Im Gleichschritt Marsch 2: Blattläuse bauen keine Mondraketen

Im ersten Teil der Miniserie Im Gleichschritt Marsch haben wir uns mit der Funktion der Ideologie befasst. Ich habe zwei Dimensionen vorgestellt, mit Hilfe derer man die Begrifflichkeiten einsortieren und sich Gedanken zu einem perspektivischen Erfassen, Vorstellen und Untersuchen von Weltanschauungen und Ideologien machen kann:

Dimension 1:

Weltanschauung/en <——————————————————> Ideologie

Differenzierter:

<- pluralisierend – – – singularisierend ->

Weltanschauung/en <——————————————————> Ideologie

Dimension 2:

Komplex <————————————————————–> Reduktionistisch

Für diejenigen, die den ersten Teil noch nicht gelesen haben oder die sich noch einmal hineinbegeben möchten, hier der Link: https://carl-auer-akademie.com/blogs/systemzeit/2017/12/28/im-gleichschritt-marsch-1-die-funktion-der-ideologie/

Zum leichteren Einstieg wiederhole ich einige Absätze:

Je komplexer die Umwelten für das Empfinden des Einzelnen sind, desto wahrscheinlicher ist der Übergang von der Weltanschauung zur Ideologie. Das gilt umso mehr, je weniger der Einzelne darauf vorbereitet ist, mit Komplexität umzugehen, sie auszuhalten, auch die Überforderung einfach mal zu akzeptieren und zu schauen, wohin sie führen mag.

Je höher das Kontingenzbewusstsein des Einzelnen, desto wahrscheinlicher die Pluralisierung der Weltanschauung. Je niedriger, desto singularisierender die Ideologie.
(Dabei ist es zu plump, in Anhängern von Ideologien nur Menschen zu sehen, die Sicherheitsängste haben, bzw. die Sicherheitsangst an sich abzuwerten – sie hat Sinn und Funktion. Auch Fragen zu stellen kann Menschen dahin führen, sich einer ideologischen Bewegung anzuschließen. Allerdings hat die Ideologie die Neigung, Fragen zu beantworten, anstatt das Fragen zu motivieren, so dass sich dann die Frage stellt, wie groß Mut und Sinn zur Frage, zur Offenheit und zur Unbestimmtheit, die in alles Bestimmte involviert ist, im Einzelnen sind, der sich jetzt nicht nur gegen sich selbst und seinen Willen zum Wir entscheiden muss, sondern auch gegen die Gruppe, in die er konditioniert und konditionierend eingewickelt ist und die eine emotional pressierende Sprache spricht, an die er sich angepasst hat und auf die seine Entscheidungs- und Selbstbeschreibungsautomatismen antworten.)

Komplex ist ein Sachverhalt immer dann, wenn nicht alle Elemente dieses Verhalts gleichzeitig mit allen anderen relationiert werden können.

Kontingent ist etwas dann, wenn es weder notwendig noch unmöglich: wenn es auch anders möglich ist.

Der Wille gleichzuschalten ist Teil des Willens zur Macht über sich selbst und über die eigenen Hoheitsgebiete – oder anders, Teil des Willens zum symbol-manipulativen Umgang mit den verschiedenen materiellen und geistigen Freiheitsgebieten. Er ist nicht per se verkehrt, er liegt in der Natur des Menschen. Sich in komplexen Umwelten zu orientieren, verlangt, Entscheidungen zu fällen. Sich in komplexen Gesellschaften zu orientieren, verlangt, sich selbst an andere anzupassen, aber auch andere zur Anpassung zu motivieren.

Der Übergang von der Weltanschauung zur Ideologie ist der Übergang von der einfachen Orientierung hin zu einer mit Pressionen, die potenziell gewalttätig werden können. Die Pression ist immer der Teil der Mitteilung, der die Annahme der Kommunikation und der Mitteilung wahrscheinlicher machen soll.

Der Übergang ist fließend, und die Motivation zur Ideologie lässt sich als faschistoider Impuls begreifen.

Den faschistoiden Impuls schlage ich als harten Begriff vor, um sich der Problematik dieses Mechanismus im Einzelnen und damit in sich selbst bewusst zu werden. Er bedeutet nicht, dass alle Menschen gleich Faschisten sind, aber er bedeutet auch nicht, dass der Faschismus vom Himmel fällt und nur die anderen trifft.

(Der Widerspruch zwischen dem fließenden Übergang und dem harten Begriff ist interessant genug, um länger darüber nachzudenken, und vielleicht fällt dem einen oder anderen meiner Leser an dieser Stelle auch auf, dass der faschistoide Impuls paradox ist …)

Das Wort „fasces“ (Plural zum Singular „fascis“) stammt aus altrömischen Zeiten, in denen „Fascis“, lat. für „Bündel“, ein Bündel von Ruten war, die vor Amtsträgern hergetragen wurden und mit denen man die Massen teilte, um den Weg zu bereiten. Der Kerngedanke war vermutlich der, dass mehrere Ruten zusammenzubinden sie weniger leicht brechen lässt. Auf das Prinzip der fasces hatten sich im 19. Jahrhundert Arbeiterbewegungen berufen und sich „fasci dei lavoratori“ oder „fasci siciliani“ genannt. Später wurde der Begriff politischer und gelangte dann unter Benito Mussolini erstmals zu internationalem Ruhm (Quelle: Wikipedia).
Der Begriff „Faschist“ wird heute weitestgehend dazu verwendet, diejenigen auszugrenzen, deren Bündelung einem nicht gefällt.

Es ist dieser Impuls zu bündeln, den Weg zu bereiten und die Massen zu teilen, um den es bei der Ideologie geht.

Er macht sich in der abgrenzenden Rhetorik des Ideologen bemerkbar, wie er „klare Fronten“ schafft, vermittels derer er sich selbst definiert.

Und je mehr gebündelt wird, desto mehr verliert die Ideologie an Differenzierung und an Anders-Möglichen, an Kontingenz. Sie verliert an Differenzierung, weil sich die Massen an ihr organisieren, und aus dem gleichen Grund verliert sie an Kontingenz, denn wenn sich viele Menschen über ihre Ängste einigen müssen, müssen die Abgrenzungen immer radikaler werden.

So grenzt sich Ideologie gegen Ideologie ab, ganz besonders aber gegen pluralistische Dimensionierung und Differenzierung.

Je singularisierender die Ideologie, desto härter, distinkter und potenziell gewalttätiger die Abgrenzung gegen andere Ideologien. Ideologien können sich gegenseitig begründen, bestärken, benötigen. Am Links- und Rechtsextremismus wird die identitätsbildende und -stärkende Wirkung dieser Abgrenzung deutlich. Mit der Abgrenzung kommt die entsprechende Terminologie. Die Sprachmuster anderer werden auf Zugehörigkeit/Nicht-Zugehörigkeit getestet, und je größer die Masse, die sich an der Ideologie organisiert, desto einfacher werden die Tests.

Je pluralisierender die Weltanschauung, desto integrativer wird sie. Sie muss dabei in ihrer Terminologie nicht unbedingt gleich komplexer werden, aber sie wird definitiv zunehmend toleranter Andersdenkenden gegenüber. Diese Toleranz kann von Seiten der sich singularisierenden Ideologie immer weniger verstanden, be-griffen werden. Sie überschreitet außerdem die Grenzen des Konstruktiven, wenn sie so weit geht, intoleranten Ideologien Raum zu geben.

Klar erkennbar wird der faschistoide Impuls, wenn die Sprachmuster der Ideologie diese Form annehmen: „Wer nicht für uns ist, muss gegen uns sein!“ Das ist die Logik des reduktionistischen und singularisierenden Ideologen. Wer nicht dazu bereit ist, sich auf die Ideologie einzulassen, wird zum Feind des Ideologen – im Zweifelsfalle sogar zum Feind der ganzen Gesellschaft.

Versuchen wir, verschiedene Weltanschauungen und Ideologien in unsere Dimensionen einzusortieren, sehen wir deutliche Unterschiede und können erkennen, dass Weltanschauungen und Ideologien Umwelten/Kontexte haben, dass manche Strukturen das Zustandekommen von Ideologien wahrscheinlicher machen als andere und dass Menschen, die in der einen Gruppenumgebung aus ihrer Weltanschauung eine Ideologie bilden, in einer anderen ganz anders reagieren. Außerdem können wir erkennen, dass es sehr unterschiedliche Formen der Ideologie gibt. Die Differenz pluralisierend/singularisierend hilft zu verhindern, dass man grob schubladisiert und dabei nicht mitbekommt, wie klein, wie fließend und schwer greifbar der Übergang von der Weltanschauung zur Ideologie ist.

  • Es gibt Ideologien, die Werte ausbilden, die anderen ihre Andersartigkeit lassen und erlauben.

  • Es gibt Weltanschauungen von geringer Komplexität.

  • Es gibt Ideologien, die mit hoch komplexen Terminologien arbeiten.

  • Es gibt Weltanschauungen, die stark reduktionistisch organisiert sind und wirken.

Man vergleiche zum Verständnis folgende Weltanschauungen/Ideologien:

  • Bön-Buddhismus

  • Skeptizismus

  • Zen-Buddhismus

  • Agnostizismus

  • Law-of-Attraction-Esoterik

  • Neonazismus

  • Marxismus-Leninismus

  • Linksradikaler Anarchismus

  • Taliban

  • Ku-Klux-Klan

  • Sufismus

  • Scientology

  • Pluralismus

  • Konstruktivismus

Je länger man darüber nachdenkt, desto schwieriger wird es bei einigen, sie einzusortieren, und es fällt auf, dass ein für Alle und für alle Verhältnisse, Zustände, sozialen Bedingungen allgemein gültiges Einsortieren schwerlich möglich ist. Es müsste einem dabei klar werden, wie stark die individuelle Position von der Gruppenhaltung abweichen kann und wie situative Unterschiede wirken. Ein Skeptiker kann eine pluralistische Grundhaltung haben, er kann aber wie jeder andere auch im Kontext einer fragmentierenden und singularisierend wirkenden Umgebung (wie beispielsweise Facebook) zum abgrenzenden Ideologen werden, der sich beispielsweise am Feindbild der Law-of-Attraction-Esoterik stabilisiert und dabei aufhört wie ein aufgeschlossener Wissenschaftler zu denken. Ein Hardliner muss kein Hardliner überall sein. Milieu und Mensch lassen sich nicht so einfach voneinander trennen. Wer die Gesellschaft ohne das Individuum denkt, der verliert die Möglichkeit es auf seine Eigenverantwortlichkeit anzusprechen. Wer das Individuum ohne die Gesellschaft denkt, vergibt die Chance auf Verständnis für das Fehlen von Eigenveranwortlichkeit. Auf der einen Seite trägt das Individuum in der Masse zu gesellschaftlichen Entwicklungen bei, auf der anderen Seite kann es selbst aber nicht kontrollierend verändernd wirken.

