Wirklichkeitsemulation! (M)ein Weckruf urbi et orbi

Wie alle meine Artikel ist auch dieser das Resultat meiner Zusammenarbeit mit meinem Mann, Ralf Peyn. Alles, was ich schreibe, ist Reflexion unserer intensiven Gespräche und Überlegungen und ist nicht nur als Ergebnis dessen zu betrachten, sondern auch eingewickelt in alles andere, was wir gemeinsam hervorgebracht haben.

Wenn die alten Magier einen Dämon unter ihre Gewalt bringen wollten, evozierten sie ihn in einen Bannkreis, ein Banndreieck oder eine andere FORM, markierten so den Raum, in dem er sich entfalten sollte, und zwangen ihn auf diese Weise dazu, ihnen seinen Namen zu verraten, und damit in ihre Dienste. Nun musste er ihnen alles enthüllen, worüber er Macht hatte: seine Kraft, seinen Rang, seine volle Bedeutung, all sein Wissen.

Begriffe sind FORMen der Macht.

Probleme – und damit Problembeschreibungen – sind Ursachen für Problemlösungen.

Abgesehen von gewissen sozialisierten Erwartungshaltungen (die sich langfristig auch ändern können) sind Begriffe kontingent. Doch innerhalb dieser Erwartungshaltungen entfalten sie ihre soziale und psychische, ihre wirklichkeitskonstruierende Kraft. Deshalb kommt es darauf an, dort, wo man mit seinen Begriffen auf das Sozialgeschehen und die Betrachtung der Welt einwirken möchte, den Begriff sorgfältig zu wählen, denn so entscheiden wir, was wir beobachten wollen und werden.

Zwei Begriffe, die im Bannkreis der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen, sind Algorithmisierung und Digitalisierung. Vor allem Digitalisierung ist in aller Munde, und man warnt mit großer Begeisterung vor ihren Folgen. Das Problem: Diesen Dämon kennen wir schon lange … Sag mir, Welt, mit wem du sprichst, und ich sage dir, wer du bist und an welchen Unbestimmten du scheitern wirst.

Wer heutzutage vor den Gefahren der Algorithmisierung und Digitalisierung warnt, hat einen Teil der Gegenwartsgeschichte invisibilisiert und lässt außerdem wichtige Probleme, Herausforderungen, Chancen, Risiken, Gefahren, Betrachtungen zwangsläufig außen vor, weil seine Begriffe sie nicht hinreichend hergeben. Wir sind längst schon in Angelegenheiten unserer Evolution eingewickelt, die eine andere Markierung, eine andere Bezeichnung, eine andere BetrachtungsFORM benötigen, um unsere Kräfte angemessen einzusetzen und adäquat und zukunftsweisend zu (re)agieren.

Die Algorithmisierung ist seit spätestens 1950 für die Massenproduktion ausentwickelt. Ihre technischen Anfänge liegen mittlerweile rund 270 Jahre zurück. Auch was die Digitalisierung betrifft, sind wir nicht nur längst schon mitten drin, sondern gut in sie integriert. Algorithmisierung und Digitalisierung sind beide Folge aus und Voraussetzung für (weitere) Vernetzung. Aus diesen dreien, Vernetzung, Algorithmisierung und Digitalisierung ist eine vierte Kraft, ein vierter Drive emergiert: der Drive der Wirklichkeitsemulation. Algorithmisch und digital und vernetzt emulieren wir Wirklichkeit und weiterentwickeln darin Vernetzung, Algorithmisierung, Digitalisierung und Wirklichkeitsemulation. Wollen wir die neuen Phänomene, mit denen wir es seit Erfindung des Internet zu tun bekommen haben, beschreiben und beginnen zu begreifen, müssen wir das in diesem Kontext tun – erst recht, wenn wir uns darauf aufbauend eine Vorstellung davon machen wollen, was wir erschaffen werden und was dadurch auf uns zukommt. Darum geht es in dieser Arbeit.

Zu Algorithmisierung sagt uns Wikipedia: Algorithmen bestehen aus endlich vielen, wohldefinierten Einzelschritten. Damit können sie zur Ausführung in einem Computerprogramm implementiert, aber auch in menschlicher Sprache formuliert werden. Bei der Problemlösung wird eine bestimmte Eingabe in eine bestimmte Ausgabe überführt … Die mangelnde mathematische Genauigkeit des Begriffs Algorithmus störte viele Mathematiker und Logiker des 19. und 20. Jahrhunderts, weswegen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine ganze Reihe von Ansätzen entwickelt wurde, die zu einer genauen Definition führen sollten. Formalisierungen des Berechenbarkeitsbegriffs sind die Turingmaschinen (Alan Turing), Registermaschinen, der Lambda-Kalkül (Alonzo Church), rekursive Funktionen, Chomsky-Grammatiken und Markow-Algorithmen.

Und zu Digitalisierung: Der Begriff Digitalisierung bezeichnet allgemein die Veränderung von Prozessen, Objekten und Ereignissen, die bei einer zunehmenden Nutzung digitaler Geräte erfolgt. Im ursprünglichen und engeren Sinne ist dies die Erstellung digitaler Repräsentationen von physischen Objekten, Ereignissen oder analogen Medien. Im weiteren … Sinn steht der Begriff insgesamt für den Wandel hin zu digitalen Prozessen mittels Informations- und Kommunikationstechnik. Aussagen zu „Digitalisierung“ von Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft sind dabei gleichbedeutend mit der digitalen Transformation oder Digitalen Revolution von Bildung, Wirtschaft, Kultur und Politik …

(Ich zitiere Wikipedia, um zu zeigen, was der momentan verbreitete Konsens ist, und nicht etwa, weil ich Wikipedia-Beschreibungen für gut oder korrekt halte. Man kann an diesen beiden Texten erkennen, dass Wikipedia keine Klärung dahingehend schafft, wie etwas funktioniert, wie es operiert. Wikipedia ist ein Phänomen unserer Zeit, das einem zeigt, wie leistungsfähig auf der einen und wie schwach auf der anderen Seite der Schwarm ist. Was der Schwarm zustande bringt, ist Mehrheitskonsens, ist Durchschnittsleistung. Das ist eine wichtige Information für die Untersuchung der Potenziale und Probleme unserer Zeit. Das kognitive Durchschnittslevel, die durchschnittlichen Erwartungen und der kommunizierte Mehrheitskonsens über Wirklichkeit spielen eine wichtige Rolle in Digitalisierung und Wirklichkeitsemulation: Über statistische Ermittlungsverfahren finden Künstliche Intelligenzen und Bots heraus, was sich am besten anbieten, verkaufen, vermitteln lässt, welche Bedürfnisse die Masse hat und wie diese effizienter bedient werden können.
Googles Übersetzungsmaschine zum Beispiel wurde nicht konstruiert, um verschiedene intellektuell und künstlerisch relevante Übersetzungen von Texten zu liefern, sondern um Übersetzungen in die Massen zu werfen, die den Erwartungen der Massen entsprechen. Die überwiegende Mehrheit der Menschen hat das genaue, das bewusste Lesen nie gelernt, weshalb von mit statistischen Methoden produzierten Übersetzungen auch nicht zu erwarten ist, dass sie eine künstlerisch wertvolle Individuallösung liefern. Internetmedien sind (zur Zeit) Instrumente der Massen, sie sind (noch) keine Instrumente der (individuellen) Aufklärung. Sie reflektieren den augenblicklichen Mehrheitskonsens. Von solchen Instrumenten cutting-edge zu erwarten, wäre etwas sehr naiv.
Wikipedia ist eine konsensuell generierte Enzyklopädie, die unter anderem auch das für die Mehrheit typische Denken in Ontologien reflektiert. Die Wittgensteinsche Flexibilität und Schaffenskraft des Sprachspiels findet man dort genauso wenig wie die selbstintegrierende reflexive Potenz der Systemik – beides Werkzeuge, die dringend benötigt werden, um Voraussetzungen und Dynamiken von Wirklichkeitsemulation zu begreifen.)

Ein Schritt nach dem anderen:

Als am 4. April 1785 Edmund Cartwright das britische Patent Nr. 1470, die Machine for weaving by power, anmeldete, war das eine Konsequenz aus beginnender Algorithmisierung: Die ersten Webstühle mit Lochkarten waren bereits im Einsatz.

Die Lochkarte wurde etwa um 1730 herum entwickelt. Es handelte sich damals noch um Platten aus Holz, die dazu verwendet wurden, sich wiederholende Arbeitsgänge zu rationalisieren.

Häufig setzt man irrtümlich Automatisierung mit Algorithmisierung – in unserem Beispiel verwirklicht in der Entwicklung der ersten Lochkarten – gleich, jedoch gibt es Aufzeichnungen über Automatisierung, die viel weiter als in das 18. Jahrhundert zurückreichen. Automatische Maschinen wie wind- oder wassergetriebene Mühlen, Katapulte, Lastenaufzüge, … gab es bereits in der Antike, per Programm/Algorithmus gesteuerte automatische Maschinen wurden in der Industrialisierung (und zwar zuerst im Prozess der Umstellung von Manufaktur auf Fabrik) zu Serienreife gebracht.

Das Bemerkenswerte an der Lochkarte ist die Überführung des Gedankens des Algorithmus auf die Maschine, dass ein Satz an einfachen Handlungsanweisungen dazu verwendet wird, die Maschine Probleme lösen zu lassen, wie eben beispielsweise Tücher mit einem spezifischen und per Programm änderbarem Muster zu weben.

Bei Cartwrights Erfindung handelte es sich um den ersten vollmechanisierten Webstuhl, den Power Loom. Er sollte die damaligen teilmechanisierten Handwebstühle ersetzen.

