Wie funktioniert/operiert System 5 – mindFORMs

Um zu begreifen, wie Selbstbeobachtung funktioniert, wie sich Systeme auf sich selbst beziehen und (aus) sich selbst (heraus) ausdifferenzieren, hilft sich decisionFORMs, lifeFORMs und ganz besonders mindFORMs anzusehen und sie zu analysieren.

Wie immer möchte ich dazu raten, sich zuerst die vorherigen vier Artikel dieser Serie durchzulesen, um den Unterbau zu begreifen, auf dem diese emulierten autopoietischen Systeme aufsetzen.

Wir beschränken uns nicht auf Text, sondern überführen Systemik anschaulich ins Computerexperiment. So lassen sich selbstreferenzielle und autopoietische Systeme in ihrer Selbstausentwicklung beobachten, miteinander und mit Realsystemen vergleichen und analysieren.

Sie werden synästhetisch voller, beweglicher und nachvollziehbarer.

Die Videos und Programme, die Sie im Downloadbereich der uFORMiFORM-Website herunterladen können, helfen Ihnen tiefer gehend zu be-greifen, was in Kognition und Kommunikation und Kognitions- und Kommunikationssystemen passiert.

Sie füllen rein in auditive Formen überführtes oder in Bildern eingefrorenes oder in Aufstellungen vereinzeltes Beobachtungswissen mit auf Minimalanforderung reduziertem Experimentwissen über Entscheidungssysteme.

Realsysteme sind in der Regel so komplex, dass sie sich mit Textmodellen allein nicht greifen lassen. Ihre Komplexität verführt leicht dazu, sie trivialisiert/kompliziert zu beschreiben und diese Beschreibungen am Ende wie selbsterfüllende Prophezeiungen anzulegen. Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen.

mindFORMs, decisionFORMs, lifeFORMs und SelFis liefern Ihnen die Möglichkeit der Überprüfung Ihrer Denk- und Handlungsmodelle über komplexe autopoietische Systeme und über strukturelle Kopplung.

Unser WELTFORM-Youtube-Channel mit hilfreichen Videos:

https://www.youtube.com/channel/UCZjKMohiTT1Tjo5z2BmB18g/videos?view_as=subscriber

100000mindFORM1, 4, 2 und 5 in unserem Youtube-Channel

Leider verschluckt Youtube die Auflösung unserer neuesten Kreationen, weshalb wir auf diesem Channel nur einige mindFORMs präsentieren. Die, die Sie für diesen Artikel benötigen, laden Sie sich bitte hier herunter:

https://uformiform.info/downloads

 

Wissenswertes über mindFORMs:

  • Jede Zelle konstruiert ihre aktuale FORM.
  • Die FORM bestimmt ihre Blickrichtung/Orientierung.
    Die Blickrichtung können Sie als Abstraktion von Orientierung begreifen:
    „Wie fühlen Sie sich heute? Imaginär? Unbestimmt? Markiert? Nicht markiert?“
Stellen Sie sich einen Raum vor, in dem sich FORMen, Systeme, Kognition oder Kommunikation organisieren: Abstrahiert schauen Imaginäre FORMEn nach oben, Unbestimmte nach unten, Markierte nach rechts und Nicht markierte nach links. Jede Zelle reFORMiert sich an den nächsten drei FORMen in ihrer Blickrichtung. Einige solcher Systeme zeigen universelle Eigenschaften, einige fangen sich in Rhythmisierung/Muster/Entscheidung, einige können unendlich rechnen und keine Entscheidung fällen.

mindFORMs veranschaulichen FORMsysteme/systemFORMen. Die abstrakten Zuordnungen reduzieren die Komplexität von Realsystemen auf ein handhabbares Maß und helfen so dabei, besser zu begreifen, wie sich Realsysteme verhalten.

