Betroffenen (und der bislang vorhandenen rechtlichen Maßnahmen) zeigt Handlungsbedarf. Wie man in komplexen Gesellschaften mit Menschen umgeht, die die neuen Medien zielgerichtet dafür benutzen, Gesinnungsfeinde unmöglich zu machen und auszuschalten, das ist ein wichtiges Thema. Meiner Ansicht nach gehört dazu, das Bewusstsein dafür zu fördern, dass der Impuls so etwas zu tun nicht so weit weg ist, wie man manchmal gern glauben möchte. Dann allerdings mit einer Art Psychowühlerei anzufangen, um gewissermaßen den Schurken in sich selbst zu finden und vors geistige Gericht zu zerren oder sich öffentlich als bewussten Menschen zu kennzeichnen, scheint mir dann auch übertrieben. Es mit Ruhe betrachten, den inneren Impulsen mit distanzierter Beobachtung folgen, das Denken und Verhalten analysieren. Und wenn man sich mal über etwas aufregen muss, macht einen das doch nicht gleich zum potenziellen Faschisten.
        Auch hier gilt Obi-Wan Kenobis wunderbarer Ausspruch: „Only a Sith deals in absolutes“.

      • Hallo Gitta,
        „Die Frage ist, wozu verleitet sie?“
        Mich verleitet sie in Kombination mit der Komplexität eher zum “ Nichtssagenundtun – denn zum Widerstand.
        Wenn ich es richtig verstanden habe, könnte auch die Ignoranz statt Kritik an jenem Verhalten ebenfalls schlimme Folgen haben. Für mich ist das dann so, dass ich lieber nichts tu als etwas „falsches“.
        „Meiner Ansicht nach gehört dazu, das Bewusstsein dafür zu fördern, dass der Impuls so etwas zu tun nicht so weit weg ist, wie man manchmal gern glauben möchte.“
        Ja, das glaube ich auch. Auch das ist Folge von Globalisierung und auch ein Zeichen von – wie schnell kann die eigene Weltanschauung (aus welchen (kleinwelt) Gründen auch immer) zu ideologisierendem Verhalten führen kann.
        „Meiner Ansicht nach gehört dazu, das Bewusstsein dafür zu fördern, dass der Impuls so etwas zu tun nicht so weit weg ist, wie man manchmal gern glauben möchte.“
        Der Impuls ist sogar sehr nah. Oft kommt es zu Meinungsäußerungen, auf FB z.Bsp. mittels teilen von posts, die populistisch und eindeutig fremdenfeindlich sind. In die „kleinen Welt“ mancher mag das passen, die wenn man sie darauf anspricht sagen „Ich und Nazi nein, niemals, aber es ist doch so,… dass – dem folgen üblicherweise Erklärungen über Politik und Gesellschaft, die für sie passen.

      • In Sachen Gleichschaltung ist schon der „gefällt mir“-Button mit seiner Wirkung auf Facebook ein studierenswertes Objekt.

  42. Sic!
    … aber wer kennt denn heutzutage noch den kleinen Däumling? Und zwar ohne, daß das gleich in irgendeine GbR bzw. GmBH verpackt wird?
    Naja, der Däumling kann vielleicht grade noch angehen …
    aber was ist mit Hans im Glück oder bspw.
    der Gänseliesel?

    „Oh, Fallada, der du hangest …

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