Sich eine Lochkarte vorzustellen, ist nicht gleich jedem gegeben, deshalb will ich es kurz erklären: Jeder kennt die hübschen mechanischen Dosen und Spieluhren, die bestimmte Liedchen abspielen, wenn man an einer Kurbel dreht. Es hat vermutlich auch schon jeder einmal eine der Walzen darin gesehen oder gar anfassen können. Auf den Walzen sind kleine Stacheln oder Dornen angebracht. Jeder dieser Dornen ist an einem spezifischen Platz, um zum rechten Zeitpunkt die rechte Zunge zu zupfen, ein kleines in einem spezifischen Ton schwingendes Metallplättchen. Wenn man jetzt so eine Walze flach auf den Tisch legt und sich die Dornen als Löcher vorstellt und die Zungen der Spieluhr als bestimmte mechanisch auszuführende Arbeitsgänge, dann hat man die Lochkarte soweit erst einmal verstanden. Jetzt braucht es nur noch nebeneinander liegende Holzstäbe von der richtigen Größe, die Reihe für Reihe, oben angefangen, auf die Lochkarte drücken und dann, wenn sie auf ein Loch stoßen, durch das Loch hindurch den jeweiligen Mechanismus anschlagen.

Im Power Loom wurden drei verschiedene Grundbewegungen des Webens, nämlich das Heben oder Senken der Schäfte, das Eintragen des Schusses mit dem Werfen des Schiffchens durch das Fach und das Anschlagen der Lade, einem gemeinsamen Antrieb übertragen.

Der Power Loom wurde zum Gegenstand der Entrüstung des ersten bekannten Massenaufstands gegen die Maschiniserung, während dessen etliche Webstühle vernichtet wurden und der im schlesischen Weberaufstand 1844 seinen Höhepunkt fand (Quelle: Wikipedia). Das war der sozial für alle sichtbare Anfang der Algorithmisierung.

Ein Algorithmus ist eine einfache Handlungsanweisung zur Lösung eines Problems oder einer Klasse von Problemen. Algorithmen sind enorm hilfreich, um Arbeitsabläufe zu effektivieren, und Menschen haben schon immer versucht, sich das Leben mit Hilfe von Algorithmen leichter zu machen.

Wenn Frank B. Gilbreth (den meisten vermutlich weniger als herausragender Ökonom aus den Zeiten von Fords Model T, sondern als Vater von 12 Kindern aus „Im Dutzend billiger“ bekannt) in einen Betrieb gerufen wurde, um dabei zu helfen Kosten einzusparen, lautete seine erste Injunktion in etwa so: „Zeigen Sie mir den faulsten Kerl in Ihrem Unternehmen. Ich meine den Typ, der sogar noch zu bequem ist, sich morgens die Schuhe zuzubinden, und der statt dessen Slipper trägt!“ Den Mann hat Gilbreth dann studiert, sich seine Arbeitsgänge angesehen, um herauszufinden, wo Zeit – und damit Geld und Personalkosten – eingespart werden können. Er machte diesen Mann zum Modell für seinen Entwurf eines Algorithmus von Arbeitseinzelschritten und gab den fertigen Algorithmus dann allen, die vergleichbare Arbeiten durchführten.

Ergonomie ist heute eher bekannt als die Untersuchung von Bewegungsabläufen zur Verbesserung menschlicher Gesundheit, allgemeiner ist sie aber die Wissenschaft von den Gesetzmäßigkeiten menschlicher und künstlicher Arbeitskraft, um Algorithmen zu entwickeln, mit Hilfe derer in möglichst kurzer Zeit bei möglichst niedrigem Energieaufwand qualitativ optimale Arbeitsergebnisse erzielt werden sollen.

Einer der vielen Anekdoten um Frank B. Gilbreth nach soll er eines morgens versucht haben, sich mit zwei Rasierern gleichzeitig zu rasieren. Das Gefluche anschließend galt nicht der Tatsache, dass er sich dabei geschnitten hatte, sondern dass ihn das Heraussuchen und Aufkleben der Pflaster zwei zusätzliche Minuten kostete.
Die Arbeit von Gilbreth und seinen Kollegen war grundlegend für die Effektivierung der Fließbandarbeit und die Vollautomatisierung. Die heutige beginnende Roboterisierung profitiert noch immer von den Erkenntnissen der Pioniere des Bewegungsstudiums. Und Gilbreth konnte seine Arbeit nur leisten, weil er Zugriff auf über 170 Jahre maschinelles Algorithmisierungswissen hatte und weil sein Denken, seine ganze Konditionierung bereits darin stattgefunden hatte bzw. darauf aufzubauen vermochte.

Um wie viel mehr als Gilbreth wir in die Errungenschaften der letzten rund 270 Jahre integriert sind, wird klar, wenn wir versuchen, eine Kurve der Entwicklungen von 1730 bis 2018 zu zeichnen, die die über die Zeit zunehmenden Resultate von Vernetzung, Algorithmisierung, Digitalisierung und Wirklichkeitsemulation zeigt: Sie steigt exponentiell an. Dasselbe finden wir für jede dieser vier Kräfte, wenn wir sie einzeln untersuchen. Und mit jeder Kraft, die wir wieder hinzunehmen, beschleunigt sich das Wachstum, weil sie die Leistungen der vorherigen integriert und potenziert. Ineinander verschlungen haben sich Algorithmisierung, Digitalisierung und Vernetzung immer schneller und schneller entwickelt und Wirklichkeitsemulation hervorgebracht. In Algorithmisierungsprozessen leben wir seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In Digitalisierung richten wir es uns ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts häuslich ein. Die Beschleunigung von Denkveränderung und technologischer Entwicklung, die wir seitdem erfahren, lässt jedes heutige „Wir müssen über die Folgen der Digitalisierung reden“ albern/anachronistisch aussehen.

Vor diesem Hintergrund wird die Dringlichkeit für Systemanalytiker, sich den (weiteren) Verlauf der Technologisierung sehr genau und sehr gründlich anzusehen und natürlich auch zu lernen, die modernen technischen Methoden zu handhaben, deutlich, denn die benannten Kräfte verändern nicht nur unsere sozialen Umwelten, sondern auch das Denken des einzelnen Menschen: Sie wirken auf Gehirn und Nervensystem, auf Psyche und Bewusstsein und für das Sozialsystem konstitutiv.

Ich habe gerade erst vor einem Jahr von einem Forscherkollegen (Bereich Longevity) erfahren, dass er festgestellt hat, dass sich unsere Ernährungsbedürfnisse mit Digitalisierung (und erst recht mit Wirklichkeitsemulation) grundlegend ändern (Dr. Marios Kyriazis, The Anti-senescence Effects of Hormesis, Environmental Enrichment, and Information Exposure). Die Vernetzung stellt andere Ansprüche an unser Hirn und Nervensystem. Und was Wirklichkeitsemulation anbelangt bekommen wir es mit Komplexitäten zu tun, die eine neue, eine emergente Form von Intelligenz – eine Superintelligenz – fordern, um sie zu bewältigen. Superintelligenz kann nicht Künstliche Intelligenz (allein) sein. Warum? … wird im weiteren Verlauf hoffentlich immer klarer werden. (Jetzt bereits möchte in diesem Zusammenhang auf Aspekte unserer Forschung zeigen, die explizieren, wie solche Superintelligenz zustande gebracht werden kann: http://formwelt.info/de/Blog/superintelligenz)
Überlassen wir die Entwicklung der Intelligenz dem Facebook-Schwarm, unterhalten wir uns in einhundert Jahren vielleicht weitestgehend in Emoticon-Sprech

Mit Algorithmisierung haben wir gelernt, den Algorithmus in Maschinen anzuwenden. Mit Digitalsierung haben wir angefangen, Algorithmen zu computerisieren: Maschinen zu entwickeln, die analoge Abbildungen und Aufzeichnungen realer Phänomene in Zahlen umwandeln und so rechenbar machen.

Digitalisierung

Seit im Verlauf der Algorithmisierung die ersten höheren Programmiersprachen entwickelt wurden (wie Assembler, FORTRAN, PASCAL und C), die unser Denken und Leben so massiv und nachhaltig verändert haben, woraus die Weiterentwicklung der Programmiersprachen und unseres Denkens bis heute und darüber hinaus fortläuft, ist bereits eine ordentliche Zeit vergangen … und wir haben sie genutzt. Es ist vollkommen korrekt, Programmiersprachen als Algorithmen bzw. Baukasten-Sets für Algorithmen zu begreifen und die ersten Lochkarten der Handwebstühle genauso dazu zu zählen wie das Morsealphabet – vorausgesetzt natürlich, wir begreifen das einzelne Morsezeichen als Anweisung dazu, eine spezifische sprachliche Leistung zu erbringen. Algorithmisierung hat Menschen hervorgebracht, die in Effizienz- und Leistungskriterien denken, die vorher so nicht denkbar waren. Sie hat die Industrialisierung optimiert und programmierbare Maschinen erschaffen. Maschinelle Digitalisierung hat das Programmieren in die Kinderzimmer eingeführt und Menschen auf breiter Ebene dazu motiviert, in kurzen Feedbackschleifen und objektorientiert zu denken.

Immer schneller schritten Algorithmisierung und Digitalisierung voran. 1950 war der erste Assembler fertig geschrieben und zwar von Nathaniel Rochester für den IBM 701, der 1952 auf den Markt kam. Der IBM 701 war der erste kommerzielle und für wissenschaftliche Zwecke bestimmte Rechner von IBM. Aber so neu und großartig die Entwicklung dieser digital programmierbaren und digital operierenden Maschine auch wirkt(e), sie poppte nicht aus dem Nichts hervor … andere gingen ihr voraus … zum Beispiel Tommy Flowers Colossus … Konrad Zuses Z3 … und eine guten Sprung in der Zeit zurück Charles Babbages Difference Engine und der Entwurf seiner Analytical Engine … der moderne digital Computer ist Resultat einer Kette historischer Erfindungen, die Mitte des letzten Jahrhunderts mit den dann erst zur Verfügung stehenden technischen Mitteln in Hardware und Software – in ähnlicher Form, wie wir sie auch heute nutzen – verwirklicht werden konnten.