Wissenschaft arbeitet reduktionistisch. Das gilt auch für die Systemtheorie. Reduktionismus als wissenschaftliche Methode hat erst einmal mit Ideologie nichts zu tun, egal wie häufig ein Esoteriker behaupten mag, dass auch alle Wissenschaft nur Ideologie sei. Wissenschaftlicher Reduktionismus und ideologischer Reduktionismus sind nicht dasselbe. Wissenschaftlicher Reduktionismus folgt der Idee, dass komplexe Sachverhalte auf einige wenige Ursachen oder Wirkmechanismen zurückgeführt, reduziert werden können. Auch der ideologische Reduktionsimus versucht einfache Wirkzusammenhänge zu produzieren, aber seine Aufgabe ist nicht wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn. Funktion und Leistung der Ideologie können wissenschaftliche Methoden zulassen, aber sie werden das nur dort und nur so lange tun, wo und wie die Ideologie nicht in Gefahr gerät. Ein Beispiel für ideologischen Reduktionismus ist die Idee einer jüdischen Weltverschwörung, die Idee-Ologen zum Anlass nehmen, wirtschaftliche Zusammenhänge, Abhängigkeiten, Probleme auf sie zurückzuführen, auf sie zu reduzieren. Der Vorteil einer solchen Vorgehensweise für den Einzelnen besteht unter anderen darin, dass er eine Erklärung für die beunruhigende Tatsache hat, dass er nicht kontrollierend verändernd wirken kann.

Wissenschaftlicher Reduktionismus kann in Ideologie abgleiten. Wie immer, wenn so etwas passiert, ist da kein Platz mehr für Freiheit und das Unbestimmte, das Freiheit überhaupt erst möglich macht. Die Orthodoxie kann religiös oder wissenschaftlich sein, jedoch der Schluss, dass ein religiöser Mensch gleich orthodox sein muss, ist genauso unzulässig wie der, dass ein Skeptiker keinen Sinn für offenes Forschen hat.

Dimension 2:

unbestimmter – – – bestimmter

Komplex <————————————————————–> Reduktionistisch

Wir erinnern uns, dass ein Sachverhalt genau dann komplex ist, wenn nicht alle Elemente des Sachverhalts gleichzeitig mit allen anderen relationiert werden können. Die Systemtheorie befasst sich mit komplexen Systemen. Sie untersucht ihre Selbstorganisation, und sie versucht mit reduktionistischen Mitteln Analysen und Vorhersagen zu generieren. Gleichzeitig verweist sie aber immer wieder auch darauf, dass sich autopoietische Systeme nicht punktuell von außen vorhersagen lassen. Sie integriert den Beobachter als gestaltend wirksam werdenden Faktor in die Beobachtung und kann so die Grenzen ihrer eigenen Zuverlässigkeit und Nützlichkeit angeben.

Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit ist eine Fähigkeit, die der Mensch in komplexen Umwelten benötigt, um zu überleben, sich sein Leben zu gestalten und halbwegs bei Verstand zu bleiben. Sie ist wichtiger als Intelligenz. Sie entscheidet über Frustrationstoleranz, die Methoden der Unsicherheitsabsorption und den Umgang mit eigenen und fremden Ängsten.

Weltanschauungen und Ideologien reduzieren Komplexität. Je niedriger die Komplexitätsverarbeitungsfähgkeit eines Menschen, desto weniger komplex in der Regel seine Weltanschauung oder seine Ideologie. Je höher die Umweltkomplexität und je bedrohlicher sie empfunden wird, desto wahrscheinlicher der Übergang von Weltanschauung in Ideologie. Das erklärt, warum wir auf Facebook so häufig dem faschistoiden Impuls begegnen: Dort kommuniziert jeder in der Öffentlichkeit. Mit dem „gefällt mir“-Button wird das Feedback der Öffentlichkeit implementiert. Der Einzelne ist auf das Problem zurückgeworfen, ständig damit leben zu müssen, dass eine durch ihn nicht konkret bestimmbare Masse auf das reagiert, was er/sie zu sagen hat. Wir können auf Facebook erkennen, dass die meisten Menschen nicht darauf vorbereitet sind, mit einer unbestimmten Masse zu kommunizieren und den Konditionierungsdruck, der durch die unbestimmte Masse an sie herangetragen wird, bewusst und sinnvoll zu verarbeiten: Sie erzählen ihre intimsten Geheimnisse vor einer diffusen Öffentlichkeit. Einfache Trigger reichen bei vielen aus, um dem faschistoiden Impuls nachzugeben – ein Resultat aus Komplexitätsüberforderung und im Identitätsbildungsprozess. Die Sachebene kann nur selten gehalten werden, die Themen fragmentieren, der Themen-re-entry wird zum Problem, zur Herausforderung – und oft genug findet er einfach gar nicht erst statt.

Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit kann man an drei Merkmalen messen:

  1. Wie viele Dimensionen kann jemand unter Stress zur Bewältigung der Komplexität eines Themas, Sachverhalts, Problems heranziehen? Für jemanden, der alles mit dem Hammer bearbeitet, sieht alles wie ein Nagel aus.

  1. Wie differenziert sind die jeweiligen Dimensionen ausgearbeitet? Viele Dimensionen heranziehen, diese aber nicht hoch auflösen zu können, mag ein hohes Toleranzmaß mit sich bringen, führt aber nicht unbedingt auch dazu, dass man Bullshit erkennen kann oder Fehler in den Argumenten anderer (oder eigenen).

  2. Wie schnell kann der Betreffende dimensionieren und differenzieren? Temporeichtum der Dimensionierung und Differenzierung schafft einen gewaltigen Vorteil, wenn man unter Druck rasch Entscheidungen fällen muss. Unter Stress zeigt sich die Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit.

Je höher die Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit des Einzelnen, desto höhere Komplexitäten kann er beobachten und managen, was bedeutet: konstruieren. Eine hohe Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit ist ein ausgezeichnetes Mittel für Stressmanagement. Facebook und Twitter und andere Social Media Tools brauchen/nutzen den Ärger, die Wut, das Leid, den Schmerz, die (virtuelle) Emotion und setzen deshalb gezielt Methoden zur Reduktion der Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit ein. Trivialisierende Weltanschauungen und Ideologien reduzieren Komplexität auf einem niedrigen Level und auf ein niedriges Level. Systemiker nennen solche Beschreibungen/Modelle, die der Komplexität eines Sachverhalts oder Problems nicht gerecht werden, „unterkomplex“. Das Wort bedeutet, dass man mit einer höheren Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit mehr Dimensionen und eine höhere Differenziertheit der Beschreibung des Sachverhalts oder Problems erreichen kann.
Hervorragende Systemik zeichnet sich durch beides aus: ein hohes Maß an Betrachtung von Unbestimmbarkeiten und ein hohes Maß an Bestimmbarkeit. Was bestimmbar gemacht werden kann, hängt von der Fähigkeit ab reduktiv und funktional zu denken. Der Streit Reduktionismus versus Holismus ist aus systemischer Perspektive betrachtet nicht sinnvoll, weil beide ihre Berechtigung haben.

Menschen unter Stress sind Menschen, die ein Problem mit zu hohen Komplexitäten oder zu einengenden Bedingungen (oder sogar beides gleichzeitig) haben. Im einen Fall empfindet man die Situation als chaotisch, im anderen als zu rigide, zu starr, und aus als chaotisch empfundenen Zuständen können zu rigide, zu starre Maßnahmen folgen, wie umgekehrt aus zu rigiden, zu starren Zuständen chaotische entstehen können. Die Ideologie schaltet gleich und reduziert Komplexität. Sie bestimmt bislang Unbestimmtes, und sie macht es so, dass sich Einzelne, Gruppen, ganze Gesellschaften sicherer fühlen können. Populisten sprechen immer Sicherheitsängste an. Sie wissen instinktiv, worauf die Menschen reagieren, und es kommt auch nicht von ungefähr, dass es das liebe Geld ist, das die Gemüter ganz besonders erregt. So baden manche rechte Ideologen regelrecht in der Vorstellung von vergewaltigenden Syrern in nächtlichen Parks und beklagen, dass wir „denen auch noch das Geld nur so zustecken“. Die Gruppe verspricht Sicherheit, der Gedanke das Gleiche zu denken und zu wissen vermittelt Ruhe. Zu manchen Ideologien gehören Initiationsrituale. Manche Sekten und politische Gruppen drohen ihren Mitgliedern mit Ausschluss und sorgen so dafür, dass der abschreckende Gedanke der Ausgrenzung auch nach innen hin wirkt. Wer etwas leisten muss, um dazuzugehören, der findet die Sache gleich attraktiver, wenn er die Leistung erbringt.

Empfundenes Chaos wird vermittels Weltanschauung oder Ideologie in Ordnung überführt, und auf politischer und persönlicher Ebene kämpfen die Extreme Freiheit und Sicherheit gegeneinander. Je pluralistischer, desto niedriger die Sicherheitsregularien – je singularisierender, desto niedriger die Freiheit. Wo dem Einen der Begriff „Chaot“ eine liebenswürdige Bezeichnung ist, sucht die BILD-Zeitung zusammen mit ihrer stumpfen Leserschaft nach der „Krawall-Barbie und den 103 Chaoten“.

Je mehr der Mensch auf Sicherheitsängste zurückgeworfen ist, desto wahrscheinlicher wird, dass er die Unbestimmtheit, die Komplexität zugunsten der Bestimmtheit, der Reduktion aufgibt, dass er von Freiheit zugunsten von Sicherheitsmaßnahmen lässt. Je höher die Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit des Individuums, desto unwahrscheinlicher wird, dass sie/er sich „schnell ins Bockshorn jagen lässt“. Sie/er wird im Gegenteil eher die Ruhe bewahren und pluralistischer denken. Sie/er kann in Kontingenzen denken und Paradoxien verarbeiten, sie/er weiß um das Auch-Anders-Mögliche, und sie/er wird nicht so schnell auf die Idee kommen, in ideologischen Reduktionismus zu verfallen. Kann sie/er das aber nicht, kann sich ihr/sein Pluralismus als eine Form von Ideologie entlarven, und der Sicherheitsgewinn, den sie/er dabei hat, ist genauso lebensecht wie der des Neonazis. Die komplexen realpolitischen Probleme müssen sie/ihn nicht berühren und folglich auch nicht beunruhigen. Weil jemand Pluralist ist, ist sie/er nicht gleich „besser“ oder „weiter entwickelt“. Sie/er ist auch nicht gleich intelligenter. Auch beim Pluralismus stellt sich die Frage, wie hoch und wie schnell der Einzelne dimensionieren und differenzieren kann.