  • Durch ihre FORM orientiert sich die FORM in sich selbst und an ihrem direkten Environment.
  • Keine einzelne Zelle bestimmt das Gesamtsystem, jedoch ist das Verhalten aller/jeder einzelnen Zelle(n) für das Gesamtsystem konstitutiv.

Alles passiert auf einmal und emergiert in das autopoietische System.

Man sollte glauben, dass dieses Gewimmel in Chaos mündet, aber in Kognition und Kommunikation passiert etwas anderes:

  • Jede einzelne Zelle bestimmt durch die Art und Weise, wie sie ihre Umgebung beobachtet, ihre eigene Form. Dieses Verhalten jeder einzelnen Zelle verändert natürlich die Umgebung, die alle Zellen beobachten. So erwächst aus der Umgebungsbeobachtung der einzelnen Zellen und ihrer Selbstveränderung emergent Selbstbeobachtung des gesamten Systems und seine Reorganisation und Selbstorganisation und Orientierung. Seine Bewegungsabläufe sind nicht vorprogrammiert, sondern selbstbestimmt. Das System fällt seine eigenen Entscheidungen und konstituiert seinen Sinn auf Basis minimaler FORMvorgaben und produziert nicht vorhersehbare e i g e n e Komplexität.
  • Sehen Sie sich an, wie unterschiedlich sich Systeme aufgrund unterschiedlicher FORMen ausdifferenzieren, und machen Sie sich klar, was das bedeutet: Wir können sehen, wie sich Entscheidungen in Systemen auswirken, und wir können die Ausdifferenzierung vergleichen und uns überlegen, welche FORMen wir benötigen, um in welche Art von Systemdifferenzierung zu kommen.
  • Strukturen modifizieren sich und dann entspringen emergente Strukturen.
  • Die makroskopischen Strukturen, die wir erkennen, determinieren, wie sich das System als Ganzes ändern kann … oder nicht.
  • Das ist/emuliert Selbstbeobachtung, die weitere Selbstbeobachtung ermöglicht.
  • Beispiel:
    Meditation, Fokussieren, wechselseitiges Beziehen … schafft makroskopische Struktur, die Konzentration möglich macht. Mit dem Meditationsobjekt beobachte ich meine eigene Konstruktion -> Selbstbeobachtung.
  • Oder ein anderes Beispiel:
    Wenn man statt eines Meditationsobjekts sich selbst betrachtet -> in den Spiegel schauen.
  • Abstrakter:
    „Was kenne ich?“ „Was sagt mir nichts?“ … so schaffe ich eine makroskopische Struktur in meinem eigenen Bewusstsein, die regulativ für weitere Beobachtungen wird.

111111mindFORM ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein System auf sich selbst bezieht und Einschlüsse formt:

100101mindFORM:

ist vergleichbar der zuerst gezeigten mindFORM111111 

und auch mit  mindFORM111110:

Aber 100101mindFORM sieht aus (Video ansehen), als wollte es immer mal wieder in festere Zustände, nur um dann doch zurück in den wilderen Zustand zu switchen:

Schauen Sie sich auch die Videos ((@l)r)((@r)l)mindFORM und ((@l)r)((@r)l)mindFORM2 an und versuchen Sie zu fassen, was da passiert: wie ein Anfangsproblem, Gedanke, Kommunkation ins System geworfen wird und wie sich langsam auf „Was ist das?“ (Unbestimmt) „Nicht da!“ (Nicht markiert) blitzende Strukturen FORMen wie Wetter, in dem sich wolkenartige FORMationen bilden, die vorüberziehen, sich auflösen, neu entstehen, bis es am Ende zwischen zwei komplexen Zuständen hin- und herspringt, um eine (endgültige?) Entscheidung zu fällen.

((@l)r)((@r)l)mindFORM
((@l)r)((@r)l)mindFORM2

 

Viele dieser Systeme sind nicht einfach chaotisch, sondern sie führen einen wechselwirkenden Tanz auf.