Vielleicht können wir die 1837 angefertigte Beschreibung der Analytical Engine des Mathematikers Charles Babbage als den ältesten bekannten Vorfahren des modernen Computers mit noch erkennbarer Familienähnlichkeit erachten. Auch wenn Babbage seine Analytical Engine nie gebaut hat, das Konzept ist durchaus mit den 100 Jahre später produzierten Computern vergleichbar. Hätte er zu seiner Zeit bessere Materialien und Technologien oder auch einfach nur mehr Geld zur Umsetzung seiner Ideen zur Verfügung gehabt, würden wir Charles Babbage heute wahrscheinlich öfter in einem Atemzug mit Jack Kilby, Robert Noyce, Steve Wozniak, Bill Gates oder auch Steve Jobs nennen.

Von Babbage zu Gates und Jobs war ein langer Weg, aber es war ein Weg, der die Zukunft der Menschen für immer verändern sollte.

Mit Hilfe der Glühbirne, des Relais, der Elektronenröhre, des Transistors und dann der Integrierten Schaltung brachte Algorithmisierung nach und nach Digitalisierung in die Welt, erst in Form des Großrechners, dann als Personal Computer, dann als CD/DVD, dann als Laptop, dann als iPod, dann als Digitalkamera, dann als USB-Stick … und heute gar in Form unserer Handys, Pads und Tablets …

All diese Entwicklungen werden nicht erst, sondern haben bereits einschneidenden wirstschaftlichen, industriellen, politischen, militärischen und gesellschaftlichen Strukturwandel und Systemwandel hervorgebracht und WIR sind mitten drin!

Der einschneidende Augenblick, an dem klar wurde, dass wir es mit einer neuen und zwar digitalen Ära zu tun bekommen, war aber sicherlich bereits in den 1980er Jahren da, als die Personal Computer ihren Einzug in die Büros und in die Heime der Menschen hielten. Hier, ausgerüstet mit dem PC, sehen wir Menschen Bücher eintippen und einscannen, auf breiter Ebene Programmiersprachen lernen, ihre Buchhaltung am PC erledigen. Kalkulationsprogramme und für jedermann leicht bedienbare Textverarbeitungsprogramme wurden in diesen Jahren erfunden. Wer weiß noch von jenen seligen Zeiten, als wir unser Betriebssystem mit DOS direkt unter den Fingerspitzen hatten? Wer hat noch seinen 386er selbst zusammengeschraubt und erinnert den stolzen Augenblick, als die RAM-Bausteine aus Taiwan per Post angeliefert wurden und man ein paar Bootsekunden, ein bisschen mehr Speicherplatz und etwas mehr Seelenruhe dazu gewonnen hatte?

Dann kamen die Börsen dazu und erfassten ihre Daten in Computern und die Stunde der Digitalisierung hatte endgültig (zu)geschlagen.

Statt dass Menschen miteinander kommunizieren, übernahmen die Arbeit nach und nach Computer. Schriftlich fixierte Kauf- und Verkaufserklärungen wurden in Binärcode, in Zahlen übertragen, ein virtueller Börsenraum entstand. Geld, an sich schon eine Abstraktion, wurde digitalisiert und mit ihm die Geldschöpfungsmechanismen.

Ein wichtiger Schritt war gemacht: Die Krise konnte von Computern errechnet, vorbeugende Maßnahmen rechtzeitig ergriffen werden – soweit zumindest die Theorie. Mit fortschreitender Digitalisierung der Börsenprozesse wurde die Krise zum täglichen, ja sekündlichen integrativen Steuerungsmechanismus innerhalb der Maschinenprozesse.

Doch der Gewinn an Zeit, Präzision und Schutz vor der Krise durch Integration der Krise hat Nachteile, denn er produziert neue und entscheidende Löcher in der Erwartungsbildung.

Wenn Wirklichkeitsemulation die Krise einpreist, entschärft sie die Funktion der Krise, Restrukturierung zwecks Anpassung und Optimierung zu initiieren. „Krisen“ degenerieren zu Ziel des jeweils aktuellen und Absprungpunkt in den jeweils nächsten mehr oder weniger redundanten Operationszyklus. Sie werden zur Gewohnheit und können zwecks Motivation schneller auf einander folgen, ohne zu große Schwierigkeiten zu produzieren. Das Problem jedoch besteht darin, dass sich System so für die wirkliche Krise, die jetzt noch außerhalb seines Erfahrungshorizontes liegt und gerade deshalb seinen Fortbestand gefährden kann, desensibilisert.

Im abstrakten Raum der digitalisierten Börse spielen Angelegenheiten unserer Alltagswirklichkeit eine noch geringere Rolle als das im Geldhandel vor der Digitalisierung der Fall war. Als 1637 die Börse in Holland wegen Tulpenzwiebeln crashte, hatten die Adeligen und Reichen, wie das damals schon üblich war, auf seltene Produkte spekuliert: Man war fasziniert vom Spielen mit dem Wert von Muscheln, Straußeneiern oder … Tulpenzwiebeln. (Im damaligen Holland hatten dem Vorbild der Reichen folgend übrigens auch große Teile der gesamten besitzenden Bevölkerung begonnen auf Tulpenzwiebeln zu spekulieren.) Nun sagt sein Verstand dem Durchschnittsvernünftigen, dass der Wert einer seltenen Sache einen gewissen Bezug zur Realität haben sollte. Doch Realität und Börse, das sind zwei Phänomene, die man am besten konstruktivistisch oder systemisch begreift, nicht mit gesundem Menschenverstand. Wie auch immer: Man verspekulierte sich, die Blase platzte, und es kam zur Katastrophe für die Spekulanten und zur Restrukturierung initiierenden Krise für die Wirtschaft.

Ein Computer hat nicht nur keine Ahnung von Tulpenzwiebeln, er weiß auch nichts von Besitz und Immobilien. Er bezieht die Daten, die ihm eingespeist werden, auf die Daten, die er hat, und in Rechenprozessen schafft er intern eine eigene umweltunabhängige Interpretation, die einfach weiter rechnet, egal, was da draußen passieren mag. Prüfalgorithmen versuchen, das Vernachlässigen der Umwelt des Geldhandels zu verhindern. Was die Geldgeschäfte am Laufen hält, sind auf der einen Seite die Rechenprozesse, auf der anderen die Menschen, die die Computer bedienen, die dafür sorgen, dass gekauft oder verkauft wird, und die die Algorithmen erstellen, die dieses oder jenes auf eine bestimmte Art und Weise bewerten. Wie schätzen die Menschen die Wirtschaftliche Entwicklung insgesamt und die Entwicklung der Unternehmenswerte im einzelnen ein? Mit welchen Mitteln schätzen die Menschen ihre Welt? Wie und woher beziehen die Menschen ihre Informationen? Das ist die interessante Frage, an der nicht nur Resultate von Digitalisierung deutlich werden, sondern an der wir auch erkennen können, wie Wirklichkeitsemulation arbeitet und wirkt. Heutzutage beziehen Menschen ihre Daten über Computer z.B. aus digitalisierten Handelssystemen oder aus digitalisierten Börsenmagazinen und von anderen Menschen, die per Computer vernetzt in das Geschehen involviert sind. Gemeinsam mit vernetzten Computern schaffen die Menschen alternative, emulierte Wirklichkeiten, indem sie sich wechselseitig mit Information füttern, die im und durch dieses System generiert wird, worauf sie ihr Denken und Handeln/Erleben ausrichten und worauf sie denkend und handelnd/erlebend einwirken. Der Computer kann ihnen nicht wie der Mann vor Ort erklären und zeigen, wie die Ernte dieses Jahr ausfallen wird. Der Computer prozessiert eigentlich nur 0/1 und das, was wir damit machen.

Kein Börsenmakler untersucht noch die Verhältnisse in der Wirklichkeit vor Ort. Komplexität und Abstraktion der Vorgänge lassen das nicht mehr zu. Er verlässt sich auf das Datenbild der Welt, operiert in der gemeinsam mit Maschinen und anderen Fachleuten konstruierten Realität. Er fragt nicht nach, mit wie vielen Hypotheken einzelne Häuser belastet wurden, wie gerechtfertigt diese Belastung ist, ob die Banken vor Ort und andere Kreditgeber die Sachlage korrekt einschätzen – und erst recht nicht, ob sie dazu bereit sind, sie realistisch einzuschätzen.

Irgendwann aber werden Gehalt und Werte der Prozesse des Subsystems Börse abgefragt: Sind sie da oder nicht? Und wenn das passiert, wenn die Preisfrage Kettenreaktionen auslösend die Gesellschaft durchläuft und nicht mehr nur in einer aus Börsenperspektive emulierten Welt digital verhandelt wird, gibt es ein Überschwappen in die Wirklichkeit vor Ort (natürlich auch emuliert, vernetzt, von Mensch zu Maschine, von Maschine zu Mensch, von Person zu Person und erst dann vielleicht auch noch von Mensch zu Mensch).

Wer die Finanzkrise 2007/2008 nur als das Werk korrupter Banker, Immobilienmakler und Kredithaie ansieht, überblickt das Puzzle nicht im Ganzen: Wirklichkeitsemulation.

