Argumente für den schrittweisen Um- und Abbau von Hartz IV

Ein Vorschlag an die Politik

von Gitta Peyn, Ralf Peyn und Dr. Irmela Nagel

  1. Wirtschaftliches und philosophisches Argument:

    Digitalisierung und Algorithmisierung:
    Robotics und Künstliche Intelligenz werden weiter zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen. Was die Neuentstehung von Arbeitsplätzen angeht, haben wir es nicht mit einer zweiten Industrialisierung zu tun. Dies gilt insbesondere in den Arbeitsbereichen, welche die Leistungsempfänger im Allgemeinen und die ALGII-Empfänger im Besonderen betreffen:

    Eine Gesellschaft, die sich immer mehr verbessert, die immer mehr und immer schneller produziert und rationalisiert, wird – und das ist ihre Zielsetzung – Ressourcenausbeute effizienter machen.

    Je besser das geht, desto mehr der vorherigen Arbeiten fallen weg. Viele der zuvor gesellschaftlich relevanten Arbeiten werden rationalisiert erledigt und entfallen deshalb für viele Arbeiter oder müssen deshalb nicht mehr durch so viele Arbeiter wie vorher erledigt werden. Das kapitalistische System baut darauf auf, dadurch wird Wachstum generiert.

    Wenn eine Gesellschaft gut funktioniert, wird die Population wachsen. Eine wachsende Bevölkerung ist eine Konsequenz aus Wohlstand, um mehr Arbeitskraft zu produzieren und Überschuss zu sichern. Überschussproduktion ist eine evolutionäre Sicherheitsmaßnahme. In natürlichen Populationen nimmt die Art das Absterben in Kauf. Kultivierte Populationen müssen damit anders umgehen. Sie können es sich nicht leisten, diejenigen, für die sie keine Verwendung haben, in Untätigkeit und Stagnation zu parken, weil das langfristig negative Auswirkungen auf die Gesellschaft haben würde.

    Wenn die Population wächst und die Arbeitsmöglichkeiten abnehmen, steigt die Arbeitslosigkeit.

    Mit anderen Worten: Steigende Arbeitslosigkeit ist ein Indikator dafür, dass eine Gesellschaft gut funktioniert. 

    Arbeitslosigkeit entsteht aber auch, wenn das Wirtschaftssystem nicht gut funktioniert.
    Daraus folgt, dass man sich ansehen muss, mit welchen Vorzeichen man die jeweilige Arbeitslosigkeit versehen will: mit Plus als gesellschaftlichen Erfolg oder mit Minus als gesellschaftlichen Misserfolg. Das ist kontextabhängig. 


    Wenn die Gesellschaft, die wir jetzt haben, weiter prosperiert, wird weitere Arbeitslosigkeit entstehen. Der Punkt ist nur, dass es sich dabei nicht um Arbeitslosigkeit im herkömmlichen Sinne handelt, sondern das ist Freiraum für neue und weitere Arbeit und Sicherung der Weiterarbeit. Diese evolutionäre Sicherungsleistung ist eine Pufferzone, die wir bezahlen müssen. Wir können das mit Winterspeck vergleichen, den wir uns angefressen haben und dessen kreatives Potenzial wir nicht nur nicht unterschätzen, sondern auch rechtzeitig zu nutzen wissen sollten. Nur, wer bezahlt diese neue und weitere Arbeit?

  2. Soziales, politisches und freiheitliches Argument:

    Freiheitlich-rechtsstaatliche Demokratien sind angewiesen auf freie und unabhängig denken könnende Bürger. Eine Gesellschaft, die prosperiert, muss die Freiheiten, die sie generiert, an ihre Mitglieder weitergeben. 

    Macht der Staat an einem bestimmten Punkt im Übergang zum Pluspol der Arbeitslosigkeit den Fehler, das nicht zu tun, sondern ein Abhängigkeitssystem zu schaffen, ist die unweigerliche Folge ein Bürger, der verlernt unabhängig zu denken.

    Populismus, Demagogie, Verschwörungstheorien, Nationalismus, Faschismus sind nicht nur Folge von Armut, sie sind auch Folge von Abhängigkeits- und Abgrenzungsdenken, das den Kontakt verloren hat zur sozialen Perspektive.

    Abgrenzungsdenken in modernen Gesellschaften ist Denken aus der Komplexitätsüberforderung heraus. Komplexitätsüberforderung ist das Gefühl, das entsteht, wenn die eigenen Ressourcen nicht mehr frei genutzt werden können. Dysfunktionaler Druck auf das (psychische oder soziale) System kann das bewirken.

    So folgerichtig der Druck scheinen mag, dessen Funktion sein soll, bestimmte Anforderungen zu erfüllen, so ausbremsend kann er doch wirken. Häufig kann dann die eigene Kreativität und Liebe zur Vielfalt und Herausforderung nicht mehr ausgebildet und ausgelebt werden. 

    Dabei handelt es sich aber um eben jene Kreativität, die im Einsatz für eine gesunde Sozialgemeinschaft notwendig ist und die immer mehr gefördert und gefordert werden sollte, je höher die Freiheitsgrade und der Wohlstand der Gesellschaft gewachsen sind:

    Wichtig ist, dass die frei werdende Arbeitskraft nicht für schon erreichte soziale Ziele eingesetzt werden kann. Sie kann auch nicht vorher bestimmt werden, sondern man muss Kreativität freisetzen, so dass diese frei gewordene Arbeitskraft sich Zwecke suchen kann, die sozial nützlich und vielleicht auch notwendig sind. Sie könnte so Lücken füllen, die vorhanden sind, die aber niemand vorher gesehen hat. Oder sie kann Probleme lösen, für die vorher keiner eine Lösung hatte, für die so aber kreativerweise eine Lösung gefunden werden kann.

    Das heißt, man kann die Bürger, die diese frei werdende Arbeitskraft repräsentieren, nicht so regulieren, dass man sie zur Strafarbeit verdammt. Es wird auch nicht möglich sein, die frei werdende Arbeitskraft durch Angebot und Nachfrage zu regulieren, weil die Gesellschaft nicht sehen kann, was sie nachfragen soll. Auch Konkurrenzdenken wird hier erst einmal nicht weiter helfen, denn das muss höher belohnt werden, um effektiv zu sein. Auf HartzIV-Art-Basis führt Konkurrenzdenken lediglich zu sozialer Panik und antisozialem Verhalten.
    Man muss sich also etwas einfallen lassen, wie man diese frei gewordene Arbeitskraft bezahlen kann. Wie kann man dafür sorgen, dass sich die Bürger in das Gesellschaftssystem einfügen und 
    einbringen können, sich Lebensmittel kaufen, sich Wohnraum beschaffen und kreativ darüber nachzudenken vermögen, welcher Arbeit und Berufung sie nachgehen möchten und wie sie sich sozial nützlich machen wollen?
    Es wird immer Menschen geben, die dann den Unterhalt nehmen und gar nichts tun. Allerdings gibt es solche Menschen auch in der Oberschicht mit sehr viel Geld. Sie haben einfach Geld und tun ihr ganzes Leben lang nichts Vernünftiges oder Nützliches, außer einfach Geld zu haben und auszugeben. Sowohl die reichen als auch die armen Faulenzer verursachen Kosten. Das sind Kosten, die eine freiheitlich-rechtsstaatliche Gesellschaft mittragen muss.

    Wenn wir als Gesellschaft die frei werdende Arbeitskraft, die positive Arbeitslosigkeit, bezahlen, wird der kreative Nutzen und auch der sozial produktive Nutzen die Kosten tragen.