((@l)r)((@r)l)mindFORM und ((@l)r)((@r)l)mindFORM2 bilden zuerst scheinbar chaotische, stark variierende Strukturen aus, die sich dann teilweise engführen und anfangen zu pulsieren und nicht mehr weiterkommen, sie blinken hin und her, um sich dann aus dieser Engführung zu sprengen und neue Tänze zu entfalten, bis es wieder zu einer Engführung kommt …

Woher kommt Ihnen das vertraut vor? Welche Realsysteme entsprechen solchen Phänomenen? Denken Sie mal an Kriege, gesellschaftliche Engführungen, Wahlprozesse, kommunikative Riesenwellen … Führen Sie das dann auf die FORM zurück und überlegen Sie, welche Änderungen der FORM wohl welche Resultate liefern könnten?

Um die Ausbildung von Sinnstrukturen zu begreifen und sich eine komplexere Vorstellung von Resonanzsystemen zu bilden, schauen Sie sich die 111000mindFORMs an. Die Sinnketten, die Sie da sehen, sind flächig miteinander verbunden, manchmal wie Perlen aufgezogen, manchmal komplexere Strukturen und Räume bildend. Dabei kann man an Lebensfragen denken, und wie sich Ereignisse manchmal wie von selbst ineinander fügen, so dass man an Schicksal glauben möchte oder göttliche Fügung. Mir fallen dazu Brainstormings ein, aber auch über Jahre gehende Gespräche mit Freunden zu uns wichtigen Themen oder ineinander verwobene politische und soziale Muster.

111000mindFORM2

Werden Sie kreativ und denken Sie immer daran, wie diese Systeme aufgebaut sind. Veranschaulichen Sie sich wieder und wieder, dass und wie sie sich auf sich selbst beziehen.

In 111000mindFORM2 sehen wir, wie ein Problem, eine Idee, ein Gedanke, Kommunikation … in Informations-, bzw. Entscheidungssysteme (wie Kognition oder Kommunikation) geworden wird/werden und sich nach und nach zunächst (das) System Hintergrund ausbildet. Vor/auf diesem Hintergrund entwickelt (das) System Sinnstränge. Diese Sinnstränge sind zunächst miteinander verbunden: Zellen oben links z. B. stehen in Sinnverbindung mit Zellen rechts unten. (Man erinnere dabei die Konstruktion des (Gesamt)Systems.)
Die Sinnstränge beginnen sich zu teilen, Subsysteme FORM(ier)en sich, stabilisieren sich oder lösen sich auf.

Diese Emulationen sind hilfreich, um sich zu veranschaulichen, wie wir es schaffen, scheinbar „weit entfernte“ Gedanken/Kommunikationen miteinander in Zusammenhang zu bringen, wie Zeit und Raum im System deshalb weniger eine Rolle spielen, weil es sich (immer) auf sich selbst bezieht.
Sie sind außerdem hilfreich für alle, die sich mit komplexen Resonanzsystemen befassen möchten.

111000mindFORMProblemreinwurf

Sehen Sie, wie Sie dann anfangen, inhaltlicher über diese Probleme nachzudenken, sie von allen Seiten beleuchten und wie sich das ganze komplexe Gebilde sich auf sich selbst beziehend weiterentwickelt und darin „Sinnwetter“ entwickelt, wie es versucht, einen Hintergrund zu bestimmen, auf dem es weiter herumüberlegen kann, „was „es“ sein könnte und wie „es“ sich weiter ausspielt?“. Überlegen Sie, wie Sie sich selbst organisieren und orientieren, wenn Sie mit Dingen konfrontiert sind, die Sie (noch) nicht verstehen … Überlegen Sie auch, wie sich Sozialsysteme verhalten, wenn in sie neue Angelegenheiten geworfen werden, für die sie noch keine Verhaltensmuster haben …

111000mindFORMProblemberechnung

 

Ich hoffe, ich konnte Sie dazu motivieren, sich mehr mit unserer Forschung zu beschäftigen und freue mich über Fragen, Anregungen, Ideen in den Kommentarspalten.