Als Resultat der Krise wurden Unternehmen geschlossen, Büros geräumt und Menschen verloren ihre Jobs, ihre Heime, ihr Geld. Und dann gab es da noch die Unternehmen, die so weitreichend im System vernetzt waren, dass man sich nicht leisten wollte, sie zerfallen zu sehen. Damit der einarmige Bandit weiter funktionieren konnte, warf einfach jemand eine weitere Münze ein. Ohne ihn könnte ja viel mehr zusammenbrechen als nur die Börse. Restrukturierung Adé! Und ab in den nächsten mehr oder weniger redundanten Operationszyklus … die Zeche zahlen ja sowieso die, die am wenigsten haben …

Digitalisierung hat es Börsen und vielen anderen Subsystemen unserer Gesellschaft möglich gemacht, historisch gewachsene und etablierte und auch viable Kontroll- und Selektionsmechanismen schnell zu umgehen, zu ersetzen oder einfach außer Kraft zu setzen. Das löst eine Lawine ungelöster Probleme aus. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit (vor Ort) und (emulierter) Wirklichkeit beginnen immer mehr zu verwischen. Emulierte Wirklichkeit wird zu unserer Wirklichkeit … und kann natürlich jetzt nicht mehr aufhören, sich selbst (also auch uns gleich mit) zu emulieren … emulierte Wirklichkeit kann viel länger noch gesund aussehen, selbst wenn sie sich schon längst ausgehöhlt hat und nur noch Krise spielt, um Anpassung und Änderung zu meiden … kommt aber dann der „echte“ Schuss von außerhalb ihres Erwartungshorizonts, kriegt sie ihn noch mit? Kann sie noch ausweichen, sich anpassen oder hört sie einfach auf?

 

Beschleunigung der Datenverarbeitungsprozesse, Überwindung von Kapazitätslimits, Zusammenbrüche und vollständige Re-Organisationen ganzer Industriezweige, Qualitätsverlagerung von Anspruch und Wahrnehmung, Informationsmanagement, Konstruktivismus, globale Virtualisierung, politische Konsequenzen, ideologische Konsequenzen, das Ende des Kapitalismus: Bleiben Sie dran für den zweiten Teil des Artikels in Kürze hier in diesem Blog.

56 Gedanken zu “Wirklichkeitsemulation! (M)ein Weckruf urbi et orbi

  1. „Algorithmisch und digital und vernetzt emulieren wir Wirklichkeit und weiterentwickeln darin Vernetzung, Algorithmisierung, Digitalisierung und Wirklichkeitsemulation.“

    Wirkt ziemlich sperrig dieser Satz in Aneinanderreihung der vielen „und“s.
    😉

    Vorschlag:

    Algorithmisch und digital als auch vernetzt emulieren wir Wirklichkeit.
    Und entwickeln darin Vernetzung, Algorithmisierung, Digitalisierung und
    Wirklichkeitsemulation weiter.“

    • Liebe deaXmac, das wäre eine Verzerrung und Aufweichung der vorher so schön eindeutigen Sprache. Ein „und“ hat bei mir in diesem Blog immer einen Grund.

  2. Anmerkung:

    wunderbar klar die Entwicklung nachgezeichnet

    aber auch – wenn auch weniger wunderbar in meiner Einschätzung – der Dämon skizziert

    das Schaffen und Erschaffen der „künstlichen Welten“ – der virtuellen Welten – und ihrer Nicht-Verbindung mit den „realen“ Gegebenheiten und Lebenswirklichkeiten

    „virtuelles Brot“ lässt sich nun einfach nicht riechen, schmecken, kauen – es taugt nicht als Nahrung … da mag die Darstellung auf dem Bildschirm noch so gekonnt und verführerisch sein …

    die Probleme dessen, das wir früher Entfremdung nannten – kulminieren

    die alles entscheidende Frage ist, WIE wollen/ wie können wir – als nicht digitale Wesen – in einer Welt leben, deren Abbildung und Gestaltung durch Digitalisierung bestimmt wird – ohne dass diese die wirklichen – die basalen – Gegebenheiten zu berücksichtigen imstande ist …

      • Nun ja, die Erfindung der Computer und ihrer Programmierung ist Menschenwerk.
        Ebenso das, das sich Wirklichkeitsemulation nennt.
        Aber eine Nachbildung ist eine Nachbildung ist eine Nachbildung –
        und hat damit nur in Bezug auf die berücksichtigten Parameter eine gewisse Aussagekraft.
        Wo die Parameter unzureichend sind – oder gar falsch
        und/oder ihre gegenseitigen Beziehungen nicht vollständig erfasst werden, muss sie notwendigerweise zu falschen Ergebnissen führen.
        Ein gutes Beispiel hierfür sind die Debatten um Klimaerwärmung oder Feinstaub…
        die Modelle, an denen wir uns orientieren, scheinen nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten zusammen zu passen …
        wie anders sollten Artikel, wie der Nachfolgende zu ganz anderen Einschätzungen der Gefährdungslage kommen ?

        https://m.bazonline.ch/articles/5a72cb7dab5c37063f000001

  3. Den meisten Menschen dürfte kaum bewusst sein, in welchem Ausmass sie vorgeprägt sind und wie weit sich digitale Welt verselbständigt hat, die Menschen geschaffen haben und die da ihren Anfang nahm, wo Menschen versuchten, Arbeitsabläufe zu vereinfachen – wobei ich mich auch frage, wieweit da teilweise schon das Interesse Stärkerer befriedigt wurde, die aus ihren Untergebenen mehr rausholen oder ihren Einsatz überflüssig machen wollten, um den eigenen Profit zuerhöhen. Auch wir selbst wissen vermutlich nicht immer, wo wir etwas als gegeben hinnehmen, was eigentlich geändert werden sollte und müsste oder was zumindest kritisch hinterfragt werden müsste.

  4. Was für ein toller Artikel! Mit einem (impliziten, zu ahnenden) Hintergrund, der zum Weiterdenken einlädt und auch Raum für Anschlüsse lässt…

    Ich will aber erst mal nur was zum Anfang des Textes sagen. An den Anfang setzt Du, Gitta, die Geschichte mit dem Dämon, und wie ich dich kenne, ist das wohl durchdacht, kein bloßer spontaner Einfall.
    Dämonen haben etwas mit Macht zu tun, die nach Hannah Arendt immer dann entsteht, wenn Menschen zusammen handeln. Und mit Technik.
    Bei technischen Konstruktionen gibt es immer ein Moment, wo Menschen nicht genau wissen, warum sie funktionieren, dem sie aber einen Namen geben müssen, damit es funktioniert. In frühen Gesellschaften waren das Dämonen, die man in Ritualen beschwor.

    Unter einem Ritual verstehe ich koordiniertes Verhalten zweier oder mehrerer Individuen, das in wiedererkennbaren bzw. wiederholbaren Mustern abläuft und das – aus der Sicht eines Beobachters – sozialen Zusammenhalt herstellt, erneuert und sichert.

    Dass auch wir nach wie vor Rituale vollziehen, in denen wir Dämonen beschwören und mit ihnen „tanzen“, haben wir vergessen. Heute haben wir Naturgesetze, die auf – weiter nicht begründeten – „Erklärungsprinzipien“ beruhen wie z.B. „Schwerkraft.“ Die Maschinen, die nach diesen Prinzipien arbeiten, sind AusdrucksFORM von Geld / Kapital, dem wir durch „rituelles Handeln“ Macht verleihen.

    Ich kam vor Jahren schon mal auf die Idee, dem Buch, an dem ich (immer noch) schreibe, den Titel „Mit den Dämonen tanzen“ zu geben. Die Idee kam mir, als ich das Buch „Neun Leben. Unterwges ins Herz Indiens“ las. Darin beschreibt W. Dalrymple u.a. ein jährlich sttfindendes Ritual, bei dem Dalits (die unterste, schlimm ausgebeutete, verachtetste Kaste) sich durch Trommeln und Tanzen in Ekstase bringen, bis sie zu einem bestimmten Gott werden. Die Götter nehmen also nicht etwa in den reinen und geheiligten Brahmanen Gestalt an, sondern in den verachteten Unberührbaren. Die Geschichten, die in dem Tanz erzählt werden, drehen sich um Kastenfragen, um das das damit oft verbundene schreiende Unrecht, Machtmissbrauch. Selbst der bigotteste Brahmane oder brutalste Großgrundbesitzer ist von Tränen gerührt – und macht am nächsten Tag weiter wie bisher. Das Ritual hat die Machtverhältnisse letztlich nur bestätigt…