Erst wenn mehrere Dimensionen zur Betrachtung herangezogen und diese hoch aufgelöst werden können und der Einzelne das auch noch unter Druck und temporeich schafft, entsteht die Chance zur (gesamt)systemischen Analyse. Erst dann kann damit gelebt werden, hohe Komplexitäten zu verarbeiten und nach ihnen angemessenen Lösungen zu suchen. Erst dann können Problembeschreibungen geliefert werden, die Funktionalität gewährleisten.

Die Werte der jeweiligen Ideologie schaffen Projektionsfläche für das Gleichschaltungsinteresse.
Sie und die mit ihnen verbundene Philosophie sind für Individuum und Gesellschaft austauschbar, kontingent – wenn auch nicht beliebig. Ihre Beliebigkeit ist durch Sozialisation/Konditionierung, Kultur und Bildung, individuelle und gesellschaftliche Historie begrenzt, aber innerhalb dieser Grenzen sind, wie politische und religiöse Gehirnwäschen und Kulturrevolutionen gezeigt haben, Überraschungen immer möglich. Es gibt Menschen, die sich ohne erkennbare Vorzeichen plötzlich aufmachen, um sich ISIS anzuschließen. Überzeugte Christen wechseln zum Zen-Buddhismus. Menschen, die nie von sich selbst gedacht hätten, dass sie Rassisten sind, zeigen im Kontext von Diskussionen in den Internetmedien plötzlich Merkmale von Rassisten. Wir können in solchen Diskussionen live beobachten, wie Menschen unter Druck politisch nach rechts rücken und aus Trotz „Na, und?“ sagen. Es sind keineswegs nur die Populisten verantwortlich, und es ist auch nicht so, dass man durch andere gleichgeschaltet wird. Gleichschaltung bedeutet Selbstgleichschaltung und zu versuchen, andere gleichzuschalten. Dieses Spiel spielt man zu mehreren.

Man sollte sich nicht darüber wundern, dass die Freigeister nicht in Scharen aus dem Wald herausgelaufen kommen, in den man soeben „Faschist!“ gerufen hat …

Mit der Ideologie verliert der Mensch an Individualität. Je massenwirksamer die Ideologie wirkt, desto mehr Menschen geben ihre Individualität auf und werden zur Copy. Obwohl die Ideologie die Identifikationsmöglichkeit bietet, geht doch mit zunehmender Singularisierung und zunehmendem Reduktionismus zwangsläufig Individualität verloren. Das Gleichschaltungsinteresse führt zur Bildung von Persönlichkeitsschablonen. Im Rahmen dieser Schablonen sind bestimmte Formen des Denkens nicht nur unerwünscht, sie sind auch unmöglich.

Dimension 3:

Copy <——————————————————> Individuum

An der Konstruktion von Gruppen beteiligt zu sein, liegt in unserer Natur. Und mit der Gruppe kommt immer der Gruppenkonsens und mit ihm zu einem gewissen Grad die Aufgabe/das Aufgeben der Individualität. In den Internetmedien können wir den Prozessen von Gruppenbildung(en) zusehen, erkennen, wie Einzelne ihre Selbstbeschreibungen formulieren, wie Gleichschaltungsrhetorik auf die bereits vorgegebene Struktur trifft, wie sich die Menschen in Grüppchen voneinander abgrenzen und wie sich Horden organisieren, die auf der Jagd nach Andersdenkenden jeden Sinn für Anstand und Respekt verlieren. Der Sog zieht mit, und man schaltet sich gegenseitig über Sprache gleich. Verdächtige werden aussortiert, Shitstorms losgetreten. Wir haben das erste Mal in der Menschheitsgeschichte die Möglichkeit, Ideologien und faschistische Bewegungen in Echtzeit im Entstehen zu beobachten. Hier lässt sich zeigen, dass nicht der Chefideologe die Massen macht, sondern wie jeder Einzelne zum Phänomen beiträgt und am Ende, wie Gustave Le Bon beschrieben hat, es die Massen sind, die dem Führer den Nimbus der Macht umlegen.

Individuen, Gruppen, ganze Gesellschaften sind im kontinuierlichen Identitätsbildungsprozess begriffen. Kopien funktionieren gut in gleichgeschalteten Gruppen, aber nur begrenzt in Teams. Teams sind darauf angewiesen, dass die Team-Mitlieder im Rahmen ihrer Aufgabenvorgaben ihre kreative Individualität einbringen. Individualität geht bei zunehmender Singularisierung und Komplexitätsreduktion verloren und mit ihr eben auch Kreativität und Innovation. Individualität geht aber auch bei hoher Pluralisierung und niedriger Bestimmtheit verloren. An seiner Individualität zu arbeiten bedeutet, an seiner Einzigartigkeit und an dem kontinuierlich Neuen zu arbeiten. Es bedeutet Gedanken zu denken, die niemand sonst denkt, Dinge zu sagen, die niemand sonst sagt. Es bedeutet, kontinuierlich zu forschen, Herausforderungen anzunehmen und auch zu formulieren. Es bedeutet, sich selbst im re-entry auf höherer Ebene zu re-produzieren und dabei Integrität zu wahren. Individualität ist nicht die pubertäre Abgrenzung von anderen, sondern die Summe des Andersmöglichen, die daraus entsteht, dass man an sich selbst den psychischen Anspruch stellt. Individualität hat immer etwas mit einem persönlichen Symbolsatz zu tun, während Kopien die Folge gleichschaltender und gleichgeschalteter Sprache sind. Alles, was man denken kann, kann man nur denken, weil man einen spezifischen Zeichensatz zur Verfügung hat. Alles, was man nicht denken kann, kann man deshalb nicht denken, weil es einem an Zeichen fehlt. Und die Zeichen, die ermöglichen, individuelle Perspektive zu generieren und zu beschreiben und tatsächlich Neues zu denken, kannst DU nicht kopieren, DU musst sie erfinden. Eine Gesellschaft, die versucht ihre Personen in Massenmedien als Kopien nachzudrucken, verliert ihre Kraft komplexe Probleme zu lösen, denn die erwächst erst aus der Fähigkeit der Menschen ihre Welt anders zu erleben, anders zu beobachten und anders in ihr zu handeln.

Digital geklont unterscheiden wir uns nur noch unwesentlich von Blattläusen und die bauen eben keine Mondraketen.

In Kürze in diesem Blog Teil 3 von Im Gleichschritt Marsch: Individualität und Globalisierung

83 Gedanken zu “Im Gleichschritt Marsch 2: Blattläuse bauen keine Mondraketen

  1. Auch in diesem Blog kann man die im Artikel Symmetrische Konflikte (http://carl-auer-akademie.com/blogs/systemzeit/2017/12/14/symmetrische-konflikte-wenn-bunt-bloed-macht/) beschriebenen Mechanismen erkennen. Nur wenige Blogbeiträge weisen bislang die Qualität des Themen-re-entry auf: Abgrenzung statt Integration? Die in CoOneAnother wirkende Bereitschaft zur Einlassung auf das Modell mit anschließender Diskussion scheint eine Herausforderung zu sein, die für Viele zu viel ist. Sicherlich spielen Bildung und die Fähigkeit gründlich zu lesen eine wichtige Rolle, aber man kann hier meiner Ansicht nach sehr gut beobachten, wie konditioniert die Reaktionen sind. So scheinen einige zum Beispiel zu erwarten, dass die Bedingungen des Blogs und die Texte der anderen so beschaffen sein müssen, dass sie das eigene Sich-Einbringen erleichtern – eine Haltung, die nicht konstruktiv ist und die die Verantwortlichkeit im sozialen Geschehen an ein diffuses soziales Geschehen abgibt. Man könnte hermeneutisch an die Texte der Gesprächspartner herangehen und davon ausgehen, dass man etwas Neues erfährt, doch der Impuls, nach einer Gelegenheit zu suchen, die eigene Gegenposition zu beschreiben, siegt dann doch öfter … slitty …
    Die in den Leitartikeln bislang vorgestellten Modelle und Mechanismen sind geeignet, die Kommunikationsstruktur dieses Blogs zu analysieren.

    • Die Artikel in diesem Blog werfen mich auf mich selbst zurück und während das passiert und ich darüber nachdenke, kann ich die Mechanismen in mir wirken sehen. Vielleicht ist das die Intention der Autorin, dass sie eben keine rein beschreibende „trockene“ Wissenschaft versucht, die lediglich aufzeigt, wie die Theorie respektive das hier vorgeschlagene Modell sein könnte und sollte. Vor allem wählt sie eine Sprache, die nicht nur Wissenschaftler unter sich verstehen. Sondern sie wählt eine Form, die den Leser mitnimmt, integriert – so kann ein Dialog zur Gesellschaftskritik gelingen, die den Menschen mitnimmt statt ihn außen vor zu lassen. Eine Form, bei der sich der Einzelne reflektiert und ändert, weil alles andere sowieso nicht mehr geht.

      Fragen?

      Während du nach Fragen ringst, sie suchst, sie erdenkst und wieder verwirfst – während dessen geht verloren, was bereits an Fragen in dir ist und die Erkenntnis oder die Antwort quasi vorbereitet vor deinen Füßen liegt. Ganz unabhängig um wen oder was es geht.

      Es gibt keine Fragen, die man nicht zunächst an sich selbst stellen sollte. Zumindest habe ich bisher keine entdeckt.

      Die Texte der Autorin haben eine Eigenschaft, die äußerst wertvoll ist. Sie nimmt den Leser mit, lässt ihn teilhaben. Der Leser ist mittendrin noch ehe er begreift, dass das so ist. Mir persönlich geht es so, dass die Texte in mich hineinflutschen und ich gleichzeitig Teil des Geschehens bin, was beschrieben wird. Ich habe noch nie so viele ganz persönliche Erkenntnisse gehabt. Und ich habe auch noch nie Texte von anderen so invasiv erlebt wie diese. Bei allem, was mir bisher untergekommen ist, woran ich mich versucht habe zu orientieren, zu justizieren war immer ein Haken. Bei diesen Texten jedoch bin ich auf mich selbst zurückgeworfen, da ist kein Haken, außer ich steche ihn mir selbst durch die Haut und verliere wieder und abermals den Bezug zur Welt indem ich nur mich selbst betrachte und gesehen werden will.