 

Reihenfolge der verwandten Artikel für ein umfassendes Verständnis:

Wir sind hiermit zunächst einmal an einem Ende dieser Artikelserie angekommen.

Ich hoffe, es hat Ihnen Spaß und Anregung gebracht.

Bleiben Sie dabei, wenn es in Kürze um:

  • Funktionalität oder Ontologie

und anschließend um

  • Komplexität und Komplexitätsstufen

geht. – Artikel, die all die vorherigen nutzen, um ihre Inhalte auf neues Wissen aufsetzen zu können und sich nicht in eindimensionalem Denken zu verlieren.

13 Gedanken zu “Wie funktioniert/operiert System 5 – mindFORMs”

  1. Liebe Gitta, ich möchte nur mal nachfragen, ob ich die Funktionsweise der mindFORMs richtig verstanden habe: Stimmt es, dass jede Zelle nach ihrem eigenen Zustandswert (m, n, u oder i) entscheidet, in welche der vier Richtungen sie „schaut“ um ihren nächsten Wert dann aus den Werten der benachbarten Zellen in dieser Richtung zu berechnen? Also wahrscheinlich von ihrer Blickrichtung aus betrachtet dann von links nach rechts (oder wie man eben die Variablen in der FORM festgelegt hat) die Werte dieser Zellenreihe in die jeweilige FORM einsetzen wie bei den SelFIs?

    Ich habe das mal mit einer einfachen ((L)R)-FORM auf dem Papier ausprobiert und es scheint mir plausibel, dass es so gemeint ist, möchte aber lieber nochmal nachfragen.

    Ich habe mir selbst schonmal Gedanken darüber gemacht, wie zweidimensionale SelFIs funktionieren könnten, bin dabei aber immer auf das Problem gestoßen, dass man kontingente Entscheidungen für das System treffen muss (welche Nachbarzellen ignoriere ich?), die sich nicht aus dem System heraus begründen lassen. Das Prinzip der Selbstbeobachtung mit den 4 Richtungen führt da eine ganz natürliche Entscheidungsgrundlage und gleichzeitig eine ganz neue Komplexität ein, ich finde das sehr spannend. Ich bin noch dabei, anhand der Videos nachzuvollziehen, was das mit den Systemen macht und wie sich das vom Verhalten der SelFis unterscheidet, aber mir hilft es immer, von ganz unten anzufangen und erstmal das Programm selbst genau zu verstehen. Ich bin ja gespannt, wie meine Intuitionen zu euren mindFORMs (von denen ich Dir mal geschrieben habe) sich dazu verhalten.

    • Danke, lieber Peter.
      Wenn ich Dich richtig verstanden habe, lautet die Antwort auf Deine Frage: „Ja!“
      Um es zu veranschaulichen, haben wir in der Grafik alle anderen benachbarten Zellen, außer denen, in deren Richtung sich die Zelle orientiert, weggelassen.
      Ja? Nein? Nur donnerstags?
      LG
      G

      • Guten Morgen Gitta und danke für das „Ja“! Das mit den benachbarten Zellen habe ich mir schon gedacht. Am Anfang habe ich da irgendwie immer Zellblöcke gesehen (so wie diese Tetrisblöcke) und die „Spitze“ dann als Zeiger in die jeweilige Richtung (die dann natürlich verkehrt wäre), das hat mich verwirrt und auch die Sache mit den runden Pfeilen, die ich jetzt mit dem Hinweis auf den Selbstbezug erst richtig verstehe. Hm… Tetris mit FORMen, wäre vielleicht auch ganz interessant. 😀