  3. Sozialrechtliches Argument:

    Die BRD hat mit dem HartzIV-System, ungeachtet aller Mängel, etwas geschaffen, das – wie der Blick auf andere Länder zeigt – keineswegs selbstverständlich ist, obwohl die Sicherung des Existenzminimums zu den grundlegenden Menschenrechten gehört. Jene, die – etwa aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 09.02.2010 (Az 1 BvL 1/09, 3/09 und 4/09) – den Anspruch auf ein bedingungsloses Grundeinkommen herleiten wollen, übersehen, dass die Verpflichtung des Staates subsidiär ist und nur gegenüber demjenigen gilt, der sein Existenzminimum nicht selbst sichern kann. Damit geht es entscheidend um die Frage, wie die Voraussetzung des Nicht-Könnens zu prüfen und nachzuweisen ist. Nicht nur der, der aus persönlichen Gründen nicht arbeitsfähig ist, sondern auch der, der auf einem übersättigten Arbeitsmarkt keine Arbeit findet, kann sich nicht selbst unterhalten.

    Wie wir bereits dargestellt haben, wird es immer weniger Arbeit für immer mehr Menschen geben. Wir haben gezeigt, dass dies mehr Stärke als Schwäche sein kann. Ein System, das denjenigen, der keine Arbeit im herkömmlichen Sinne findet, zum Bittsteller macht, der seine Notlage wieder und wieder nachweisen muss, sendet nach unserer Überzeugung falsche Signale aus und fördert unabsichtlich allgemeine Interessenlosigkeit. Das Missverhältnis zwischen offenen Stellen und Arbeitssuchenden ist auch dann noch groß, wenn man bestimmte Gruppen, die an sich noch arbeitsfähig wären, aus der Statistik eliminiert. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass Initiativbewerbungen ein Mehr an Stellen generieren können, die das Missverhältnis in signifikantem Umfang mindern oder ausgleichen.

    Schafft oder unterhält man eine Situation, in der die Abhängigkeit von staatlichen Leistungen tendenziell als Versagen des Einzelnen betrachtet wird, besteht die Gefahr, dass die Betroffenen – oder ein Teil davon – dauernde Misserfolge uminterpretieren. Derjenige, der immer wieder scheitert, kann allein um des Selbstwertgefühls willen veranlasst sein, das Nichtkönnen in ein Nichtwollen umzuinterpretieren. Damit ist er dann eben kein Versager, sondern entscheidet sich positiv dafür, auf Staatskosten zu leben und dieses Lebensgefühl unter Umständen an spätere Generationen weiterzugeben. Andere verzweifeln an dem System, werden krank und depressiv.
    Das gegenwärtige System sendet aber auch für jene falsche Signale aus, die nach monate- oder jahrelanger Arbeitslosigkeit einen neuen Job finden. Alg2-Leistungen werden im voraus bezahlt, Arbeitsentgelt meist nachträglich am Ende des Monats.

    Das aus dem Steuerrecht übernommene Zuflussprinzipist grundsätzlich brauchbar, um Zahlungen einem bestimmten Monat zuzuordnen, versagt aber regelmäßig dort, wo jemand, der keine Rücklagen mehr hat, aus dem vorschüssigen System in ein nachschüssiges wechselt. Hier wird die Leistung für einen ganzen Monat versagt, weil am letzten oder vorletzten Tag des Monats mit dem Eingang von Arbeitsentgelt gerechnet wird. Der Betroffene ist gezwungen, einen Kredit aufzunehmen, um den ersten Monat zu überleben. Anschließend muss er diesen Kredit dann mit einem Arbeitsentgelt tilgen, das häufig nicht wesentlich höher ist als die Alg2-Leistungen.

    Der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (CESCR) äußerte sich in seiner 46. Tagung am 20.05.2011 „tief besorgt“, weil es in Deutschland versäumt worden ist, frühere Empfehlungen umzusetzen. Unter Punkt 19 heißt es hier:

    „Der Ausschuss stellt mit Besorgnis fest, dass bestimmte Regelungen des Vertragsstaates im Bereich der Arbeitslosenunterstützung und der Sozialhilfe, unter anderem die Verpflichtung der Bezieher von Leistungen bei Arbeitslosigkeit, „jede zumutbare Beschäftigung“ anzunehmen, was in der Praxis fast als jede Arbeit ausgelegt werden kann, und die Zuweisung von unbezahlten gemeinnützigen Arbeiten an Langzeitarbeitslose, zu Verstößen gegen die Artikel 6 und 7 des Pakts führen können (Art. 6, 7 und 9). Der Ausschuss fordert den Vertragsstaat nachdrücklich auf, dafür zu sorgen, dass in seinen Arbeitslosenunterstützungssystemen das Recht jedes Einzelnen auf eine frei angenommene Beschäftigung seiner Wahl sowie das Recht auf angemessenes Entgelt berücksichtigt wird.“

    Vor diesem Hintergrund wäre es nach unserer Überzeugung ebenfalls nicht sinnvoll, aus dem Kreis der Leistungsempfänger im Rahmen von Dienstverpflichtungen jene Helfer zu generieren, welche die früher durch Ersatzdienstleistende erbrachten Tätigkeiten leisten.

    Anzumerken ist außerdem, dass die BRD bis heute nicht das Zusatzprotokoll zum „Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte“ (UN-Sozialpakt) ratifiziert hat, wodurch der einzelne Bürger das Recht erhalten würde, sich bei den Vereinten Nationen zu beschweren, wenn er sich in seinen wirtschaftlichen und sozialen Rechten verletzt fühlt. Die SPD selbst hat bereits am 16.03.2010 /Drs 17/1049) den Antrag „Zusatzprotokoll zum UN-Sozialpakt über ein Individualbeschwerdeverfahren ratifizieren“ dem Bundestag vorgelegt.

    Wir würden es begrüßen, wenn Sie sich dafür einsetzen würden, dass die BRD zumindest schnellstmöglich das Zusatzprotokoll unterzeichnet und damit verbindlich ihre Absicht dieses zu ratifizieren bekundet.


Unser Vorschlag zum schrittweisen Um- und Abbau von Hartz IV:

Wir wissen, dass die meisten Bürger, die meisten Wähler, gegen eine Aufhebung der Sanktionspraxis sind. Ebenso bewusst ist uns, dass ein nur in geringen Maßen gerechtfertigtes Vorurteil dem Leistungsempfänger gegenüber diese Haltung begründet.

Diesem Vorurteil kann eine Gesellschaft schrittweise und mit gutem Gefühl für wirtschaftliche und soziale Veränderungen begegnen. Sie kann aus den oben genannten Argumenten heraus die Bürger zu mehr sozialem Einsatz motivieren. Wir können den Druck herausnehmen und gleichzeitig zeigen, dass die meisten Menschen sich tatsächlich einbringen wollen!

 Und das geht so:

 Belohnen Sie jede Form sozialen Engagements, jedes Sich-Einbringen in die soziale Gemeinschaft, jede soziale und jede für die Gemeinschaft wichtige Arbeitstätigkeit und -Berufstätigkeit mit Sanktionsfreiheit in ALGII. (Hierfür lässt sich eine Liste erstellen, die eine verwaltungstechnische Umsetzung möglich macht.)