    • Ja, lieber Franz, ich habe dafür Gründe.
      Interessante Ideen, die Du da hast.
      Rituale dienen der Aufladung von Werten mit Intensität. Kraft und Erfolg bei der Jagd, sozialer Zusammenhalt, oder, wie in klassischen westlichen (adaptierten) Ritualen der (Selbst-)Erkenntnis, der Erkenntnis von und Einswerdung mit dem Höheren Selbst, Gott und der Welt und/oder der Macht über bestimmte Kräfte. Dort (im westlichen Okkultismus) sind sie weitenteils Präpsychologie.
      Beide, die angelischen und die dämonischen Kräfte müssen in einigen Ritualen unter die Gewalt des Magiers gebracht werden, um das menschliche Selbst (als ein Wert der wiederkehrend durchgeführten Handlung) zu erkennen, zu besiegen und im Höheren Selbst aufzugehen, neu geboren zu werden.
      Aber auch alltägliche Rituale (bewusste und unbewusste) dienen entsprechend der Aufladung von Werten mit Intensität, wie Du mit komplexeren Beispielen bereits sehr richtig anführst.
      In Deinem Beispiel hat das Ritual die Machtverhältnisse zwar nicht verändert, aber es hat ein weiteres Mal das Selbstwertgefühl der Praktizierenden erhöht und sie daran erinnert, dass sie Teil des Rades sind und aus Sicht der Götter den höheren Kasten auf seelischer Ebene gleichwertig, nur auf Erden inkarnativ gebunden.
      Wie ich geschrieben habe, betrachte ich Begriffe als FORMen der Macht. Äußerste Achtsamkeit ist das Gebot, dem der Magier im Ritual zu folgen hat. Jeder Schritt, jedes Wort muss sitzen, sonst entkommt der Dämon, und die Konsequenzen können tödlich sein. Der Übergang vom Denken in (Begriffs-)Ontologien zu funktionaler Begriffs- und damit Konzept- und Weltschöpfung kann nicht ohne eine solche äußerste Achtsamkeit geschehen. Folgt man meinem Artikel aufmerksam, werden die Lücken in der Weltkonstruktion offenbar, die damit einhergehen, dass man die Phänomene auf „Digitalisierung“ zu reduzieren versucht. Ich werde im weiteren Verlauf zeigen, dass die aus dieser unachtsamen Behandlung unserer Entwicklung folgenden Begriffe zwangsläufig ebenfalls unzulänglich sind. Einer davon ist „Industrialisierung 4.0“.
      Wenn man mit Dämonen tanzen will, muss man ihre Namen kennen, sonst tanzen die Dämonen mit einem …

      Wiederholte Anmerkung: Meine Kommentare sind nicht mit derselben Gründlichkeit verfasst wie die Artikel in diesem Blog.

  5. Sorry, Brigitte, ich verstehe weder die Logik der Erklärung noch die Bedeutung der Beispiele. Hoffentlich soll das nicht heißen, dass die Menschen durch ihre Entwicklungen und die Konsequenzen, die sie zu früheren Zeiten gezogen haben, so verkorkst sind, dass sie heute nichts wirklich Wichtiges und sie potentiell vorwärts Bringendes mehr zu erkennen vermögen.

    • @ Irmela – vielleicht heisst es einfach nur, dass es möglich ist, dass wir mit der Wirklichkeitsemulation gewaltig „auf dem Holzweg“ sind …

      eine Entwicklung angestoßen haben – und uns in einer Entwicklung gefangen haben – die sich selbst ad absurdum führt … in deren Konsequenz wir uns selbst ad absurdum führen ( könnten)

      ein wenig wie der Zauberlehrling …

      der Zauber der Zahlen und der Eindeutigkeit der mathematischen Prozesse …

      … er erschafft / man erschafft mit ihm parallele Welten, die, wie Gitta wunderbar ausgeführt hat, in sich stabil gehalten werden können, die aber der Konfrontation mit den außerhalb stattfindenden Lebenswirklichkeiten nicht Stand halten können …

      vielleicht haben wir uns schlichtweg übernommen und können selbst mit den besten Rechenleistungen und Gehirnakrobaten solch gewaltige und komplexe Systeme wie die der Weltwirtschaftssysteme, der Globalisierung,des Ressourcenmanagements und des ökologischen Gleichgewichtes nicht managen …
      einfach weil Welt und Mensch nicht ausschließlich nach mathematischen Gesichtspunkten funktionieren ….

      und vielleicht ist es wirklich so, wie Franz Friczewsky schreibt:

      wir vollziehen Rituale, die die Situation nicht klären , im Sinne von „in ein Anderes – ein hoffentlich Besseres überführen“ – sondern ihre „Untauglichkeit“ zementieren

      Dies wiederum aber heißt nicht, dass es nicht möglich sei, Neues und Anderes – Hilfreicheres – zu ersinnen und zu realisieren
      unter Einbeziehung all der Unwägbarkeiten, die sich eben nicht berechnen lassen und die dennoch berücksichtigt werden müssen

      manchmal denke ich tatsächlich, wir müssten ein wenig Abstand nehmen von all den „großen“ und unüberschaubaren Prozessen und dem Detail/ den Details wieder mehr Beachtung und Berücksichtigung schenken

  6. Spannend und erhellend finde ich auch Deine Überlegungen zur Algorithmisierung. Auch, wie Digitalisierung an Algorithmisierung anknüpft.
    Die Bedeutung der Lochkarte für die Industrialisierung (mechanischer Webstuhl) hatte ich mir so noch nicht klargemacht.

    Der erste mechanische Webstuhl (der übrigens im selben Jahr in einer Fabrik aufgestellt wurde, in dem auch Kants „Kritik der Urteilskraft erschien – ein bemerkenswerter Zufall) war aber nur wegen des in die (den Webstuhl antreibende) Dampfmaschine eingebauten Fliehkraftreglers fabriktauglich; erst mit ihm wurde eine gleichmäßige Bewegung möglich. Der Fliehkraftregler beruht auf dem kybernetischen Prinzip.
    Ist nicht neben der algorithmischen auch die kybernetische DenkFORM erwähnenswert?

    Erwähnenswert finde ich auch, dass die algorithmische DenkFORM erstmals in den ersten Hochzivilisationen (etwa dem alten Ägypten) auftritt. Sie ermöglichte das Amalgam von Macht und Technik. Der damals entstandene „Mythos der Großen Maschine“ bildet bis heute die Blaupause unserer DenkFORM.

    Die Bewegungsstudien von Galbraith und Taylor unterstellten den Arbeiter als einen gefühllosen Roboter. Sie veränderten die Machtposition in der Werkstatt zugunsten der Planungsingenieure und der Werksleitung im Dienste einer besseren Kapitalverwertung. Sie wollten jede „überflüssige“ Körperbewegung ausschalten, indem sie die Bewegung des Arbeiters in einfache, voneinander isolierbare Elementarbewegungen zerlegten, um dann den schnellsten und besten Bewegungsablauf zu ermitteln.

    Auch der Tanzpädagoge Laban untersuchte in den 1920er Jahren menschliche Bewegungsabläufe und fand dabei andere Elemente, aus denen sich Bewegung rekonstruieren lässt, und zwar so, dass die Bewegung nicht Raubbau an ihren eigenen Ressourcen betreibt, dass also ein Bewegungs-Fluss entsteht. Er fand dabei vier Formen: die körper-, die ziel- und die prozess-orientiete Form sowie den Raum bzw. seine Nutzung (unterschieden in den mit den Extremitäten erreichbaren und den übrigen Raum).
    Das sind Überlegungen, die in dem, was heute „Ergonomie“ heißt, immer noch fehlen.

    • auch im afrikanischen oder im indischen Tanz z.B. ist die Kunst entwickelt, die Bewegung einzelner Körperteile (Becken, Arme, Hände, Finger, …) von der der anderen Körperteile zu isolieren. Sie steht aber in – vom Tänzer gefühlter und kontrollierter – Resonanz zu den scheinbar nicht bewegten Teilen.

    • Danke, Franz. Die Kybernetik ist sicherlich ein relevanter Faktor. Ich habe sie in diese Artikelserie nicht intensiver eingebaut.

      Ja, die Ergonomie hat, genauso wie unser Schulsystem, nicht ihre Wurzeln darin, es den Menschen leichter zu machen oder ihnen etwas Gutes zu tun. Unternehmen arbeiten gewinnorientiert. Wenn sie die menschlichen Bedürfnisse einplanen, dann unter diesem Gesichtspunkt. Die Kinder wurden auch nicht in die Schulen gezwungen, weil man der Ansicht war, dass es ihnen gut tut, sondern weil die wirtschaftlichen und familiären Erfordernisse das nötig gemacht haben. Man denkt sich heute gern, es ginge bei Ergonomie vor allem um das Wohlfühlen und bei der Schulbildung darum, den Kindern etwas Gutes zu tun … man darf das bezweifeln. Die einfache Frage veranschaulicht das: Was wäre, wenn wir von heute auf morgen die Schulen abschafften, was ist der Hauptgrund, warum wir das nicht tun? Oder so: Was wäre, wenn die Anzahl der Weltarbeitslosen weit oberhalb der vorhandenen Arbeitsplätze läge/(liegt) und es keine Möglichkeit gäbe, die betroffenen Menschen anderweitig zu versorgen? …

      • Der Zusammenhang: (Algorithmisierung – Digitalisierung – Vernetzung – Wirklichkeitsemulation) klingt für mich sehr schlüssig. Daher interessiert es mich, zu erfahren, wo du Kybernetik hier einbaust. Bei der Vernetzung? Ein paar Andeutungen würden mir genügen.

      • Lieber Franz, auch die Kybernetik hat eine längere Geschichte als ihr Name und reicht bis in die Antike, aber das weißt Du ja.
        Wann der Begriff entwickelt wurde, in welchem Kontext und von wem, das ist allerdings interessant und bedeutsam vor dem Hintergrund unserer Untersuchungen.
        Wie Konstruktivismus und Systemik würde ich sie nicht einer dieser Entwicklungen allein zuordnen wollen.

      • „Wie Konstruktivismus und Systemik würde ich sie (die Kybernetik) nicht einer dieser Entwicklungen (z.B. Vernetzung, FF) allein zuordnen wollen.“
        Kybernetik unterscheidet sich doch aber von Systemik darin, dass sie es – ähnlich wie auch Algorithmisierung und Digitalisierung – gestattet, Maschinen zu konstruieren. Systemik (Kybernetik zweiter Ordnung) kann das nicht.

      • ich will damit sagen, dass ich Kybernetik (erster Ordnung!) zusammen mit Algorithmisierung usw. einer anderen Ebene zurordnen würde als Systemik (einsvchließlich Kybernetik zweiter Ordnung) und Konstruktivismus.

  7. Den Hinweis darauf, dass die Entwicklung formaler (Programmier-)Sprachen uns selbst verändert hat, fand ich erhellend.