  2. Die Geschichte mit dem Sinn-bildenden Hintergrund finde ich wirklich spannend!

    „In 111000mindFORM2 sehen wir, wie (…) eine Idee (…) in Informations- bzw. Entscheidungssysteme (…) geworfen wird (..) und sich nach und nach zunächst (das) System Hintergrund ausbildet. Vor/auf diesem Hintergrund entwickelt (das) System Sinnstränge. Diese Sinnstränge sind zunächst miteinander verbunden (…). Die Sinnstränge beginnen sich zu teilen, Subsysteme FORM(ier)en sich, stabilisieren sich oder lösen sich auf.“
    „Diese Emulationen sind hilfreich, um sich zu veranschaulichen, wie wir es schaffen, scheinbar ‚weit entfernte’ Gedanken / Kommunikationen miteinander in Zusammenhang zu bringen, wie Zeit und Raum im System deshalb weniger eine Rolle spielen, weil es sich (immer) auf sich selbst bezieht.
    Sie sind außerdem hilfreich für alle, die sich mit komplexen Resonanzsystemen befassen möchten.“

    Was wir hier sehen, könnte man als ein Spielen ansehen. „Spielen“ heißt, etwas um seiner selbst willen zu tun, einfach aus Freude am gemeinsamen Tun (Maturana), ohne damit einen bestimmten Zweck zu verfolgen, und die Regeln dafür selbst zu erfinden, das heißt: mit unbestimmten und imaginären Formen zu spielen (oder wie Kant in seinem Begriff von ästhetischem Urteil sagt: „zweckmäßig ohne einen angebbaren Zweck, gesetzmäßig ohne ein angebbares Gesetz“).

    Im Unterschied Macht-Spielen (bei denen es vorwiegend darum geht, gut dazustehen, einen Gewinn einzustreichen, Andere zu dominieren etc.) bringt ein solches freies Spielen einen Hintergrund / einen Kontext hervor (markiert… leer…markiert… leer…), der wiederum das freie Zusammen-Spiel von imaginären und unbestimmten Formen befeuert und in Gang hält, sodass wir als Zuschauer mithilfe unserer EinBILDungsKraft eine Geschichte erfinden können, die für uns SINN macht.

    Wie wichtig die Frage nach dem / das Bewusstsein für den Hintergrund ist, habe ich gerade wieder in einem Tanztheater-Workshop erfahren: nur wenn die Akteure in ihrer Vorstellung fortlaufend einen virtuellen Hintergrund imaginieren und formen, wird ein lebendiges Spiel daraus, das für einen Zuschauer Sinn macht.
    Einen Hintergrund aus markiert/leer zu bilden, nenne ich „den Geist in der Schwebe lassen“, „Zeuge sein“ oder mit dem Titel von G. Batesons letztem (posthumen) Buch gesagt: „Wo Engel zögern“.

    In besagtem Tanztheater-Workshop war ich streckenweise genervt, weil das Ganze nur noch ein Chaos war: die TänzerInnen machten überwiegend nur noch ihr eigenes „Ding“, bestenfalls achtete man auf seinen Nachbarn, „weit Entferntes“ (sh. o.) hatte man nicht auf dem Schirm.
    Ich stellte ich mich an den Rand, nahm eine neutrale Haltung ein und beobachtete nur noch (markierte ohne an das Markierte anzuschließen). Ich wollte für die Anderen einen Hintergrund bilden, damit sie aus ihren Endlosschleifen rauskommen; das wurde aber kaum beachtet. Genau wie Du sagst, liebe Gitta: „Über leer und markiert denkt man erst einmal nicht mehr nach, sondern setzt darauf weitere Überlegungen auf.“

    Hier wird anschaulich, was BEOBACHTEN DRITTER ORDNUNG (oder auch Kybernetik dritter Ordnung) heißt und wie bedeutsam das gerade heute ist. Ich kann immer weniger verstehen, warum so viele Systemiker das immer noch nicht sehen können… aber das ist vielleicht so wie in dem besagten Workshop… man macht einfach „sein (gewohntes) Ding“ weiter…