      Wenn du versuchst, Fragen von außen hinein zu holen, erkennst du nicht, dass Du bereits mitten drin bist in den Fragen und Antworten, dich und die Welt betreffend.

      Was ist passiert? Die/ deine Welt ist verkümmert, klein krumm und schief – zusammengezimmert aus eigenen Bedürfnissen, Bequemlichkeiten, Ideen, Vorstellungen und Abgrenzungen gegen die du kämpfst und meinst sie zu verteidigen.

      Hurra, es ist ganz anders. Die Welt setzt sich zusammen aus dir selbst (System) und der Umwelt und nun versuche mal herauszufinden, was dich daran hindert, den Sessel zu verlassen und zu schauen, was sich da noch an Blickwinkeln so bietet, wie ist das mit dem anderen, dem Netzwerk, der Welt, dem Umfeld, der Umwelt – so ganz ohne egozentrischen Blick?

  2. Facebook ist da, wo es um die Probleme der einzelnen geht, ein erschreckendes Pflaster. Die meisten sehen sich als Opfer, und jeder Hinweis darauf, dass auch das eigene Verhalten überdacht werden sollte, führt meist zur Agressivität. Auch dies ist eine starke Reduzierung der Komplexität, in Form von: die Anderen sind Schuld, und ich bin das Opfer. Dass die Komplexität nicht wahrgenommen wird, ist aber auch ein wesentlicher Grund dafür, dass die Probleme nicht gelöst werden können.

  3. Zur Funktion der Hermeneutik gäbe es noch einiges zu sagen. Gewiß, man könnte … Nur muß man sich Vieles, was sich als neu darstellt nicht unbedingt antun. Zumal das Meiste -speziell im Wahn des innovationsgeilen Zeitgeists so neu garnicht ist, sondern sich nur dafür hält.

    Und sofern es sich um Machterhalt dreht, kann Schweigen eine weitaus mächtigere Strategie sozialer Manipulation sein.

    Schon mal drüber nachgedacht?

  4. Wissenschaftlicher Reduktionismus zeigt sich auch darin, überhaupt erst einmal beobachtbar zu machen, wozu man Wirkmechanismen und Ursachenzuschreibungen konstruieren (oder von mir aus auch entdecken) will. Prof. Görnitz formulierte es, bezogen auf wissenschaftliche Versuche, alles messbar zu machen, mal ungefähr so, wenn ich recht erinnere: Gute Messer sind sich dessen bewusst, dass sie per Messen unterscheiden, damit Beobachtung allererst ermöglichen und zugleich prinzipiell Beobachtbares aus der Beobachtung ausschließen. Kommt einem bekannt vor, klar.

  5. Na klar.
    Die Zeichen der Vergangenheit – und zudem einer fiktionalen Vergangenheit-, sollen hier Zeichen der Zukunft sein, woraus für die reale Gegenwart freilich deutlich wird, daß sie den Erzähler, ähnlich wie den Torwart Bloch, in ihrer Ding-Vielfalt und semiotischen Komplexität überfordern. Daher die Flucht aus Raum und Zeit, die durch die Erfahrung bedingt ist, daß die Selbstverständlichkeit der Alltagswelt konventionell nicht mehr bewältigt werden kann. Nicht mehr ist dem Helden selbstverständlich, der von dem zwaghaften Gefühl gepackt wird, „keine Einzeltätigkeit aus der sich die Gesamttätigkeit zusammensetzte, auslassen“ zu können (S.34). Dabei führt Bewußtsein, der Realität nicht gerechtwerden zu können, zu zwanghaften Assoziationen, wie etwa am Beispiel der Stadtwirklichkeit New Yorks, die der Erzähler sich aus früheren Erfahrungen mühsam zu erschließen sucht: “ Wie hier, in einer Umgebung, die ich kaum kannte, trieb mich auch damals der Mangel an Kenntnissen und Erlebnissen dazu, mich darüber hinwegzutäuschen, indem ich die wenigen Tätigkeiten, die mir möglich waren, im Beschreiben zerlegte, als ob sie von großen Erfahrungen erzählten.“ (S. 34f) Dem Mangel an Wirklichkeit wird also zu begegnen versucht, daß Teilaspekte zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt werden. Freilich erweisen sich diese pathologischen Reduktionsversuche, mit denen die Realität hier überschaubar gemacht und entdämonisiert werden soll, deshalb als hilflos, weil die Sprache in ihrer Zeichenhaftigkeit je schon den subjektiven Bewußtseinshorizont bestimmt und begrenzt. Dazu tritt die Einsicht, und zwar als „unheimliche Möglichkeit, daß, was als Wirklichkeit erscheint, auch ganz anders erscheinen könnte“17 – Und dies sieht der Erzähler: „Wieder, wie schon als Kind, kommt es mir vor, als ob die Umwelt auf einmal platzen könnte und sich als etwas ganz anres entpuppen würde, zum Beispiel als das Maul eines Ungeheuers.“ (S.96)

  6. Aus gegebenem Anlass habe ich ein Handbuch philosophischer Grundbegriffe aus dem Jahr 1973 wieder hervorgekramt, in dem ich Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts eine recht interessante philosophische Analyse des Begriffes „Ideologie“ gelesen habe. In der Literaturliste des besagten Artikels steht an zweiter Stelle K. Mannheim, Ideologie und Utopie (1929), Frankfurt 1952. Übrigens macht sich der Autor des Artikels auch Gedanken darüber, ob wir uns im postideologischen Zeitalter befinden … 1973 (sic!)

    Immer mal wieder erstaunt lerne ich daraus: Viele Populisten wünschen sich und ihre Anhänger (ich sie übrigens auch) in die Vergangenheit zurück, für einige Wissenschaftler (?), die an Wikipedia-Artikeln mitarbeiten, ist dieser Wunsch offensichtlich bereits in Erfüllung gegangen.

    • @Ralf Peyn @ Karl Mannheim
      Karl Mannheim, sagt u.a., dass menschliches Denken und Erkennen nicht in rein theoretischem Rahmen abläuft. Sondern das jenes von gesellschaftlichen und geschichtlichen Lebenszusammenhängen geprägt ist.
      Daraus entwickelte er den epistemischen Relationismus, der konstatiert, dass Weltsichten ( Weltanschauungen ?) sich je nach Position in der Gesellschaft ändern können, und überwand damit das substanzialistische Denken.
      Mir sind die Begriffe „epistemisch“ und „substanzialistisch“ nicht hinreichend bekannt bzw. deren Deutung nicht klar. Epistemisch = Erkenntnistheorie?
      Substanzielistisch würde ich als gleichbedeutend mit dem „so-sein-der –Dinge-Denken“ vergleichen wollen (Ontologie)?!

  7. „Die Motivation zur Ideologie lässt sich als faschistoider Impuls begreifen.“
    Meine volle Zustimmung. Die Ideologen wollen der Welt ihren Willen aufzwingen, alle Menschen zwingen, nach ihrem Muster zu leben.

    „Wir haben das erste Mal in der Menschheitsgeschichte die Möglichkeit, Ideologien und faschistische Bewegungen in Echtzeit im Entstehen zu beobachten.“
    Die Ursache könnte der Zerfall der Gesellschaft in den Industrieländern sein. Schüler berichten, dass man im Unterricht früher über alle politischen Themen diskutieren konnte. Heute wird man nach einigen Worten sofort als „Rechts“ oder „Links“, das eine oder das andere eingestuft und damit ist dann ist die Auseinandersetzung beendet. Der Einzelne steht unter dem Druck, sich einer Gruppe anzuschließen, da er bei eigenem Engagement sofort von einer ganzen Gruppe angefeindet wird.

    Der Begriff der Freiheit des Einzelnen ist zur Groteske verkommen. Freiheit klingt erstrebenswert, Eigenverantwortlichkeit wird gefordert, laut und vehement von Menschen, die abgesichert sind und keine gesetzliche Kranken- oder Renten- oder Arbeitslosenversicherung mehr wünschen. Die Solidarität wird aufgekündigt. Die Freiheit ist nur eine Illusion, wenn eine Familie zu versorgen ist, man Verantwortung für eigene Kinder hat. Auch Einzelpersonen sind dem System unterworfen. Bleibt noch die Freiheit von allen ethischen Grundsätzen, jeder kann machen was er will, jedoch erbaut nicht alles, sondern desintegriert die Menschen nach und nach.

    Wissenschaftlicher Reduktionismus kann in Ideologie abgleiten. Der Schluss, dass ein religiöser Mensch gleich orthodox sein muss, ist natürlich nicht noch nicht einmal ein Schluss. An ihren Früchten wird man sie erkennen. Die religiösen Menschen, die sich positiv auf ihren Nächsten und die Gesellschaft auswirken, sind Kinder Gottes, denn Gott ist Liebe. Alle Religionen, die ihren Mitmenschen schaden, die nicht mit Nächstenliebe auftreten, folgen einer Ideologie, die nichts mit der christlichen Religion zu tun hat.

    • Ich sehe Religion als nichts anderes an, als eine Form der Ideologie. Und ich muss das wissen. Ich bin zwangsgetauft worden und habe die Christenlehre zwangsabsolviert, bevor ich in die nächste Ideologie zwangsintegriert wurde – die der Pioniere und FDJler.

      Jede dieser Ideologien pries sich als allein seligmachende Form der Gemeinschaft an und wehe dem, der es wagte, das anzuzweifeln oder gar kritische Fragen zu stellen.

      Und gerade die christliche Gemeinschaft in der Bundesrepublik hat sich einen Platz und Gesellschaftsvorteil geschaffen, dass sie als Ideologie allgemeines Kulturgut darstellt, dass selbst in Schulen unterrichtet werden darf und aus Gemeinschaftsmitteln zwangsfinanziert wird.

    • Niemand verbietet den freien Willen. Gott hat das Gute vor die Menschen gestellt, Jesus Christus. Wer an Ihn glaubt, wird auferstehen und mit Ihm leben, in Ewigkeit.

      Wer Religion als nichts anderes ansieht, als eine Form der Ideologie, hat gewählt, gewählt dass mit dem Ende alles aufhört.

      Die ewige Frage an alle Atheisten: „Was wäre, wenn es doch wahr wäre mit dem ewigen Leben in Jesus Christus; lohnt es sich nicht, dem einmal nachzugehen?“
      Die so oft gehörte Antwort lautete: „Alles nur eine Erfindung des Menschen, der sich nicht mit seinem Tod abfinden will.“ , jedoch,

      nur um dann bei Lebensgefahr für sich, sein Kind oder einen Angehörigen in die Klöster zu eilen und die Schwestern oder Brüder Jesu Christi zu bitten, in einem katholischen Fürbitte-Gebet aller Nonnen oder Mönche zur selben Zeit, unseren Herrn und Gott anzurufen und zu bitten, diesen Menschen zu retten.