    Kleine Nörgelei: „Emulation“ ist problematisch, ich fände „Simulation“ oder „Imitation“ hier passender. „Emulation“ konnotiert funktionelle Vollständigkeit, deren Fehlen hier ja kritisiert wird.

    • Freut mich sehr, dass Dir der Artikel etwas gebracht hat!
      … Ich habe natürlich Gründe dafür, das „Emulation“ zu nennen. Bin gespannt, ob Du sie entdeckst.

    • sobald man anfängt, ein Fehlen der Vollständigkeit zu kritisieren, geht man im Grunde davon aus, daß Vollständigkeit ein – wie auch immer- erstrebenswertes Ziel beinhalten könnte. Darin wäre dann gleichzeitig auch ein teleologisches Prinzip mit enthalten, das bei genauer Betrachtung, dann vielleicht doch nicht so erstrebenswert sein könnte …

      „Wir fühlen, daß selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch garnicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.“ LW, TL-P, 6.52

      Wie geht’s dann weiter?
      🙂

  8. Hallo Frau Peyn,

    ich setze gleich bei unserem kurzen Twitter-Austausch an. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, stimmten Sie zu, dass man statt von Wirklichkeitsemulation auch von Komplexitätsreduktion sprechen könnte – gerade wenn man den Aspekt betont, dass man immer nur Ausschnitte der Welt oder von Systemen beobachten kann.

    Dabei handelt es sich allerdings um einen universellen Sachverhalt, der für alle Kommunikationsvorgänge gilt. Beobachtungen im Sinne von Unterscheiden und Bezeichnen sind immer nur partiell, ausschnitthaft. Sie liefern niemals ein vollständiges Bild der Welt oder eines Systems – höchstens ein konsistentes.

    Wenn das für alle Kommunikationsvorgänge gilt, bezieht sich das nicht nur auf die Gesamtheit der aktuell stattfindenden Kommunikation, sondern auch auf alle vergangenen Kommunikationen. Dann wäre folgende Aussage evolutionsgeschichtlich nicht haltbar:

    „Aus diesen dreien, Vernetzung, Algorithmisierung und Digitalisierung ist eine vierte Kraft, ein vierter Drive emergiert: der Drive der Wirklichkeitsemulation.“

    Wirklichkeitsemulation, verstanden als Komplexitätsreduktion, kann dann nicht als „vierter Drive“ ermergieren. Komplexitätsreduktion findet immer statt. Was sich evolutionär verändert sind die Formen der Komplexitätsreduktion. Bei der Frage nach den Veränderungen der Formen zur Komplexitätsreduktion kommen dann auch Phänomene wie Digitalisierung und Algorithmisierung in Blick. Ihre Beobachtungen zu den neuen Formen der Komplexitätsreduktion sind sicherlich richtig. Das Neue daran kann aber nicht die Wirklichkeitsemulation an sich sein.

    Die elektronischen Kommunikationsmedien unterstützen nur den Informationsumschlag, der dadurch eine größere, weltweite Verbreitung gleichsam in Echtzeit ermöglicht. Algorithmen ermöglichen lediglich die effektivere Aufbereitung und Analyse von Informationen unter bestimmten (Beobachtungs)gesichtspunkten. Das beschreiben Sie ja genauso. Wenn man nun zum Beispiel die kundenorientierte Werbung im Internet nimmt, erlauben die Algorithmen nur zielgerichtetere bzw. verführerischere Angebote zu machen. Wenn man dann aber genau die Produkte angeboten bekommt, die man eben gekauft hat, merkt man erst, wie dumm die Algorithmen tatsächlich sind. Zudem liegt es immer noch am Adressaten diese Angebote anzunehmen oder abzulehnen.

    Ich kann nur davor warnen eine gleichsam holistische Front elektronischer Datenverarbeitungsmaschinen zu konstruieren, der alle Menschen mehr oder weniger zu willigen Konsumenten versklavt und keinerlei Veränderungsmöglichkeiten zulässt. Durch die starke Emphase, die sich durch beide Artikel zieht, klingt es für mich leider ein danach.

    Falls es diesen Zusammenhang wirklich geben sollte, was ich nicht glaube, dann bewirkt Aufklärung darüber nur Fatalismus, weil die angebotene Problembeschreibung keine Lösung zulässt. Die Aufklärung wäre dann selbst Teil des Problems und nicht der Lösung. Insofern stimme ich auch dem Eingangsgedanken „Probleme – und damit Problembeschreibungen – sind Ursachen für Problemlösungen“ nur bedingt zu. Problemlösungen können nur so gut sein, wie die angebotenen Problembeschreibungen. Falsche Problembeschreibungen führen zu falschen oder gar keinen Lösungen. Holistische Problemzusammenhänge die keine Ausnahmen zu lassen, verhindern die Suche nach einer passenden Lösung.

    Auf einer systemtheoretischen Perspektive verstehe ich daher nicht ganz, gegen welches Problem genau sich Ihr Weckruf richtet. Wirklickeitsemulation verstanden als Komplexitätsreduktion an sich kann nicht das Problem sein. Sollen die beiden Artikel zur Wirklichkeitsemulation überhaupt eine Problembeschreibung sein? Wenn ja, werden mir zu viele Symptome unter einer Problembeschreibung subsummiert, die besser getrennt behandelt werden sollten.

    Ein Aspekt sei noch kurz angedeutet. Sollte die Rede von Wirklichkeitsemulation darauf hinauslaufen, richtige von falschen Wirklichkeiten unterscheiden wollen, so fände ich das aus einer konstruktivistischen Perspektive höchst problematisch. Wer entscheidet, welche Wirklichkeit richtig und welche falsch ist?

    • „Insofern stimme ich auch dem Eingangsgedanken „Probleme – und damit Problembeschreibungen – sind Ursachen für Problemlösungen“ nur bedingt zu. Problemlösungen können nur so gut sein, wie die angebotenen Problembeschreibungen. Falsche Problembeschreibungen führen zu falschen oder gar keinen Lösungen. Holistische Problemzusammenhänge die keine Ausnahmen zu lassen, verhindern die Suche nach einer passenden Lösung.“

      SIC!
      https://www.youtube.com/watch?v=odH24gz9j4M

  9. @8

    Hallo Herr Walkow,

    ich freue mich, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind.

    Wir haben ein Missverständnis: Dass ich Ihren Tweet mit „gefällt mir“ angeklickt und den weiter oben unter Kommentar @1 geposteten Gedanken von Franz Friczewski mit Ihnen geteilt hatte, war nicht als Zustimmung zu werten, sondern nur als Hinweis darauf, dass eine Diskussion zum Begriff bereits begonnen hatte und dass ich mich darüber freue, bei Ihnen kritische Fragen auftauchen zu sehen.

    Ich habe hier: https://carl-auer-akademie.com/blogs/systemzeit/2018/03/27/wirklichkeitsemulation-mein-weckruf-urbi-et-orbi-2/#comment-975 den vollständigen Kommentar zu Emulation abgelegt, den ich leider auf Twitter nicht in Gänze teilen konnte.

    Nein, Wirklichkeitsemulation ist nicht gleichzusetzen mit Komplexitätsreduktion.

    Wirklichkeitsemulation bringt, ganz im Gegenteil, Komplexitätsexplosion mit sich.

    Es handelt sich um ein reflexives, ein auf sich selbst rückwirkendes, ein hoch komplexes re-entry Phänomen, in dem nun nicht mehr nur jeder Einzelne oder Gruppen im alten Sinne des Wortes Vorstellungen potenzieller Realisierungen emuliert/emulieren (wie beispielsweise das gemeinschaftliche Träumen vor der Jagd in Jäger- und Sammlerkulturen), sondern in dem emergent, aufsetzend auf Algorithmisierung, Digitalisierung, Vernetzung und auf sich selbst weiter wirkende Wirklichkeitsemulation Einzelne und Gruppen Wirklichkeit emulieren und Einzelne und Gruppen auf Wirklichkeitsemulation(en) anderer Einzelner und Gruppen, Netzwerke, Organisationen, Unternehmen und so weiter mit eigener Wirklichkeitsemulation rückwirken, mit ihnen in Wirklichkeitsemulation interagieren, einzeln und gemeinschaftlich Wirklichkeit FORMen und weiter Wirklichkeitsemulation schaffen und Algorithmisierung, Digitalisierung, Vernetzung und Wirklichkeitsemulation (die neue Blüten treibt) weiter vorantreiben. Diese emulierte Wirklichkeit wird auch in die Wirklichkeit vor Ort ausgespuckt, sie verändert die Wirklichkeit vor Ort. Und das wiederum wird eingespeist in die Emulation, und so verschwimmen die Grenzen.
    Wenn in Systemen die Grenzen verschwimmen, was passiert dann?

    Das ist weit entfernt von Komplexitätsreduktion, sondern eine Komplexitätsexplosion nach der nächsten.

    LG – Gitta Peyn

    • @9

      Aufgrund des Links zu der Definition von Emulation bin ich erst auf die Idee gekommen, dass es sich dabei nur um eine andere Bezeichnung für das handeln könnte, was Luhmann als Komplexitätsreduktion bezeichnet. Dass es sich bei Wirklichkeitsemulation nun um eine Komplexitätsexplosion handeln macht für mich den Begriff nicht verständlicher. Vielmehr ließe sich auch das noch mit Luhmann erklären, denn er wies ja darauf hin, dass jede Form der Komplexitätsreduktion wiederum Komplexität aufbaut. Die Rede von Komplexitätsexplosion kann dann nur eine bestimmte Form der Komplexitätsreduktion beschreiben, die sich von nicht-explodierender Komplexitätsreduktion unterscheidet. Aber was könnte das sein? Welcher Unterschied wird mit Explosion markiert? Explosion/Implosion? Oder ist das bloß eine Metapher?