 Beispiele: 

  1. Jeder, der sich ehrenamtlich in einen gemeinnützigen oder wohltätigen Verein einbringt.

  2. Jede allein erziehende Mutter, jeder allein erziehende Vater und/oder ein Elternteil in der Bedarfsgemeinschaft, deren Kinder noch nicht in Ausbildungsberufe integriert bzw. deren Kinder unter 17 Jahre sind.
    (Stellen Sie sich hierzu auch eine Initiative engagierter Leistungsempfänger vor Ort vor, die Eltern anbietet, sie zuhause zu besuchen und ihnen dabei behilflich zu sein, sich den Lernstoff ihrer Kinder anzueignen. Es gibt viele Einsatzbereiche für Engagierte, die wirtschaftlich nicht (mehr) lukrativ sind, die unsere Gesellschaft aber braucht. Indem Sie dazu motivieren, werden Sie langfristig beobachten, dass immer mehr Projekte ins Leben gerufen werden, die Sie sich gar nicht hätten vorstellen können. Der wieder mündig gewordene Bürger erkennt, dass zu seinem Lebenszweck gehört sich einzubringen.)

  3. Jeder, der sich aktiv politisch unter der Maxime freiheitlich-rechtsstaatlicher Demokratie engagiert.

  4. Jeder, der ein soziales, wissenschaftliches, wirtschaftliches oder politisches Projekt entwickelt, das der Gesellschaft nützlich sein kann.

 Entsprechende Nachweise müssen natürlich den Jobcentern vorgelegt werden. Bestätigt beispielsweise in 4. ein Wissenschaftler die Relevanz der Forschung des Bürgers, sollte der Bürger der Tätigkeit auch nachgehen dürfen. Sie ist wichtig für das Wachstum der Gesellschaft und könnte unter Umständen sogar neue Märkte öffnen.

Sie werden dadurch in der Bevölkerung folgende Veränderung motivieren:

  1. Es wird schrittweise das Vorurteil abgebaut, dass „Hartz IV-Empfänger nur auf Kosten des Staates leben und nicht arbeiten wollen“. Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland werden erkennen, dass das auf die meisten so Betroffenen gar nicht zutrifft.

  2. Sie werden zu mehr kreativem ehrenamtlichen Einsatz motivieren.

  3. Sie werden zu mehr kreativem politischen Einsatz motivieren.

  4. Sie werden die Stimmung entspannter sehen und beobachten können, wie Populismus nicht mehr so gut zu greifen vermag.

  5. Sie werden Arbeitsbereiche entstehen sehen, aus denen sich langfristig auch wirtschaftlicher Nutzen entwickeln kann.

  6. Sie werden kreative Bereiche motivieren, neue Entwicklungen fördern.

  7. Sie werden europaweit ein Beispiel gesunder sozialer Haltung bei steigendem emotionalen und wirtschaftlichen Wohlstand liefern.

Wir gehen davon aus, dass wir Ihnen die Einsparungen von Verwaltungskosten durch Reduktion von Widersprüchen, Klagen vor den Sozialgerichten, Schriftverkehr, Gespräche mit den Sachbearbeitern und so weiter nicht vorrechnen müssen. Allerdings bitten wir Sie, noch im Geiste dieses Vorschlags zu bedenken, wie groß der Energieverlust des kreativen Potenzials der Einsatzbereiten für unsere Gesellschaft ist, wenn diese Energie in psychisch und physisch anstrengende Streitereien auf existenzbedrohlicher Ebene gebunden wird. Vor dem Hintergrund globalen Wettbewerbs hängt die wirtschaftliche und politische Stärke einer Gesellschaft von der Kreativität und dem Engagement ihrer Menschen ab.

 Unsere Überlegungen sind systemischer Art. Wir argumentieren nicht aus dem Einzelfall heraus, dem tragischen Schicksal, der eingeschränkten (partei)politischen Sichtweise. Unser Interesse ist, die ganzheitliche Perspektive anzulegen und aus dieser heraus die richtigen Fragen zu stellen, zu funktionalen Argumenten und Lösungen zu kommen. Wir hoffen, Sie konnten uns folgen, leiten die entsprechenden Schritte ein und stellen diese unsere Überlegungen nicht nur parteiintern, sondern auch der Bevölkerung vor.

 Bedenken Sie Ihre Funktion als Parteien und Politiker in der Gesellschaft. Sie können nicht nur die Vergangenheit verwalten, und es geht hier auch nicht nur um die Gesellschaft 2020. Es geht um die Gesellschaft 2050. Wie wir hier und heute mit unseren Ressourcen (und damit auch mit unseren Mitbürgern) umgehen, entscheidet darüber, wie die Gesellschaft 2050 beschaffen sein wird. Gesellschaften am emergenten Scheidepunkt müssen Schritte zur Kultivierung der Zukunft so einleiten, dass sie berücksichtigen, welche Zukunft sie zu gestalten gedenken und wie es ihnen gelingen kann, im kreativen Konfliktpotenzial Lösungen zu generieren, die weite Teile der Bevölkerung anzusprechen geeignet sind. Nichts spricht gegen Kompromisse, aber Kompromisse aus einem Lösungshorizont, der für vergangene Umwelten funktioniert hat, können Zukünfte mit generieren, die niemand gewollt hat. Es ist unserer Ansicht nach an der Zeit, unsere Historie genau zu betrachten, einen konkreten Blick auf die kommende Gesellschaft zu werfen und sehr viel mehr in Potenzialen zu denken.

Konstruktive Motivation wird Ihnen die Sympathie der Bevölkerung für dieses Projekt eintragen.

42 Gedanken zu “Argumente für den schrittweisen Um- und Abbau von Hartz IV

  1. Nicht nur, dass Hartz IV auf die Gesamtgesellschaft konditionierend wirkt und dabei behilflich ist, den Druck, den sonst die Arbeitgeber auf die die Arbeitnehmer ausüben müssen, auf denjenigen umzuverlagern, der noch ein Interesse daran hat, sich aktiv um seinen Lebensunterhalt zu bemühen:
    Der Reiz des Hartz IV-Systems für die Gesellschaft liegt auch darin, dass andere damit Geld verdienen. Es handelt sich dabei um ein Geschäft mit der Armut.
    Je komplexer die gesellschaftlichen Verhältnisse, desto besser scheint es erst einmal Gesellschaften zu gelingen, von Fremdausbeutung auf Selbstausbeutung umzuschalten und es Systemschmarotzern (wie einigen Anbietern von Maßnahmen, Zeitarbeitsfirmen) zu ermöglichen, Konditionierungsmacht auszuüben.
    Der interessante Gedanke hieran: Das geht nur, wenn weitaus mehr als die Mehrheit mitspielt. Es dürfte interessant sein zu beobachten, welche Folgen ein deutschlandweiter Streik von Leistungsempfängern hätte, an dem auch nur 1/6 der Betroffenen teilnehmen … Man muss dabei berücksichtigen, dass Hartz IV ein Phänomen von Digitalisierung ist: Ohne die computergesteuerte Maschinerie wäre es so nicht möglich, und eine Überschwemmung der Jobcenter mit der Notwendigkeit, flächendeckend Sanktionen zu erteilen, die anschließend ebenso flächendeckend mit Widersprüchen beantwortet wird, die die Sozialgerichte überfluten, das ist durchaus eine überlegenswerte Vorstellung.

    • mit wachem geist,sehe und erlebe ich fortschritte in meinem von mir sehr limitiert zu überblickendem kleinstädtischen bereich. das gerechtigkeitsempfinden erwacht mit zunehmender intensität, auf beiden seiten. zum einen werden hartz IV empfänger dominanter und leisten wiederstand gegen die systembedingte willkür. zum anderen, regt sich in den verpanzerten bürokratischen gebilden, welche auch nur durch menschen existent sind, eine art erkenntnis darüber, das schicksalhafte tiefschläge dieser gestrauchelten nicht unbedingt etwas mit dem willen zu schaffen und der selbsverwirklichung zu tun hat, sondern mit ungerechtigkeit und modernem sklaventum. die von Gitta angeführten punkte sehe ich als absolutes minimum für eine verbesserung der lage an.