      Wohin gingen Waisen, als es noch keinen Sozialstaat gab? An welcher Tür fanden sie Aufnahme; auf jeden Fall an einer Klostertür, bei den Nonnen und Mönchen, dem Granit-Grundgestein unseres Herrn Jesus Christus.

  8. Man sollte bei den eigenen etwas kreativeren Kommentaren vielleicht einmal bedenken, dass auch sie fragmentierende Wirkung haben können. Ich jedenfalls lese Kommentare in der Hoffnung, meine Zeit und Energie sinnvoll zu verwenden und beginne irgendwann mit generellem Überlesen, wenn die Bemerkung wie ein Rorschachtest daher kommt.
    Da ich davon ausgehe, dass es unter Menschen nicht unüblich ist, eine gewisse Sinnstringenz zu erwarten, habe ich mich dazu entschieden, wie ein guter Gärtner zu handeln und total abwegigen Unsinn zu löschen, da nicht jeder die Lust und die Zeit dazu haben wird, sich durch das wuchernde Unkraut zu schlagen, um die interessanten Sprösslinge zu entdecken.
    Hilfreiche Beiträge zu erkennen, wird immer schwieriger und anstrengender, je mehr Störgeräusch sich darüber legt und je stärker die Fragmentierung wird. Pluralisierung kann genauso wie Singularisierung die Bildung von Systemen, die Strukturen wie CoOneAnother aufweisen, verhindern und den Prozess allgemeiner Ideologisierung verstärken.

  9. Die Vielfalt an Ideen und der intellektuelle Wettstreit der Ideologien, Weltanschauungen und Wissenschaften sind Voraussetzungen zur Erhaltung und Weiterentwicklung der geistigen, sozialen, wirtschaftlichen und technischen Lebensgrundlagen der Menschheit. Analog zur „Biodiversität“ ließe sich von „Ideodiversität“ sprechen.

    • Liebe Gitta, vielen Dank für deine (wie immer auch annäherungsweise) „ideologiefreie“, funktionale Ideologiekritik. Diese hat wie oben die evolutionären möglichst viele weitere Aspekte der Ideologieproduktion zu berücksichtigen.
      Beispielsweise die ökonomischen: Geht man davon aus, dass es einen „Markt“ der Ideen und Ideologien gibt, so entstehen diese als Angebot auf eine gesellschaftliche Nachfrage. Ihr Wert bemisst sich in ihrer politisch-gesellschaftlichen Macht bzw. Wirkmächtigkeit. Diese hängt auch von effektiven Marketingstrategien ab, die nicht bloß inhaltlich, sondern ebenso ästhetisch wie psychologisch bestimmt sind.
      Oder die psychologischen, die du genannt hast: Unsicherheitsabsorbtion durch Komplexitätsreduktion, Kollektiv-Identifikation durch Gleichschaltung und Kontra-Positionierung gegen einen äußeren Feind (die Anderen, die Fremden, die Bösen).
      Und dann natürlich die machtpolitischen: Die Kollektivbildung über eine funktionierende Ideologie erleichtert die Mobilisierung außerordentlicher Kräfte zur Expansion der Machtsphäre beispielsweise durch Krieg (vgl. I. und II. WK), Terror (vgl. RAF, IS) und Unterdrückung (vgl. UdSSR, DDR, Maos China).

      • „ERSATZ UND NEU

        Nicht alle spielen hier mit. Der Bauer gewiß nicht, der Handwerker und Kleinhändler wenig. desto mehr die neue Mitte, sie sucht ein Leben, das sie meint und nicht führen kann, im Ersatz. Niemals nennen sich Kleinbürger untereinander so, beschimpfen sich nicht einmal so. Auch dass hängt mit dem Ersatz zusammen, nach dem sie streben, vor allem in ihrer maßgebenden Schicht, den Angestellten. Wer nicht mittanzt, wird von ihnen nicht Klein-, sondern Spießbürger genannt, und ist in der Tat ja vorüber. Wendig sieht der Angestellte auf seiner leeren Straße, leerem, ablenkendem Glanz nach. So daß der gesetzte Bürger ihm nachläuft, vom Stammtisch aufsteht, verwirrend unterwegs ist. Der Staub des Tages sieht abends, als beleuchtet, recht bunt und lockend aus. Das reizt, doch erfüllt nicht, macht nicht echter, doch immer neuer Dinge begierig.“

        Ernst Bloch
        ERBSCHAFT DIESER ZEIT
        S. 41
        Erste Auflage dieser Ausgabe 1973
        @Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1962

  10. Wenn Gott das ist, was er nach den Vorstellungen der Gläubigen sein soll, dürfte er es denen, die nicht an ihn geglaubt haben, dies eigentlich nicht verargen – insbesondere dann nicht, wenn sie in einer Weise gelebt haben, die in vielen Fällen sicherlich nächstenliebender war als die Gepflogenheiten vieler Christen, die ihren Glauben als Monstranz vor sich hergetragen haben, nach ihren Handlungen aber gar keinen nächstenliebenden Eindruck gemacht haben.

    • Der Herr ist Gott.

      Das Wort und der Wille des Schöpfers des Himmels und der Erde, des Weltalls und allem, was darin ist, ist in der Heiligen Schrift zu finden. Sein Wort gilt unveränderlich, denn wenn alle seine Worte nur Empfehlungen wären, hätte sein Sohn diese Passion nicht erleiden müssen, sein Leben nicht für die Menschen geben müssen, die Kinder Gottes werden wollen.

      Der Herr ist Gott und richtet sich nicht nach Vorstellungen, die IHM vorschreiben wollen, was ER verargen darf und was nicht, denn

      „bis daß du wieder zur Erde kehrst, von der du genommen bist; denn du bist Staub und kehrst wieder zum Staub zurück!“ 1 Mose 3, 19

      Das Wort des Herrn gilt in Ewigkeit, unabhängig davon, was Menschen von den Gepflogenheiten anderer Menschen halten.

      „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen.“ Johannes 3, 36

    • Aus Spaß an diesem kleinen Seitenzweig: Der Papst war neulich mal so freundlich zu verkünden, dass die guten Menschen in den Himmel kommen, selbst wenn sie nicht an Gott glauben. Das fand ich dann mal nett von ihm.

  11. Sehr interessant 🙂 von welchem Stressbegriff gehst Du aus, liebe Gitta? Ich kenne Modelle, die Stress als Input beschreiben oder aber Stress als Output ansehen und schließlich gibt es noch den Stressbegriff als Stressbewältigung, bei dem verschiedene Strategien (Coping) bekannt sind.

    Empirisch sind ja Einstellungssyndrome wie Autoritarismus schon lange beobachtbar, welche schon sehr früh in der Entwicklung gelernt werden. Die Kennzeichen von Autoritarismus sind verknüpft mit dem Glauben an Gehorsam gegenüber Autoritäten und mit dem Wunsch nach Ruhe und Ordnung, aber auch mit der Ansicht, dass Verbrecher hart bestraft gehören. Aus diesem Einstellungssyndrom, gepaart mit einem geringen Einkommen und steigendem Alter, resultiert die Ideologie der Ungleichheit, die keineswegs vor einer bestimmten Gruppe (sagen wir Syrer) halt macht. Ungleich sind auch Frauen, ältere Menschen, Obdachlose, Arbeitslose, Kranke, usw. Die kognitive Verengung, die mit Einstellungssyndromen wie Autoritarismus einhergehen, schaffen tatsächlich kleine Gehirne, in dem nichts Platz findet, was nicht gleichgeschaltet daherkommt. Weshalb es auch nicht erstaunlich ist, dass Ideologen der Ungleichheit auch Verschwörungstheorien frönen und hier sind nicht Personen gemeint, die Verschwörungstheorien Ha-Ha finden, sondern die ernsthaft an den kruden „Erklärungen“ festhalten.

    Das geht so weit, dass autoritäre Personen (gemeint sind nicht Autoritäten, sondern Menschen mit einem Einstellungssyndrom wie Autoritarismus) als Erklärung für Krankheit hingehen und Kranken die Schuld an der Krankheit geben. Denn: als waschechter Esoteriker glaubt man an die Allmacht des eigenen Bewusstseins und somit auch an die Fähigkeit des Krankwerdens durch Eigenverschuldung. Gleichzeitig und völlig quer geht der esoterische Kleingeist hin und glaubt an ein höheres allmächtiges Wesen, welches genau Buch über die moralischen Entscheidungen jedes Menschen auf dem Globus führt und anhand dieser Entscheidungen (die auch gerne einmal unter Stress gefällt werden) einen Maßstab für das Schlagen mit Krankheiten anlegt. So ist man chronisch krank, weil man es verdient hat.

    Einen Weg aus dieser Blindgläubigkeit zu finden, ist tatsächlich die Psychotherapie.

    VG
    Iris

    • „Gleichzeitig und völlig quer geht der esoterische Kleingeist hin und glaubt an ein höheres allmächtiges Wesen“;

      also: esoterische Menschen und darüber hinaus Kleingeister, die zusätzlich autoritäre Personen sind, also Menschen mit einem Einstellungssyndrom wie Autoritarismus, in deren kleinen Gehirnen nichts Platz findet, was nicht gleichgeschaltet daherkommt, Ideologen der Ungleichheit, die ernsthaft an kruden „Erklärungen“ festhalten, Kranken die Schuld an der Krankheit geben und deren Blindgläubig dringend einer Psychotherapie bedarf.

      Liebe Iris,

      es ist außerordentlich zuvorkommend von Dir, Dich hier vorzustellen, also Dein Innerstes zu offenbaren. So weiß man später doch gleich, wen man vor sich hat.

      Dein Beitrag offenbart den Hass in Vollendung, eine Aneinanderreihung von bösartigsten Diffamierungen aller gläubigen Christen der ganzen Welt. Damit unterscheidest Du Dich in keinster Weise von allen Fundamentalisten, die mit ihrem Hass Christen und Andersgläubige in aller Welt verfolgen, obwohl Christen lediglich zu ihrem Glauben stehen und ihn bezeugen.

      • Danke Regine, das habe ich noch gar nicht gesehen, obwohl mir Fanatiker in allen Bereichen begegnen und ich so feststellen konnte, dass Inana Yoga Recht hatte damit: Jede/r Einzelne geht durch die Phase des Fanatismus. Wenn man einmal begonnen hat, den Weg zu gehen, ist man solange Fanatiker, wie man den Weg gegangen ist. Offensichtlich ist da noch mehr Tunnel für mich.