      Ihren weiteren Kommentar könnte man so zusammenfassen: (Wirklichkeits-)Emulation emuliert. Mit tautologischen Definitionen habe ich zunächst mal kein Problem. Ist ja auch von Luhmann reichlich bekannt. Gleichwohl müsste dieser Zirkel gebrochen werden. Und da wird mir nicht klar, was Sie mit Wirklichkeitsemulation meinen könnten. Stattdessen stellen sich mir weitere Fragen:

      In wie fern ist das Phänomen „Wirklichkeitsemulation“ reflexiv?

      Wie wirkt es auf sich selbst zurück?

      Was heißt „komplexes re-entry Phänomen“? Welche Unterscheidung tritt wieder in sich selbst ein? Wieso komplex?

      Sie verwenden die Unterscheidung von „emulierter Wirklichkeit“ und „Wirklichkeit vor Ort“. Wie unterscheiden Sie die beiden voneinander?

      Das Beispiel des kollektiven Träumens verstehe ich nicht. Was ist kollektives Träumen? Wie soll das gehen?

      „Wenn in Systemen die Grenzen verschwimmen, was passiert dann?“
      Ganz allgemein, die Organisation des Erlebens und Handels wird schwieriger bis unmöglich. Was das allerdings im Hinblick auf das Verschwimmen der Grenze von emulierter Wirklichkeit und Wirklichkeit vor Ort bedeutet, weiß ich nicht. Aufgrund der informationellen Offenheit von Systemen scheint mir die Irritation eines Systems durch Informationen aus der Umwelt zunächst erstmal was völlig normales zu sein, ebenso die gelegentliche Übernahme von Erwartungs- und Verhaltensmustern. Geht es bei Wirklichkeitsemulation um die Verbreitung von Informationen?

      Leider hat Ihre Antwort den Begriff noch viel unklarer gemacht als er es für mich vorher schon war.

      Viele Grüße
      Walkow

      • Hallo, Herr Walkow, das freut mich, dass Sie hier mitdiskutieren.

        Ich möchte Sie an unsere Diskussion über die mimetischen Fähigkeiten autopietischer Systeme erinnern und an den „Sinn für die ästhetische Einheit“ (G. Bateson), der konstitiv für Kognition ist…

      • Vielen Dank, lieber Herr Walkow, für dieses umfassende Mitdenken und Nachhaken.
        Ich antworten in einigen Tagen.
        Lieben Gruß
        Gitta Peyn

  10. @„Probleme – und damit Problembeschreibungen – sind Ursachen für Problemlösungen.“

    Dieser Satz sagt bei aufmerksamen reflexiven Lesen ALLES aus.

    Je konkreter die Beschreibung desto klarer Problem und Lösungen. Lösungen sind in der Beschreibung bereits enthalten. Anders ausgedrückt, die Beschreibung begrenzt und öffnet den Raum für die Lösung.

    Wir können nicht von „richtigen“ oder „falschen“ Lösungen ausgehen, wohl aber die Frage nach der funktionalen und der dysfunktionalen Lösung stellen. Diese Frage ergibt sich direkt aus der Beschreibung des Problems heraus.

    Im Vergleich zu anderen Blogs/ Foren etc. fällt mir hier auf: Das Lesen und Aufnehmen des jeweiligen Artikels in seiner Ganzheit ist bereits eine umfassende Problembeschreibung. Mehr braucht es nicht.

    Das Rauspicken von Teilaspekten, einzelnen Sätzen und/ oder Begriffen, die in Folge mit „altbekanntem Wissen“ gefüllt werden – „zerstören“ die Ganzheit. Mit diesem Verbleiben in alten Denkstrukturen, werden „Räume“ emuliert in denen sich Menschen aufhalten, die ihre jeweils eigene Wirklichkeit zu verteidigen scheinen respektive sie kommunizieren innerhalb dieser bekannten Theorien/ Wissen/ Begrifflichkeiten. Dabei wird Neues Denken, ja auch systemisches Denken mAn (be)verhindert. Informationen, neue Denkweisen, auch Fakten werden nicht in die Kommunikation integriert, gar ignoriert.

  11. @Kathleen
    „Das Rauspicken von Teilaspekten, einzelnen Sätzen und/ oder Begriffen, die in Folge mit „altbekanntem Wissen“ gefüllt werden – „zerstören“ die Ganzheit. “

    NEIN!
    Das Einbringen „altbekannten Wissens“, auch durch Hinweise auf Teilaspekte bzw. auf Begriffe mag störend einwirken, aber nicht zu „zerstören“.

    „Dabei wird Neues Denken, ja auch systemisches Denken mAn (be)verhindert. Informationen, neue Denkweisen, auch Fakten werden nicht in die Kommunikation integriert, gar ignoriert.“

    Wie kommen Sie zu einer solchen Schlußfolgerungen?

    Anders gefragt:
    Falls Sie etwas bzw. jemand zu stören scheint
    informieren Sie sich – durch die Anonymität des Netzes hindurch,
    womit bzw. mit wem sie es ggf. zu tun haben?

    vgl. @8

  12. Ich lese immer mal wieder mit, aber ich merke, die Abstände werden größer. Nicht, weil ich kein Interesse hätte – ich finde die Arbeit von Gitta und Ralf Peyn großartig und in jeder Hinsicht unterstützenswert – sondern weil mich die Art der Diskussion hier nicht nur zunehmend verwirrt, sondern auch zunehmend nervt.

    Ich möchte hier Raum haben für eigene Gedanken und nicht schon von vornherein, sozusagen mehr oder weniger durch die Blume, gesagt bekommen, dass, wenn ich nicht in „passender“ Form antworte bzw. Inhaltliches nicht gleich erfasse und adäquat einordnen kann, ich hier fehl am Platz bin.

    So viel dazu.

    Dann kann ich für mich sagen, dass ich Algorithmen und damit verbunden Digitalisierung für einen ausgesprochenen Segen halte. Die Art und Weise des Zugangs und die aktuelle Herstellung von digitalen Hilfsmitteln müssen dennoch dringendst überdacht werden, weil hierbei Ressourcen verbraucht werden, die nun einmal nicht im Überfluss vorhanden sind (z. B. Kobalt, Silizium etc.)

    Nicht desto trotz sehe ich auch meine Einschränkungen im Umgang mit diesen Errungenschaften aus Wissenschaft und Technik – ich nutze etwas, was ich nur zu einem geringen Teil verstehe. Das halte ich für ein Dilemma, weil es abhängig von „Fachleuten“ macht, die dadurch natürlich einen (Macht)Vorteil haben. Und aus Abhängigkeiten können immer die von Gitta beschriebenen Systemphänomene entstehen.

    So weit erst einmal…

    • Ich betrachte die Blogentwicklung unter Perspektive von CoOneAnother und Slit. Das Bewusstsein für themenorientierte und konstruktive Auseinandersetzungen im Fokus zu behalten, scheint mir sinnvoll.
      Beiträge, die vom Thema wegführen, lese ich deshalb entsprechend oberflächlich oder klicke sie gar nicht erst an.
      Vor allem im Kommentarbereich zur Arbeit mit uFORM iFORM behalte ich mir Löschung themenfremder, ablenkender Kommentare vor und will auch ansonsten umsichtig moderieren, damit CoOneAnother überhaupt eine Chance bekommt.

      Zum Thema: Was war denn an den Artikeln zu Wirklichkeitsemulation für Dich bislang neu, unbekannt, ungewohnt, bedenkenswert, kritisch? Mir geht es darum, das Bewusstsein für ein sonst in der breiten Bevölkerung kaum oder gar nicht wahrgenommenes Phänomen zu wecken und zu vertiefen helfen.

      Lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem von Dir als unliebsam wahrgenommenen Phänomen, seinen Hintergründen und Wirklichkeitsemulation her- und vielleicht sogar darstellen?

      LG, Frohe Ostern alle – GP

      • Ehrlich gesagt, Gitta, geht es mir nur um die Antwort von Kathleen (11). Dieses Anmerken, es sei ja alles schon geklärt und man müsse nur richtig lesen und sich anstrengen zu verstehen, erinnert mich in wirklich schmerzlicher Art und Weise an meine Schulzeit und aktuell auch an die Schulsituation meiner Söhne.

        In einer solchen Art und Weise erreicht man keine breite Bevölkerung und schon gar keine breite Bevölkerung, die bisher keinen Zugang zu solchen Themen hatte.
        Und wenn ich erst Luhmann, Heinz von Foerster, Heisenberg, Watzlawick und Co. lesen muss, um hier mitdiskutieren zu können, wird das wohl zeitlich schwierig werden…. 🙁

        Kommentar darf gerne wieder gelöscht werden, wenn er am Thema vorbeigeht.

      • Der Trick, um eine gute Diskussion am Laufen zu halten, besteht darin, mit dem Thema weiterzumachen, als wäre nichts gewesen. Man ignoriert einfach alles, was wegführt.

        Zum Thema: Was war denn an den Artikeln zu Wirklichkeitsemulation für Dich bislang neu, unbekannt, ungewohnt, bedenkenswert, kritisch? Mir geht es darum, das Bewusstsein für ein sonst in der breiten Bevölkerung kaum oder gar nicht wahrgenommenes Phänomen zu wecken und zu vertiefen helfen.

        Lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem von Dir als unliebsam wahrgenommenen Phänomen, seinen Hintergründen und Wirklichkeitsemulation her- und vielleicht sogar darstellen?

        LG – G

      • Tja, was war neu, unbekannt, kritisch… nach dem vierten und sechsten Lesen eigentlich immer weniger.