    Hier noch mein Lieblingsbeispiel für Resonanzsysteme:
    Man stelle sich zwei Partner an einer zweigriffigen Baumsäge vor. Nach einer anfänglichen Phase mühsamen Bewegens der Säge „gegen den Widerstand des Holzstücks und die unkoordinierte Arbeit des Partners entsteht plötzlich ein Tun, das nicht mehr als Durchsetzen des eigenen Rhythmus gegen den anderen, sondern als freies Verfügen-Können über die eigenen Kräfte erlebt wird. In diesem Augenblick ist auch das Holzstück aus einem persönlich erlebten Widerstand gegen die eigene Anstrengung zu einer gemeinsamen Sache, einer ‚res communis’ geworden, die man mit dem Partner teilt.“ (Christian und Haas, zitiert nach v. Uexküll)

    • Spannend! Danke, Franz.
      Wir arbeiten selbst nicht mit diesem Ordnungsdenken, aber ja, das sind gute Beispiele für Beobachten/Kybernetik 3. Ordnung.
      Eine Antwort auf die Frage, wie es kommt, dass nur Wenige den Scope dieser Entwicklung begreifen wollen, möchten oder können, liefert dieser Artikel, auf den mich ein Bekannter aufmerksam gemacht hat. Verlustaversion kann dazu führen, dass man zehnfachen Gewinnvorteil liefern muss, bis das Neue als Vorteil angesehen/erkannt wird, bzw. werden kann und Mensch dazu bereit ist, das Risiko einzugehen und sich mit dem Neuen zu befassen:
      https://hbr.org/2006/06/eager-sellers-and-stony-buyers-understanding-the-psychology-of-new-product-adoption?fbclid=IwAR2cKy70i8u2FSSCNfkcSJWU94uLUnVGu7GMWN2vyb_6_8sIZFQF1nrGotU

      Ich vermute, dass Wohlstand und Wirklichkeitsemulation die Angelegenheit nicht leichter machen …

      Deine Theater-Beobachtung finde ich schön anschaulich, die Spiel-Unterteilung sinnvoll. Ich denke an Aufstellungen, Gruppendynamik …

      Lieben Gruß
      Gitta

      • „Beobachten dritter Ordnung“ schließt halt an Gregory Bateson an: „Muster dritter Ordnung“ oder Lernen III…

        Neugier ist neben dem Wunsch, Schmerz zu vermeiden (nach Maturana, wenn ich ihn richtig verstehe) einer der beiden zentralen menschlichen Antriebe. Wenn Neugier wegfällt, bleibt einem nur noch Schmerz-vermeiden übrig.

  3. Hallo Franz Friczewski und Gitta,

    verstehe ich das richtig, dass der Beobachter 3. Ordnung einer ist, der beobachtet, wie er/sie/wir beobachte(t/n), was er/sie/wir beobachte(t/n)? Also der Selbstbeobachtung beobachtet? (oder die Beobachtung der Beobachtung der Beobachtung) Ich kannte den Begriff bisher nicht, daher frage ich mal nach.

    Wäre das dann ein Beobachter, der aus der Selbstbeobachtung der einzelnen Zellen emergiert, in dem Moment in dem sich das System als Ganzes ausdifferenziert in einen „schwebenden“ Hintergrund (interne Umwelt?) und einen Vordergrund aus zunächst verbundenen Sinnsträngen, die es dann nach und nach in dieser Beobachtung 3. Ordnung in Subsysteme aufteilt, reorganisiert, stabilisiert, etc.?

  4. arbeiter & angestellte sprechen über bücher & filme über angestellte & arbeiter, die sich beim Arbeitsessen oder werkstattsgespräch über a & a unterhalten oder informieren – mit 2 Dominosteinen im Büro spielen ?

    $tatisten & Dominosteine im zeitarbeiterfilm-fear-punkt-null ?

    https://www.zeit.de/1982/50/herman-melville-bartleby
    https://www.deutschlandfunk.de/niederlaendischer-roman-das-buero-der-ganz-normale.700.de.html?dram:article_id=370903

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