      • Mir ist dieses vorsichtige Erwachen, das Du beschreibst, lieber Ansgar, so noch gar nicht aufgefallen. Ich hatte vielmehr den Eindruck, dass mit der Flüchtlingsdebatte das Thema zurückgedrängt wurde.
        Aber ich hoffe sehr, Du hast Recht.
        Herzlich willkommen hier! Ich freue mich, mehr von Dir zu lesen
        Gitta

    • „Die Kassen sind verpflichtet, jeweils zum 1. März die Vergütungen ihrer Vorstände offenzulegen. Die Zahlen liegen jetzt für 2017 vor. Gehaltskönig ist danach der Chef der Techniker Kasse, Dr. Jens Baas, der 323.997 Euro nach Haus brachte – 9.437 Euro mehr als 2016. Barmer-Chef Christoph Straub liegt mit 288.847 Euro jährlich an zweiter Stelle – ein Zuwachs von 8413 Euro. Die Vorstandsvorsitzenden der mitgliederstarken Ortskrankenkassen spielen gehaltsmäßig in einer vergleichbaren Liga: Für den Chef der AOK Bayern, Dr. Helmut Platzer, addierten sich 2017 fixe und variable Vergütung auf rund 272.000 Euro – ein dickes Plus von 16.400 Euro im Vergleich zum Vorjahr.

      Fast schon bescheiden scheint dagegen das Gehalt des Vorstandes des AOK-Bundesverbandes mit 244.250 Euro, allerdings war hier mit einem Zuwachs von 41.250 Euro auch der höchste Gehaltssprung zu verzeichnen. Einziger Vorstand ohne Gehaltserhöhung war der Chef der AOK Plus, der in beiden Jahren 234.400 Euro auf seiner Gehaltsabrechnung stehen hatte. Zum Vergleich: Mit 344.260 Euro wurde 2017 die Arbeit des KBV-Vorstandes Dr. Andreas Gassen vergütet.

      Das Bundesversicherungsamt (BVA) versucht, die Freiheit der Selbstverwaltung bei der Festsetzung der Vorstandsgehälter etwas einzuschränken. In einem Rundschreiben heißt es, dass ein Gehalt notwendig sei, das „nach den Bedingungen des Marktes angeboten werden muss, um qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten“.

      hier können sich Therapeuten einloggen:
      https://www.coliquio.de/

      • Das lese ich erst jetzt (sehr bezeichnend für mich! ). Leider ist mir der Zugang im Link verwehrt, da ich keine approbierte Therapeutin bin. Aber gut, ich kenne jemanden, der mir Zugang verschaffen wird, hoffe ich zumindest.

        Was mir beim Lesen arg sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass diese Gehalthöhe aus Beiträgen und Steuergeldern generiert werden – also aus Abgaben der arbeitenden Bevölkerung. Und ich frage mich ernsthaft, wie solche Gehaltssummen zustande kommen und auf welcher Bemessungsgrundlage sie entstehen.

        Da stellt sich die Frage, welche Aufgaben ein Vorstand bzw. Chef einer Krankenkasse hat und in welcher Verantwortung er damit steht.
        Grob gesagt, führt ein Vorstand der Krankenkasse diese und kümmert sich um die Bereiche Personal, Mitgliedschaft und Beiträge sowie Markt und Kunde. Er muss darauf achten, dass die Eingaben und Ausgaben im richtigen Verhältnis liegen. So wie in jedem anderen Unternehmen auch.

        Unterstützt wird der Vorstand in seiner Arbeit durch die Zuarbeit tausender Angestellter, die im Direktkontakt mit dem Kunden stehen und die Beitragszahlungen vorbereiten und kontrollieren und auch die Leistungszahlungen verwalten, diese ins Krankenkassensystem einspeisen und die Daten pflegen.
        Der Vorstand kann sich diese dann jederzeit von seinem Sekrätariat ausdrucken lassen und prüfen.

        Eingesetzt und kontrolliert wird der Vorstand einer Krankenkasse vom Verwaltungsrat – einem Gremium aus gewählten Mitgliedern.

        So weit erst einmal.

        Ein solch Riesenunternehmen für eine große Krankenkasse zu führen, bedeutet erhebliche Verantwortung. Trotz aller Zuarbeit bleibt ein Vorstand immer erster Ansprechpartner für wirtschaftliche Fragen und die Entwicklung des Unternehmens.

        Ein Jahresnettoeinkommen von 323.997,– Euro bedeutet ein Monatsnettoeinkommen von rund 27.000,– Euro.
        Zum Vergleich: Ein Ingenieur im Angestelltenverhältnis eines großen Unternehmens mit guten Umsatz- und Gewinnzahlen erhält ein monatliches Nettoeinkommen von 4.000,– Euro.

        Eine Pflegefachkraft in einem großen Klinikverband erhält ein Monatsnettoeinkommen von rund 2.350,– Euro (Schichtdienst und Vollzeit vorausgesetzt).

        Eine Reinigungskraft mit Mindestlohn erhält bei Vollzeittätigkeit rund 1.120,– Euro.

        * * *

        Ich schließe mich den Ausführungen des Bundesversicherungsamtes zur Gehaltsentwicklung der Vorstände in Krankenkassen in jeder Hinsicht an!

  2. Bevor man etwas ändern kann sollte man wissen mit was und mit wem man es zu tun hat
    und man muss wissen ob man es dann ändern darf.
    Sonst wäre alles vertane Zeit.

    Whisky,Jeans und Erdnussbutter.
    Kwarkware.
    😀
    Danke Petronius Zelden

    Bei evolutionsbiologischen Betrachtungen
    wird durchweg davon ausgegangen, dass Entwicklung grundsätzlich evolutionär zu sein hat.
    Es gibt aber Evolution nicht ohne Involution.

    Wenn man der Evolutionstheorie einen Zyklencharakter „verpasst“ ändern sich die Strategien der Beobachter .

    • Involution? Das Wort kannte ich gar nicht, bevor ich es hier las (ich merke gerade, 10 Jahre klassische staatliche Schulbildung sind schlichtweg für den Ar…).

      Aber ja, es stimmt. Zum Beispiel haben Embryonen bis zur 8. SSW eine schwanzähnliche Verlängerung an ihrem unteren Rücken, die sich zurückbildet, wenn der Embryo weiter wächst und sich entwickelt – ein Überbleibsel auch Urzeiten der Menschheit.

      Ich bin sehr dafür, dass sich das Hartz4-System ebenso zurückbildet, gleichsam parallel mit einem BGE mitläuft, um dann vollends zu verschwinden.

  3. Als Sozialpädagogin im klinischen Bereich sehe ich täglich, wie überfordert Klienten z. T. mit den diversen Anträgen zur sozialen Unterstützung, für Hilfsmittel, bei der Feststellung einer Schwerbehinderung etc. sind, wie aufwendig allein das Zusammenstellen der vorab erforderlichen Unterlagen ist und was es heißt, wenn Anträge abgelehnt werden und Widerspruch innerhalb einer Fristsetzung erforderlich ist.

    Wie viele an Rechtsansprüchen nur allein dadurch verloren gehen und Betroffene ihrem Schicksal überlassen werden, ist eine Größenordnung, die offenbar bisher nicht wirklich gemessen wurde, jedoch zeigen würde, wie dieses System Menschen vernachlässigt, obwohl für deren Unterstützung geschaffen worden.