        VG
        Iris

      • Liebe Iris,

        wie kannst Du Fanatiker erkennen?

        Dieser Begriff bezeichnet doch das Ungewöhnliche, also etwas, das nicht zum normalen Leben gehört und ist lediglich wahrnehmbar, wenn es nicht zur eigenen Normalität gehört.

      • Hallo Regine, ich finde Deine Nachfrage ehrlich gesagt merkwürdig.
        Eine Fanatiker kennzeichnet sich dadurch, dass er sich in blindem Eifer und völlig unkritisch für eine Sache oder Idee einsetzt!
        Ich erlebe dich bzw. Deine Beiträge bisher so, dass sie Gott und den Glauben an ihn gewidmet sind. Ich kann daher keinen Unterschied feststellen zwischen dem Glauben an etwas und einem Fanatiker.

      • Hallo Kathleen,

        den Unterschied wirst Du spätestens in dem Moment bemerken, wenn Du Hilfe benötigst.

        Von einem ideologischen Fanatiker, der sich dadurch auszeichnet, dass er lediglich seinen Hass zum Ausdruck bringt, wirst Du keine erhalten. Von einem gläubigen Christen wirst Du zu jeder Zeit Hilfe erhalten, auch wenn Du vorher keinen Unterschied zwischen einem Christen und einem Fanatiker feststellen konntest.

    • Liebe Iris, ich definiere keine Begriffe, wenn ich nicht muss, und ich definiere sie erst recht nicht vor, wenn ich nicht muss. Mich interessiert das hier: Was beobachte ich/will ich beobachten/wie funktioniert X. Insofern würde ich die Frage gern umformuliert in die Runde werfen: Wie funktioniert Stress? Was beobachtest du, wenn du dich gestresst fühlst? Was sind die Bedingungen, die du beobachtest, wenn du Stress beobachtest? Kannst du verschiedene Arten von Reaktionen beobachten? Verschiedene Arten von Stress formen? Und die wichtigste aller Fragen: Wie gehst du mit Stress um?
      LG – G

  12. Womit Gittas Theorie bewiesen wäre. Erstaunlich, wie hier jeder versucht, jeden zu belehren, dass die Sicht des anderen auf die Dinge beengt oder falsch ist. Oha…. social experiment… Was tun wir, wenn jemand versucht, uns seinen Glauben, als einzig und allein seligmachende Lebenseinstellung zu präsentieren?

    Spannend.

    • Darf jemand seinen Glauben nicht als allein seligmachend präsentieren?
      Es kann zunächst ein nur Angebot sein,
      wie sie allenhalben auf dem Markt nach subjektiver Einschätzung als Patentrezepte feilgeboten werden, auch mit einer Siegel an Stolz und anhängenden Eitelkeiten.

      Muß man sich auf einen Handel einlassen, wenn kein Bedarf besteht?

    • Niemand ist gezwungen, den Aussagen glauben zu schenken, sie auch nur zu lesen, jedoch

      sagte ein Pastor einmal, als wieder jemand meinte, er glaube nicht, nicht an die Auferstehung und das Leben, an die Ewigkeit bei Gott, in seiner Liebe, dass er trotzdem sein ganzes Leben lang versuchen wird, dem S…, der Schl…, dem T… die Seelen zu entreißen, damit für alle Menschen seiner Gemeinde mit dem Tod das wahre Leben beginnt.

      • Das ist eine mir sehr fremde und merkwürdig jenseitig gerichtete Auffassung , daß erst „mit Tod das wahre Leben beginnen“ sollte.
        Was logischerweise auch zur Schlußfolgerung verleiten könnte,
        das diesseitige Leben im Hier und Jetzt sei völlig falsch und man müsse sich beeilen,
        Und selbstverständlich kann auf dieser Basis das diesseitige Leben auch ein Jammertal?

        Wie kommt das?

        Wenn man nämlich die Texte in der Bibel liest , die sich schließlich zunächst aus mündlich überlieferten und später aus schriftlich fixierten Aufzeichnungen rekrutieren, , dann könnte man durchaus auch auf etwas andere Gedanken kommen.

        Anders gefragt:
        Wozu sollten Menschen im Hier und Jetzt, im Diesseits leben und sich die Wartezeit auf das „wahre Leben“ nicht verkürzen? Besonders unter schweren Erkrankungen, unter teils grausamer Mühsal und Plagen.

        Sind wir nicht mittendrin im ewigen Leben, das es gerade im Hier und Jetzt als Herausforderung „mach’s Beste draus“ zu leben gelten könnte?
        Sind wir nicht im gesamten Leben vom Tod umfangen, der ja bei eingehender Betrachtung durchaus auch Sinn ergeben könnte?
        Was war denn eigentlich vor ihrer Geburt?
        Sind Sie zum gedudigen Ertragen von Strafe und Schuld auf diesem Planeten verdonnert worden?

        Sofern man die Texte und Gleichnisse genauer liest, die Auskunft geben über
        -die sich in einer Vielzahl von Paradoxien und Metaphern präsentieren –
        lassen sich auch eine Fülle von Parallelen und Kreuzungs-Phänomenen finden, die eher in die Richtung eines tradierten Erfahrungsschatzes der Menschheit und „sozialen Handbuchs“ im Umgang mit einander verweisen könnten?

  13. Gott ist der Herr, unveränderlich gestern, heute und in Ewigkeit. Sein Wort gilt, darauf kann sich jeder verlassen. Er herrscht in Gerechtigkeit. Jeder Mensch kann sich auf sein Wort verlassen. Es gibt kein ‚vielleicht‘. Wer Hilfe zugesagt bekommt, erhält sie, unveränderlich in Ewigkeit.

    Gott der Herr ist eins, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind eins und nicht zu trennen. Es ist der eine Gott, der alles geschaffen hat:

    Shema Yisrael Adonai Eloheinu Adonai Echad – HaAv and HaBen and HaRuach HaKodesh.

    Lange Zeit vor dem Menschen hat Gott das Himmelreich geschaffen mit den Ältesten, Lichtwesen und Engeln. Dann hat Gott das Weltall geschaffen, mit allem was darin ist, die Erde, die Tiere und den Menschen. Der Mensch wurde frei geschaffen, mit einem freien Willen, sich immer frei auf seinem Weg entscheiden zu können. Der Mensch lebte in Ewigkeit mit Gott im Paradies. In diese Ewigkeit mit ihrem Gott sehnen sich alle Menschen zurück, die suchen, den Sinn ihres Lebens auf der Erde hinterfragen oder bereits wieder Kontakt mit ihrem Schöpfer aufgenommen haben.

    Der Mensch wurde vom Herrn versorgt, es fehlte an nichts, in Ewigkeit, ohne Tod, Krankheit in der Liebe seines Schöpfers. Es gab jedoch Regeln, wie auch im Himmelreich bei allen Wesen. Jedoch der Mensch ließ sich von der Schlange verleiten, vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen zu essen, obwohl das Gebot eindeutig war: „Sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben.“

    Das Wort Gottes gilt. Der Mensch musste das Paradies verlassen und ist dem Tod und aller Mühsal unterworfen. Heute meinen vielleicht Menschen, das Leben sei doch ganz entspannt, es war aber bis vor wenigen Jahrzehnten ein reiner Überlebenskampf, dergestalt, dass sich sogar Waisenkinder, die ohne Hoffnung waren, auf den Weg nach Jerusalem machten und in anderen Teilen der Welt ist es auch heute noch ähnlich.

    Jedoch ist die Liebe Gottes grenzenlos und sein eigener Sohn hat sich geopfert, die Sündenstrafe des Menschen auf sich genommen, den Tod, wodurch die Gerechtigkeit Gottes erfüllt wurde. Gott selbst hat sich unser erbarmt und den Rückweg in Jesus Christus geöffnet. Alle Menschen, die sich in das Paradies zurücksehnen, in die Ewigkeit mit ihrem Gott, ohne Tod, Krankheit und Leid, können jetzt heimkehren. Das Opfer Jesu Christi muss nur für sich angenommen werden, dergestalt, dass man mit Jesus Christus in den Tod geht aber auch mit Ihm wieder aufersteht; wieder aufersteht als der Mensch, der früher im Paradies lebte, respektvoll und liebevoll aller Schöpfung gegenüber, selbst der kleinsten, die Regeln Gottes beherzigend, maßvoll leben, nicht den Konsum, nicht alles wegwerfen, denn wegwerfen bedeutet desintegrieren, meint Schöpfung dem Tod der Müllhalde zu übergeben, ohne Empathie, denn selbst Geringes verdient Respekt und Schutz.

    Der Vater vergibt durch das Opfer Jesu Christi die Sünden der Menschen, die zu Gott zurückkehren möchten, die ihre Sünden, ihre Schuld bereuen, die selbst ihren Schuldigern vergeben, da Gott ihnen ihre Sünden vergeben hat; C. S. Lewis: „Ein Christ zu sein bedeutet, das Unentschuldbare zu vergeben, weil Gott das Unentschuldbare in dir vergeben hat.“

    Im Glauben, dass Jesus Christus Gott selbst ist, für unsere Rettung gestorben und auferstanden, geschieht die Taufe der Buße, also der Umkehr in das neue Leben, das neue Leben in der Nächstenliebe, im Frieden mit seinen Mitmenschen leben und im Geist der Barmherzigkeit handeln. Jedoch,
    die Schlange existiert und gönnt es den Menschen nicht und viele Menschen hören auch heute noch auf die Schlange und nicht auf das Wort des Herrn. Viele Menschen glauben der Schlange auch deswegen, da ihnen die Schlange das Leben auf Erden in hellsten Farben zeichnet, mit viel Spaß und akzeptieren dafür den Tod ohne jeden Grund.

    Das Leben auf der Erde ist das Leben in der Verbannung. Seit Jesus Christus können alle Menschen im Tod mit Christus zum Vater zurückkehren. Das Leben auf Erden müssen die Menschen ihrem Herrn Jesus Christus übergeben, im Geist der Nächstenliebe leben, anderen helfen so lange es geht und sich so einen Schatz im Himmel schaffen.

    Jedoch,

    die Schlange existiert.

    • Islamismus in Westbalkan-Staaten
      Auswärtiges/Kleine Anfrage
      Berlin: (hib/AHE) Den radikalen Islamismus in Bosnien und Herzegowina und im Kosovo thematisiert die Fraktion Die Linke in einer Kleinen Anfrage (19/265 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/002/1900265.pdf). Die Abgeordneten erkundigen sich unter anderem nach Erkenntnissen der Bundesregierung zur möglichen Finanzierung muslimischer Gemeinden in beiden Ländern durch Saudi-Arabien und andere Golfstaaten mit dem Ziel, „die bisher dort vorherrschende gemäßigte Spielart des Islam durch eine radikalere Variante der eigenen wahhabitischen Prägung zu ersetzen“.