        Und was war ungewohnt, bedenkenswert und ein unliebsam wahrgenommenes Phänomen? Dass mir zunehmend die Fähigkeit zum Fragen stellen und Argumentieren verloren zu gehen scheint. Ich fühle mich von den angebotenen Beiträgen und Kommentaren kognitiv erschlagen. Noch ehe sich bei mir etwas bilden kann, was einer freudvollen Aufnahme und Erarbeitung des Ganzen hier nahe kommt, habe ich schon wieder zahlreiche Texte vor mir, die ich nicht mal eben so überfliegen kann, um herauszufinden, ob sie wichtig sind.

        Das schreckt erst einmal ab.

      • Liebe Annemarie, dann konzentriere Dich auf die Artikel und Deine Kommentare auf Fragen.
        Ich habe sehr bewusst diesen Blog mit dem Artikel „Symmetrische Konflikte“ begonnen und lege immer mindestens 14 Tage zwischen den letzten und den neuen Artikel, damit hinreichend Zeit ist, sich mit den Gedanken zu befassen und dem systemischen Stil Entfaltungsraum zu geben. Wir verlieren eine Menge Energie und Zeit, wenn wir uns bei solchen Themen in Seitengassen verzetteln. Wenn Du die beiden Themen „Symmetrische Konflikte“ und „Wirklichkeitsemulation“ zusammenbringst, was fällt Dir dabei auf? Welchen Zusammenhang kannst Du erkennen?
        LG – G

    • Hierin stimme ich Ihnen vollkommen zu, Annemarie,
      „Die Art und Weise des Zugangs und die aktuelle Herstellung von digitalen Hilfsmitteln müssen dennoch dringendst überdacht werden, weil hierbei Ressourcen verbraucht werden, die nun einmal nicht im Überfluss vorhanden sind (z. B. Kobalt, Silizium etc.)“

      und der Ressourcenverbrauch betrifft keineswegs nur Spurenelemente und „seltene Erden“. Viel schlimmer noch wirkt sich in der Massenanflutung der Wassermangel bzw. die Verseuchung und Plastikvermüllung der Ozeane aus. Ein Faktor, bei dem die Klima-Uhr in gefährlicher Weise tickt.

      und hierzu:

      “ – ich nutze etwas, was ich nur zu einem geringen Teil verstehe. Das halte ich für ein Dilemma, weil es abhängig von „Fachleuten“ macht, die dadurch natürlich einen (Macht)Vorteil haben. “

      Geht uns das nicht Allen so?

      Können Sie sich das Prinzip bzw. die Einzelschritte merken, wie man die unterschiedlichsten Digital-Uhren im Haushalt kurzerhand auf Sommerzeit umstellt, ohne erst die unterschiedlichsten Gebrauchsanweisungen rauszukramen, sich durch die unterschiedlichsten Sprachen zu blättern und die Umstellung hinzukriegen, ohne daß man erst die Sonderbatterie tauschen müßte bzw. ohne daß irgendwo die Sicherung rausfliegt.

      Die Geräte stellen sich – zum Glück- -da sie völlig unterschiedlichen Herstellern und Produktiungszyklen entstammen bis dato (noch) nicht eigenständig und unisono um.

      Vor der schreiend gechmacklosen Buntheit und Flackerlicht kann man noch die Augen verschließen. Dem grauenhaften Getöse des Synchronisierungswahns mit den einhämmernd nervtötenden, die allerfeinsten Sinneskanäle verstopfenden Elektronikschrott werden wir uns kaum entziehen können,
      es sei denn
      … mittenhindurch

      • Was hat das jetzt damit zu tun, dass es Menschen gibt, und ich stehe da sicherlich nicht allein da, die Algorithmus und Digitalisierung für einen Segen halten, mit dem man nahezu unbeschränkten Zugriff auf Wissen haben und dieses in kürzester Zeit an neue Erkenntnisse anpassen kann?

        Unabhängig davon, dass man vielleicht nur einen Bruchteil davon wirklich versteht und die Herstellung immense Ressourcen verbraucht. Da muss man einfach die Technologien verändern und noch mehr wieder verwerten.
        Hier muss ich mich auf Fachleute verlassen, z. B. Ingenieure, die das gelernt haben und weiterentwickeln können. Und das ist gleichzeitig das Dilemma – wir sind von diesen Fachleuten abhängig, was die digitale Technik angeht.

        „Dem grauenhaften Getöse des Synchronisierungswahns mit den einhämmernd nervtötenden, die allerfeinsten Sinneskanäle verstopfenden Elektronikschrott werden wir uns kaum entziehen können… “
        Ich habe seit Jahren keinen Fernseher und lebe ziemlich ruhig auf dem Lande. Scheint, es gibt Möglichkeiten für vorab Genanntes. So wie es immer Alternativen gibt.

  13. @Annemarie:
    „Was hat das jetzt damit zu tun, dass es Menschen gibt, und ich stehe da sicherlich nicht allein da, die Algorithmus und Digitalisierung für einen Segen halten, mit dem man nahezu unbeschränkten Zugriff auf Wissen haben und dieses in kürzester Zeit an neue Erkenntnisse anpassen kann?“

    Ich verstehe die Euphorie, kann sie jedoch nicht so ganz teilen. Gerade deshalb nicht, weil ich mich seit langen Jahren damit beschäftige
    Meine Intention war darauf gerichtet, den Blickwinkel speziell in Rischtung Risiken und unerwünschte Begleitwirkungen etwas zu erweitern, ohne die Hoffnungen auf eine -eher auf tönernen Füßen stehende- Fortschrittsgläubigkeit allzusehr zu erschüttern.

    Was für die Meisten (wohlgemerkt!) ein Segen sein dürfte (nahezu unbeschränkter Zugriff auf Wissen …),
    erweist sich für manch Andere (und darunter nicht wenige Fachleute) auch als ein Fluch.
    Dies vor allem Hinblick auf die Risiken und unerwünschten Begleitwirkungen bei einem flächendeckenden, allumfassenden Zugang, auch für jede Menge Zauberlehrlinge und darunter nicht nur solche, die sich zumindest betroffen
    mit „Besen, Besen, seid’s gewesen“ zu äußern verstehen.

    Ohne jetzt näher auf die einzelnen Argumente eingehen zu wollen, da dies ganz andere Themenfelder eröffnet, nur so viel.

    Die Medizin gehörte schon immer mit zu den ersten Disziplinen, in denen sich neue Techniken relativ rasch etablierten. Die Medizin gehört aber auch zu den Disziplinen, die mit als erste in den unterschiedlichsten Fachdisziplinen Risiken und unerwünschten Begleitwirkungen erfuhren und zu erforschen haben. Und Beides stets auch in Kooperation mit Fachleuten aus anderen Disziplinen.

    Und deshalb stimme ich Ihnen auch hierin zu:
    „Hier muss ich mich auf Fachleute verlassen, z. B. Ingenieure, die das gelernt haben und weiterentwickeln können. Und das ist gleichzeitig das Dilemma – wir sind von diesen Fachleuten abhängig, was die digitale Technik angeht.“

    und selbstverständlich gibt es immer eine Fülle an Alternativen.
    Wir haben auch im Rahmen unserer jeweiligen Möglichkeiten stets
    die Wahl, das Beste draus zu machen.

    • „…und selbstverständlich gibt es immer eine Fülle an Alternativen.
      Wir haben auch im Rahmen unserer jeweiligen Möglichkeiten stets
      die Wahl, das Beste draus zu machen.“

      Touché.

      Ich denke, wir sehen das gerade ähnlich. Deswegen würde ich das gerne an der Stelle stehenlassen.

  14. https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Ulrich_Grimm
    http://www.deutschlandfunkkultur.de/vom-buerger-zum-click-vieh-das-internet-muss-weg-ernsthaft.1270.de.html?dram%3Aarticle_id=414691
    http://www.deutschlandfunk.de/kunst-in-prekaeren-zeiten-wir-brauchen-mehr-poesie-mehr.694.de.html?dram%3Aarticle_id=382861
    versuche gerade, die frage (wer programmiert sie?) -(nestlé, Facebook, Coca cola, Google …) zum schwingen zu bringen: wie wirken digitaler zucker und/oder analoge stadtpläne/Schaufenster (vllt sogar nur einfache namen wie Marx/Freud) auf das triviale Hirn (im Sinne von: ich fühle mich gerade wie in einem Kafka-Roman/ – in einem Bunuel-Film)

  15. trotz aller REAL-und surrealwerbung wachsen die zucker(rüben)berge

    zucker im spiegelkabinett – philosophische Flaschenpost in jeder Limonade?

    schulausflug als „march of science“? 68 fragen an die werbebranche:

    yes-men umkreisen Kalle Lasn mit der ballhaus-Kamera?

    süße Fußnoten auf guten quadratischen tafeln schokolade ?

    Witzenschaftler ziehen wurzel aus zuckerhut

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/37126/umfrage/die-20-groessten-produzenten-von-zuckerrueben-weltweit/

    http://www.deutschlandfunk.de/march-of-science-versuch-macht-klug.740.de.html?dram:article_id=415624

  16. Hallo,

    es gibt Probleme in der sozialwissenschaftlichen Forschung, die ethischer Natur sind. Die gemessenen Zusammenhänge sind zwar schwächer, wenn die Experimente mit virtual reality (VR) durchgeführt werden, aber dennoch vorhanden. Es geht um die Nachstellung von Problemen wie: einem Mitglied einer Fremdgruppe helfen, oder Kontakt zu Mitgliedern einer Fremdgruppe, der Gefühle der Bedrohung auslösen kann. Die Vorteile von VR liegen auf der Hand: Es braucht keinen echten Alien.

    VG
    Stella

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