    Hartz IV ist hierbei das mit Abstand unbarmherzigste System. Aus meiner Arbeit kann ich jedoch sagen, dass es weder den faulen und Maßnahme resistenten Arbeitssuchenden, noch den stets und ständig schikanierenden Sachbearbeiter in den Jobcentern gibt. Ganz im Gegenteil konnte ich bisher beobachten, dass immer wieder Wechsel in den Sachgebieten stattfinden bzw. oft Stellenanzeigen geschaltet werden, wo neue Mitarbeiter für die Jobcenter gesucht werden. Bei bis zu 150 Klienten pro Mitarbeiter kann man sich ungefähr vorstellen, wie hier die ursprünglich angedachte Beratung und Vermittlung erfolgt. Das brennt nach einer Weile aus, weil der Sinn dieser Tätigkeit verloren geht.

    Auf der anderen Seite werden Menschen gezwungen, ihr Privatleben fast komplett darzulegen und stehen in der Verpflichtung, jede noch so kleine Einnahme zu erklären. Viele Menschen versuchen deshalb, so es irgendwie geht, nicht unbedingt in Hartz IV zu kommen oder aber es wird die Schwarzarbeit gefördert, weil das Geld nicht reicht.
    Von den Folgen der Sanktionierungen ganz zu schweigen.

    Ich kann den Beitrag von Gitta und Ralf Peyn und Irmela Nagel nur bestätigen und unterstützen.
    Ja, Ehrenamt muss aufgewertet und entlohnt werden, ebenso Familienarbeit, insbesondere wenn eine zusätzliche Pflegesituation durch Behinderungen besteht.
    Nachbarschaftshilfe muss wieder mehr in den Fokus gerückt werden, damit niemand sich schämen und verstecken muss, weil er zeitweise auf soziale Sicherungssysteme angewiesen ist.

    Und es müssen mehr Eigeninitiativen gefördert und unterstützt werden – z. B. die Kinderbetreuung im Kiez oder Neubauviertel jenseits der Kita-Zeiten, die Assistenz für ältere oder behinderte Menschen jenseits der Pflegeeinrichtungen, die Nachhilfe in Schulbildung jenseits teurer Nachhilfeangebote, die Familienhilfe jenseits des Jugendamtes, die Möglichkeiten für Gespräche und Treffs jenseits von Psychiatrie und Psychotherapie, als niedrigschwellige Angebote, ohne den Anspruch fachlicher Qualifikation. Das kann beliebig erweitert werden.

    Mittelfristig sehe ich hier, wie die Autoren, Potentiale genutzt, die resistenter gegen Populismus, Nationalismus und Faschismus machen, weil Menschen sinnstiftend agieren können. Wer gesellschaftliche Anerkennung, auch in Form monetärer Anreize, für sein Tun erhält, wird es gerne weiterführen und sich so auch qualifizieren. Und ja, warum sollten daraus nicht neue Berufszweige entstehen.

    Es gibt heute nicht mehr den Job für´s Leben. Es gibt überhaupt nicht genug Jobs. Und der Slogan: Wer Arbeit will, findet auch welche! – ist an Verachtung kaum noch zu überbieten. Denn Arbeit gibt es genug. Es ist die gesellschaftliche, und damit wirtschaftliche, Anerkennung, die fehlt.
    Nicht zuletzt sei erwähnt, dass man an einem BGE (bedingungslosen Grundeinkommen), und sei es vorerst in Höhe des aktuellen Hartz IV-Satzes, nicht vorbeikommen wird.

  4. Wenn man davon ausgeht, dass weder die von Leistungen abhängigen Personen in jedem Fall unschuldige Opfer höherer Gewalt noch die Sachbearbeiter bei den Behörden von Natur aus böse sind, ist auch zu fragen, woran sich für die Behördenmitarbeiter Erfolg und Anerkennung knüpfen kann: werden sie geschätzt, weil sie einfühlsam mit den „Kunden“ umgehen und dafür sorgen, dass die das erhalten, was sie zum Leben brauchen – oder ist es der Karriere vielleicht eher dienlich, wenn man fleißig sanktioniert und für den Start Geld spart? Ich frage mich also auch, um hier nicht Verhaltensweisen gefördert werden, die ein Obrigkeitsstaat braucht, die aber in einem Gemeinwesen, das das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit für ein unabdingbares Menschenrecht hält, fehl am Platze sind. Man könnte also darüber nachdenken, inwieweit hier eine Absicht entlarvt wird, zu der man sich offen nicht bekennt.

    • Das wäre eine Überlegung wert, wobei das „Leistungssparen“ auch in anderen Zusammenhängen zu beobachten ist.
      Ich denke, wir haben es auf allen beteiligten Seiten mit Menschen zu tun, die sich ihrer Bedürftigkeit, auch im Sinne einer Karriere, nicht immer voll bewusst sind. Um so mehr die Dringlichkeit einer systemischen Veränderung.

      Ein Hartz IV System gehört abgeschafft und zwar ohne Wenn und Aber. Die Frage ist, wie kann dieses System ersetzt werden. Es gibt Stimmen, die würden das alte Sozialhilfe-System gern wieder einführen, weil dort sehr viel mehr an Bedarf aufgefangen wurde.
      Dennoch ist und bleibt auch das ein Unterstützungssystem und erzeugt Abhängigkeit mit allen möglichen Folgen.

      Hier ist mir doch die Unterstützung und Förderung von Eigeninitiative deutlich lieber und gesellschaftlich auf Dauer sehr viel entlastender.

  5. Ich finde es spannend, wie sich manche Diskussionen über die „Jahrzehnte“ ähneln. Schon in den 80er Jahren hatten wie an der Uni Bremen über die sogenannte Zweidrittelgesellschaft geforscht, diskutiert, politisch argumentiert.
    Die Diskussion hier erinnert mich stark an die dort geführte: auf der einen Seite das „richtige Wissen“ auf der anderen die Politik; hier wie dort fehlen Konzepte der Verbindung, des Zusammenführens…Ich persönlich finde, dass dies die eigentliche Herausforderung für uns alle ist: wie bringen wir Erkenntnis mit notwendigem Handeln zusammen?

    • Guten Morgen, liebe Alissa, herzlich willkommen!
      Ja, das ist die Frage. Ralf und ich überlegen, einen Punkteplan aufzustellen, der die Umsetzung unseres Vorschlags für die Verwaltung leichter macht.
      Daran wird dann das eigentliche Problem deutlich: Es hört uns im Grunde niemand wirklich zu.
      Ideen gibt es viele, jeder will seine eigene durchsetzen. Als wir das erste Mal diesen Vorschlag öffentlich unterbreitet haben, waren die ersten Reaktionen Widerstände von Seiten der „Sofort-BGE“-Front …
      Die Fragmentierung funktioniert: Wir blockieren uns gegenseitig, und das gründlich.
      LG – Gitta

      • Naja, sehr geehrte Frau Peyn, wenn Sie, sehr engagiert und nachdenklich, Ihre eigenen Ideen verkünden, die dem Wesen des BGE völlig widersprechen, dann ist es für mich nicht verwunderlich, wenn Sie wohl eine Reaktion erfahren, die Sie als Widerstand bezeichnen. Alles andere wäre da wirklich verwunderlich. Und, würden Sie Ihre Ideen lassen – das meine ich jetzt natürlich nicht wirklich ernst, das würde Ihrer Argumentation ja bei weitem nicht gerecht – wo wäre dann noch ein Blockade?
        Mit herzlichen Gruß

      • Guten Morgen und willkommen, Markus Mall,
        ich kann schwerlich erwarten, dass auf einen Vorschlag, der zunächst einen Schritt zurück im Denken verlangt, Begeisterungsstürme hin losbrechen.
        Es ist weniger eine Klage, als eine Beschreibung von augenblicklichen Tatsachen.
        Gründliches Nachdenken über die Konzeptvorschläge anderer ist eher nicht an der Tagesordnung. Dazu habe ich in Symmetrische Konflikte und in Im Gleichschritt Marsch bereits etwas geschrieben.