    • Auch Christen sind nicht frei von Ideologie: „Der „gerechte“ Krieg mutierte in der Propaganda beider Seiten zum von Gott befohlenen, „notwendigen“ Feldzug. Der Allmächtige selbst rief zu den Waffen, ging den Seinen voran in den Endkampf gegen die Mächte der Finsternis: „Gott ist’s der da streitet.“ Glaubenskampf war in diesen Flugschriften Christenpflicht: Wer vom Heiligen Geist „ein scharpffen Befelch“ zum Zuschlagen erhalten habe, dürfe nicht zögern.“ http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2017/05/glaube-macht-debatte-gruende-dreissigjaehriger-krieg

  14. Ich hab den Artikel überflogen. Wer die Schriften entsandte, Politiker oder Kirchenmänner, steht dort nicht wirklich drin, oder? Ist ja egal, wenn die Kirchenmänner es für guthiessen, dann stecken sie erst recht mit drin.
    Im Allgemeinen gibt es immer Beeinflussung, aus allen Ecken und von jedem.
    Was jedoch beim Christenglauben seelisch oder psychisch verankert blieb und ist bei mir, dass die Beeinflussung durch Angstmache stattfand. Daher kommen heutige Christusüberzeugte nicht mehr an. Die Angst, die unterschwellig auflebt, sobald man hört, Jesus oder Gott ist der wirklich einzigste Weg zum richtigen Leben, hindert ein sich einzulassen.
    Naja, was ich sage ist nicht neu.
    Es werden doch heute hier in diesem Lande nur die Leute drauf ansprechen, die schon irgendwie sich sprungbereit gemacht haben. Andererseits, zu anderen Zeiten als heute und hier, kann es zu einer erfolgreichen Manipulation werden. So steuere ich wie in deinem Beispiel die Leute sofern mir einfällt wofür.

    Das Dumme daran seinen Weg zu machen, ist, dass man sich wohl tief in die erstmal entschiedene Lehre oder Überzeugung oder wie man es nennen könnte, einarbeiten und sie beleben muss. Ich glaube ja noch, alle Wege führen nach Rom. Wenn dann wieder von woher eine andere Lehre winkt, bedeutet dass, man muss sich wieder die Bedeutung der bereits gesagten oder geschriebenen Worte erarbeiten, um festzustellen, was davon schon gelebt wird (hat bloss andere Worte) und was man für sich noch integrieren kann. In der Kirche wird m.E. eine eigene Sprache gesprochen. Das ist auch ein Grund, warum der Christusglaube heute attraktiv sein muss, um Leute anzuziehen. Gibt es eine Statistik über die Mitgliederzahl? Momentan sehe ich in der Überlieferung aus der Bibel ein Hinweis auf Denken und Handeln für die Beziehungen in der Familie, und das ist für alle anderen Beziehungen nicht zu unterschätzen.

  15. Bei Ideologien geht es auch immer um die Etablierung von geistig-intellektueller Deutungshoheit zum Zwecke der sozialen und politischen Machtübernahme (etwa Helmut Kohls legendäre „geistig-moralische Wende“ in den 1980er-Jahren).
    Ein aktuelles Beispiel liefert das jüngst erschienene Buch „Die lange Nacht der Metamorphose. Über die Gentrifizierung der Kultur“ von Guillaume Paoli (* 1959). Paoli ist ein deutschschreibender französischer Schriftsteller und Philosoph, der seit 1992 in Berlin lebt. Paolis Buch lässt sich lesen als philosophisch-essayistische Unterfütterung seiner Ablehnung jenes kulturellen Jetsets, der für ihn die als übermächtig und unwahrhaftig empfundene linksliberale Fortschrittserzählung von Emanzipation, Gleichberechtigung und Diversity verkörpert. Paoli schreibt: „Irgendwie wird jede*r vor die Wahl gestellt: entweder queer oder Pegida“. In Facebook und Co sieht Paoli den Kraken der Vereinheitlichung – einer schlechten Vereinheitlichung, denn wonach er eigentlich sucht, ist ein revolutionäres Klassensubjekt, das sich nicht mehr nach Minderheitsidentitäten ausdifferenziert, sondern sich als breite Gemeinschaft der Globalisierungsverlierer gegen den Neoliberalismus auflehnt.
    Daraus folgt meines Erachtens: An welche Ideologie, (Er)Lösungskonzepte und politischen Rezepte einer glaubt, wie er die Welt verändern möchte, ist meiner Meinung nach zunächst nachgeordnet. Erst einmal geht es darum, in einem Moment, in dem die alten Weltbeschreibungen nicht mehr greifen, die aktuelle Realität neu zu interpretieren und neue Zukunftsperspektiven jenseits existierender Grenzziehungen und eingefahrener Denkmuster zu eröffnen.

    • „An welche Ideologie, (Er)Lösungskonzepte und politischen Rezepte einer glaubt, wie er die Welt verändern möchte, ist meiner Meinung nach zunächst nachgeordnet.“
      Ja.

      • Danke! Was sagst du zum folgenden Satz: „Erst einmal geht es darum, in einem Moment, in dem die alten Weltbeschreibungen nicht mehr greifen, die aktuelle Realität neu zu interpretieren und neue Zukunftsperspektiven jenseits existierender Grenzziehungen und eingefahrener Denkmuster zu eröffnen.“

      • Verstehe. Ja, das gefällt mir.
        Eine Perspektive ist der Hinweis darauf, dass die Ideologie den Menschen nicht wie eine Bestie überfällt und er nichts damit zu tun hat, dass sie ihm passiert: Die Ideologie ist von Menschen gemacht, es sind Menschen, die im Kleinen und im Großen an ihrer Konstruktion beteiligt sind. Bewusstheit ist immer eine gute Idee und zwar eben nicht nur für die Gefahren, sondern auch für die Eigenleistung.

  16. Der Exodus (Auszug) der Israeliten aus Ägypten erfolgte ca. 1220 BC. Die Passage, an der das Rote Meer, genauer der Golf von Akaba überquert wurde, ist bereits vor Jahren entdeckt worden. Man fand auf der Unterwasser-Landbrücke von Korallen überwucherte menschliche Knochen und Räder ägyptischer Streitwagen im Sand. Ein dünner Goldbezug ist noch heute hervorragend erhalten.

    Für alle Interessierten in Deutsch oder umfangreicher in Englisch:
    https://www.zeitenschrift.com/artikel/moses-und-die-fluten-des-meeres-teilten-sich
    https://www.discoveryworld.us/biblical-discoveries/discovered-red-sea-chariot-wheels/

    Die Archäologie bestätigt nach und nach das gesamte Alte Testament und die dort enthaltenen Angaben. Es ist unveränderliche Wahrheit an Anfang an,

    denn,

    Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.
    Dieses war im Anfang bei Gott.
    Alle Dinge sind durch das Wort geworden, und ohne dieses ist nichts geworden von allem, was geworden ist.
    In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
    Und das Licht leuchtet in der Finsternis, doch die Finsternis hat es nicht ergriffen.
    Das Licht war da, das wahre, das jeden Menschen erleuchtet, es kam gerade in die Welt,
    es war in der Welt, und die Welt war durch ihn, der das Licht war, geschaffen worden, doch die Welt erkannte ihn nicht.
    Er kam in das Seine, doch die Seinen nahmen ihn nicht auf;
    allen aber, die ihn annahmen, verlieh er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, nämlich denen, die an seinen Namen glauben,

    jedoch,

    die Schl… existiert.

    • „Die Archäologie bestätigt nach und nach das gesamte Alte Testament und die dort enthaltenen Angaben. Es ist unveränderliche Wahrheit an Anfang an,
      denn,
      Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“

      Möglicherweise wurde der erste Teil des oben zitierten Satzes von der Archäologie bestätigt, doch nicht der zweite. Dieser bleibt Gegenstand der Theologie.

    • Jeder kann sich entscheiden, frei wählen zwischen der Stimme seines ihn liebenden barmherzigen allmächtigen Schöpfers, oder der Schlange, der Liebe oder der Empathielosigkeit, dem Leben oder dem Tod,

      so wähle denn jeder, für den der Tod nicht das Ende sein soll,

      die Stimme seines barmherzigen allmächtigen Schöpfers,
      den ihn liebenden Sohn Gottes, Jesus Christus, Gott selbst, Heiland und Retter,
      die Liebe, Nächstenliebe und Barmherzigkeit,
      das Leben,

      jedoch,

      überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird und Menschen gerettet werden sollen, gilt, die Schl… existiert und gönnt es den Menschen nicht:
      „Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?“

    • “ … und das Leben war das Licht der Menschen… “

      Frau Regine,

      haben Sie jemals dieses Licht mit eigenen Augen gesehen? Haben Sie jemals gesehen, was da aus dem Menschen heraustritt und leuchtet? Wissen Sie, von was Sie da schreiben, was es bedeutet, das Licht im Menschen ist?

      • Menschen sind Lichtwesen, es ist das Licht in der Seele, welches die Menschen benötigen, um leben zu können. Das Gegenbild ist die Depression, die Finsternis der Seele, wenn sich die Dunkelheit auf die Seele des Menschen herabsenkt; oder die vollkommene Finsternis, wenn das Bewusstsein entschwindet und die Seele im Totenbett liegt,

        jedoch,

        jeder kann sich frei entscheiden, für die Stimme seines ihn liebenden barmherzigen allmächtigen Schöpfers, oder der Schlange; für eine Gottesbeziehung oder der Empathielosigkeit, dem ewigen Leben

        oder dem Tod !

      • Ich glaube, so langsam wissen wir alle Bescheid und können diese kleine Demonstration abschließen.

      • Liebe Gitta, wolltest du nicht ab und an Unkraut jäten und den Garten hier sauber halten?
        Ich denke, damit kann man nun langsam anfangen.

        🙂

      • Ich denke, die Demonstration hat sich ausgeplätschert. Ich fand das ganz hilfreich und habe schon überlegt, ob mich jemand möglicherweise im Verdacht hat, dafür zu bezahlen 🙂

    • Tja, Germanisten et al. in die Koproduktion …

      “ O du Königsjungfer, da du gangest, wenn das deine Mutter wüßte, das Herz tät‘ ihr zerspringen“

      Es scheint schon eine besondere Krux der Sekundärliteraten sich -Tag aus Tag ein – mit den sekundierenden Vorgaben an Sekundärtugenden befassen zu müssen, die einem unter publish or perish unentwegt begegnen, ohne sich Hals über Kopf den Selbigen zu brechen.