  6. Jetzt bin ich mir unsicher, ob mir nun genau das passiert ist, was Sie beklagen: Nicht genau zugehört zu haben. Ist ein Teil Ihrer Überlegungen, dass die „Sanktionen“ oder die indirekte „Arbeitspflicht“ weiterhin beibehalten werden sollen, sie nur nicht greifen, wenn andere von Ihnen erwähnten Tätigkeiten vollzogen werden, oder setzen Sie auf ein reines Belohnungsprinzip, und jene Menschen, die nicht „arbeiten“ können oder wollen, werden akzeptiert?

    • Dieser Artikel wurde nicht von mir allein verfasst, sondern es waren zwei weitere Autoren engagiert:
      Dr. Irmela Nagel und Ralf Peyn.

      Der Gedanke ist dieser: Hartz IV ist tief in das Denken unserer Gesellschaft integriert. Es handelt sich um ein durch Digitalisierung möglich gewordenes Phänomen in Wirklichkeitsemulation (man achte auf die Sprache: „Kunde/in“, „Jobcenter“ …). Unserer Beobachtung nach ist die überwiegende Mehrheit der Bundesbevölkerung derzeit mit diesem Programm einverstanden.
      Wir begrüßen grundsätzlich die Idee des BGE und halten die Diskussion am Rand der jeweiligen Seite des Codes Dafür/Dagegen für Zeitgeist. Jeder, der sich für das BGE einsetzt (und das ist jetzt meine persönliche Meinung), setzt sich für eine Zukunft ein, in der Menschen in Wirklichkeitsemulation eine Chance zu aktiver Beteiligung erhalten, ohne dass es dafür notwendig ist, weiterhin einer an Einkommen gebundenen Tätigkeit nachzugehen.
      Das BGE ist konsequent, und die konsequenten Stimmen sind notwendig, damit das Konzept kommuniziert wird.
      Nicht sonderlich wahrscheinlich allerdings ist ein plötzlicher Eingang dieses Programms in unsere augenblicklichen Strukturen.
      Das hat soziale und wirtschaftliche Gründe.

      Eine schrittweise Überführung ist sinnvoller:
      Wie man als absoluter Nichtsportler über 50 mit Übergewicht nicht gleich mit 150 Minuten Sport die Woche und einer radikalen Ernährungsumstellung beginnen sollte, weil das das System überfordert und mit entsprechenden Abwehrmechanismen oder sogar einem körperlichen Zusammenbruch gerechnet werden muss, kann man auch ein System wie Hartz IV nicht einfach so von heute auf morgen abschaffen und das BGE statt dessen einfügen.
      Da sind langfristiges Denken und Geduld gefragt, und „der Patient“ tut gut daran, sich die richtigen „Ärzte, Ernährungsberater und Sportmediziner“ zur Seite zu stellen, um ein langfristig haltbares und gesundes, sich stückweise aufbauendes Programm zu entwickeln, das in alle denkbaren Richtungen funktioniert.
      Ein Prinzip, dass den ehrenamtlichen etc. (wie als Beispiele vorgeschlagen) Einsatz ehrt, ist unserer Ansicht nach der Weg, der dazu führen kann, dass diejenigen, die heute noch den Leistungsempfänger mit einiger Verachtung betrachten, eine Chance dazu erhalten, gezeigt zu bekommen, dass Interesse am Engagement besteht. Entsprechend kann dieses Argument gegen die harten BGE-Gegner geführt werden. Die Abwehr gegen eine allgemeine und sofortige Sanktionseinstellung ist leider noch zu groß. Zu Recht sehen hierin Viele bereits die Einführung des BGE.

      Manche Dinge muss man menschlich/aktiv zeigen, sie Lebenserfahrung werden lassen, damit, in diesem Falle, die Befürworter des BGE eine Chance zur Umsetzung ihrer Vorstellungen haben.

      Unser Vorschlag ist keiner allein aus einer Meinung heraus. Ginge es nach mir, ich würde das BGE lieber heute als morgen realisiert sehen. Er ist vielmehr eine Folge aus den Fragen danach, was einer Umsetzung noch im Wege steht und was man aktiv tun müsste, könnte, sollte, um die Widerstände schrittweise abzubauen.

      (Für alle meine Kommentare gilt: Sie sind nicht Korrektur gelesen und auch nicht mit derselben Intensität und Bedeutungsdichte geschrieben wie meine Artikel.)

  7. @6 Auf den Punkt „Belohnung“ möchte ich gesondert eingehen:

    Ich halte schon den Begriff für dysfunktional.
    Es geht nicht darum, die „artigen Leute“ zu belohnen und die „unartigen“ zu sanktionieren.
    Diese Art des Denkens, „Fördern und Fordern“, ist tatsächlich der Kern des Problems.
    Es geht vielmehr darum, diejenigen, die sich für den sozialen, menschlichen, emotionalen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, politischen Fortschritt einsetzen, nicht mehr daran zu hindern, das tun zu können.
    Das wäre der erste Schritt.

  8. Einen ganz herzlichen Dank für Ihre Erläuterung. Sie erscheinen mir mehr als plausibel.
    Und auch danke für Ihre Ergänzung; ja, der Begriff „Belohnung“ hat es in sich. Haben Sie da schon einen anderen Begriff, der eben nicht subtile andere abwertet?

    • Sehr gern, ich freue mich immer über inhaltlichen Austausch, und Ihre Fragen wirken klärend. Dafür kann ich nur ein Dankeschön zurückgeben.

      Tja. „Ehrung“? „Würdigung“? Was meinen Sie?
      Das würde den Weg bereiten für weitere Würdigungen solcher Tätigkeiten nach Umsetzung des BGE, dass Sonderleistungen für diejenigen ausgeschüttet werden, die sich für die Sozialgemeinschaft einsetzen.

    • 😀 Oder wir werden gleich der neuen Ära gerecht und erfinden einen Kunstbegriff, eine Maßeinheit, welche den Grad der Dankbarkeit der Gesellschaft für die Leistung Einzelner oder von Gemeinschaften zum Ausdruck bringt: das Gwillet.

  9. Würdigung gefällt mir sehr, sehr gut. Aber er passt wahrscheinlich nicht in eine behördlich-rechtliche ausgerichtete Sprache. „Gwillet“ ist natürlich genial. doch da sehe ich schon die ersten Post der „heute show“.
    Aber sie nutzen schon einen technischen Begriff, der in eine praktikablere Richtung geht. „Sonderleistungen“. Assoziativ ergibt sich dann ein anderer, auch schon gebräuchlicher Begriff „(zusätzliche Sozialleistungen). Beide Begriffe können – das wäre neu – in beide Richtungen verstanden werden. Ein Bürger, eine Bürgerin vollzieht eine Sonderleistung (Sozialleistung) und bekommt dementsprechend eine Anerkennung von der Gemeinschaft als Sonderleistung bzw zusätzliche Sozialleistung.

    • So in der Art könnte sich das anschlussfähig entwickeln. Danke dafür.
      Die Idee, dass sich Bürger und Staat begrifflich auf Augenhöhe begegnen, ist vernünftig und respektiert die gewaltige Lebensenergie, die hier frei- und dann eingesetzt wird.
      Mir fallen dabei die vielen Menschen ein, die Grundsicherung erhalten oder Rente und die tatsächlich mit der Haltung „Ich möchte der Welt etwas zurückgeben“ ehrenamtlich tätig werden. Das wird nicht hinreichend gewürdigt und nicht hinreichend kommuniziert. Es ist noch viel zu viel Platz dafür, ständig dagegen zu reden und ständig zu betrachten, was falsch läuft. Dabei geht unter, was wir schon alles ganz großartig hinbekommen und wie unglaublich großzügig so viele Menschen mit ihrer Lebensenergie umgehen und sie für andere bereitstellen. Es können noch sehr viel mehr werden, wenn wir sie nur lassen. Dass sie für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen sollen und deshalb in ihrer Einsatzbereitschaft für uns alle ausgebremst werden, ist einfach ein schlechter Witz.

  10. Das Leben in einer Gemeinschaft von Menschen setzt Leistung voraus.
    So besehen macht der Grundsatz Fördern und Fordern Sinn.
    Jedoch:
    Die Definition der Begriffe Gemeinschaft und Leistung ist in der Entwicklung von der ursprünglichen abgewichen zugunsten einiger weniger Nutzniesser, es gilt mehr denn je Eigennutz vor Gemeinwohl. Diese Entwicklung wird durch das Hartz-System in Kopplung mit der Leiharbeit unterstützt: ein von Repressalien geleitetes System generiert Angst und bindet Eigenverantwortlichkeit. Je mehr die Beteiligten von Angst besetzt sind, je weniger frei, selbstbewusst und eigenverantwortlich handeln sie. Die psychischen Begleiterscheinungen sind schlichtweg katastrophal zu nennen: von der Erziehung über die Bildung, von der Teilnahme am öffentlichen Leben bis hin zu der Störung der individuellen Identität, von Unsicherheitsgefühlen bis hin zu Depressionen ist alles vertreten, was die Gesellschaft schwächt und den einzelnen gefährdet.

    • Danke für Deinen Beitrag, lieber Ekkehardt.
      Eine Frage, die mich immer wieder bewegt, ist diese hier:
      Wie wollen wir es schaffen, Gleichheit zu leben, gleiche Ansprüche zu stellen, wenn wir eine Klasse von Menschen züchten, die als Sinnbild der Abhängigkeit einerseits konditionierend auf den Rest der Gesellschaft wirken und die gleichzeitig aufgrund ihrer Abhängigkeit nicht dazu in der Lage sind, mit vollem Blatt zu spielen.
      Wie kann von einer emanzipierten Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen gesprochen werden, wenn man erwachsene Menschen behandelt wie Kinder?

  11. In den bestehenden Systemen ist dies ein fast unlösbares Problem. Die Förderung der Eigenverantwortung bis hin zur Selbstgenügsamkeit über Lernsysteme ist ein generationenübergreifender Vorgang, der sehr Störungsanfällig ist. Zudem bleibt der Menschheit nicht mehr viel Zeit, die Veränderungen der Erde laufen unberbittlich.
    Ich glaube trotzdem, das es der einzig gangbare Weg ist.

  12. @Abhängigkeit
    Wenn Menschen wie Nummern behandelt werden, deren geistige und körperliche Arbeitsfähigkeit/ Wille nach Aktenlage beurteilt wird, ergibt sich in den meisten Fällen ein Verbleib in der Abhängigkeit. Es entstehen Bewertungen/Urteile, die nichts mit dem jeweiligen Mensch, seinen Fähigkeiten und Talenten zu tun haben. Daraus ergibt sich neben der Abhängigkeit, ein Zwang, etwas zu tun, was man gar nicht will oder nicht mehr will. Entwicklung, Veränderung, Eigenverantwortlichkeit, Kreativität … sind so undenkbar, nicht lebbar.

  13. Ergo?
    Wer die genealogischen Zusammenhänge nicht kennt, braucht sich erst garnicht der Mühe zu unterziehen …
    Bin ohnehin für die Re-Habilitation der Zünfte.
    Die wußten nämlich noch, wovon sie sprachen … und auch weshalb.
    Eine Namensgebung kommt auch nicht von ungefähr,
    auch wenn man sie anschließend auch noch verballhornen kann.

  14. Arbeitsplätze werden durch die zunehmende Digitalisierung vernichtet und das im Niedriglohnsektor – habe ich sinngemäß bei Ihnen noch mal nachgelesen- an welche genau denken Sie?
    Wir haben uns das mal für den Laborbereich angeschaut: wir finden keine, jedenfalls nicht in zahlenmäßig relevanten Mengen.

  15. @16
    Den Begriff „Niedriglohnsektor“ haben wir nicht verwendet.
    Nach welchen Parametern haben Sie denn den Niedriglohnsektor in Ihren Experimenten eingegrenzt?
    Wo kann der interessierte Mitleser Ihre Verfahrensweise, Methoden, Daten, Resultate und Verfasser nachschlagen?
    Haben Sie bei Ihren Überlegungen Verschiebungen innerhalb des Arbeitsmarktes berücksichtigt und ein Wachstum des Niedriglohnsektors mit einbezogen?
    Leiten Sie aus Ihren Erhebungen Prognosen ab? Mit welcher Begründung?

    https://www.heise.de/tp/features/800-Millionen-Jobs-sollen-weltweit-durch-Automatisierung-verloren-gehen-3904767.html

    Abgesehen davon mag es vielleicht interessant sein, über solche Statistiken zu spekulieren, allerdings bieten derartige Spekulationen und Disputationen lediglich komplexitätsreduzierende Trivialisierungen der Gesamtproblematik an.
    Was wir adressieren, ist ein gesellschaftlich verflochtenes Problem, wie freigesetzte Arbeitskraft individuell und gesellschaftlich produktiv eingesetzt werden kann.
    Wie kann diese kreative Kraft selbstbestimmten Arbeitseinsatzes zu gesellschaftlichem Nutzen freigesetzt werden, so dass dadurch gesellschaftlicher Wandel motiviert wird?
    Die Wirtschaft ist nicht dazu in der Lage zu erkennen, was gemacht werden muss, das können nur die Menschen. Und die muss man darüber diskutieren und sich einbringen lassen.

  16. Je länger ich darüber nachdenke umso fragwürdiger werden mir Ihre Ideen: wer bitte schön entscheidet denn, welche Aktivität zu welchem Einkommen berechtigt? Mir scheint, die nötige Verwaltung wird nicht kleiner werden und die Kontrolle der Menschen ob dem „richtigen“ Ehrenamt und Engagement wird sich nur unwesentlich von denen bei Hartz IV unterscheiden.
    Ich plädiere für ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden, ohne Kontrolle und das wirklich für jeden: für Sie, für mich, für Fritz, für Angela Merkel, für wirklich jede und jeden.

    • Völlig richtig, das sehe ich genauso.

      Was unbedingt entkoppelt gehört, ist die immer noch zwanghafte Kopplung zwischen Brotjob in Form der Erwerbsarbeit, um überhaupt leben zu können und den unterschiedlichsten Formen an (sozialer) Arbeit, die unverzichtbar innerhalb einer (Welt)-Gesellschaft erbracht und geleistet werden muß, ob unentgeltlich oder entlohnt.