      „Nicht die Kritik der Öffentlichkeit aus der Hilflosigkeit des Subjekts gehört zu ihren verbliebenen Möglichkeiten, sondern allenfalls das, was dem Subjekt von der Geschichte zugefügt wird, ohne daß dieses sich zur Wehr setzen könnte. Und hier hat dann auch das Märchen seine ästhetische Funktion, das in geschichtsloser Präsenz das Private im Politischen bewahrt, ähnlich wie alles Gesagte sich erst voll artikuliert im Verweis darauf, was es de facto verschweigt.“
      Karl Menges
      „Das Private und das Politische“
      ISBN 3-88099-186-3

      In memorial
      Meinem Bruderherz

      In memoriam

  17. PS:
    To WHOm IT may concern
    @# Minima formalia

    Auch dieses/dieser Blog bräuchte dringend eine Korrekturfunktion, um irgendwelchen bereits versandten Nonsense und seien es auch nur minimale grammatikalische Fehler nochmals Korrektur lesend überarbeiten zu können.

    • Eine Korrekturfunktion zerstört die Echtzeitentwicklung der Diskussion. Jeder könnte noch Wochen später seine Kommentare verändern und so die Chance verhindern, am Kommentarverlauf Analysen durchzuführen. Das ist gerade bei den Themen, die ich zur Untersuchung vorstelle, keine gute Idee. Es hat sich schnell gezeigt, dass wir auch in diesem Blog die Mechanismen beobachten können, die ich beschreibe. Auf ein solches sich selbst konstituierendes Sozialexperiment sollte man weder aus systemischer, noch aus künstlerischer Sicht betrachtet derartig Einfluss nehmen können. Aus Fehlern muss man lernen können, dafür sind sie da.
      Um zu unterbinden, dass Trolle oder Leute mit verbaler Inkontinenz die Entwicklung der Erkenntnisprozesse stören, wird dieser Blog vor- und umsichtig moderiert.

      • Tipp: Kommentare erst im Textverarbeitungsprogramm tippen, liegen lassen, dann überprüfen, kopieren, hier einfügen.

  18. @Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit und Konditionierung

    „Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit des Individuums, desto unwahrscheinlicher wird, dass sie/er sich „schnell ins Bockshorn jagen lässt“. Sie/er wird im Gegenteil eher die Ruhe bewahren und pluralistischer denken. Sie/er kann in Kontingenzen denken und Paradoxien verarbeiten, sie/er weiß um das Auch-Anders-Mögliche, und sie/er wird nicht so schnell auf die Idee kommen, in ideologischen Reduktionismus zu verfallen.“

    Könnte man eine geringe Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit auch als „Starre“ bzw. Bewegungsunfähigkeit des Systems bezeichnen? Und welchen Einfluss oder wie groß ist der Einfluss von Konditionierungen?
    Bei chaotischen empfundenen Zuständen, Entscheidungen etc. zieht man sich auf das Bekannte (Bestimmte?) zurück, bewegt sich nicht mehr als nötig zugunsten der Sicherheitsängste und gegen die Erlangung höherer Freiheiten?
    Um sich im Chaos wieder zu orientieren hält man nach dem Ausschau, was zu den eigenen Konditioniersungsmuster passt. Hier passt das gestern von Dir Gitta ( FB) gepostete:
    „Der Massenmensch ist der Mensch, der ohne Ziel lebt und im Winde treibt. Darum baut er nichts auf, obgleich seine Möglichkeiten und Kräfte ungeheuer sind.“ José Ortega y Gasset

    Ich meine, dass, was dann in die Masse passt (Konditionierungsmuster) führt wieder zur Starre des Systems und es wird sich nur an dem Bekannten (auch innerhalb des Systems) orientiert?

  19. Die Masse ist ein ideologischer Begriff von Intellektuellen, deren Menschenbild sich durch die verwendete Begrifflichkeit zeigt. Es existiert weder die Masse noch der Massenmensch, sondern nur der Mensch.

    Die Idee „höherer“ Freiheiten ist ein Denkmuster von abgesicherten Personen, die übersehen, dass nach der Maslowschen Bedürfnispyramide andere Menschen, deren Existenz infolge des Systems nicht mehr gesichert ist, keinerlei Interesse an illusionistischen Freiheitsvorstellungen besitzen.

    Die Desintegration einer gesamtgesellschaftlichen Sozialstruktur, dergestalt, dass zugunsten des Profits versicherungspflichtige Arbeitsplätze und Sozialsysteme abgebaut werden, führt zur Destrukturierung einer Gesellschaft. Die Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit verschiedener Menschen ist unterschiedlich, daher müssen die gewählten Verantwortlichen darauf Rücksicht nehmen und für alle Menschen ihres Landes ein System bereitstellen, welches nicht Teile der Bevölkerung ausschließt. Wenn das System erstarrt, bedeutet dies das Komplettversagen der demokratisch gewählten Vertreter, die für das Funktionieren des Systems verantwortlich sind. Wenn sich Menschen im Chaos orientieren müssen, dann ist dies bereits der Offenbarungseid der Elite. Die Starre des Systems liegt nie an den Menschen im System, sondern immer nur am System.

    Die Anklage einfacher Menschen, an der Erstarrung eines Systems schuld zu sein, ist die Absurdität in Vollendung. Das Zitat von José Ortega y Gasset wird nicht dadurch wahr, indem man es weiter verbreitet, denn Menschen haben immer Träume und Ziele.

    • Liebe Regine, dem aufmerksamen Leser dieses Blogs und seiner Artikel sollte es nicht entgangen sein, dass es beim systemischen Denken auch darum geht, sich von „feststehenden“ Begriffen/ Modellen (ontologisches Denken) wegzubewegen statt mit „die Dinge sind so und so oder auch nicht“ eine Diskussion führen zu wollen, die sich nur an den eigenen bisherigen Denkmodellen orientiert und andere nicht zulässt.
      Ich beziehe mich in meinem obigen Beitrag auf einen Begriff von System, der wunderbar im neuesten Artikel dieses Blogs beschrieben wird. Auch das könnte einem interessierten Leser auffallen, so er denn liest. Das ist wichtig. Man sollte schon gewillt sein, etwas anderes als das bisher Bekannte zu denken, oder zumindest die Möglichkeit, dass die Dinge anders sein könnten, in Betracht ziehen.
      Die Starre (d)einer Weltanschauung – zeigt sich am eigenen Denken – je starrer desto größer die Wahrscheinlichkeit ideologisch zu werden.

    • Mein Kommentar bezieht sich auf den Begriff System; wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Etwas anderes als das bisher Bekannte zu denken erfolgt stets, wenn eigene Thesen auf Widersprüche untersucht werden. Dein Kommentar hat keine meiner Aussagen widerlegt oder auch nur angesprochen, was ich als Hinweis darauf nehme, dass alles richtig ist.

      Es ist immer das selbe Gerede von:
      „eigenen bisherigen Denkmodellen orientiert und andere nicht zulässt.“
      „Die Starre (d)einer Weltanschauung“
      “ je starrer desto größer die Wahrscheinlichkeit ideologisch zu werden“,

      also lediglich Despektierlichkeit ohne ein einziges sachliches Argument oder eine Widerrede. Dein Zitat von José Ortega y Gasset „Der Massenmensch ist der Mensch, der ohne Ziel lebt und im Winde treibt“ zeigt eine undemokratische Sicht auf Menschen. Allein der Begriff Massenmensch (der dann ohne Ziel im Winde treibt) ist desintegrierend für jeden Leser, der Empathie für seine Mitmenschen besitzt. Was Du als „Masse“ bezeichnest, sind Menschen, die ihre Hoffnungen, Träume, Wünsche und Ziele haben; alle ein Recht auf ihren Platz im System haben.

  20. interessant, ich wollte meinem Kommentar eben noch etwas hinzufügen. Und zwar, dass ich durchaus nachvollziehen kann, was du sagst. Denn, es ist ist nicht allzu lange her, dass ich ebenso gedacht, gehandelt habe.
    Warum sollte ich widersprechen oder Aussagen widerlegen, wenn wir nicht von ähnlichen Begriffsverständnissen, wie z. Bsp. „was ist ein System?“ ausgehen?
    Du bist bereits gefragt worden, was du unter (dem) System verstehst, leider hast du darauf nicht geantwortet. Es ist offensichtlich, dass du mit System etwas anderes meinst als hier besprochen wird und das die Phänomene der kulturellen, politischen Entwicklung zugeordnet werden.
    „Etwas anderes als das bisher Bekannte zu denken erfolgt stets, wenn eigene Thesen auf Widersprüche untersucht werden.“ – auch das hast du mehrmals geäußert und rückst keinen Zentimeter davon ab. Wenn man seine eigenen Thesen nicht selbst auf Widersprüche untersucht, sondern dies von Außen (mir in dem Falle) abhängig macht, kann man zu keiner anderen Erkenntnis kommen als jene, die nur sich selbst bestätigt. Keine Veränderung.

    Du beharrst auf (nur) Deine Sichtweise, so ist kein konstruktives (Streit)Gespräch möglich.

    • Liebe Kathleen, ich verstehe schon Deinen Ansatz, nur ergibt er keinen Sinn.

      Im Gleichschritt Marsch 1: Die Funktion der Ideologie:
      „Welt begreife ich als System und Umwelt.“ daraus folgt, System ist Welt ohne Umwelt, also die Realität, in die sich eine Person integrieren muss. Die Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit einer Person hat keinerlei Einfluss auf das System, da das System das System der Welt ist, ohne Umwelt, oder das System einer Teilwelt, also einem historisch gewachsenen System ganzer Staaten, deren Bevölkerungen und deren Wirtschaftssystemen, die von Individuen unveränderbar sind.

      Das bedeutet, dass alle Schlussfolgerungen, eine geringe Komplexitätsverarbeitungsfähigkeit der im System lebenden Menschen würde das System beeinflussen können, aufgrund ihrer Konditionierungsmuster (simpler Art, wie Deiner Aussage „was dann in die Masse passt“ zu entnehmen ist), zur Starre des Systems führen, keinen Sinn ergeben.

      Allgemein gilt, wenn Thesen zur Diskussion gestellt werden, sie keinen Widerspruch erhalten, gelten sie als wahr. Da keine Gegenrede erfolgte, wurden sie demnach bestätigt. Ein konstruktives Streitgespräch ist jedoch tatsächlich nicht möglich, da nie weiterführende Sachargumente angeführt werden. Dies ist dann Dein Konditionierungsmuster dergestalt, welches Du immer anderen unterstellst.

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