      Und er hat Recht damit, exakt dort anzusetzen, wo mittlerweile die Not am Größten ist und uns die längst bekannten und durchkalkuierten Folgeprobleme absehbar in einen Abwärtsstrudel zu reißen drohen
      https://www.tagesspiegel.de/politik/debatte-um-grundeinkommen-wir-muessen-armut-endlich-abschaffen/21150374.html

  17. Liebe Gitta,
    ich unterstütze Deine Initiative und bewundere Dein unermüdliches Engagement.
    Unabhängig davon, doch zusammenhängend mit der Entwicklung einer digitalen Gesellschaft stellt sich mir eine utopische Frage, die Du sicherlich beantworten kannst: Hieltest Du es für einen Fortschritt oder Rückschritt, wenn es kein Geld und kein Eigentum mehr gebe? Alle vorhandenen und neu entstehenden Infrastrukturen (Gebäude, Fabriken, Datennetze, Autobahnen etc.) und Instrumente (Maschinen, Anlagen, Automobile etc.) würden allen und niemand gehören und es müssten sich auf freiwilliger und ehrenamtlicher Basis eine Produktions- und Distributionsstruktur entwickeln, die weiterhin Güter und Dienstleistungen für alle produziert und zielgerichtet verteilt.
    Vieles müsste dann nicht mehr produziert bzw. administriert werden, z.B. wäre die Auslastung eines Autos nicht auf eine Person beschränkt, die morgens eine halbe Stunde zur Arbeit und abends wieder nach Hause fährt, sondern die (selbst fahrenden) Autos ständen rund um die Uhr als öffentliche Fahrzeuge allen zur Verfügung. In der Verwaltung – ob in früheren Privatunternehmen oder öffentlichen Behörden – fielen viele Stellen weg, weil die notwendigen Güter und Dienstleistungen in Selbstverwaltung hergestellt und verteilt würden.
    Eine solche Gesellschaft erfordert Eigeninitiative und gemeinschaftliches Zusammenleben. Sie müsste freilich von einer demokratisch gewählten Institution mit Gewaltmonopol überwacht werden, sodass gemeinschaftsschädigendes Verhalten unterbliebe.
    Zusatzfrage: Gibt es Konzepte, die in diese Richtung gehen?

    • Lieber Michael,
      vielen Dank für diesen netten Kommentar und die interessante Frage. Ich sehe in den nächsten Tagen zu, dass auch mal wieder ein neuer Artikel erscheint. Ich bin derzeit etwas ausgelastet mit anderen Dingen, aber mir ist dieser Blog wichtig.

      Erst einmal: Ich denke nicht, dass es uns weiterhilft, wenn wir versuchen, in Einzellösungen zu denken. Insofern frage ich mich eher selten, was ich davon hielte, gäbe es kein Geld mehr und kein Eigentum, sondern eher, wie sich meiner Ansicht nach unter welchen Voraussetzungen die Menschheit weiterentwickelt.

      Da stehen wir vor gewaltigen Umwälzungen nicht nur aus Richtung von Wirklichkeitsemulation, sondern auch aus Richtung unseres eigenen Einflusses auf die Ökologie unseres Planeten. Ich denke an das Sterben des Great Barrier Reef, an Klimawandel, an Massenmigration in Folge. Ich bin seit dreißig Jahren daran interessiert, meinen Beitrag zu leisten, dass wir es schaffen, ein funktionales Ändern zu motivieren, bevor es auf eine Weise zu spät ist, die für unsere Kinder und Enkel eine brutale Zukunft bedeutet.

      Ich setze aus Gründen, die man denke ich aus meinen Arbeiten herauslesen kann, auf systemisches Denken und das praxisorientiert. Wenn es uns gelingt, Menschen mit Tools und Plattformen zu versorgen, die ihnen dabei behilflich sind, ihr kreatives Potenzial und ihre Intelligenz auszuloten, könnten wir es schaffen, die großen Herausforderungen auf eine für uns alle wohltuende Art zu bewältigen und gleichzeitig ein erfüllteres Leben zu leben, ohne dass das weiterhin auf Kosten des Planeten, der Pflanzen und Tiere und unserer Mitmenschen (und nicht zuletzt natürlich unserer eigenen psychischen und physischen und sozialen Gesundheit) geht.

      Aus diesem Grunde suche ich immer nach der Möglichkeit, mich mit Menschen zu verbinden, die ebenfalls direkt und praktisch wirksam werden und die genauso wie ich der Meinung sind, dass systemisches Denken und Handeln nicht nur für eine Elite gefragt ist, sondern für alle möglich werden sollte.

      Meiner Ansicht nach kann es durch global initialisierte intelligente Vernetzung mit Tools zur Steigerung von Intelligenz, Kreativität und sozialer Zufriedenheit gelingen, große und global gesunde Ziele zu erreichen und dabei spielen die von Dir angesprochenen Ziele, bzw. Probleme, ganz sicher eine Rolle.

      Eigeninitiative und gemeinschaftliches Zusammenleben kann man nicht fordern, man kann es auch nicht in Menschen hineinlegen. Ich denke aber, dass die meisten von sich aus beides sinnvoll finden, sobald sie Kopf und Herz fürs Handeln frei haben und sich in Gesellschaft anderer aufhalten können, die nicht ständig durch symmetrische Konflikte gemeinschaftliches Handeln und Modellieren zerschlagen. Erst ist es ein Leuchtturm, dann eine Gruppe, am Ende leuchtet die ganze Insel.

      Die von Dir vorgestellten Ideen/Probleme/Programme werden mit Sicherheit in solch einem Umfeld diskutiert: Superintelligenz

      Um etwas auf den Punkt zu bringen, von dem ich schon lange denke, dass es Dir wichtig ist: Ist systemisches Denken mit direktem praktischen Handeln vereinbar? Ja, unbedingt. Es wird allerdings meiner Ansicht nach immer mehr von oben herab arbeiten, aus einer Metaperspektive heraus, die zum Beispiel fragt: „Was können wir tun, um es Menschen weltweit leichter zu machen, sich eigenverantwortlich einzubringen?“

      Dabei gilt es dann außerdem, alle Widerstände zu berücksichtigen, und die größten kommen meist aus unerwarteter Richtung – wie beispielsweise (für die meisten meiner Beobachtung nach) der bis in konkrete oder schwammige Direktabwehr oder aktives Dagegen-Arbeiten gehenden Furcht des Einzelnen vor der Herausforderung in Anbetracht eh täglich zunehmender Datenüberschwemmung und steigender sozialer Komplexität. Insofern spielen Begriffe und Fragen wie die (nach) der Motivation, Vulnerabilität, Resilienz eine wichtige Rolle.

      Eine lange Antwort – Du hast mich bei einem Lieblingsthema erwischt.
      Herzliche Grüße
      Gitta

  18. Wusste Du eigentlich bereits, dass unsere lustige GroKo nach dem „Gute-Kita-Gesetz“ nun den „Heiteren Hartz-Scherz“ planen? Und anschließend die „Rüstige-Rentner-Reform“?

    • Blasenintelligenz… Man sperrt das große Bild aus, und schon wird der Spielraum dafür, noch mehr Regeln zu erfinden oder es anderen schwerer zu machen, größer.

  19. soziale und ökologische Themen gehören zusammen wie Memory-karten

    wie Reha-Einrichtungen neben botanischem gärten, wie solarschule neben (Recycling) Mülldeponie …

    (besonders böse: ankerzentren (kranke anke erkannte kerze im Zentrum) neben Reisebüros – wissenswertes aus Ellwangen (Oldie-Remix)
    https://www.hkw.de/de/programm/projekte/veranstaltung/p_140211.phphttp://

    http://www.deutschlandfunkkultur.de/hartz-iv-abschaffen-reformieren-oder-einfach-behalten.970.de.html?dram:article_id=417223

    http://fabmobil.org/

    http://yokotawada.de/

    http://www.ardmediathek.de/tv/Kunscht/Carl-Zuckmayer-Medaille-f%C3%BCr-Yoko-Tawada/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=18349524&documentId=49260354

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